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Unglückliche THW-Niederlage in Magdeburg

Bundesliga

Unglückliche THW-Niederlage in Magdeburg

Der THW Kiel hat im Titelrennen der DKB Handball-Bundesliga einen herben Rückschlag erlitten. Beim DHB-Pokalsieger SC Magdeburg verloren die "Zebras" am Mittwochabend mit 28:29 (15:12) und büßten damit nicht nur zwei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft ein, sondern mussten auch die SG Flensburg-Handewitt in der Tabelle vorbei ziehen lassen. In einer dramatischen Schlussphase sicherte SCM-Torhüter Dario Quenstedt den Gastgebern mit zahlreichen Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter nach dem Schlusspfiff den Erfolg. Bester Kieler Torschütze war Domagoj Duvnjak mit sieben Treffern, für die Magdeburger war Michael Damgaard neun Mal erfolgreich.

Traumstart dank Duvnjak

Die Kieler erwischten in der ausverkauften Getec-Arena einen Traumstart: Nach der emotionalen Einlaufshow der Gastgeber, die erstmals den vor zwei Wochen gewonnenen DHB-Pokal in ihrer heimischen Arena präsentierten, profitierten sie dabei von zwei Faktoren. Zum einen leisteten sich die Magdeburger eine Vielzahl an Fehlwürfen, zum anderen war Domagoj Duvnjak hellwach: Nach dem 0:1 war es der THW-Motor, der mit einem Hüftwurf, einem Kracher und einem feinen Wackler die 3:1-Führung für den THW Kiel erzielte. Kurz darauf bediente Niklas Landin mit einem weiten Pass Dominik Klein, der zum 4:1 einnetzte. Nach sechs Minuten war der gefürchtete Hexenkessel nur ganz leise am Köcheln. Und das blieb zunächst auch so: Denn mit einem Strahl aus zehn Metern machte Duvnjak das 6:3, dem Ilija Brozovic nach einem tollen Pass des hart bedrängten Patrick Wiencek das 7:3 folgen ließ. 

Drei-Tore-Führung zur Pause

Doch dabei blieb es nicht, denn auch die Kieler machten nun Fehler. Die Folge: Vier Tore des SCM in Folge, beim 7:7 (18.) waren auch die Magdeburger Fans wieder da. Es wurde hektisch: Jaanimaa bekam für ein Nachkarten zwei Minuten, Musa stellte Wiencek ohne Ahndung ein Bein. Nun waren es vor allem die Siebenmeter von Niclas Ekberg, die die "Zebras" im Spiel hielten: Gleich drei Strafwürfe verwandelte der Schwede zwischen der 23. und 28. Minute. Beim letzten Versuch vor der Pause blieb Dario Quenstedt auf der Linie stehen, konnte aber das 13:12 für den THW nicht verhindern. Und die "Zebras" legten nach: Klein bewies im Gegenstoß viel Übersicht und bediente Wiencek, der zum 14:12 einnetzte. Nach einem ins Aus geworfenen Pass der Magdeburger war es dann Marko Vujin, der kurz vor dem Wechsel das 15:12 erzielte. Spannende 30 Minuten waren da gespielt - dramatische weitere 30 Minuten standen vor Fans und "Zebras".

Weber und Damgaard drehen auf

Denn auch nach dem Wechsel gelang es den Kielern nicht, aus Magdeburger Fehlern entscheidend Kapital zu schlagen. Auch, weil die "Zebras" den SCM mit eigenen Fehlern zurück ins Spiel brachten. So landeten nach Vujins Zehn-Meter-Tor zum 16:12 gleich zwei Anspiele an den Kreis direkt beim Gegner, was die Grün-Roten zum 15:16-Anschluss nutzten. Zwar gelang es dem THW Kiel, mit einem Vujin-Doppelschlag zu kontern, doch abschütteln ließ sich der Pokalsieger nicht mehr. Vor allem Damgaard war kaum zu stoppen, selbst nicht durch eine Manndeckung. Nach dem Wechsel drehte auch der SCM-Haupttorschütze Robert Weber auf: Alle seine acht Treffer erzielte der Österreicher nach dem Wechsel. Er war es auch, der nach Duvnjaks 20:17 (42.) und dem 19:20 durch Zelenovic sein Team nach der erneuten Kieler Vorlage im Spiel hielt. Wiencek reagierte bei einem Abpraller gedankenschnell und netzte zum 22:21 (48.) ein, wurde von Quenstedt dabei gefoult. Die Zwei-Minuten-Strafe gegen den im zweiten Durchgang überragenden Keeper sorgte endgültig für Feuer unter dem Hallendach. 

Jetzt das Derby

Durch die Niederlage in Magdeburg wartet der Rekordmeister im Kalenderjahr 2016 noch immer auf einen Bundesliga-Auswärtssieg. Zuvor hatten die "Zebras" in Hannover und Balingen jeweils ein Remis erkämpft. Jetzt müssen die THW-Fans den "Zebras" am Sonntag richtig helfen: Um 17:30 Uhr empfangen sie den ewigen Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt zum sechsten Duell dieser Spielzeit in der Kieler Sparkassen-Arena. Dabei geht es für den THW Kiel auch um den für die direkte Champions-League-Qualifikation so wichtigen Platz zwei, den der THW Kiel durch das Resultat von Magdeburg und den zeitgleichen Erfolg der Flensburger in Melsungen an die SG verloren hat. Die Sparkassen-Arena ist seit Monaten ausverkauft, live mitfiebern können schwarz-weiße Fans ohne Tickets bei Sport1 und am Ticker auf der THW-Homepage. Platz drei gegen Platz zwei - Sonntag ist wieder Spitzenspiel-Derby-Zeit! Auf geht's, Kiel!

Dahmke gleicht nochmal aus

Auf der Gegenseite nutzte Weber ein Siebenmeter-Geschenk zum 22:22-Ausgleich. Noch einmal legte der THW durch Duvnjak und Kleins Gegenstoß mit einer Zwei-Tore-Führung nach, doch der SCM reagierte postwendend. Damgaard verwandelte eine Schnelle Mitte, dem Kieler Angriff unterlief ein Fehlpass, und Weber traf zum erneuten Ausgleich. Acht Minuten vor dem Ende waren die Gastgeber am Drücker, doch die Kieler wehrten sich nach Kräften. Legten bis zum 26:25 durch Wiencek (55.) vor, doch dann neigte sich die Waage: Grafenhorst glich aus, Quenstedt parierte, und Nationalspieler Lemke nagelte den Konter zum 27:26 in den Kieler Kasten. Alfred Gislason beorderte nun Dominik Klein auf die Mittelposition, um dem Angriff mehr Schwung zu verleihen. Der nach dem Wechsel stark aufspielende Vujin glich aus, Weber verwandelte einen Siebenmeter zur erneuten Führung, und Dahmke markierte das 28:28. Da waren noch 145 Sekunden zu spielen. 

Quenstedt hält finalen Siebenmeter

Eine Minute später griff sich Weber einen unglaublichen Pass von der gegenüberliegenden Kreisseite und netzte zum 29:28 ein. Doch noch war genug Zeit für die "Zebras", zumindest zum Ausgleich zu kommen. Beim Klein-Hammer, den Quenstedt mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte, fehlte ihnen das Glück. Auf der anderen Seite nahm Bezjak die Wurffalle an, traf aber ebenfalls nur die Latte. 20 Sekunden vor dem Ende bot sich den Kielern also noch einmal die Chance, einen ganz wichtigen Punkt in Sachsen-Anhalt zu holen. Ekberg kam zum Wurf, wurde von Grafenhorst dabei gefoult, Quenstedt hielt. Das Unparteiischen-Duo Pritschow/Pritschow entschied folgerichtig auf einen Siebenmeter für den THW Kiel. Ein Kieler Happy End? Nein. Quenstedt entschärfte nach dem Schlusspfiff den finalen Wurf des zuvor so sicheren Ekberg. Aus.