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Deutscher Meister! Der THW Kiel feiert den 20. Titel

Der THW Kiel hat es geschafft: Mit einem 33:29 (18:12) gegen den TBV Lemgo holten sich die "Zebras" am Freitagabend ihren 20. deutschen Meistertitel. Vor 10.285 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena und rund 3.000 Fans beim Public Viewing auf dem Rathausplatz ließen die Kieler im letzten Saisonspiel nichts mehr anbrennen und verwiesen die Rhein-Neckar Löwen auf den zweiten Platz. 

Jicha verletzt nicht dabei

Souverän spielte der THW Kiel sich zum 20. Titel.
© Sascha Klahn

THW-Trainer Alfred Gislason musste im letzten Saisonspiel auf seinen Kapitän Filip Jicha verzichten, der verletzt passen musste. Trotzdem führte er die "Zebraherde", die zur Feier der Saison ausnahmsweise mit ihren einzelnen Mitgliedern in die Arena gerufen wurde, aufs Feld. Mit dem Anpfiff übernahm der THW die Initiative, führte schnell mit 2:0. Satte sechs Minuten dauerte es, bis die Gäste das erste Mal trafen. Die Kieler agierten aus einer starken Abwehr heraus, die mit zahlreichen Ballgewinnen ein schnelles Spiel ermöglichte. Und trotzdem: Richtig absetzen konnten sich die Kieler nicht.

Meisterschaft zur Pause schon in greifbarer Nähe

Das änderte sich nach elf Minuten und Schneiders Anschluss zum 4:5: Vujin erhöhte, Palicka parierte einige Bälle, Weinhold erzielte nach einem großartigen Wackler das 7:4, und Aron Palmarsson drosch in seinem letzten Spiel für den THW den Ball mit 103 km/h in den Winkel. Zwei Minuten - drei Tore: Die Meisterschaft rückte immer näher. Erst Recht, als Wiencek nach Schneller Mitte und der starke Dahmke nach einem Traumangriff über den ebenfalls stark aufspielenden Niclas Ekberg zum 10:5 (17.) traf. Ein Vorsprung, den die Kieler bis zur Pause sogar noch auf sechs Tore ausbauten.

"Die Nummer eins im Land sind wir"

Da ist das Ding!
© Sascha Klahn

Nach 35 Minuten schalteten die Fans des Rekordmeisters erstmals in den Feiermodus: "Die Nummer eins im Land sind wir", sangen sie - aber die Gäste wollten die Party noch ein wenig stören. Sie ließen sich nicht abschütteln und verkürzten in der 40. Minute in Unterzahl auf 19:22, ehe Sprenger einen Gegenstoß verwandelte und wieder für ruhigere Gesichter auf den Rängen sorgte. Derweil feierten auf dem Rathausplatz rund 3.000 Fans das 24:20 durch Henrik Lundström, bejubelten jeden Treffer und stimmten sich schon einmal auf die abendliche Feier ein, die nach dem finalen Tor begann. Mit leuchtenden Ballonen zeichneten die Kieler die bisherigen 20 Meisterschaften nach, und Hein Daddel brachte mit dem ehemaligen Kapitän Marcus Ahlm die Meistertorte in die Arena, unter der sich das Objekt der Begierde versteckte. Als der HBL-Präsident Uwe Schwenker um 21.40 Uhr die glänzende Meisterschale an Filip Jicha überreichte, startete die lange Partynacht an der Förde.

15.000 feiern den Meister

Mit Frack und Zylinder präsentierten sich die "Zebras" den gut 15.000 THW-Fans auf dem Rathausplatz.
© Sascha Klahn

Nach der offiziellen Meisterehrung in der Sparkassen-Arena zog es die "Zebraherde" am späten Abend auf den Kieler Rathausplatz, wo sie die Jubiläums-Schale rund 15.000 Fans präsentieren und auf der NDR 2-Bühne den 20. Meistertitel gebührend feierten. Mit Frack und Zylinder bekleidet, machten die Spieler des THW Kiel die Nacht zum Tag. Rune Dahmke nahm ein Bad in der Fanmenge und rappte mit Steffen Weinhold seinen Einstandssong. Am Sonnabend versammelten sich alle THW-Spieler, die nicht bereits zu Nationalmannschafts-Lehrgängen abreisen mussten, zum Saisonausklang im größten Biergarten der Stadt, der Forstbaumschule. Deutscher Meister 2015!

KN: Zebras zelebrierten 20. Meisterschicht

Kiel. Es ist vollbracht: Mit einem souveränen 33:29 (18:12)-Heimsieg gegen den TBV Lemgo machte der THW Kiel gestern seine 20. Meisterschaft in der Handball-Bundesliga perfekt. Da spielte auch der 32:27-Erfolg der Rhein-Neckar Löwen beim SC Magdeburg keine Rolle mehr – mit zwei Punkten Vorsprung auf die Badener überschritten die Zebras die Ziellinie und starteten in eine lange Partynacht.

Die 20 hing an der Decke, im Foyer warteten 20 Luftballons darauf, mitfeiern zu dürfen. Weiße, die in schwarzen Zahlen jene Jahre auflisteten, in denen die Zebras Hallenmeister geworden sind. Von 1957 bis heute. Auf dem Rathausplatz hatten sich schon eine Stunde vor dem Anpfiff die Ersten beim Public Viewing eingefunden. Auch Dominik Klein stattete dem natürlichen Lebensraum für feiernde Zebras einen Besuch an, um ein erstes Mal "Humba tätärä" anzustimmen. Dann machte sich der verletzte Linksaußen im Wissen auf dem Weg zur Halle, dass sein operiertes Kreuzband den einen oder anderen Tanzschritt aushalten würde.

In der mit 10285 Zuschauern ausverkauften Arena machte sich schon lange vor dem Anpfiff Partystimmung breit, obwohl die endgültige Entscheidung noch gar nicht gefallen war. Sicher, die Zebras hatten zwei Punkte und 25 Tore Vorsprung auf die Löwen. In die Wehrhaftigkeit seines Ex-Klubs SC Magdeburg hatte Alfred Gislason aber wenig Vertrauen. "Für den SCM ist dieses Spiel nur eine Saisonabschlussparty", sagte der Trainer, den seine Kollegen und die Manager der 19 Bundesligisten zum Trainer des Jahres gewählt hatten.Tatsächlich hatte der SC Magdeburg den vierten Platz längst in der Tasche, die Qualifikation für den EHF-Cup stand nach Jahren der Tristesse damit fest - der wiederbelebte Traditionsverein aus Sachsen-Anhalt, das war klar, hatte kein großes Interesse an einer Löwenjagd.

Mit einem klaren Auswärtssieg der Badener war zu rechnen, doch den Gang auf den Rathausbalkon hätte nur eine Niederlage der Kieler verhindern können. Eine deutliche. In den Annalen findet sich in einem von der Zeit vergessenen Ordner ein Ergebnis, das sich am gestrigen Abend hätte wiederholen müssen, um den Löwen den ersten Meistertitel zu bescheren. Wann? Wie hoch? Am 6. Mai 1979 unterlag der THW dem TV Großwallstadt 17:26. Eine Niederlage mit neun Toren, höher hatten die Zebras in eigener Halle seit knapp vier Jahrzehnten nicht verloren. An eine Wiederholung glaubte niemand. Auch gegen den TBV Lemgo nicht, der die Kieler zu Saisonbeginn mit 27:21 besiegt und in einen Tabellenletzten verwandelt hatte.

Bevor die letzten 60 Minuten begannen, verabschiedete der THW Jugendkoordinator Raul Alonso (wird Trainer des österreichischen Erstligisten Schwaz) und Kreisläufer Fynn Ranke (wechselt mit Rückkehroption zum VfL Bad Schwartau), Klein überreichte die Geschenke an die sichtlich Gerührten. Auch für Holger Fleisch und Jürgen Rieber sollte es ein besonderer Abend werden, eines der besten deutschen Gespanne pfiff sein letztes Spiel.

Die Bald-Meister liefen einzeln ein. Angeführt von Filip Jicha, der wegen einer Schambeinentzündung geschont wurde. Die Zuschauer erhoben sich und feierten jeden THW-Spieler, auch Klein, der im Trikot auflief. Als das letzte Saisonspiel dann endlich starten durfte, wurde schnell klar, dass es wenig Sinn hatte, sich über Zwischenstände aus Magdeburg zu informieren. Angeführt von Domagoj Duvnjak, an dem laut spanischer Medien der FC Barcelona großes Interesse hat, stand die Deckung sicher. Und im Angriff nistete sich der Spielwitz ein - nach 20 Minuten lag der THW bereits mit 11:6 vorne. Der TBV, der sich am vorletzten Spieltag mit einem 45:26-Kantersieg gegen den HSV vor dem Abstieg rettete, mühte sich. Doch die Gelegenheit, zum Spielverderber zu werden, gab ihm der Gastgeber bis zum Ende nicht.

Wie geht es weiter? Heute treffen sich die Zebras, die nicht umgehend zu ihren Nationalmannschaften abberufen worden sind, ab zehn Uhr in der Forstbaumschule, um dort mit den Fans die Tagschicht im Partymarathon zu beginnen. Mit der Schale, bei Freibier.

(Von Wolf Paarmann und Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 06.06.2015)

KN: Partyticker

19.00 Uhr: Der Rathausplatz füllt sich nur langsam, Kiel ist gespalten: Taufe oder THW?

19.30 Uhr: Die Bedienungen an den Bierwägen kommen ins Schwitzen. Könnte auch an den Temperaturen liegen. 

19.55 Uhr: 1000 THW-Fans versammeln sich kurz vor Anpfiff – das Luftholen vor der Feier ist fast hörbar. 

20.13 Uhr: Der TBV Lemgo erzielt den 4:5-Anschluss, die THW-Fans tiefenentspannt. 

20.20 Uhr: Klarer Fall: Wenn Rune Dahmke trifft, wie zum 10:5, ist der Jubel immer lauter. Wie wird der Kieler Jung' wohl erst hier auf dem Rathausplatz empfangen? 

20.36 Uhr: Pflichtbewusstes Klatschen zur Halbzeit: Hier brennt nichts an.

20.42 Uhr: Pausen-Blitzumfrage: "Schön, dass es entspannter ist als letztes Jahr", sagt Steffen Geidus. Dafür erwarte er mehr Party-Power von der Truppe – schließlich kam 2014 das Champions-League-Final4 erst nach Bundesliga-Schluss. "Jetzt wollen wir noch ein paar schöne Tore von der Mannschaft", verlangt Jana Tank, und dann eine "Riesenparty". Um elf Uhr soll das Team spätestens auf dem Balkon stehen, wünscht sich Traditionsfan Dieter Orberger. Leider sei ja um zwölf Uhr Schluss. Lärmschutz kann dem härtesten Fan die Laune vermiesen.

21.00 Uhr: Der Klassiker: Punkt neun Uhr werden die Meisterschalen verteilt. Natürlich die aus Pappe.

21.15 Uhr: Wohl 4000 Fans sind es hier mittlerweile, die den THW hochleben lassen. Und auch die 29:24-Führung gibt allen Grund dazu. 

21.27 Uhr: Abpfiff und die dröhnende Ansage aus den Boxen: "Damit ist es vollbracht, der THW Kiel ist deutscher Meister 2015!" Es brandet riesiger Jubel auf.

22.00 Uhr: Die Zebra-Feiermeute auf dem Rathausplatz tanzt sich warm. Sie kann ihre Helden kaum erwarten.

22.15 Uhr: Tosender Applaus unterdessen für die Abgänger in der Halle. Bierdusche für Alfred Gislason im TV-Interview. Filip Jicha kündigt an: "In einer halben Stunde sind wir auf dem Balkon!"

 23.09 Uhr: Es gibt nur einen THW-Entertainer: Dominik Klein. Er heizt die Menge ein und vereinnahmt das Mein-Schiff-Feuerwerk für den THW.  

(Von Niklas Wieczorek, aus den Kieler Nachrichten vom 06.06.2015)

Spielstatistik

THW Kiel - TBV Lemgo: 33 : 29 (18 : 12)
Bundesliga 34. Spieltag, 05.06.2015
THW Kiel
Palicka (1.-52., 10 Paraden), Sonne (52.-60., 2 Paraden); Duvnjak, Lundström (3), Toft Hansen (1), Sprenger (4), Weinhold (2), Wiencek (3), Ekberg (3), Lauge (4), Cañellas (3/2), Dahmke (2), Palmarsson (3), Vujin (5); Trainer: Gislason
TBV Lemgo
Beutler (1 Siebenmeter, 0 Paraden), Dresrüsse (1.-60., 14 Paraden); Bechtloff (3/2), Ebner (1/1), Hornke, Suton (2), Schneider (3), Hermann (2), Lemke (2), Nielsen (1), Herth (2), Haenen (4), Höning (1), Niemeyer (5), Pöhle; Trainer: Kehrmann
Schiedsrichter
Holger Fleisch / Jürgen Rieber
Zeitstrafen
THW: 0 ;
TBV: 2 (2x Suton (12, 39.)
Siebenmeter
THW: 2/2;
TBV: 5/3 (Haenen vorbei (21.), Palicka hält Haenen, der den Nachwurf verwandelt (26.))
Spielfilm
1. HZ: 3:0 (6.), 3:1 (6.), 5:2, 5:4 (11.), 8:4 (15.), 8:5, 10:5 (17.), 11:6, 13:7, 14:8 (24.), 15:9, 16:10 (27.), 18:11, 18:12;
2. HZ: 22:19 (40.), 24:20 (43.), 26:22 (46.), 28:23 (50.), 31:25, 31:28 (58.), 33:29.
Zuschauer
10.285 (ausverkauft) Sparkassen-Arena, Kiel

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