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THW Kiel feiert souveränen Heim-Abschluss

Update #2 KN-Bericht

Der THW Kiel hat zwei wichtige Punkte im Kampf um Platz drei eingefahren. Gegen den HC Erlangen nahmen die "Zebras" eine Halbzeit lang Anlauf, um letztlich einen souveränen 30:22 (12:10)-Erfolg einzufahren. 10.285 Zuschauer feierten einen spielfreudigen Rekordmeister, bei dem Christian Dissinger mit acht Treffer herausragte. Ebenfalls stark: Lukas Nilsson (6) und Keeper Niklas Landin. Der "Beste Torhüter der Saison" parierte drei Siebenmeter der Gäste. Im Anschluss an die Partie verabschiedete Kiel mit Ilija Brozovic, Blazenko Lackovic und Christian Sprenger drei verdiente Spieler.

Viel Tempo und ein überragender Dissinger

Die Kieler starteten mit viel Tempo in die Partie, hatten anfangs aber noch mit Ungenauigkeiten zu kämpfen. Einer aber ging von Beginn an voran: Christian Dissinger. Der in dieser Spielzeit lange verletzte Rückraumspieler drehte richtig auf, traf zum 3:2 in den Winkel, holte sich an der Mittellinie einen verloren geglaubten Ball und netzte zum 5:2 ein, um von Halbrechts gleich noch das 6:2 nachzulegen. Oder er bediente den erneut starken Patrick Wiencek, wie vor dem 8:3. Es schien zu laufen bei den Zebras, die auch nach Vujin 102-km/h-Wurf zum 10:5 klar vorn lagen. Dann aber nahmen sie sich wieder eine Auszeit: Neun Minuten blieben die Kieler ohne Tor, Erlangen nutzte diese Schwäche-Periode, um bis auf zwei Tore zu verkürzen. Und so gingen die "Zebras" nur mit einem 12:10-Vorsprung in die Halbzeit.

Tollhaus Sparkassen-Arena

Direkt nach dem Wieeranpfiff jagte Jonas Thümmler den Ball gar zum 11:12 ins Netz. Gut, dass sich der zuletzt gescholtene Rückraum heute in guter Verfassung präsentierte: Lukas Nilsson, Vujin, Dissinger - dreimal in Folge hämmerten die Kieler den Ball mit mehr als 100 km/h ins Netz. Und hinten? Da war Niklas Landin nach 33 Minuten gekommen und zeigte, warum er zum "Besten Torhüter der Handball-Bundesliga" gewählt wurde: Stranovsky, Herbst und auch der Bald-Kieler Ole Rahmel scheiterten vom Siebenmeterstrich am dänischen Olympiasieger, der mit seiner Parade auch den Auftakt für die vorentscheidende Phase bereitete: In Unterhal traf Nikola Bilyk zum 16:13, Bilyk bediente Wiencek: 17:13. Landin parierte gegen den freien Rahmel, Dissinger schraubte sich zum 18:13 (39.) in die Luft. Die Halle glich nun dem berühmten Tollhaus. 

Sprengers Abschied: "Anlauf für eine großartige Zukunft"

Erst recht, als Christian Sprenger auch in seinem letzten Heimspiel traf: Er netzte in der 44. Minute von Außen zum 21:15 ein, stehende Ovationen waren die Folge. Und diese verdienten sich alle Zebras auch in der Folge: Die klare Führung war offenbar wie ein Brustlöser, immer wieder pushten sich Fans und Spieler gegenseitig: Mit einem 3:0-Lauf zum 25:16 (49.) war die endgültige Entscheidung gefallen, und am Ende machten die beiden besten Torschützen das Endresultat klar: Dissinger traf zum 29:22, und Nilsson machte das 30:22 - der Auftakt für die Feierlichkeiten zum Heim-Saisonabschluss, bei denen die Kieler Handball-Stars gemeinsam mit ihren Fans feierten. Denen gab Christian Sprenger, der wie Blazenko Lackovic und Ilija Brozovic in einer emotionalen Zeremonie verabschiedet wurde, Zuversicht mit auf den Weg: "Viele haben gesagt, diese Saison war ein Rückschritt. Ich sage Euch: Diese klasse Mannschaft hat Anlauf genommen für eine großartige Zukunft mit vielen Titeln." 

Letztes Saisonspiel in Balingen

Für den THW Kiel endet die lange Saison mit dem 58. Pflichtspiel am kommenden Sonnabend: Um 16 Uhr empfängt der HBW Balingen-Weilstetten die Zebras in der engen Balinger Sparkassen-Arena. Das Ziel für die Kieler ist klar. Sie wollen auch dort gewinnen, um keine Zweifel an Platz drei aufkommen zu lassen. Danach zerstreuen sich die Schwarz-Weißen in alle Windrichtungen: Zum Teil geht es für die Nationalspieler direkt aus Stuttgart zu den Nationalmannschaften - die EM-Qualifikation steht an. Zuvor heißt es aber noch einmal 60 Minuten Vollgas geben für den THW Kiel!

Spielstatistik

THW Kiel - HC Erlangen: 30 : 22 (12 : 10)
Bundesliga 33. Spieltag, 03.06.2017
THW Kiel
Landin (33.-60., 8/3 Paraden), Wolff (1.-33., 7 Paraden); Firnhaber (n.e.), Lackovic, Sprenger (1), Dissinger (8), Wiencek (5), Ekberg (1), Zeitz, Dahmke (3), Brozovic, Vujin (6/1), Bilyk (1), Nilsson (5); Trainer: Gislason
HC Erlangen
Huhnstock (41.-52., 0 Paraden), Katsigiannis (1.-41. und 52.-60., 8 Paraden); Theilinger, Bayer (3), J. Link (3), Guardiola (1), Herbst (2), Haaß, Rahmel (1), Stranovsky (4/1), Horak (1/1), N. Link (3), Thümmler (4); Trainer: Andersson
Schiedsrichter
Hanspeter Brodbeck / Simon Reich
Zeitstrafen
THW: 3 (Dissinger (2.), Wiencek (18.), Brozovic (35.));
HCE: 4 (Rahmel (5.), 2x N. Link (28., 52.), Thümmler (43.))
Siebenmeter
THW: 2/1 (Ekberg an den Pfosten (5.)) ;
HCE: 5/2 (Landin hält Stranovsky (35.), Rahmel (38.), Herbst (45.))
Spielfilm
1. Hz.: 0:1, 2:1 (6.), 2:2 (7.), 6:2 (12.), 8:3 (15.), 10:5 (20.), 10:8 (27.), 11:9, 12:10;
2. Hz.: 12:11, 14:13 (33.), 18:13 (39.), 19:15 (42.), 22:15 (45.), 22:16, 25:16 (49.), 25:18, 27:20 (56.), 28:22, 30:22 .
Zuschauer
10.285 (ausverkauft) Sparkassen-Arena, Kiel

KN: Ein gutes Gefühl im "Wohnzimmer"

Kiel. Ein Sieg für das Gefühl, ein Sieg für die Tabelle: Mit dem 30:22 (12:10) gegen den HC Erlangen hat der THW Kiel in der Handball-Bundesliga am Sonnabend einen wichtigen Schritt in Richtung Champions-League-Qualifikation gemacht. Vom für die Königsklasse relevanten Rang drei sind die Zebras, die am letzten Spieltag am kommenden Sonnabend beim Absteiger HBW Balingen-Weilstetten antreten müssen, nun nur noch theoretisch zu verdrängen. "Ich bin super erleichtert, besonders die acht Tore Vorsprung waren auch sehr wichtig", resümierte THW-Trainer Alfred Gislason.

Ein Sonnabendabend im Widerstreit der Gefühle. Auf der einen Seite: ein Anflug von Angst um den erneuten Start in der Beletage des europäischen Handballs, Anspannung, der Kampf um die wichtigen Punkte. Auf der anderen: ein warmes Gefühl von Abschied angesichts der letzten Heimauftritte von Ilija Brozovic, Blazenko Lackovic und dem designierten THW-Jugendkoordinator Christian Sprenger. Das eine ohne das andere ging aber nicht, und so entpuppte sich der THW wieder einmal als Wundertüte, nach den desaströsen Auftritten gegen Leipzig, Coburg, die Löwen jedoch endlich einmal als kunterbunte. Denn das Tempo, der Zug zum Tor, die um den in dieser Saison grandiosen Patrick Wiencek und den künftigen Hannoveraner Ilija Brozovic formierte Deckung - all das war vielleicht nicht perfekt, aber strotzte nur so vor lauter Drang, dem Abschieds-Trio einen unvergesslichen Abend zu bereiten.

Allen voran der in dieser Saison seine Form suchende Christian Dissinger. "Endlich! Das hat mich gefreut", so Gislason, der seinen 25-jährigen "Schüler" wie entfesselt aufspielen sah. Die Auftaktparade von Ex-Zebra Nikolas "Katze" Katsigiannis gegen Niclas Ekberg (1.) blieb ein Flackern. Danach schwang Mittelmann Dissinger das Zepter, traf dreimal in schneller Folge (6:2/13.), legte elegant auf Wiencek ab (8:3/16.). Aber dennoch leistete sich der THW in der Folgezeit - als wäre es überhaupt noch eine Erwähnung wert - eine neunminütige, torlose Schwächephase bis zum knappen 12:10 zur Pause. Doch der kapitale Einbruch blieb dieses Mal aus. Im Gegenteil: Erst jetzt setzten die Kieler Ausrufezeichen der Sorte „So können wir die Kollegen nicht gehen lassen“. Christian Dissinger stemmte sich zu einem 105-km/h-Geschoss in die Höhe (15:13/34.), Niklas Landin parierte gegen Martin Stranovsky seinen ersten von drei Siebenmetern (35.), und nach seinem (vorentscheidenden) 18:13 (39.) brach sich im emotionalen Jubel mit weit ausgebreiteten Armen bei Christian Dissinger nach einer verkorksten Saison massive Erleichterung Bahn.

Erlangen - mit einigen Akteuren auf dem Sprung ins Nationalteam gespickt, darunter auch der Neu-Kieler Ole Rahmel - blieb, insbesondere mit dem beweglichen Jonas Link in der Mitte, mutig, aber auf verlorenem Posten. Nach 40 Minuten durfte gegen die immer mehr zu Statisten degradierten Franken endlich auch Christian Sprenger ran, traf gleich zum 21:15 (44.) mit anschließendem Ausrast-Jubel. Sein letzter Treffer in seinem "Wohnzimmer". Auch Marko Vujin, Rune Dahmke, Lukas Nilsson setzten noch Akzente. Auch Blazenko Lackovic durfte noch einmal in der Sparkassen-Arena aufs Parkett. Dissinger, Nilsson, 30:22 - dann war der Sieg perfekt. Ein enorm wichtiger. In Balingen würde bereits ein Unentschieden reichen, um Platz drei sicher zu verteidigen.

(Von Tamo Schwarz und Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 06.06.2017)

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