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KN: Schwarzer Sonntag

Kiel. Der Tag danach, Bilanz ziehen. Was war passiert? Der THW Kiel hat am Sonntag das 87. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt - eine der Ur-Konfrontationen des deutschen Handballsports - verloren. Aber wie? Das 27:37 in der Champions-League-Gruppe A war die höchste Kieler Niederlage in der 22-jährigen Königsklassen-Geschichte überhaupt. Seit dem 20. Dezember 2006 (24:39 in Magdeburg) hatten die Zebras kein Pflichtspiel mehr ähnlich hoch verloren. Ein Debakel. Der Tag danach, Bilanz ziehen bei den beiden Kieler Derby-Veteranen Dominik Klein (seit 2006 beim THW) und Alfred Gislason (seit 2008). Trotz auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite.

Die Zahlen sind bemerkenswert: Das Spiel in der Flens-Arena war für den 32-jährigen Linksaußen Klein das 32. Landesderby insgesamt, das 13. in der "Hölle Nord". Seine letzte Reise in Richtung dänische Grenze vor seinem Wechsel nach Nantes hatte sich "Mini" Klein anders vorgestellt. "Ein schwieriger Tag", sagt der Familienvater, bevor am Montag mit dem gemeinsamen Videostudium die Vorbereitung auf den nächsten THW-Gegner eingeläutet wird - Orlen Wisla Plock am Mittwoch (18.30 Uhr) in der Sparkassen-Arena. "Über dieses Spiel müssen wir uns ärgern, werden es analysieren. Man muss sagen, dass man normalerweise in einer solchen Atmosphäre wie in Flensburg auf viele Automatismen zurückgreift. Aber das können wir in unserer jetzigen Situation, in der wir so viele neue Spieler einbauen müssen, einfach nicht."

Beispiel Abwehr: Weil René Toft Hansen und Patrick Wiencek verletzt sind, muss Erlend Mamelund die Rolle des Abwehrchefs übernehmen. "Eine undankbare Aufgabe", weiß THW-Coach Alfred Gislason. Undankbar, weil Mamelund nur Ungewohntes sieht, wenn er sich nach links oder rechts dreht. Am Sonntag bildeten Igor Anic, Mamelund, Joan Cañellas und Domagoj Duvnjak zunächst einen passablen Abwehrriegel. Später rückte Neuzugang Ilija Brozovic in die Deckung, zwischenzeitlich kümmerte sich der junge Alexander Williams um den überragenden Rasmus Lauge. Cañellas' körperlicher Zustand (Rücken) reicht momentan nicht für 60 Minuten. Er übernahm Verantwortung, traf schnell viermal, doch seine Körpersprache transportierte Schmerzen.

Duvnjak erzielte acht Tore, stand gut in der Deckung. Der Kroate opfert sich auf. Sieht man ihm beim Spielen zu, drängt sich der Gedanke auf: Er wird diese Saison nicht heil überstehen. Gislasons Optionen sind begrenzt. Die 3:2:1 in der Deckung "braucht viel Zeit" (Gislason), er versuchte zwischendurch eine 4:2-Formation, sagt am Montag: "Erst einmal müssen wir eine gute 6:0 schaffen." Als Erlend Mamelund am Sonntag vom Feld humpelte, drohte weiteres Ungemach. Am Montag die Entwarnung: Der Norweger hat nur eine leichte Blessur am Sprunggelenk. "Wir sollen wir das sonst auch noch kompensieren?", fragt Gislason.

Der Isländer macht auch am Montag aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. "Ich habe nicht unbedingt erwartet, dass wir gewinnen. Aber dass jeder bis zum Ende alles gibt. Aber einige haben resigniert. Und ich erwarte, dass jeder, solange er das THW-Trikot trägt, alles gibt." Er selbst betont, er habe nicht resigniert. "Ich habe Alexander Williams auch schon in der ersten Halbzeit gebracht, als es noch gut lief", sagt Gislason. Von einigen sei "zu wenig gekommen". Seine Mannschaft habe die Torhüter im Stich gelassen, zu viele einfache Fehler gemacht. Von Anfang an schenkte er dem Esten Dener Jaanimaa auf Halbrechts das Vertrauen, der für einen indisponierten Marko Vujin auf das Feld kam, gute Ansätze zeigte, drei Tore erzielte.

Doch am Ende fehlte es in der Abwehr an Abstimmung. Sie stand zu defensiv, agierte pomadig. "Wir konnten die unglaubliche Power und Dynamik der Flensburger einfach nicht stoppen", weiß Dominik Klein. Von mentalen Spätfolgen will der Routinier nichts wissen. "Wir hätten uns genauso über eine Niederlage mit zwei Toren geärgert." Klein ist ein Derby-Veteran. Er muss es wissen. Jetzt fordert er "Körpersprache, Aggressivität, Zusammenstehen". Eine Niederlage am Mittwoch gegen Plock könnte fatale Folgen haben.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 16.02.2016, Foto: Sascha Klahn)

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