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KN: Steiniger Weg ins Final4

Kiel/Mannheim. 14 Spiele - eine so lange Wegstrecke bis zur K.o.-Runde der Champions League gab es noch nie. Jetzt kommt das Achtelfinale - einige Teams springen indes direkt ins Viertelfinale. "Verwirrend" findet THW-Trainer Alfred Gislason den zur aktuellen Saison eingeführten Modus der Königsklasse. "Ich musste alle zwei Wochen auf meiner Grafik nachschauen, wie es jetzt weitergeht." Wenn es dem Isländer schon so geht, was sollen da erst die Fans denken?

Modus der Königsklasse steht bei Trainern in der Kritik

Fest steht: Dem THW Kiel (zuerst bei Pick Szeged), der SG Flensburg-Handewitt (in Montpellier) und den Rhein-Neckar Löwen (in Zagreb) stehen schwierige, aber lösbare Aufgaben bevor. Die Zebras werden am 20. März nach Ungarn reisen und das Rückspiel am 23. März in der Sparkassen-Arena austragen.

An einem Bundesliga-Fight schrammten die Titel-Duellanten THW und Löwen haarscharf vorbei, weil Pick Szeged am Sonntag in letzter Sekunde in Kielce doch noch verlor. Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen hatte allerdings auch "keinen Bock, gegen Kiel zu spielen", denn vier Spiele gegen den Verfolger seien zwei zu viel in dieser Saison. "Machen wir uns nichts vor, die Mannschaft des THW ist sportlich besser als die von Zagreb. Zudem möchte man im Europapokal den Mannschaften aus der eigenen Liga aus dem Weg gehen", so Jacobsen. Löwen oder Szeged: Alfred Gislason war es schlichtweg "egal".

Glücklich mit dem Modus ist niemand so recht. Die Gruppensieger der Gruppen A und B springen direkt ins Viertelfinale, die Zweiten bekommen es mit den Playoff-Siegern aus dem Kreis der vier besten Teams aus den Gruppen C und D zu tun. Die Dritten aus A und B treffen auf die Sechsten, die Vierten auf die Fünften. Eingeteilt wurde diese Zwei-Klassen-Gesellschaft vorab nach wenig transparenten und teils willkürlichen Gesichtspunkten. So trieb das Vorrundengeschehen sonderbare Blüten. Sahen im Schnitt mehr als 9000 Zuschauer die Heimspiele des THW Kiel (Flensburg: 5200), waren es bei Besiktas Istanbul nicht einmal 5000 - in allen sieben Partien zusammen.

"Der Modus sollte noch einmal überdacht werden. Kaum jemand kann ihn verständlich erklären", sagt Nikolaj Jacobsen. Das Ex-Zebra zielt dabei besonders auf die Zwei-Klassen-Gesellschaft ab: "Sportlich mag es toll sein, schon in der Gruppenphase gegen absolute Spitzenteams zu spielen. Aber für mich geht da auch ein wenig der Reiz verloren. Bayern München spielt ja auch nicht ständig gegen Barcelona." Auch die immer weiter steigende Belastung sieht Jacobsen wie sein Kieler Kollege kritisch: "Ich finde es o.k., wenn man mit 32 Teams spielen möchte. Ich wäre für acht Gruppen à vier Mannschaften, bei denen die ersten zwei Teams einer Gruppe weiterkommen", sagt der Däne.

Bei den wirtschaftlich Verantwortlichen kam der kräftezehrende Modus hingegen gut an: "Das war hochspannend und hochinteressant", sagt Flensburgs Manager Dierk Schmäschke. Sein Kieler Kollege Thorsten Storm ergänzt: "Wirtschaftlich hatten wir durch diese Gruppenphase eine planbare Größe, die wir hier beim THW Kiel gut vermarktet haben." 6500 Zebra-Fans hatten eine Champions-Card (Dauerkarte) erworben.

Auf dem Parkett hält Nikolaj Jacobsen ein sportliches Debakel für denkbar: "Meiner Meinung nach ist es wahrscheinlich, dass kein deutsches Team zum Final Four fährt", sagt der Löwen-Chefcoach. Noch nie fand das Final Four in Köln ohne deutsche Beteiligung statt. Barcelona (im Falle des Weiterkommens Gegner des THW im Viertelfinale), Kielce (möglicher Viertelfinalgegner der SG), Veszprem und Paris (potenzielle Viertelfinalgegner der Löwen) seien die Favoriten. An einen möglichen Viertelfinal-Knaller gegen Barcelona und Ex-Zebra Filip Jicha will Gislason noch nicht denken: "Erst mal müssen wir Szeged schaffen."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 08.03.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

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