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Pokalsieger! THW gewinnt Finale gegen Flensburg

Der THW Kiel ist zum zehnten Mal Pokalsieger! Mit einer unglaublichen Leistung besiegten die Kieler am Sonntagabend im Finale des DHB-Pokals die SG Flensburg-Handewitt souverän mit 29:23 (13:12). Vor 13.200 Zuschauern führte der angeschlagene Kapitän Domagoj Duvnjak seine "Zebras" mit einem überragenden Spiel und sieben Treffern zum Sieg im 93. Derby. Insgesamt gewann der THW Kiel dieses Finale durch seine mannschaftliche Geschlossenheit - und dem unbedingten Willen, im ersten Pokalfinale nach drei Jahren den Pokal mit nach Hause zu nehmen.

Dahmke auf der Mittelposition

Rune Dahmke begann als Regisseur und erzielte später zwei Treffer
© Sascha Klahn

Im Finale sorgte THW-Trainer Alfred Gislason für die erste Überraschung: Rune Dahmke, normalerweise auf Linksaußen unterwegs, rückte auf die Regisseurs-Position. Das Ziel: Das Kieler Angriffsspiel schnell machen. Und das funktionierte, von Beginn an bissen sich die Kieler in eine Partie gfest, die intensiver kaum hätte geführt werden können. Zweikämpfe um jeden Zentimeter, Emotionen und ein unglaublicher Kieler Fanblock, der seine Mannschaft unermüdlich nach vorn peitschte: Nach sechs Minuten glichen die Zebras nach einem unglaublichen Duvnjak-Wackler erstmals aus, und dann ging die Post ab: Landin entschärfte einen Glandorf-Wurf, hielt danach einen Mogensen-Ball fest - die Grundlage für schnelle Tore durch Raul Santos, Niclas Ekberg und Patrick Wiencek, der einen unfassbaren Duvnjak-Pass verwertete. Das 6:3 zwang Ljubomir Vranjes zur frühen Auszeit, auf den Rängen standen die Schwarz-Weißen Kopf.

Knappe Halbzeitführung

Bester Spieler des Turniers: Patrick Wiencek
© Sascha Klahn

Danach entwickelte sich ein hitziger Fight, der zunächst die Flensburger wieder vorn sah. Aber egal, welcher Kieler auf dem Feld stand: Die Mannschaft gab wirklich alles, um den Favoriten zu bezwingen. So wie Nikola Bilyk, der Wiencek mit einem Bodenpass zum 8:7 bediente. So wie Ekberg, der einmal mehr vom Siebenmeterstrich cool blieb. Oder wie natürlich der Kapitän, der zwischenzeitlich wegen Reklamierens ausgepfiffen wurde - und trotzdem eiskalt den Ball zum 10:9 versenkte. Allerdings: Die Zebras schafften es nicht mehr, einen größeren Abstand auf die Anzeigentafel zu bringen. Und so war es Rasmus Lauge, der seine Farben mit dem 12:13-Anschlusstreffer noch vor der Pause wieder hoffen ließ.

THW mit super Start

Harter Kampf um jeden Zentimeter: Das Finale des REWE Final Four war ein echtes Duell

Aus dieser kamen die Kieler mit einem starken Fokus: Rune Dahmke netzte aus dem Rückraum ein, Bilyk traf nach schneller Mitte, Duvnjak sogar in Unterzahl. Doch Mahé konterte, und so bleiben die Flensburger dran. Nach Mahés 15:16 war es Marko Vujin, der in Überzahl und bei angedrohtem Zeitspiel zwei Fackeln auspackte, Vranjes nahm wieder die Auszeit. Dieses Mal aber mit weniger Erfolg: Weil Duvnjak durch die Abwehr stürzte und danach zur Bank humpelte. Bange Blicke, doch der Kapitän gab wenig später zu verstehen, dass es noch einmal weiter gehen kann. Gut so, bediente er doch Wiencek zum 20:15, wonach Rune Dahmke in die Geschichtsbücher sprang: Den Flensburger Anwurf aufs noch leere Tor fischte der junge Außen, der beim letzten THW-Spektakel beim REWE Final Four im Jahr 2013 noch im Fanblock stand, verhinderte Dahmke mit einem Hechtsprung, der jedem Basketballer gut zu Gesicht gestanden hätte. Dann verhinderte Landin gegen den freien Mahé den Anschlusstreffer.

Bessere Antworten

Überragend, omnipräsent: Domagoj Duvnjak
© Sascha Klahn

Die Waage hatte sich längst in Richtung THW geneigt. Und es lief für die Zebras, die die neunminütige, erfolgreiche Abwehrschlacht ohne Gegentreffer mit dem 21:15 durch Vujin krönten. Flensburg versuchte seinerseits alles, doch in den entscheidenden Momenten war der THW einfach präsenter. Wie Andreas Wolff, der Eggerts Siebenmeter hielt. Wie Landin, der Mahé zur Verzweiflung trieb. Dahmke machte das 22:16 (47.), Ekberg legte direkt per Gegenstoß nach. 13 Minuten vor dem Ende schien sich der Pokalsieg der Kieler zu manifestieren, wenngleich Flensburg nicht aufsteckte. Djordjic jagte den Ball ins Netz, aber die Zebras hatten immer die besseren Antworten parat. Duvnjak traf nach einem spektakulären Überzieher zum 24:18, Steffen Weinhold bei angedrohtem Zeitspiel zum 25:19, Landin hielt einen freien Ball von Mahé, Duvnjak gegen die offene Deckung der SG zum 26:20 - fünf Minuten vor dem Ende wurde die Party in Schwarz-Weiß gestartet.

Riesen-Party in der Arena

Ausgelassener Jubel mit den Fans: Der THW Kiel feiert seinen zehnten Pokalsieg
© Sascha Klahn

Mit dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr: Ausgelassen tanzten die Kieler Spieler vor ihrem Fanblock, der seinem Team bis zur letzten Sekunde den Rücken gestärkt hatte, einen unfassbaren Lärmpegel in der Kieler Kurve erzeugt hatte. Immer wieder wurde Duvnjak geherzt, und nach der Siegerehrung feierte jeder Spieler einzeln mit dem Pokal - Jubel, wie man ihn selten erlebt hat. In der Kabine ging die Party weiter: Niclas Ekberg gab seinem Kapitän Duvnjak vor laufender Fernsehkamera eine Kaltgetränk-Dusche, um danach als Kabinen-Dj den Soundtrack für eine lange Nacht anzusteuern. 

Der THW ist Pokalsieger 2017

Der THW Kiel ist Deutscher Pokalsieger 2017!
© Sascha Klahn

Der THW Kiel ist Deutscher Pokalsieger 2017! Danke Niklas Landin, Danke Andreas Wolff, Danke Domagoj Duvnjak, Danke Rene Toft Hansen, Danke Blazenko Lackovic, Danke Christian Sprenger, Danke Steffen Weinhold, Danke Christian Dissinger, Danke Patrick Wiencek, Danke Niclas Ekberg, Danke Christian Zeitz, Danke Rune Dahmke, Danke Ilija Brozovic, Danke Marko Vujin, Danke Nikola Bilyk, Danke Lukas Nilsson, Danke Raul Santos, Danke Jörn-Uwe Lommel, Danke Alfred Gislason und Danke an alle THW-Fans!

Spielstatistik

THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt: 29 : 23 (13 : 12)
DHB-Pokal Finale, 09.04.2017
THW Kiel
Landin (1.-60., 14/1 Paraden), Wolff (1 Siebenmeter 1/1 Parade); Duvnjak (7), Toft Hansen, Weinhold, (1), Dissinger (n.e.), Wiencek (4), Ekberg (6/2), Dahmke (3), Brozovic, Vujin (4), Bilyk (3), Nilsson, Santos (1); Trainer: Gislason
SG Flensburg-Handewitt
Andersson (1.-45., 6 Paraden), Möller (45.-60., 3 Paraden); Karlsson, Eggert (2/2), Glandorf (4), Mogensen (1), Svan (3), Jakobsson, Heinl (1), Djordjic (2), Toft Hansen (2), Lauge (4), Mahé (5), Gottfridsson; Trainer: Vranjes
Schiedsrichter
Robert Schulze / Tobias Tönnies
Zeitstrafen
THW: 3 (Weinhold (26.), Bilyk (34.), Toft (41.));
SG: 4 (Karlsson (20.), Heinl (37.), Lauge (39.), Svan (40.))
Siebenmeter
THW: 2/2;
SG: 4/2 (Landin hält Eggert (8.), Wolff hält Eggert (54.))
Spielfilm
1. Hz.: 0:2 (2.), 1:2 (3.), 1:3 (4.), 6:3 (11.), 7:4, 7:7 (18.), 10:10 (24.), 12:10 (25.), 13:11 (27.), 13:12 (29.);
2. Hz.: 14:12 (31.), 15:13, 16:15 (36.), 21:15 (44.), 21:16 (45.), 23:18 (48.), 25:19 (50.), 29:23.
Zuschauer
13.200 (ausverkauft) Barclaycard-Arena, Hamburg

THW-Trainer Alfred Gislason:

Ich bin extrem stolz auf meine Jungs, sie haben eine super Einstellung gezeigt. Wir haben heute vieles richtig gemacht, Landin war überragend, und unsere Abwehr war stark. Ich lobe nicht oft einzelne Spieler, aber das was Dule heute mit seiner Verletzung gezeigt hat, war die Leistung eines echten Weltklasse-Kapitäns. Das ist ein sehr wichtiger Titel für uns - und ein Meilenstein für meine junge Mannschaft.

THW-Kapitän Domagoj Duvnjak:

Danke auch an Flensburg für ein geiles Finale. Wir haben heute überragend gespielt von der ersten bis zur letzten Sekunde, wir haben alles gegeben. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft.

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm:

Ich bin total glücklich, dass unsere Fans und unsere Mannschaft gemeinsam derart ausgelassen den Pokalsieg feiern können. Das war ein echt geiles Wochenende und für unsere Mannschaft unglaublich wichtig. Es hat alles gepasst, und Alfred zaubert mit Rune Dahmke sogar noch einen neuen Mittelmann herbei, der das Spiel schnell gemacht hat. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich sah, wie Dule heute gespielt hat. 

THW-Mittelmann Rune Dahmke:

Der Pokalsieg ist Wahnsinn, ein unglaubliches Wochenende vor unseren Fans, die uns unglaublich gepusht haben. Diese Atmosphäre hier war phänomenal. Wir haben überragend gespielt, und auch wenn das Spiel richtig hitzig war, war der Sieg deshalb auch in der Höhe verdient. 

SG-Trainer Ljubomir Vranjes:

Der THW hat verdient gewonnen, er war in allen Teilen besser. Wenn wir durchkamen, stand Landin im Weg. Wir haben nicht diesselbe Leistung gebracht wie gestern, und Kiel hat perfekt gezeigt, was es im Handball bedeutet, wenn Torwart und Abwehr zusammen funktionieren.

SG-Kapitän Tobias Karlsson:

Der THW hat verdient gewonnen, er war insgesamt über 60 Minuten besser. Es tut weh, hier verloren zu haben, und wir sind riesig enttäuscht über unsere Leistung. Aber wir haben noch viel vor und werden zurückkommen.

SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke:

Der Sieg für den THW war definitiv verdient, Kiel war heute einfach besser, war fokussiert und auf den Punkt da.

THW-Torhüter Andreas Wolff in den KN:

Das ist mein erster nationaler Vereinstitel – davon habe ich als Kind geträumt. Alfred hat uns vor dem Spiel gesagt, dass es darum geht, wer in diesem Finale mehr Herz, mehr Courage, mehr Eier zeigt.

Schwarz-Weiß gewinnt

Hamburg. Der THW Kiel hat zum zehnten Mal den DHB-Pokal gewonnen. Die Zebras setzten sich am Sonntag in der ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg im 93. Nordderby mit 29:23 (13:12) gegen die SG Flensburg-Handewitt durch und verhinderten so die zweite titellose Saison in Folge.

Taktik, Schönheit, überbordende Emotionen – nach mitreißenden 60 Minuten schäumte auch THW-Trainer Alfred Gislason über vor Gefühl, lief geradewegs in die (schwarz-)weiße Fankurve und sagte anschließend strahlend: „Dieser Erfolg ist extrem wichtig und bedeutet mir sehr viel. Ich habe an diese Mannschaft geglaubt.“

Das Spiel beginnt, und der Betrachter steht staunend davor wie ein Kind nach Ladenschluss allein im Spielwarenladen. Alfred Gislason zaubert Linksaußen Rune Dahmke („Wir wollten Flensburg überraschen“) als Mittelmann aus dem Hut. Der 23-Jährige macht das Spiel schnell, beweglich, setzt Druckpunkte auf die Flensburger Deckung mit Tobias Karlsson und Jacob Heinl im Innenblock. Und er macht es schön, breit, variabel. Seinem Trainer beschert dies den inoffiziellen Sieg im taktischen Trainerduell. Ein Handballspiel wie eine Schachpartie, in der Dahmke – Entschuldigung! – die Dame ist, die ihrem König Luft verschafft. Dahmke treibt an, während Kapitän Domagoj Duvnjak seine volle Kraft auf Halblinks entfaltet, zum „Weltklasse-Kapitän“ (Gislason) avanciert, fast immer die richtige Entscheidung trifft, Verantwortung übernimmt.

Nach knapp 20 Minuten Wachwechsel: Duvnjak rückt zurück auf die Spielmacherposition, Flensburg gleicht zum 7:7 (18.), später zum 9:9 (23.) aus, als die nächste schillernde Facette wie aus dem Nichts erwächst, Niklas Landin im Kieler Tor Henrik Toft Hansen (23./27.), Kentin Mahé (24.), Lasse Svan (28.) und Johan Jakobsson (28.) einen Ball nach dem anderen abkauft.

Heißt es am Anfang im weiten Rund der 13 200 „Alle gegen Kiel“, schwappt der Jubel, das Klatschen, die Stimmung nach der Pause sukzessive über auf die langen Geraden. Landin, Dahmke, Duvnjak, auch der unermüdliche Steffen Weinhold und der ewige Kämpfer Patrick Wiencek, der mit René Toft Hansen einen fabelhaften Defensivpart gibt, bleiben die Protagonisten. Dann kommt Marko Vujin ins Spiel und trifft dreimal in einer Phase, in der die Zebras bis zum 21:15 (44.) das Spiel entscheiden. Weil Flensburg „nicht einmal nah dran“ ist an den Kielern (SG-Kapitän Tobias Karlsson) und zwar alles versucht, „es aber einfach nicht reicht“ (Trainer Ljubomir Vranjes) in einem bissigen, hart geführten, nicht immer fairen, aber von den Schiedsrichtern glänzend geführten Match.

Wie Duvnjak und Vujin ihre Pässe wie Kunstwerke zelebrieren, ist atemberaubend. Wie der THW seine 6:0-Deckung definiert, die Spieler wie die Kolben auf der Kurbelwelle eines Motors wechselweise nach vorne schießen, die Wege von Mogensen, Jakobsson, dem kaum zur Entfaltung kommenden Holger Glandorf auf Seiten der SG einengen, ist Blitzschach in Perfektion. Vujin trifft zum 21:15, und alles steht, Duvnjak springt auf die Bank, die nicht berücksichtigten Ersatzspieler Blazenko Lackovic und Christian Sprenger rasten aus.

Landin behält im „Privatduell“ mit Mahé weiter die Nerven, dass einem der Franzose fast leidtut. Andreas Wolff auf der Bank ist der „achte Mann“, der besonders seinen Torwartkollegen Niklas Landin anpeitscht, in der 53. Minute für einen Siebenmeter aufs Feld kommt, den Ball von Anders Eggert pariert und vor Adrenalin überschäumt. Flensburg versucht es offensiv, kann das Spiel aber nicht mehr drehen. Schwarz-Weiß gewinnt ein historisches Spiel, das die Erwachsenwerdung einer neuen Kieler Mannschaft markiert.

(Von Tamo Schwarz und Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 10.04.2017)

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