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Gipfeltreffen am Sonnabend in Mannheim

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Gipfeltreffen am Sonnabend in Mannheim

Der THW Kiel biegt im mit Terminen vollgepackten Oktober auf die Zielgerade ein: Am Sonnabendnachmittag blickt ganz Handball-Deutschland nach Mannheim, wo in der SAP-Arena der Tabellenführer, die Rhein-Neckar Löwen, auf den Verfolger, die „Zebras“, trifft. Das Spitzenspiel wird um 16.15 Uhr angepfiffen, Sport1 überträgt live.

Erster gegen Zweiter, Vize gegen Meister

Regisseur Andy Schmid spielt erneut eine starke Saison.Exakt 154 Tage nach dem dramatischsten Meisterschaftsfinale der Handball-Bundesliga-Geschichte treffen die beiden damaligen Fernduellanten erstmals wieder in einem Pflichtspiel aufeinander. Aufgrund zwei mehr erzielter Treffer sicherte sich der Kieler Rekordmeister am 24. Mai 2014 seine 19. Meisterschaft, die national weiterhin titellosen Rhein-Neckar Löwen verpassten hauchdünn den größten Triumph ihrer Vereinsgeschichte. Doch die Mannschaft scheint sich von diesem Knockout auf der Zielgeraden bestens erholt zu haben: Mit Ausnahme der überraschenden 23:24-Niederlage beim Bergischen HC – dem einzigen nicht gewonnenen Ligaspiel der Löwen bislang im Kalenderjahr 2014 – hielten sich die Badener in der DKB Handball-Bundesliga schadlos und führen mit 18:2 Punkten das Klassement vor den „Zebras“ (16:4) an.

Neuzugänge in der zweiten Reihe

Der sprunggewaltige Mads Mensah Larsen kam wie Nikolaj Jacobsen aus Aalborg.Die erste Angriffsreihe um den letztjährigen Spieler der Saison, Regisseur Andy Schmid, den Schweden Kim Ekdahl du Rietz, den isländischen Linkshänder Alexander Petersson, den norwegischen Kreisläufer Bjarte Myrhol sowie die deutsche Flügelzange mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki wurde komplett zusammen gehalten. Dahinter gab es aber im Sommer kräftiges Stühlerücken: Neben Nationalspieler Stefan Kneer aus Magdeburg und dem aus Göppingen ausgeliehenen Bastian Rutschmann als Backup für Torhüter Niklas Landin wurden vor allem vielversprechende Talente zu den Löwen gelotst. Der 22-jährige norwegische Linkshänder Harald Reinkind beispielsweise. Oder der dynamische dänische Nationalspieler Mads Mensah Larsen. Oder aber das erst 18-jährige deutsche Rückraumtalent Tim Suton, letztjähriger Torschützenkönig in der 2. Liga bei der HG Saarlouis.

Ein Ex-„Zebra“ auf der Löwenbank

Nikolaj Jacobsen spielte von 1998 bis 2004 für den THW.Die einschneidendste sportliche Veränderung fand aber auf der Bank statt: Für den Isländer Gudmundur Gudmundsson, der fortan die dänische Nationalmannschaft betreut, wurde bereits im vergangenen Winter mit Nikolaj Jacobsen die einstige Kieler „Zaubermaus“ als Nachfolger vorgestellt. Der 42-jährige ehemalige Weltklasse-Linksaußen hatte zuvor Aalborg Handbold 2013 zur dänischen Meisterschaft und auch 2014 ins Playoff-Finale geführt, das in einer Neuauflage gegen Kolding-Kopenhagen aber diesmal verloren ging. Jacobsen eroberte die Herzen der Löwen-Fans und auch der Medien im Sturm mit sympathischen Aussagen wie: „Ich wünsche mir natürlich, dass wir alle Spiele gewinnen und Titel holen. Aber so einfach ist das nicht. Denn andere wollen das auch.“ Öffentlich stapelte de neue Coach vor Saisonbeginn tief: „Wir wollen versuchen, unter die ersten Vier zu kommen.“

Landin und Storm wechseln über

Niklas Landin gilt derzeit als einer der besten Torhüter der Welt.Trotz der interessanten Neuzugänge bestimmten zwei andere Personalien der Rhein-Neckar Löwen den Sommer: Zum einen Niklas Landin, der im August seinen Wechsel zur kommenden Spielzeit ausgerechnet zum THW Kiel. „Mit Niklas verlieren wir einen Leistungsträger und Publikumsliebling. Wir haben ihm im Rahmen unserer Möglichkeiten ein sehr gutes Angebot gemacht, seinen laufenden Vertrag über das Jahr 2015 hinaus zu verlängern. Das hat uns Niklas ebenfalls bestätigt, dennoch müssen wir seinen Wunsch sich sportlich zu verändern natürlich respektieren. Die Rhein-Neckar Löwen zu verlassen hat für Niklas ausschließlich persönliche Gründe, die wir als Verein leider akzeptieren müssen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Slavetinsky. Als Nachfolger für Landin ist der Schwede Mikael Appelgren von der MT Melsungen im Gespräch. Laut Informationen der Rhein-Neckar-Zeitung soll der 25-Jährige, der in der vergangenen Saison laut offizieller HBL-Statistik mit 584 Paraden die meisten Tore verhinderte, bereits in den kommenden Wochen vorgestellt werden. Zum anderen Geschäftsführer Thorsten Storm, der bereits im Juni verkündete, ebenfalls spätestens im Sommer 2015 zum THW Kiel zurückzukehren. Nach wochenlanger Hängepartie wurde der Vertrag mit Storm bei den Löwen zum 31. August vorzeitig aufgelöst, am 1. November wird er sein Amt beim THW Kiel antreten. Das bisherige Aufsichtsratsmitglied Lars Lamadé übernahm den Geschäftsführerposten bei den Mannheimern, angeblich soll sich der Verein aber um Benjamin Chatton bemühen. Dieser besitzt allerdings bei der TSV Hannover-Burgdorf noch einen Vertrag bis Juni 2018.

Kneer stabilisiert Löwen-Abwehr

Stefan Kneer kam aus Magdeburg.Trotz dieser Baustellen legten die Löwen sportlich insgesamt einen starken Start hin. Lediglich beim Auftaktsieg gegen Magdeburg (24:23) sowie bei der bereits erwähnten Niederlage beim Bergischen HC zeigten sich Abstimmungsprobleme im Kader. Alle übrigen Bundesligaspiele wurden problemlos gewonnen, und die beiden Niederlagen in der Champions League bei den europäischen Spitzenclubs Veszprem und Vardar Skopje ließen sich verschmerzen. Besonders die Abwehr erreicht schon wieder ein Top-Niveau, das man der Mannschaft nach den Abgängen der Defensivspezialisten Nikola Manojlovic (nach Brest) und Isaias Guardiola (nach Aalborg) nicht auf Anhieb zugetraut hätte. In die Bresche sprang Stefan Kneer, der zusammen mit Kreisläufer Gedeon Guardiola den Mittelblock bildet, dafür aber im Angriff noch überschaubare Spielanteile bekommt. Dies wollte Nikolaj Jacobsen am Mittwoch beim Pokalspiel beim Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim ändern und schenkte seiner zweiten Reihe lange Einsatzzeiten. Kneer allerdings verletzte sich Mitte der ersten Halbzeit an seiner Wurfhand und wurde umgehend ins Krankenhaus gefahren. Der befürchtete Bruch bestätigte sich dort nicht, Kneer hatte sich „nur“ den Zeigefinger ausgekugelt und musste aufgrund einer offenen Wunde genäht werden. Daher hoffen die Gastgeber, dass der Nationalspieler zum Duell mit dem THW wieder dabei sein wird. Definitiv fehlen wird hingegen Tim Suton, der sich im Training einen Bänderriss im linken Sprunggelenk zuzog und mehrere Wochen ausfällt.

Fritz sieht Löwen in Favoritenrolle

Kapitän Uwe Gensheimer ist mit 48/23 Treffern bester Torschütze der Löwen.Dennoch dürften die Rhein-Neckar Löwen als leichter Favorit ins mit Spannung erwartete Gipfeltreffen gehen – zumal Alfred Gislason weiterhin auf seine drei Rückraum-Rechtshänder Rasmus Lauge, Filip Jicha und Aron Palmarsson verzichten muss. Ein weiterer Pluspunkt für die Mannheimer ist die Heimstärke: Die letzte Niederlage in der SAP-Arena datiert vom 2. März 2013 (!), als der HSV Hamburg mit 34:28 triumphierte. Seitdem aber sind die Löwen seit 40 Pflicht-Heimspielen ungeschlagen. „Sie haben nicht nur eine gute Chance, gegen Kiel zu gewinnen, sondern auch alle Möglichkeiten, deutscher Meister zu werden“, glaubt Henning Fritz, der in seiner Karriere bei beiden Mannschaften das Tor hütete. „Der THW wirkt nicht stabil, die Löwen haben allerdings auch noch nicht das Niveau der Vorsaison erreicht.“

Das Spitzenspiel leiten Holger Fleisch und Jürgen Rieber. Sport1 beginnt seine Berichterstattung am Sonnabend um 16.00 Uhr.

Bilanz spricht für den THW

Der THW Kiel wird trotzdem alles daran setzen, diese Serie am Sonnabend nach genau 602 Tagen zu beenden und den Oktober, in dem die Mannschaft noch ungeschlagen ist, endgültig zu vergolden. „Wir müssen in Mannheim ein starkes Spiel zeigen“, sagt Kreisläufer René Toft Hansen, der die Mannschaft auch am Sonnabend als Kapitän aufs Parkett führen wird. „In der vergangenen Saison haben wir dort deutlich verloren. Dieses Mal müssen wir viel besser spielen, um die Punkte mitzunehmen. Aber keine Frage, diese Aufgabe wird sehr schwierig.“ Auch Trainer Alfred Gislason glaubt an einen Sieg: „Wir sind zwar noch nicht so richtig stabil in unseren Leistungen, aber wir werden immer besser. Dennoch: Die Löwen spielen in ihrer Halle, also sind sie am Samstag eher der Favorit. Aber das muss nichts heißen. Wir haben eine gute Mannschaft und wollen immer gewinnen. Wir geben niemals auf. Das hat doch jeder am Ende der vergangenen Saison gesehen.“ Die Bilanz spricht für den THW, denn von den bislang 13 Gastspielen bei den Löwen gewannen die „Zebras“ acht, wenngleich sie zuletzt am 16. April dieses Jahres mit 26:29 leer ausgingen und damit das verrückte Meisterschafts-Fernduell erst initiierten.

KN: Handball-Gipfel mit Altlasten

Mannheim. Es ist das Spiel der Spiele in der Handball-Bundesliga: Showdown nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen der Vorsaison, Tabellenführer gegen direkten Verfolger, Meister beim Vizemeister. Für den heutigen Nord-Süd-Gipfel des THW Kiel bei den Rhein-Neckar Löwen (16.15 Uhr, live auf Sport1) hätten auch Krimi-Autoren keine stärkere Spannungskulisse konstruieren können. Dieses Spektakel will sich in Mannheim kein Fan entgehen lassen. Mit 13200 Zuschauern ist die SAP-Arena seit Tagen bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Chronisten haben die Tage gezählt, seit die Zebras den Löwen am 24. Mai den deutschen Meistertitel im Endspurt der Saison 2013/14 entrissen haben. 154 lange Tage musste das Team um den Weltklasse-Torhüter Niklas Landin (ab Sommer 2015 beim THW), die deutschen Nationalspieler Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki und den starken Regisseur Andy Schmid auf ihre Revanche warten. Vor dem Spitzenspiel zeigte der Stachel der bitteren Vizemeisterschaft noch einmal Wirkung. Dennoch versuchen die Verantwortlichen bei den Löwen, etwas Druck aus dem Spiel zu nehmen, betonen, dass man die „Meisterschaft in diesem Spiel nicht zurückholen“ könne. Welche Bedeutung das Duell aber für die Löwen-Spieler hat, zeigt sich in Person von Nationalspieler Stefan Kneer. Der Neuzugang aus Magdeburg kugelte sich im Pokalspiel gegen Heilbronn den Zeigefinger der Wurfhand aus und verließ mit klaffender Fleischwunde das Feld. Heute will er dennoch dabei sein, und zwar im Mittelblock der Mannheimer – nicht gerade eine Position, auf der der Zeigefinger auf Schonung hoffen darf. Trotz allen Enthusiasmus’ will Löwen-Neutrainer Nikolaj Jacobsen die Favoritenrolle für sein Team nicht uneingeschränkt annehmen „Es treffen die momentan besten deutschen Teams aufeinander, da entscheiden Kleinigkeiten.“ Vor der Saison hatte sich der Däne, von 1998 bis 2004 beim THW die „Zaubermaus“ auf Linksaußen, auf die Kieler als Meisterschaftsfavoriten festgelegt und hält an seiner Einschätzung weiter fest. Eine kleine Spitze hat er für seinen Ex-Verein aber parat: „Wenn man nach zehn Spieltagen noch nicht Tabellenführer ist, dann ist das ein Problem.“ THW-Trainer Alfred Gislason lässt diese Situation indes äußerlich kalt: „Wir sind erst im Oktober. Da entscheidet ein Sieg oder eine Niederlage noch nicht über die Meisterschaft.“ Die Brisanz will er dem Duell aber nicht nehmen: „Natürlich hat das Spiel eine besondere Bedeutung, schließlich spielen wir bei einem direkten Konkurrenten um die Spitze. Ob man die Chancenverteilung beziffern kann? Egal! Unsere Aufgabe ist es, unser Spiel zu machen. Und zuletzt hat die Mannschaft auswärts stark gespielt.“ Gestern Nachmittag ist der THW nach Mannheim abgereist. Im Flieger fehlten weiterhin Rasmus Lauge, Aron Palmarsson und Filip Jicha. Über Jicha kursierte in Mannheim allerdings das Gerücht, er könne als Geheimwaffe auflaufen. Der tschechische Kapitän des THW wird aber allenfalls als Zuschauer in der Halle sein. Er weilt derzeit in seiner Reha in Süddeutschland. Damit werden wieder Domagoj Duvnjak und Joan Canellas im Wechsel mit Steffen Weinhold die Verantwortung im Kieler Spielaufbau übernehmen. Ebenfalls nicht in der SAP-Arena wird Thorsten Storm sein. Der Ex-Manager der Löwen tritt nach seinem Wechsel in die Geschäftsführung des THW seinen Job erst am 1. November an. Der 50-Jährige hat sich zu dem Löwen-Zebra-Duell zwar nicht geäußert, seine Handball-Auszeit bis Ende nächster Woche scheint aber wohlgewählt, um der Mannschaft, die er in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, nun nicht als Gegner gegenüberstehen zu müssen. (von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 25.10.2014)