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KN: Igor Anic will in der Bundesliga bleiben

Kiel. Sein Spiel ist schnörkellos. Seine Sätze sind es auch. Igor Anic hat feine Antennen. Er war gekommen, um vielleicht am Ende doch zu bleiben. Am Sonnabend gegen die Füchse Berlin spielte er überragend, erzielte fünf Tore, blieb in der Abwehr fast fehlerfrei. Nach dem Spiel sagte er ruhig, besonnen: "Wahrscheinlich werden sich unsere Wege trennen. Alfred braucht ja keinen fünften Kreisläufer, das sehe ich natürlich realistisch."

Auf getrennten Wegen

Die Rechnung ist ernüchternd und doch ganz einfach. Die beiden derzeit an Kreuzbandrissen laborierenden Kreisläufer Patrick Wiencek und Kapitän René Toft Hansen sind Kieler Schlüsselspieler - insbesondere in der Deckung. Während der Europameisterschaftspause kam der Kroate Ilija Brozovic vom HSV, unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2017 bei den Zebras. Und dann ist da auch noch der junge Brasilianer Rogerio Ferreira, dessen Zukunft in Kiel laut THW-Trainer Alfred Gislason trotz einer Option auf zwei weitere Jahre bis 2018 noch offen ist. Bislang konnte der 2,04 Meter große 118-Kilo-Koloss auch beim Drittligisten TSV Altenholz keineswegs überzeugen und blieb Fremdkörper - auch beim TSVA.

Auch vier Akteure am Kreis wären jedoch einer zu viel, das weiß auch der 28-jährige Igor Anic, der sich darauf einstellt, die Zelte mit Ehefrau Anja und den Söhnen Zack (2) und Mark (8 Monate) in Kronshagen wieder abzubrechen. "Ich würde schon sehr gern in der Bundesliga bleiben. Aber es gibt nicht allzu viele Vereine, die auf der Position suchen", sagt der im jugoslawischen Mostar geborene Franzose, der im Oktober vom HBC Nantes kam, als der THW gezwungen war, auf die Verletzung von Patrick Wiencek zu reagieren. "Ich versuche, nicht zu viel über meine Zukunft nachzudenken. Sonst macht man sich nur kaputt, setzt sich selbst unter Druck."

Alfred Gislason äußerte sich nach dem Spiel gegen die Füchse voll des Lobes über seine Nummer 19: "Igor war nicht nur stark im Angriff. Er hat auch in der Abwehr sehr gut gespielt." Der Isländer bestätigte, dass der Verein für die kommende Saison mit dem Kreisläufer-Trio Wiencek, Toft Hansen und Brozovic plane. "Igor kommt immer besser in unser Spiel. Ich hoffe, dass er sich mit solchen Spielen wie gegen die Füchse für andere Vereine empfehlen kann."

Schon einmal, von 2007 bis 2010, hatte der 1,96 Meter große Welt- (2015) und Europameister (2014) das THW-Trikot getragen, war dreimal deutscher Meister geworden und hatte 2010 maßgeblich zum Gewinn der Champions League beigetragen. Diese Sammlung möchte Anic in diesem Sommer gern erweitern. Ja, er spiele auch, um sich für andere Klubs zu empfehlen. "Aber zuerst spiele ich für die Mannschaft, denn wir wollen zusammen am Ende der Saison auf dem Rathausplatz feiern. Und ich spiele für den Verein. Und wenn es dann für mich auch gut läuft - um so besser."

Wird der THW Kiel für Igor Anic zum zweiten Mal zum Tor in die Bundesliga? Ehefrau Anja möchte unbedingt bleiben: "In Deutschland fühle ich mich zu Hause." Auch Igor hofft auf ein Angebot. Vielleicht dekoriert mit einem weiteren Titel. Eine bessere Bewerbung als das 21:17 gegen die Füchse könnte es kaum geben: ein Rückhandwurf, im Fallen, schnörkellos.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 01.03.2016, Foto: Sascha Klahn)

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