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KN-Interview mit Dagur Sigurdsson: "Einfach nur glücklich!"

Berlin. Dagur Sigurdsson bleibt fast immer cool. Als gefürchtetes isländisches Feierbiest ist der 42-Jährige nicht bekannt. Seine Gefühle zeigt der Bundestrainer, der mit Ehefrau Ingibjörg Palmadottir sowie den Töchtern Sunna (18), Birta (16) und Sohn Siggi (13) in Berlin lebt, eher mit Mimik. Am Sonntagabend steht Sigurdsson in Krakau betont gelassen in der Tauron Arena. Immer wieder bilden sich kleine Lachfalten um seine Augen. Dagur Sigurdsson wirkt glücklich. 

Herr Sigurdsson, die Verlängerung im Halbfinale haben Sie vorausgesagt. Sie haben scheinbar auch gewusst, was gegen Spanien möglich ist.

Ich wusste, dass die Mannschaft es besser kann. Wir waren gegen Norwegen nicht gut genug, dafür gab es verschiedene Gründe. Aber heute habe ich die Leichtigkeit wieder gespürt. Die Beine waren wieder locker, es war mehr Bewegung in unserem Spiel.

Wie fühlt sich die Goldmedaille an?

Ich bin einfach überglücklich. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren, seitdem ich Bundestrainer bin, guten Handball gespielt, haben wenig Spiele verloren. Auf diesem Weg haben uns auch viele Spieler geholfen, die hier in Polen nicht dabei waren. Ich bin nicht nur stolz auf die Jungs, sondern auch auf die gemeinsame Zeit, die wir in den vergangenen vier Wochen hatten. Das ist wirklich eine tolle Truppe, aber bedanken muss ich mich auch bei meinem Trainerteam, den Physios und Ärzten und dem DHB, der mir das Vertrauen schenkt.

Markiert dieser EM-Titel den Beginn einer neuen Ära?

Ich habe immer gesagt, dass die Top Acht in der Welt sehr dicht beieinander liegen. Wir dürfen nicht vergessen: Große Mannschaften wie Frankreich oder Dänemark haben es nicht bis ins Halbfinale geschafft. Andere Teams haben die Vorrunde nicht überstanden. Aber es stimmt: Wir sind Europameister, die beste Mannschaft in Europa, ganz oben. Und die meisten unserer Spieler haben ihre Zukunft noch vor sich. Und dann gibt es um unsere Mannschaft herum ja auch noch eine Menge weiterer guter Spieler. Jetzt müssen wir darum hart arbeiten, um oben zu bleiben.

Isländer sind dafür bekannt, zu feiern, als gäbe es kein Morgen...

[lacht] Oh ja, die Isländer können wirklich feiern. Vielleicht bin ich dann aber kein typischer Isländer. Ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Wichtig ist für mich jetzt nur, diesen Erfolg zu genießen. Am Montag bin ich dann irgendwann wieder zu Hause. Mit einer Medaille um den Hals. Das ist schön.

Wie lange dürfen die Spieler feiern? Bis zum Boarding am Flughafen Krakau?

Damit habe ich nichts zu tun.

Deutschland hat sich ganz nebenbei auch für die Olympischen Spiele und die Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich qualifiziert. Welche Bedeutung hat das?

Für mich eine große, denn ich bin dafür da, diese Ziele des Verbandes umzusetzen. Den Jungs tut das auch gut. Wir haben eine junge Mannschaft. Die muss diese Spiele bei großen Turnieren machen, die muss unter Druck spielen. Nur so wächst man.

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 02.02.2016, Foto: Sascha Klahn)

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