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KN: Licht und Schatten

Hannover/Kassel. Die Generalprobe ist missglückt. Am Sonntag, sechs Tage vor dem EM-Auftakt gegen Spanien, unterlagen die deutschen Handballer Island in Hannover mit 24:27 (12:15). Am Vortag in Kassel hatte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson noch ein anderes Gesicht gezeigt und die Nordmänner mit 26:25 (15:13) in die Knie gezwungen. An beiden Tagen waren es Kieler, die den Matches ihren Stempel aufdrückten.

EM-Generalprobe: Deutsche Handballer mit Sieg und Niederlage

"Einige waren mit dem Kopf wohl schon in Polen", sagte ein wenig zufriedener Bundestrainer nach der Niederlage im abschließenden Härtetest. In der Tat, noch am Sonnabend hatten die Deutschen Charakter bewiesen, das Spiel in den letzten Minuten gedreht, mit einer offensiven 5:1-Deckung mit Hendrik Pekeler an der Spitze überzeugt und im Angriff mit einem variablen Rückraum für ein echtes Feuerwerk gesorgt. Der Kieler Christian Dissinger traf achtmal, Steffen Fäth, der überraschend in der Rückraum-Mitte agierte, und Pekeler je sechsmal. Michael Jacksons "Beat It" dröhnte in Kassel über die Hallen-Lautsprecher, im isländischen Tor schlugen die Bälle ein, und Fans und Mannschaft gerieten so richtig in EM-Laune. "Das ist auch ein Lernprozess: Wir können solche engen Spiele gewinnen. Aber es gibt noch Luft nach oben", sagte Neu-Kapitän Steffen Weinhold.

Am Sonntag rieben sich die 10 050 in der Hannoveraner Tui-Arena verwundert die Augen. In der Abwehr stets einen Schritt zu spät, im Angriff zu statisch, in der Chancenauswertung katastrophal – die deutsche Mannschaft war nicht wiederzuerkennen. Vor der Pause war es Zebra Rune Dahmke, der nach überstandener Verletzung wieder richtig in Fahrt kam und seine Mannschaft mit fünf Treffern im Spiel hielt. Nach der Pause übernahm Steffen Weinhold Verantwortung. Auch der künftige Kieler Andreas Wolff im Tor bestätigte seine Nominierung mit guten Paraden. Doch der "herbe Dämpfer" (Torwart Carsten Lichtlein) offenbarte auch, wie sehr Sigurdssons Team auf die Tore von Dissinger und Fäth angewiesen zu sein scheint. Pekeler, Strobel, Sellin - reihenweise scheiterten die Deutschen mit "Hundertprozentigen" an Björgvin Gustavsson im isländischen Tor. Laufwege passten nicht, technische Fehler schlichen sich ein, in der Abwehr düpierte insbesondere Ex-Zebra Aron Palmarsson immer wieder mit Hüft- und Unterarmwürfen die deutsche Abwehr. "Alle müssen sich jetzt hinterfragen“", forderte Andreas Wolff sofort nach dem Schlusspfiff. "Man konnte heute gut sehen, auf wen wir uns verlassen können."

Sigurdsson: "Waren leicht zu schlagen"

Licht und Schatten: Dagur Sigurdsson bei den Tests gegen Island
© Sascha Klahn

Dagur Sigurdssons Resümee des Sonntagspiels fiel noch geradliniger aus: "Wir waren heute einfach leicht zu schlagen." Dennoch, die Niederlage werfe die Mannschaft nach einer guten Vorbereitung nicht zurück. Vielmehr, fand auch Kapitän Steffen Weinhold, sei es jetzt wichtig, "wie wir mit der Niederlage umgehen". Weinhold ging am Sonntag im zweiten Abschnitt voran, führte eine unerfahrene Mannschaft an, die mit nur zwei Akteuren mit über 100 Länderspielen (Strobel 112, Lichtlein 204) in die EM geht. Das spiele, so Weinhold, zwar eine Rolle. "Aber umso mehr müssen sich jetzt alle bewusst sein, dass sie gut genug sind, um Verantwortung zu übernehmen."

Im polnischen Breslau trifft das deutsche Team am 16. Januar (18.30 Uhr/ZDF) zunächst auf Ex-Weltmeister Spanien. Weitere Vorrundengegner in der Gruppe C sind Schweden (18. Januar/20.30 Uhr/ARD) und Slowenien (20. Januar/17.15 Uhr/ZDF).

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 11.01.16, Foto: Sascha Klahn)

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