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KN: WM 2007 als Mahnung

Handball ist in - derzeit. 13 Millionen Menschen sahen den Gewinn des EM-Titels im TV, 9000 Fans bejubelten die Champions beim Empfang in Berlin. Aber kann die populärste Hallensportart Deutschlands langfristig von dem Erfolg profitieren?

DHB will den Hype nach der EM nutzen

Nachhaltigkeit: 2007 war die Nationalmannschaft Weltmeister. Gab es danach einen Aufschwung? "Wir haben den Hype nicht genutzt. Wir haben uns darauf ausgeruht, die positiven Effekte verschlafen", sagte Uwe Kölling, Geschäftsführer des Bundesligisten TuS N-Lübbecke. "Am Anfang waren die Hallen voll, dann flachte es ab." Das soll jetzt nicht passieren. "Alle müssen an einem Strang ziehen. Wir müssen den Handball mehr in die Schulen bringen. Wir brauchen ausreichend Hallen", sagt Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt.

Fernsehen: Begeisterung wird gefüttert durch mediale Präsenz. Die Bundesliga (HBL) ist bei Sport 1 zu Hause. Meist sind pro Woche zwei Spiele live im Fernsehen zu sehen. Das öffentlich-rechtliche TV zeigt nur gelegentlich Kurzsequenzen in den dritten Programmen, ARD-Sportschau oder ZDF-Sportreportage. Schelte vermeidet HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Es ist schon besser geworden. Vor drei Jahren fanden wir praktisch gar nicht mehr statt." Die Champions League läuft bei Pay-TV-Sender Sky. "Schmerzhaft ist, wenn im Fernsehen Livespiele der Dritten und Vierten Fußball-Liga gezeigt werden und wir nicht", klagt Bohmann.

Nachwuchsförderung: Einrichtungen wie Jugend-Leistungszentren und Eliteförderung haben sich gelohnt. Deutsche Top-Spieler sind so zahlreich wie lange nicht. Folge: Die Ausländerquote in der HBL sinkt - auf derzeit rund 35 Prozent.

Mitgliederzuwachs: Der WM-Titel 2007 verschaffte dem DHB ein Plus von 18 526 Mitgliedern. Seither ging es bergab. 2015 wurde ein Minus von 19 422 Mitgliedern verzeichnet. HBL-Präsident Uwe Schwenker erwartet einen erneuten Aufschwung: "Wie nach dem WM-Titel 2007 wird es wieder erheblichen Zulauf an Nachwuchsspielern geben."

Belastungen: "Wir müssen unsere Spieler schützen", fordert Thorsten Storm, Geschäftsführer des THW Kiel. Bundesliga, Champions League, DHB-Pokal, Nationalteam - die Termine jagen sich. Erholungspausen gibt es kaum. "Wir brauchen einen Kader von 16 Spielern, um mehr rotieren zu können." Bisher sind nur 14 erlaubt. 16 sollen möglich, aber nicht Pflicht sein, weil kleinere Vereine höhere Ausgaben scheuen. Storm: "Die Lösung des Problems ist eine Frage der Solidarität."

Sponsoren: Auch nach dem EM-Erfolg rennen Geldgeber den Bundesligisten und dem Nationalteam nicht die Tür ein. "Handball hat sich ins Schaufenster gespielt. Aber uns hilft nur, wenn wir gemeinsame Synergien erschließen", sagt Storm.

(Aus den Kieler Nachrichten vom 04.02.2016, Foto: Sascha Klahn)

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