THW kassiert unglückliche Niederlage in Hannover

Bundesliga
Donnerstag, 22.02.2018 // 18:11 Uhr

Der THW Kiel hat in der DKB Handball-Bundesliga weiter an Boden verloren. Beim Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf gelang es den "Zebras" trotz einer über weite Strecken guten Leistung nicht, dem zu Hause weiterhin ungeschlagenen Gastgeber zumindest einen Punkt abzuringen. Am Ende von 60 intensiven, spannenden Minuten besiegelte ein Wurf von Christian Dissinger über das Tor die unglückliche 27:28 (13:14)-Niederlage. Bester Torschütze war Niclas Ekberg (5/3), für die Niedersachsen traf Casper U. Mortensen 9/7 Mal. Bitter für die Kieler war neben der Niederlage auch der neuerliche Ausfall von Kapitän Domagoj Duvnjak.

Guter Start und ein Einbruch

Der THW begann in Hannover mit der gleichen Aufstellung wie beim Königsklassen-Auswärtsspiel in Aalborg. Auf der Bank jedoch gab es eine Veränderung: Kapitän Domagoj Duvnjak kehrte sechs Wochen nach seiner Verletzung beim EM-Auftakt zurück in den Kader und sah eine Kieler Mannschaft, die von Beginn an in Führung lag. Als Nikola Bilyk mit Schwung das 4:3 erzielte, Sebastian Firnhaber einen Häfner-Wurf blockte und Lukas Nilsson kompromisslos das 5:3 erzielte (8.) schien der THW gut in die Partie gekommen zu sein. Doch in den Folgeminuten wurde es dunkel am schwarz-weißen Horizont: Die TSV attackierte den Kieler Rückraum nun viel früher, ging aggressiv raus und zwang die "Zebras" so zu unvorbereiteten Würfen, die eine sichere Beute des immer stärker werdenden Ziemer wurden. Die Folge: Zehn Minuten lang blieben die Kieler ohne Tor-Erfolg, selbst eine Auszeit und die Einwechslung von Miha Zarabec, Christian Dissinger und auch Duvnjak blieb zunächst ohne Wirkung.

THW repariert 0:7-Lauf

Mit einem 7:0-Lauf drehte der Gastgeber, der im Angriff zumeist auf quälend lange Spielzüge setzte, die Zwei-Tore-Führung des THW in einen eigenen 10:5-Vorsprung. Trainer Alfred Gislason brachte Andreas Wolff für den glücklosen Niklas Landin, und formierte die Abwehr auf eine 3-2-1-Variante um. Duvnjak ging auf die Spitze, und jetzt waren es die Kieler, die die Akzente setzten - auch wenn ihnen das Pech weiterhin am Wurfarm zu kleben schien. Duvnjaks Wurf aufs leere Tor sprang vom Innenpfosten zurück ins Feld, kurz darauf ging der Kapitän auf Nummer sicher und erzielte seinen ersten Comeback-Treffer zum 7:10. Die TSV konterte durch Mortensen, eine Ziemer-Parade und Karasons Gegenstoß zum 12:7 - doch die "Zebras" hatten wieder Fuß gefasst. Nilsson bediente Wiencek zum 8:12, Wolff parierte gegen Olsen, und Vujin verkürzte erneut auf drei Treffer. Vier Minuten gelang den Hannoveranern nach Mortensens 13:9 kein Treffer mehr, weil die THW-Abwehr gut arbeitete - und Dissinger aufdrehte: Der lange verletzte Rückraumspieler traf zum 10:13, bediente den auf halbrechts durchstartenden Duvnjak zum 11:13, der wiederum fand Ekberg zum 12:13, und als Zarabec ausglich, war der 0:7-Lauf repariert - auch wenn Olson mit dem Pausenpfiff noch das 14:13 für die TSV gelang.

Temporeiche Phase ohne klaren Sieger

Nach dem Wechsel machte der THW dort weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte. Zwar traf Mortensen einmal mehr vom Siebenmeter-Strich, doch Zarabec und Dissinger, der einen Hammer unter die Latte setzte, trafen zum Ausgleich. Wieder gelang Mortensen vom "Strich" der Konter, doch jetzt war die "Zebra"-Zeit angebrochen: Weinhold bediene Wiencek, der mit links (!) zum 16:16 einnetzte, kurz darauf fand Dissinger mit einem grandiosen No-Look-Pass seinen Kreisläufer, der den THW nach 36 Minuten wieder in Führung brachte. Jetzt nahm das Spiel richtig Tempo auf: Elf Tore fielen zwischen der 38. und 44. Minute, eine Phase, in der der THW es versäumte, auf zwei Treffer wegzuziehen. So gelang Brozovic der 22:22-Ausgleich und Patrail die TSV-Führung, die Weinhold umgehend konterte. Allerdings kassierte Wiencek eine - zumindest harte - Zwei-Minuten-Strafe (50.), und Häfner nutzte den Platz mit einem unfassbaren Wurf in den Winkel zum 25:24. 

Hannover zieht mit drei Toren weg

Doch anders als zuvor gelang es dem THW nun nicht, zurückzuschlagen. Nilsson musste bei angedrohtem Zeitspiel werfen, verzog und bekam nach dem Wurf von Kastening einen Gesichtstreffer. Dieser blieb ungeahndet, und weil sich der junge Schwede nach dem folgenden Gegenstoß-Tor von Pevnov (26:24) etwas zu emotional beim Schiedsrichter nach dem Grund der ausbleibenden Zeitstrafe für Kastening erkundigte, kassierte Nilsson zwei Minuten wegen Meckerns. Die TSV-Überzahl ging zwar unentschieden aus, aber die Kieler waren weiterhin unter Druck. Als ihnen aufgrund von Zeitspiel ein Weinhold-Tor aberkannt wurde, nach Duvnjaks Steal Mortensen den Pass auf Ekberg abnahm und Dissinger ein Stürmerfoul unterlief, schien Hannover die schwierigste Zeit überstanden zu haben: Mortensen traf vier Minuten vor dem Ende auch mit dem siebten Strafwurf zum 28:25. Doch die Kieler gaben sich auch nach diesen Rückschlägen nicht geschlagen, kämpften leidenschaftlich um jede Möglichkeit.  

Unglückliches Ende

Das allerdings ohne Duvnjak, der nach seinem Pass auf die Bank humpelte und Trainer Gislason zu verstehen gab, dass seine Wade wieder große Probleme bereite. Und auch auf dem Platz wurde es dramatisch: Zarabec holte einen Siebenmeter heraus, den Ekberg zum 26:28 verwandelte, Landin hielt gegen Häfner, Wiencek wurde unsanft am Torwurf gehindert - wieder Siebenmeter, wieder Ekberg: 27:28. Da waren noch anderthalb Minuten zu spielen, und nachdem Olsen 59 Sekunden vor dem Ende nur die Latte getroffen hatte, bot sich den Zebras die Chance zum Ausgleich. In der Auszeit wurde die zuvor einige Male erfolgreiche Variante über Christian Dissinger zum Punkt-Lieferanten auserkoren, doch der Rückraumspieler krönte seine gute Leistung nicht: Sein Wurf ging über den Kasten, der Rest war Kieler Traurigkeit im Hannoveraner Tollhaus. Durch die Kieler Niederlage zog der SC Magdeburg an den Zebras vorbei auf Platz fünf, die MT Melsungen, am kommenden Donnerstag zu Gast in Kiel (jetzt Tickets sichern) kann mit einem Erfolg gegen Lemgo am Sonntag die Schwarz-Weißen ebenfalls noch überholen.

Samstag Gruppen-Heimfinale gegen Kielce

Den "Zebras" bleibt nach der kraftzehrenden Aufgabe in Hannover keine Verschnaufspause, denn bereits am Samstag - und damit nicht einmal 45 Stunden nach dem Auftritt in der TUI-Arena - haben sie in der VELUX EHF Champions League ein Heimspiel mit Endspiel-Charakter: Mit einem Sieg gegen die polnische Star-Truppe des Champions-League-Siegers 2016, Vive Kielce, können sich die Kieler in der Vorrunden-Gruppe B einen Platz unter den ersten vier Mannschaften sichern. Der Vorteil: Damit hätten die "Zebras" im Achtelfinale im entscheidenden Rückspiel ihre eigenen Fans im Rücken und könnten sich zudem weiterhin Hoffnung auf Platz zwei machen. Anwurf gegen die Mannschaft von Trainer Talant Dujshebaev ist um 17:30 Uhr, an allen bekannten Vorverkaufsstellen, an der Abendkasse und im THW-Online-Ticketshop gibt es noch einige Sitzplatz- und ausreichend Stehplatztickets. "Wir hoffen gegen Kielce auf einen echten Hexenkessel", sagt THW-Torhüter Niklas Landin. "Die Unterstützung unserer 500 Fans in Aalborg hat uns riesig geholfen - diese Atmosphäre brauchen wir am Samstag von 10.000 Zuschauern!" Weiter geht's in der Königsklasse, Kiel!

Statistik, 22. Spieltag, 22.02.18: TSV Hannover-Burgdorf - THW Kiel: 28:27 (14:13)

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (1.-33. und 1 Siebenmeter, 9 Paraden), Semisch (33.-60., 3 Paraden); Johannsen, Mortensen (9/7), Patrail (1), Pevnov (3), Lehnhoff (4), Häfner, Atman, Böhm, Karason (1), Olsen (5), Brozovic (1), Kalafut, Christophersen, Kastening (4); Trainer: Ortega

THW Kiel: Landin (1.-17., 51.-60., 3 Paraden), Wolff (17.-51. und 1 Siebenmeter, 6 Paraden); Duvnjak (3), Firnhaber, Weinhold (3), Dissinger (3), Wiencek (4), Ekberg (5/3), Frend Öfors (n.e.), Rahmel (n.e.), Dahmke (1), Zarabec (3), Vujin (2), Bilyk (1), Nilsson (2), Santos (n.e.); Trainer: Gislason

Schiedsrichter:  Fabian Baumgart / Sascha Wild
Strafzeiten: TSV: 3 (Böhm (19.), Häfner (20.), Christophersen (33.)) / THW: 3 (Weinhold (38.), Wiencek (50.), Nilsson (52.))
Siebenmeter:  TSV: 7/7 / THW: 3/3
Spielfilm: 0:1, 1:2 (3.), 2:3 (3.), 3:3 (6.), 3:5 (8.), 10:5 (18.), 10:7 (20.), 12:7 (22.), 12:9 (24.), 13:9 (26.), 13:13 (30.), 14:13;
15:13, 15:15 (33.), 16:15, 16:17 (36.), 17:18 (38.), 19:20 (41.), 21:22 (43.), 23:22 (45.), 24:24, 26:24 (52.), 26:25, 28:25 (56.), 28:27 (59.).
Zuschauer: 9.300 (TUI-Arena, Hannover)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir haben bis auf die Phase in der ersten Halbzeit, in der wir einen 0:7-Lauf bekommen, gut gespielt. In dieser Phase spekuliert Ziemer dreimal richtig. Bei Nilssons Freiwurf muss Kastening zwei Minuten bekommen, aber es lag heute gewiss nicht an den Schiedsrichtern. Sie haben gut gepfiffen. Dule hat heute mehr gespielt, als wir geplant hatten. Er war für die 3-2-1 aber enorm wichtig. Jetzt haben wir übermorgen das nächste Spiel und ich bezweifele, dass er gegen Kielce wird spielen können. Der Abstand auf Rang zwei ist jetzt sehr groß, das muss man realistisch sehen.

TSV-Rückraumspieler Kai Häfner: Das war wie zuletzt immer ein sehr intensives Spiel mit Höhen und Tiefen. Kleinigkeiten haben entschieden, und wir hatten das glückliche Ende für uns. Wir schielen jetzt nicht auf die Champions League, sondern sind bis jetzt gut damit gefahren, uns immer über den Moment zu freuen und die Serie immer von Spiel zu Spiel weiter zu schieben. Man darf nicht vergessen: Vor einem Jahr haben wir hier noch über Abstieg geredet.

THW-Kreisläufer Patrick Wiencek: Es ist richtig unangenehm, gegen die TSV zu spielen. Mit einem Unentschieden wären wir heute glücklich gewesen, jetzt hat Hannover verdient gewonnen. Nach den zwei Niederlagen wird es schwer, die Champions League noch zu erreichen. Da muss man realistisch bleiben, wir haben momentan nicht das Zeug dazu, die Champions League zu erreichen.

 

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