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KN: Im goldenen Oktober

Bundesliga

KN: Im goldenen Oktober

Kiel. Rekordmeister trifft Altmeister: Es ist ein ungleiches Duell an diesem Sonntagnachmittag. Der THW Kiel setzt sich am Ende mehr oder weniger souverän mit 31:25 (19:13, siehe THW-Spielbericht) gegen den VfL Gummersbach durch. Die Zebras vollenden damit einen goldenen, verlustpunktfreien Oktober mit dem achten Sieg in Folge, dem siebten in der Bundesliga.

Achter Sieg in Folge für den THW Kiel

Allein die Anzeigetafel spiegelt die sportlichen Kräfteverhältnisse zunächst nicht wider. Zwar beißt sich der VfL mit Nezhad Pouya Norouzi in der Rückraum-Mitte (trotz Nasenbeinbruch) weitestgehend an der Kieler 3:2:1-Deckung die Zähne aus, kann sich gegen das schwarz-weiße Lauffeuer kaum zur Wehr setzen. Zwar weiß der THW aus dem Rückraum Kraft zu entfalten, hat in dem Österreicher Nikola Bilyk einen beeindruckenden Vollstrecker und trifft in Überzahl das verwaiste Tor der Oberbergischen. Doch Schwächen im Abschluss (Tempogegenstoß Rune Dahmke gegen VfL-Keeper Carsten Lichtlein/11.), eine wenig meisterliche Fehlerquote (Fehlpass Bilyk/13.) und ein gerüttelt Maß Konfusion münden in einem 11:10-Zwischenstand (21.). THW-Trainer Alfred Gislason ("In dieser Phase fehlte die Konzentration") steigt die Zornesröte ins Gesicht. Ein kurzes 6:0-Deckungsintermezzo bleibt ohne Wirkung, mit Miha Zarabec im Angriff stabilisieren sich die Zebras dann allerdings und ziehen mit Tempospiel und Treffsicherheit auf 19:13 zur Pause davon.

So darf er gern ausklingen, der goldene Oktober, in dem für den verletzungsgeplagten VfL nichts zu holen sein wird in Kiel, auch wenn die Forschungsgruppe Handball mit den Jungspunden Ivan Martinovic (20), Luis Villgrattner (20) oder Pierre Busch (18) anfängliche Nervosität ablegt und jede Menge Erfahrung in der ausverkauften Sparkassen-Arena aufsaugt. Ihr Trainer Denis Bahtijarevic wird davon sicher noch profitieren im Saisonverlauf, ist froh, dass man an der Förde „nicht untergeht“. Denn danach sieht es beim 26:15 (43.) aus. Jetzt macht’s so richtig Spaß: Scharmützel zwischen Dahmke und Tobias Schröter (34.) - die Halle tobt. Andreas Wolff steht jetzt für den verdutzt ausgewechselten Niklas Landin zwischen den Pfosten (38.), Zarabec bedient Niclas Ekberg zum schönen Kempa-Trick-Torabschluss (39.), ab der 45. Minute dürfen auch Ole Rahmel und Magnus Landin ran. "Dann produzieren wir zehn Minuten lang technische Fehler, müssen höher gewinnen", sagt Kreisläufer Hendrik Pekeler, der sich dennoch über den anhaltend "guten Lauf" freut.

Bevor nun am Montag die Kieler Nationalspieler in alle Winde abreisen, um mit ihren Nationalmannschaften in der Europameisterschafts-Qualifikation oder dem EHF-Euro-Cup zu spielen, schalten sie am Sonntag in der heimischen Arena noch den einen oder anderen Gang runter, leisten sich Fehlpässe, Abspielfehler, schlecht getimte Würfe, Abstimmungsprobleme. Beispiel Harald Reinkind: Dem Norweger - seit zehn Tagen Alleinunterhalter im rechten Rückraum - geht ganz schön die Puste aus. Am Ende stehen vier Tore und fünf Fehlversuche zu Buche. Ein 3:9-Lauf aus Kieler Sicht zwischen der 44. und 56. Minute schönt die Gummersbacher Bilanz, und ab der 47. trifft sowieso nur noch Magnus Landin viermal, die Kieler Entdeckung dieser Saison im goldenen Oktober und davor.

(Von Tamo Schwarz und Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 22.10.2018, Foto: Sascha Klahn)

Stimmen zum Spiel in den Kieler Nachrichten

Alfred Gislason, THW-Trainer, in den KN: Ich bin recht zufrieden. Die Abwehr stand in der ersten Halbzeit gut, alle waren auch nach dem Lauf der letzten Zeit konzentriert. Besonders Nikola Bilyk kann man herausheben. Nachdem ich Mitte der zweiten Hälfte gewechselt habe, haben wir sehr, sehr viele Fehler gemacht, reihenweise Bälle weggeworfen – besonders die Spieler, die schon warm waren. Das hat mich geärgert.

Denis Bahtijarevic, VfL-Coach, in den KN: Der THW war klar besser, auch wenn wir bis zum 11:10 gut mitgehalten haben. Dann haben wir dumme Zeitstrafen kassiert, nach den Wechseln vier technische Fehler produziert. Nach der Pause haben wir Kiel das einfache Laufen nicht mehr so sehr erlaubt, konnten den Rückstand verkürzen. Der THW ist für mich Top-Favorit auf die Meisterschaft.

THW-Rückraumspieler Harald Reinkind in den KN: Wir hatten heute alles gut im Griff. Bei mir persönlich sind am Ende die Kräfte etwas geschwunden, dann kamen auch die Fehler. Ein etwas schöneres Gefühl wäre es gewesen, wenn wir mit zehn bis zwölf Toren gewonnen hätten. Stattdessen haben wir in der zweiten Halbzeit zugelassen, dass Gummersbach noch wieder etwas aufholt.

Niclas Ekberg, THW-Rechtsaußen, in den KN: Das war eine solide Leistung. Wir haben das ganze Spiel kontrolliert. Als wir viel gewechselt haben, sind wir etwas aus dem Rhythmus gekommen. Das passiert uns öfter, daran müssen wir arbeiten. Wir machen dann manchmal den letzten Schritt mit dem Kopf, sehen alle Möglichkeiten und entscheiden nicht instinktiv. Das wäre aber meist die beste Entscheidung.

Carsten Lichtlein, VfL-Torwart, in den KN: Wir haben keine Lösungen gegen die Kieler 3:2:1-Deckung gefunden. Ich denke, dass das heute ausschlaggebend war. In der zweiten Halbzeit hat der THW dann einen Gang rausgenommen. Einige Spieler müssen noch lernen, die waren zum ersten Mal in dieser Arena. Der THW wird ein gewaltiges Wörtchen um den Titel mitreden.