24:23 gegen den BHC: Zebras holen zwei wichtige Punkte fürs Selbstbewusstsein

Bundesliga
Donnerstag, 11.11.2021 // 21:09 Uhr

Unendlich lange vier Wochen mussten die siegverwöhnten THW-Fans in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga auf einen Triumph ihrer Zebras warten, jetzt ist der Bann gebrochen: In einem engen und über weite Strecken spannenden Spiel kehrte der THW Kiel am Donnerstag in der Wunderino  Arena gegen den Bergischen HC mit dem 24:23 (15:12)-Sieg in die Erfolgsspur zurück. Zwischenzeitlich hatten die Kieler klar mit 22:15 geführt, zitterten sich  am Ende aber mit letzter Puste zum Sieg. Mit einem Urschrei feierte Torhüter Niklas Landin seine insgesamt 13. Parade, die in den Schlusssekunden gegen Fabian Gutbrod diesen wichtigen Schritt nach vorn besiegelte und den Zebras zwei eminent wichtige Punkte sicherte.

Jichas Bitte an die Zuschauer: "Die Jungs brauchen euch"

Ging erneut voran: Kapitän Domagoj Duvnjak

"Bis zur 50. Minute war es ein ordentliches Spiel von uns", sagte der überragende Kapitän Domagoj Duvnjak. "Was in den letzten zehn Minuten geschah, verstehe ich nicht. Wichtig aber ist der Sieg. Den brauchten wir unbedingt für unser Selbstvertrauen." Duvnjak traf sechsmal für den THW, war bester Schütze seiner Mannschaft, Patrick Wiencek brachte es auf fünf Treffer. Für die Gäste traf Christian Weck sechsmal aus dem Rückraum, war damit erfolgreichster BHC-Schütze vor Gutbrod (5), dessen finaler Wurf vier Sekunden vor dem Ende eine Beute von Niklas Landin wurde. Vor allem in der nervenaufreibenden Schlussphase stand die "weiße Wand" lautstark hinter der eigenen Mannschaft, half mit, dass sie sich in der schwierigen Schlussphase endlich einmal belohnen durfte. Filip Jicha bedankte sich bei den Kieler Zuschauern und sprach sie mit einer Bitte direkt an: "Die Jungs brauchen Euch in dieser schwierigen Phase mehr denn je. Auch am Sonntag gegen Hannover." 

Kieler wahren weiße Weste gegen den BHC

In der Region Wuppertal  haben die Bergischen ihrem Rivalen und Nachbarn, den einstigen deutschen Handball-Giganten und Serienmeister VfL Gummersbach, längst den Rang abgelaufen. Während der VfL in der zweiten Liga verschwand, spielt das Team von Trainer Sebastian Hinze in der oberen Hälfte der besten Liga der Welt munter mit. Auch ein Verdienst des aktuellen THW-Geschäftsführeres Viktor Szilagyi, der mit dem BHC als Spieler in die Bundesliga aufstieg und später den Verein als Sportlicher Leiter stablilisieren und etablieren half. Dennoch: Die Löwen warten auch nach dem Drama vom Donnerstag weiterhin auf ihren ersten Punktgewinn gegen die Zebras. Zwanzigmal trafen die Teams in der Bundesliga aufeinander, zwanzigmal verließ der THW das Parkett als Sieger. 

Starke Anfangsphase der Gäste

Unterstützung für die Zebras gab's auch von den Rängen - und der Bank

An ihrem ersten Punktgewinn schnupperten die Löwen in den Schlusssekunden, hatten aber auch in der Anfangsphase viele gute Szenen. Sander Sagosen hatte den THW in Führung geworfen, Bomhouver glich aus, und nachdem Harald Reinkind und Patrick Wiencek, die endlich wieder mit voller Kapelle aufspielenden Kieler mit 3:2 in Führung gebracht hatten, setzten sich die Gäste mit einem 3:0-Lauf durch Rechtsaußen Emil Hansson (2) und Gutbrod auf 5:3 ab. Weil Domagoj Duvnjak Ballverluste der oft mit sieben gegen sechs agierenden Bergischen zweimal in Folge mit Treffern ins leere Tor bestrafte, Wille und Leidenschaft in die Verteidigungsarbeit legte und wieder einmal voranschritt, blieben die Zebras dran. Als die Kieler dann den 5:7-Rückstand mit einem 4:0-Lauf durch je zwei Treffer von Sander Sagosen und Duvnjak in die 9:7-Führung drehten, bekam das Spiel der Gastgeber Struktur. 

Kieler Pausenführung

Patrick Wiencek spielte stark auf und traf fünf Mal

Niklas Landin wurde zum gewohnt sicheren Rückhalt und als Patrick Wiencek nach großartigem Anspiel von Miha Zarabec, Sander Sagosen aus dem Rückraum  und Hendrik Pekeler mit perfektem Dreher den THW in der 21. Minute mit 12:8 in Führung warfen, waren die Zebras Herr im eigenen Haus, brachten eine verdiente 15:12-Führung mit in die Halbzeitpause. Gästetrainer Sebstian Hinze hatte schon in der 20. Minute reagiert und Christopher Rudeck im Tor gegen Tomas Mrkva ausgewechselt. Ausgerechnet Mrkva. Der tschechische Schlussmann, der in der kommenden Saison das THW-Trikot überstreifen wird und Dario Quenstedt ersetzen soll, avancierte in den zweiten 30 Minuten zum Schreckgespenst für die Zebras.
 

THW enteilt, lässt den BHC aber wieder ins Spiel

Sander Sagosen erzielte vier Treffer

Aber der Reihe nach: Als der starke Patrick Wiencek, großartig von Sander Sagosen bedient, in der 39. Minute auf 19:15 erhöhte, Hendrik Pekeler, Domagoj Duvnjak und nochmals Wiencek den THW in der 46. Minute auf 22:15 enteilen ließen, schienen sich die Zebras langsam aber sicher in ruhigeres Fahrwasser zu begeben. Einige unverständliche Schiedsrichter-Entscheidungen, die THW-Spielern und Fans unter anderem bei Niklas Landins völlig überzogener Zeitstrafe nach eigenem Ärgern über ein Gegentor Fragezeichen ins Gesicht zauberten, und eine ganze Reihe starker Reflexe von Mrkva sorgten dann für eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd der Gäste und eine dramatische Schlussphase. 

Abwehrschlacht rettet den Sieg

Die Kieler Abwehr brachte in der Schlussphase den verdienten Sieg über die Zeit

Ein 4:0-Lauf brachte die Gäste bis zur 52. Minute auf 20:22 heran. Ruhe kehrte bei den Zebras auch nicht ein, als Niclas Ekberg in der 52. Minute zum 23:20 traf. Die Schlussphase geriet zum absoluten Krimi, auch weil Sander Sagosen seinen Siebenmeter gegen den Pfosten schmetterte,  Arnesson dagegen in der 55. Minute mit einem Strafwurf zum 22:23 traf. Duvnjak erhöhte dann mit dem letzten Treffer für den THW in der 55. Minute zum 24:22, die letzten fünf Minuten wurden zur schwarz-weißen Abwehrschlacht, auch weil auf beiden Seiten die Torhüter den Angreifern mit ihren Paraden das Blut in den Adern gefrieren ließen. Gutbrod verkürzte zwei Minuten vor dem Ende, doch im letzten Kieler Angriff wurde die Verteidigung im Raum übersehen. Statt eines Siebenmeters für den THW Kiel wurde auf Stürmerfoul von Reinkind entschieden, der Ball ging also verloren: 65 Sekunden vor dem Abpfiff hatten die Gäste alles in ihren Händen, Kiels Abwehr kämpfte bravourös, und am Ende war es wieder einmal Niklas Landin, der seinem Team einen ganz wichtigen Sieg rettete.

Sonntag Heimspiel gegen Hannover

Die Zebras bleiben nach dem Heimspiel gegen den BHC im Lande: Bereits am Sonntag sind sie wieder in der Wunderino Arena gefordert. Zu Gast ist ab 14 Uhr (ACHTUNG: neue Anwurfzeit) die TSV Hannover-Burgdorf, die mit dem ehemaligen Bundestrainer Christian Prokop an der Seitenlinie zuletzt mit zwei Siegen in Folge einen schwierigen Saisonstart in einen Aufwärtstrend umwandelte. Für das Spiel gibt es unter www.thw-tickets.de , in der THW-FANWELT, bei CITTI und in allen famila-Märkten mit Ticketservice noch Eintrittskarten in allen Kategorien. Die THW-FANWELT öffnet ihre Tageskasse am Sonntag um 11 Uhr. Weiter geht's gegen Hannover, Kiel!  

LIQUI MOLY HBL, 10. Spieltag: THW Kiel - Bergischer HC: 24:23 (15:12)

THW Kiel: N. Landin (1.-50., 52.-60., 13 Paraden), Quenstedt (51.-52., keine Parade); Ehrig (n.e.), Duvnjak (6), Sagosen (4), Reinkind (2), M. Landin (3), Weinhold, Wiencek (5), Ekberg (2/1), Ciudad (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec, Horak (n.e.), Bilyk (n.e.), Pekeler (2); Trainer: Jicha
Bergischer HC: Rudeck (1.-21., 1 Parade), Mrkva (21.-60., 13/1 Paraden); Schönningsen, Weck (6), Gunnarsson (1), Szücs, Damm, Gutbrod (5), Arnesson (4/2), Bergner, Nikolaisen, Boomhouwer (3), Hansson (3), Stutzke (1), Schmidt; Trainer: Hinze

Schiedsrichter: Christian vom Dorff / Fabian vom Dorf
Zeitstrafen: THW: 3 (Duvnjak (17.), Reinkind (49.), N. Landin (50.)) / BHC: 4 (3x Nikolaisen (9., 27., 40.), Gunnarsson (12.))
Siebenmeter:  THW: 3/1 (Mrkva hält Ekberg (40.), Sagosen an den Pfosten (54.)) / BHC: 2/2
Spielfilm: 1:0, 1:1 (5.), 3:2, 3:5 (9.), 5:7 (11.), 9:7 (16.), 12:8 (21.), 12:10, 13:11 (27.), 15:11 (29.), 15:12;
15:13, 17:13 (35.), 18:15, 22:15 (46.), 22:20 (51.), 23:20, 23:22 (55.), 24:22 (55.), 24:23 (58.).
Zuschauer: 9000 (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Filip Jicha: Wir haben bis zur 46. Minute und der zweiten Auszeit von Sebastian in der zweiten Hälfte sehr geduldig gespielt und fleißig gearbeitet. Beides braucht man gegen BHC. In den letzten 15 Minuten habe ich bei meinen Jungs ein bisschen Angst gespürt, aber diese Angst gehört nicht in unser Spiel. Aber auch das ist ein Prozess, in dem wir uns befinden. Wenn wir uns einige "blöde" Fehler nicht leisten, bekommen wir das Spiel gut hin. Wir spielen dann auch die Chancen heraus, aber dann was Tomas (Mrkva) mit seiner präsenten Art da und hat uns unter anderem Tempogegenstöße und Siebenmeter weggenommen. Insgesamt war unsere Angriffseffektivität in der zweiten Halbzeit nur bei kmnapp über 30 Prozent, das ist eigentlich viel zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen. Deshalb waren meine Jungs in der Kabine auch geknickt, ich habe ihnen aber mit auf den Weg gegeben, dass wir 46 Minuten gute Arbeit abgeliefert und zwei Punkte geholt haben. Das war wichtig, zumal Peke und Miha aufgrund von Infekten kaum spielen konnten. Aber auch das ist eine der Herausforderungen, denen wir uns stellen. Ich freue mich auf unser nächstes Spiel und habe neben einem Dank eine große Bitte an unsere Zuschauer: Die Jungs brauchen Euch in dieser schwierigen Phase mehr denn je. Auch am Sonntag gegen Hannover!

BHC-Trainer Sebastian Hinze: Wir sind ganz gut in dieses Spiel gekommen, haben die zweite Welle, die Schnelle Mitte und die erweiterte Angriffsphase der Kieler mit zwei Kreisläufern gut verteidigt und zunächst auch gegen die 3-2-1 gute Lösungen gefunden. Einige einfache Ballverluste haben dann den Unterschied zur Pause ausgemacht. In die zweite Halbzeit starten wir wieder mit guten Entscheidungen, bis Landin starke Paraden gegen die Außen und die Halbpositionen hatte. Über eine sehr starke Torwartleistung von Mrkva haben wir dann in die Partie zurückgefunden und in den letzten Minuten überragend gedeckt. So haben wir die Chance auf einen Punkt bekommen, der natürlich super gewesen wäre. Aber dass wir hier nach minus sieben zurückgekommen sind, kann ich meinen Jungs hoch anrechnen.

Sander Sagosen bei Sky: Wir hatten alles unter Kontrolle und waren nach 45 Minuten mit sieben Toren vorne. Dann haben wir nur noch ein Tor in den letzten 15 Minuten gemacht, das ist natürlich nicht gut genug. Wir haben dennoch weitergearbeitet, und Niklas hält den letzten Ball stark. Wir haben die zwei Punkte, das ist entscheidend. Wir müssen arbeiten und weitermachen, einfach im Training weiter Gas geben. Die Zuschauer haben uns heute gegen Ende sehr geholfen.