Klarer Auswärtssieg in Aalborg: THW rückt auf Platz zwei vor

Champions League
Samstag, 17.02.2018 // 18:11 Uhr

Der THW Kiel hat in der VELUX EHF Champions League einen souveränen Sieg errungen: Beim dänischen Meister Aalborg Handbold gewannen die "Zebras" am Sonntagnachmittag klar mit 27:20 (15:11) und rückten durch diesen Erfolg auf Platz zwei der Vorrundengruppe B vor. Überragender Akteur war Niklas Landin, der 19 Würfe auf sein Tor parierte und einmal selbst erfolgreich war. Niclas Ekberg traf mit 7/3 Toren am häufigsten, stark agierte auch der sechs Mal erfolgreiche Nikola Bilyk, der das Spiel der Kieler lenkte. Am Ende feierten die "Schwarz-Weißen" gemeinsam mit ihren 500 mitgereisten Fans, die die Auswärtspartie stimmungsmäßig in ein Heimspiel verwandelten, mit der La Ola zwei Zähler, die wichtig nicht nur für das Selbstvertrauen waren.

Landin mit starkem Beginn

Bester Torschütze: Niclas Ekberg

Heimspiel in Aalborg: Die mitgereisten Fans, die am frühen Sonntagmorgen gen Dänemark aufgebrochen waren, veranstalteten schon beim Warmmachen der "Zebras" ein Heidenspektakel. Die Kieler starteten mit ihren Fans im Rücken - und das schien Niklas Landin gut zu tun. Der dänische THW-Torhüter, Freitag Vater einer Tochter geworden, zeigte in seinem Heimatland einen ganz starken Auftakt und war mit seinen Paraden maßgeblich daran beteiligt, dass der THW Kiel aus einem 1:2-Rückstand eine 4:2-Führung machte. Sechs Minuten lang kassierten die "Zebras", die mit Emil Frend Öfors, Niklas Landin und Nikola Bilyk im Vergleich zum Wetzlar-Spiel gleich auf drei Positionen verändert in die Partie gingen, kein Gegentor. Allerdings verpassten es die Schwarz-Weißen, mehr Kapital aus dieser Phase zu schlagen - was auch am bärenstarken Aggefors im Aalborger Tor lag, der unter andem einen Gegenstoß von Niclas Ekberg abwehrte. Trotzdem blieben die Kieler in einer Partie mit vielen Fehlern auf beiden Seiten bis zum 7:5 mit zwei Treffern vorn, dann gelang Aalborg der Ausgleich - zum ersten Mal übertönten die Heim-Fans die mitgereisten Kieler (19.).

THW erarbeitet sich Vier-Tore-Führung

Dynamisch: Nikola Bilyk erzielte sechs Treffer

Die bekamen aber schnell wieder Oberwasser, denn die Schwarz-Weißen ließen sich dadurch nicht beirren. Die Abwehr um die beiden "Türme" Wiencek und Sebastian Firnhaber beeindruckte den schnell spielenden Gastgeber, und mit einem Doppelschlag brachte Ekberg den THW wieder mit 9:7 in Führung. Dann hielt Landin einen Pedersen-Wurf fest, und der immer stärker werdende Nikola Bilyk jagte den Ball aus elf Metern zum 10:7 in die Maschen. Die Folge: Ovationen im Fanblock, und Selbstbewusstsein beim THW Kiel. Auch nach Jotic' Anschluss zum 9:11 blieb der THW Kiel Herr im fremden Haus: Weil Ekberg sich einen Abpraller schnappte und zum 12:9 einwarf, weil Wiencek hinten einen Ball klaute und Firnhaber den Gegenstoß mit Wucht zum 13:9 verwandelte. Erstmals lagen die Kieler mit vier Toren vorn - eine Führung, die trotz weiterer Aggefors-Paraden auch beim Seitenwechsel Bestand hatte.

THW zieht davon

Die weiße Wand sorgte in Aalborg für ordentlich Rückenwind

Nach dem Wechsel machte der THW Kiel dort weiter, wo er vor dem Kabinengang aufgehört hatte: Gleich den ersten Angriff versenkte Antreiber Steffen Weinhold zum 16:11, Landin hielt gegen den freien Hald Jensen, Lukas Nilsson bediénte Wiencek mit einem Traumpass zum 17:11, ehe Ole Rahmel die Führung sogar auf 18:11 schraubte (35.). Als kurz darauf Bilyk unnachahmlich hochstieg und zum 19:12 einnetzte, nahm Aron Kristjansson die Auszeit, um dem Kieler Sturmlauf Einhalt zu gebieten. "Schwarz und Weiß" erklang aus der Fankurve, doch nun waren die Gastgeber am Drücker. Sie verkürzten auf 14:19, Landin verhinderte mit einem gehaltenen Konter weiteres Ungemach. Bilyk fand mit einem traumhaften Anspiel hinter dem Rücken Wiencek und traf kurz darauf zum 21:14. 18 Minuten vor dem Ende schien die Begegnung entschieden zu sein.

Aalborg ist wieder im Spiel

Hartes Stück Arbeit: Patrick Wiencek und Nikola Bilyk hatten einiges zu tun

Doch für Vorfreude war es viel zu früh - mit dem Mute der Verzweiflung und der Unterstützung durch einige Kieler Zeitstrafen robbten sich die Gastgeber heran. Ein 5:1-Lauf der Aalborger, angeführt von Torhüter Aggefors und dem starken Tobias Ellebaek, sorgte in einer bis dato souverän vom THW Kiel geführten Partie wieder für Spannung. Satte vier Mal nutzten die Dänen dabei den Überzahl-Vorteil, und hätte Landin nicht auch in dieser Phase einiges an freien Bällen gehalten, wäre es vielleicht sogar noch einmal richtig kribbelig geworden. So aber nahm Gislason beim Stand von 22:19 (51.) die Auszeit, mahnte zur konzentrierten Arbeit und gab seiner Mannschaft eine kurze Atempause vor dem Schluss-Spurt.

Landin trifft und krönt seine Leistung

La Ola: Die Zebras feierten mit ihren Fans einen wichtigen Sieg

Diesen zog Wiencek unnachahmlich an, warf sich ins Getümmel und holte einen Strafwurf heraus, den Ekberg sicher verwandelte. Und Landin zeigte seinen Landsleuten, wie wertvoll er für seine Mannschaft sein kann, hielt nun reihenweise die Bälle fest, die eine wieder richtig sattelfest agierende THW-Defensive durchließ. Nilsson bereitete mit einem sensationellen Pass auf Emil Frend Öfors das 24:19 vor, dem Wiencek das 25:19 folgen ließ. Aalborg ragierte mit einer Auszeit und versuchte mit dem siebten Feldspieler alles - ohne Erfolg. Landin zeigte erst Parade Nummer 18, erspähte dann die Lücke vor dem leeren Tor und krönte seine überragende Leistung mit dem Tor zum 26:19, dem Firnhaber nach einem Frend-Öfors-Steal kurz darauf das 27:19 folgen ließ. Ein 6:0-Lauf zur Entscheidung - der Rest war eine große Party: Minutenlang feierten die "Zebras" mit ihren Fans, Trainer Alfred Gislason ermunterte seine Mannschaft zur La Ola, die im Fanblock hundertfach erwidert wurde. Das wichtigste vor der gut fünfstündigen Heimreise: Zwei Punkte im Gepäck, die für den THW Kiel in der Gruppenphase noch sehr wichtig werden können.

Donnerstag in Hannover

Dank an die Fans: Alfred Gislason und Niklas Landin

Nach der Partie machten sich die schwarz-weiße Fan-Karawane und auch die Mannschaft des THW Kiel zügig auf die Heimreise in die gut 400 Kilometer entfernte Landeshauptstadt. Denn für die "Zebras" geht es weiter im Wechsel zwischen Königsklasse und DKB Handball-Bundesliga. Und in der "stärksten Liga der Welt" wartet am Donnerstag ein richtiger Auswärts-Brocken auf den THW: Die Kieler reisen zum Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf, gegen den die "Zebras" das Hinspiel in eigener Halle mit verloren. Auch im Pokal reichte es in Hannover nicht gegen die starken Recken, die durch Carlos Ortega zu einer echten Spitzenmannschaft geformt worden sind. In der VELUX EHF Champions League geht es für die Kieler am Sonnabend weiter: Um 17:30 Uhr ist der polnische Topclub Vive Kielce zu Gast an der Förde. Tickets für diese Partie gibt es noch an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Online-Ticket-Shop des THW Kiel. Weiter geht's, Kiel!

Statistik:VELUX EHF Champions League, 12. Spieltag: Aalborg Handbold (DEN) - THW Kiel: 20:27 (11:15)

Aalborg Handbold: Aggefors (1.-60., 15/1 Paraden), Pedersen (1 Siebenmeter, keine Parade); Wiesmach, Barthold (1), Larsen (3), Hessellund, Hald Jensen, Saugstrup Jensen (2), Holst Jensen, Ellebaek (7), Jotic (3), Atlason, Meinby Pedersen, Antonsen (1), Juul-Lassen (3/2); Trainer: Kristjansson

THW Kiel: Landin (1.-60., 19/2 Paraden und 1 Tor), Wolff (n.e.); Firnhaber (2), Weinhold (2), Dissinger, Wiencek (4), Ekberg (7/3), Frend Öfors (1), Rahmel (2), Dahmke (n.e.), Zarabec, Vujin (1), Bilyk (6), Nilsson (1), Santos (n.e.); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Stevann Pichon / Laurent Reveret (Frankreich)
Strafzeiten: Aalborg: 1 (Eggebaek (52.)) / THW: 4 (Weinhold (8.), Firnhaber (43.), Wiencek (47.), Rahmel (49.))
Siebenmeter: Aalborg: 3/1 (Landin hält Juul-Lassen (34.) und Jotic (48.)) / THW: 4/3(Aggefors hält Ekberg (48.))
Spielfilm: 1:0, 2:1 (6.), 2:4 (9.), 3:4 (12.), 4:6 (13.), 5:7 (15.), 7:7 (19.), 7:10 (21.), 9:11 (25.), 9:13 (25.), 10:14, 11:15;
11:18 (35.), 12:19 (36.), 14:19 (37.) 14:21 (42.), 16:22 (46.), 19:22 (51.), 19:27 (58.), 20:27 .

Zuschauer: 4.250 (Gigantium Ice Arena, Aalborg (DEN))

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Ich möchte mich bei unseren Fans bedanken: Das war heute eine unglaubliche Unterstützung für meine Mannschaft, die Stimmung aus unserer Kurve hat uns richtig geholfen!
gegenüber den KN: Viktor Szilagyi und ich haben der Mannschaft ein paar Tage vor dem Wetzlar-Spiel die Auseinandersetzung mit Christian Zeitz erklärt, um Probleme und Unruhe zu vermeiden. Ich muss schon sagen, dass diese Sache für mich menschlich eine Riesen-Enttäuschung ist. Die Unterstützung der Fans heute in Aalborg war einfach unglaublich.

Aron Kristjansson, Aalborg-Coach, in den KN: Wir hatten von Anfang an gute Chancen, haben aber Probleme gehabt, Tore zu machen. Irgendwann wird es dann gegen Kiel immer schwieriger. Wir waren hinten ständig unter Druck, haben uns zu viele technische Fehler geleistet. Aber wir haben noch zwei Spiele in Celje und zu Hause gegen Flensburg. Ich glaube, wir können es noch schaffen, das Achtelfinale zu erreichen.

Niklas Landin, THW-Torwart, in den KN: Ich habe am Sonnabend beim Training gleich gespürt, dass die Stimmung der Mannschaft ganz tief im Keller war. Ich glaube nicht, dass die Geburt meiner Tochter mir einen Extraschub gegeben hat. Ich hatte in den letzten Spielen einfach nur richtig viel Bock auf Handball. Wir haben alle gemeinsam den Traum, das Final Four in Köln endlich wieder zu erreichen.

Patrick Wiencek, THW-Abwehrchef: In der Champions League läuft es besser. Niklas Landin hat uns heute Sicherheit gegeben, die Abwehr stand gut. Platz zwei in der Gruppe wäre schon richtig schön. Aber wir müssen jetzt erst einmal auf dem Boden bleiben, jedes Spiel gewinnen.

Steffen Weinhold, THW-Linkshänder: Der Unterschied zur Wetzlar-Niederlage? Wir haben in Aalborg weniger technische Fehler gemacht, weniger leichte Bälle in der zweiten Welle weggeworfen, auch wenn wir heute natürlich auch einige Fehlwürfe hatten. Wir standen aber von Beginn an gut in der Deckung, und Niklas hat uns mit seinen Paraden gut geholfen.