33:35 in Aalborg: Zebras belohnen sich nicht für einen couragierten Auftritt

Champions League
Mittwoch, 24.11.2021 // 20:04 Uhr

Tore am Fließband, Spannung bis zur Schlusssekunde: Das Rückspiel in der EHF Champions League zwischen Aalborg Handbold und dem THW Kiel bot am Mittwochabend in der ausverkauften Sparekassen Danmark Arena alles, was diesen Sport so faszinierend macht. Am Ende konnten die Kieler sich und ihre lautstarken 250 mitgereisten Fans nicht für einen couragierten Auftritt belohnen, die Aufholjagd der Zebras endete kurz vor Schluss abrupt in den Armen der dänischen Verteidigung. Die Gastgeber gewannen vor 5020 begeisterten Zuschauern mit 35:33 (17:16), revanchierten sich für die 28:31-Niederlage vor Wochenfrist in der Kieler Wunderino Arena und feierten zugleich im achten Spiel ihren ersten Sieg gegen den ohne seinen kurzfristig ausgefallenen Kapitän Domagoj Duvnjak angetretenen Deutschen Meister.  

Riesen-Unterstützung der "weißen Wand"

250 Kieler Fans unterstützten ihre Zebras in Aalborg

Rund 250 Kieler Fans hatten ihren THW bei der Reise in den dänischen Norden begleitet, die Mannschaft 60 Minuten lang mit großartigem Einsatz unterstützt undh die enttäuschten Zebras nach dem Schlusspfiff mit großem Applaus wieder aufgebaut. Die "weiße Wand" war nur vom Ergebnis enttäuscht, Einsatz, Leidenschaft und Wille ihres Te iams hatten die Kieler Zuschauer immer wieder von ihren Sitzen gerissen. In der Tabelle der Champions-League-Gruppe A rückte das Spitzen-Quartett durch die Kieler Niederlage aber noch enger zusammen. "Natürlich war es ein spannendes und aufregendes Spiel", sagte THW-Torhüter Niklas Landin direkt nach dem Spiel, und wusste auch den Grund für die Niederlage: "In der Defensive haben wir nicht gut gespielt."

Duvnjak muss passen

Zum Zuschauen gezwungen: Kapitän Domagoj Duvnjak

Eine Hiobsbotschaft verbreitete sich bereits beim Aufwärmen unter den mitgereisten Anhängern: THW-Spielmacher und Führungsfigur Domagoj Duvnjak humpelte langsam und unter großen Schmerzen zur Bank, während sich seine Kollegen bereit für das dritte Spitzenspiel innerhalb von sechs Tagen machten. Er war am Morgen mit starken Rückenbeschwerden aufgewacht und konnte trotz aller Bemühungen der medizinischen Abteilung nicht mitwirken. Auf Aalborger Seite fehlten der Ex-Kieler Aaron Palmarsson mit einer Gehirnerschütterung sowie die Kreisläufer Jesper Nielsen (Adduktoren) und Rene Antonsen (Knöchel). 

Handball der Extraklasse

Patrick Wiencek ging voran: Sechs Mal traf der THW-Kapitän

Trotzdem machten beide Teams dort weiter, wo sie vor weniger als einer Woche im Hinspiel angefangen hatten: Sie machten Druck, spielten mit hohem Tempo, hatten erneut die Tormaschinerie angeworfen und griffen zudem in die prall gefüllten Trickkisten. Mit einem Satz: Aalborg und Kiel boten Handball der Extraklasse. Bester Kieler Torschütze war einmal mehr Rechtsaußen Niclas Ekberg, der Schwede traf siebenmal. Grandios kämpfte sich auch Kapitän Patrick Wiencek in die Begegnung, der sechs Mal traf. Als "man of the match" wurde hingegen Aalborgs Nikolaj Laesö von der Jury erkoren. Der Däne netzte neunmal ein, am Ende warf er auch den letzten, entscheidenden Ball drei Sekunden vor dem Ende ins THW-Tor. 

Tempo, Tempo, Tempo

Fünf Tore: Miha Zarabec

Wiencek war es auch, der den irren Torreigen eröffnete. Die erste Führung der Dänen beim 3:2 glich dann Magnus Landin aus, Patrick Wiencek brachte seine Farben erneut nach vorn. Das Torfestival nahm Fahrt auf. Niclas Ekberg traf in der neunten Minute zum 5:4, Sander Sagosen mit Einzelleistung zum 6:5, ehe Möllgaard Rot-Weiß mit dem 7:6 jubeln ließ. Es blieb eng, die Teams agierten komplett auf Augenhöhe, die Tore verteilten sich auf beiden Seiten auf viele Schultern. Motor bei den Dänen war wie schon vor sieben Tagen Felix Claar, beim THW sprang Miha Zarabec für Duvnjak in die Bresche, kurbelte das Kieler Spiel gemeinsam mit Sander Sagosen an. Und Zarabec war es auch, der Aalborgs Torhüter Mikael Aggefors die letzte Kieler Führung um die Ohren schmetterte. 

Keine Mannschaft kann sich absetzen

Danach legten jeweils die Dänen knapp vor, die Torhüter auf beiden Seiten hatten nur wenig Ballkontakte, und auch die Abwehrreihen hatten mit der Offensivkraft beider Mannschaften ihre liebe Mühe und Not. So dauerte es bis zur vor die Pause, bis sich eine Mannschaft erstmal mit mehr als einem Treffer in Führung werfen konnte. Unglücklicherweise für die Zebras waren das die Dänen: Zweimal Laesö und Sandell brachten die Gastgeber bis zur 27. Minute beim 16:13 erstmals mit drei Treffern in Front, doch Steffen Weinhold warf die Kieler innerhalb von 40 Sekunden wieder heran, Sander Sagosen schloss dann zum 16:17 und dem Halbzeitstand ab.

Aalborg zieht weg

Die zweiten 30 Minuten starteten zunächst als Abziehbild der ersten. Laeö traf zum 18:16, und weil nach einer langen Kieler Ballstafette Zeitspiel drohte, schnappte sich Kreisläufer Hendrik Pekeler die Kugel und verwandelte sehenswert per Sprungwurf. Bis zur 47. Minute und dem 25:26 von Sander Sagosen blieben die Teams auf Augenhöhe, dann bekamen die Dänen Oberwasser. Jicha hatte Dario Quenstedt für den glücklosen Landin eingewechselt, Kiels Nummer zwei konnte den Zug der Dänen zum Tor aber ebensowenig verhindern. Immer wieder fehlten den Zebras nur Zentimeter zum Ballgewinn - die berühmten "Kleinigkeiten" in Top-Spielen. So zog Aalborg bis zur 49. Minute auf 29:25 davon, Jicha beorderte Landin für die nervenaufreibende Schlussphase ins Tor zurück, ließ seine Abwehr offensiv 3:2:1 mit Magnus Landin als Speerspitze agieren. Als Jakobsen jedoch in der 55. Minute zum 33:29 traf, schien die Partie entschieden.

Kiel kommt noch einmal zurück

Auch Niclas Ekberg machte es mit seinen Treffern noch einmal spannend

Gleichwohl: die Kieler fanden noch einmal zurück: Niclas Ekberg machte das 30:33, Landin parierte den Siebenmeter von Juul-Lassen, Harald Reinkind traf zum 31:33, und als Niclas Ekberg in der 58. Minute das 32:33 erzielte, war die Spannung auf dem Höhepunkt - und die letzten Minuten nichts für schwache Nerven. Björnsen erhöhte auf 34:32, Patrick Wiencek brachte seine Farben wieder heran. Aalborg wurde nervös, verfing sich im Kieler Abwehrgestrüpp, 50 Sekunden vor dem Ende hatten die Zebras den Ball in der Hand und die Chance zum Remis. Dann folgte großes Pech: Sander Sagosen machte Druck auf Aalborgs Abwehr, wollte Wiencek am Kreis bedienen, doch der Ball blieb an den Händen des Norwegers kleben, wurde so zur Beute der Dänen. Der Rest war Jubel in Rot-Weiß.  
 

Sonntag Heimspiel gegen Leipzig

Traurig ob der Niederlage bedankten sich die Zebras bei ihren großartigen Auswärts-Fans

Nach zuletzt zwei Auswärtsspielen im tiefen Süden und im hohen Norden sind die Zebras am Sonntag endlich wieder einmal zu Hause:Sie empfangen in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga den SC DHfK Leipzig zum Kampf um zwei wichtige Punkte. Für die Partie gibt es noch Tickets unter www.thw-tickets.de, bei CITTI und in allen famila-Märkten mit Ticketservice sowie in der THW-FANWELT, die auch am Sonntag ab 13 Uhr geöffnet haben wird. Es gelten die 2G-Regeln (siehe Extra-Artikel), und in der Halle ist das Tragen einer medizinischen oder einer FFP2-Maske Pflicht. Anpfiff für die Partie um 16 Uhr, Sky überträgt wie gewohnt live. Weiter geht's gegen Leipzig, Kiel!

EHF Champions League, 8. Spieltag: Aalborg Handbold - THW Kiel: 35:33 (17:16)

Aalborg Handbold: Gade (31.-60., 3 Paraden), Aggefors (eb1.-30. und 1 Siebenmeter, 3/1 Paraden); Jakobsen (3), Samuelsson, Klöve, Barthold (2), Claar (4), Sandell (6), Laesö (9), Hermansen (2), Holst Jensen, Larsen, Björnsen (4), Möllgaard (4), Juul-Lassen (1/1); Trainer: Madsen 
THW Kiel: 
Landin (1.-36., 49.-60., 6/1 Paraden), Quenstedt (36.-49., 1 Parade); Ehrig (n.e.), Duvnjak (n.e.), Sagosen (3), Reinkind (4), M. Landin (2), Weinhold (4), Wiencek (6), Ekberg (7/2), Ciudad (n.e.), Dahmke, Zarabec (5), Horak, Bilyk (1), Pekeler (1); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Jonas Eliasson / Anton Palsson (Island)
Zeitstrafen: Aalborg: 4 (Laesö (10.), Claar (17.), Jakobsen (32.), Möllgaard (52.)) / THW: 3 (M. Landin (15.), Wiencek (35.), Dahnmke (50.))
Siebenmeter: Aalborg: 2/1 (Landin hält Juul-Lassen (56.)) / THW: 4/3 (Aggefors hält Ekberg (25.))
Spielfilm: 1:2 (2.), 3:2 (3.), 3:4 (8.), 6:7 (13.), 8:7 (15.), 9:10, 11:10 (21.), 13:13 (24.), 16:13 (27.), 16:15 (28.), 17:16;
19:18 (34.), 21:20 (36.), 23:20 (39.), 25:22, 25:24 (45.), 26:25, 29:25 (48.), 31:27 (50.), 33:29 (53.), 33:32 (58.), 34:33 (59.), 35:33.
Zuschauer: 5020 (ausverkauft) (Sparekassen Danmark Arena, Aalborg)

Stimmen zum Spiel

THW-Linkshänder Steffen Weinhold: Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir verloren haben. Wir haben es aber nicht geschafft, mit unseren verschiedenen Abwehrformationen Aalborg wirlich aufzuhalten. Da haben uns hinten ein paar Ballgewinne gefehlt, um dieses Spiel zu gewinnen. Das ist natürlich bitter und tut umso mehr weh, weil wir heute soviele Fans dabei hätten, für die wir gerne mindestens einen Punkt geholt hätten. Jetzt müssen wir in den verbleibenden Spielen die Punkte holen.

THW-Torhüter Niklas Landin: Die Niederlage fühlt sich gerade jetzt sehr hart an. Aber es ist uns nicht gelungen, die Aalborger Offensive zu stoppen. Laeso, Sandell und Claar haben ein Riesen-Spiel gemacht. Und wenn du dann 35 Gegentore kassierst, ist es hart, zu gewinnen.

THW-Trainer Filip Jicha: Glückwunsch an Aalborg und meinen Kollegen Stefan Madsen! Das war heute ein gtoßartiges Spiel auf dem höchstmöglichen Niveau und einer unglaublichen Intensität. Aalborg hat vor allem im Angriff sehr gut gespielt, wir konnten sie nicht stoppen, weil wir uns nicht so bewegt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten. Ich muss zugeben, dass ich sehr traurig für meine Jungs bin, dass wir dieses Spiel verloren haben. Sie hätten sich einen Punkt wirklich verdient gehabt. Wir hatten die Chance zum Unentschieden, machen dann aber einen technischen Fehler, weil Sander offenbar gedacht hat, dass nur noch wenige Sekunden zu spielen sind. Ich bin natürlich enttäuscht, aber ich habe meinen Jungs in der Kabine schon meinen großen Respekt vor ihrer Leistung in den vergangenen Tagen ausgesprochen. Aalborg, Göppingen, wieder Aalborg - das alles waren Spiele und Reisen, die Energie gekostet haben. Dieser Rhythmus hängt in den Knochen, das war zu spüren. Und Dule hat uns heute definitiv gefehlt, gerade in solchen Spielen reißt er alle mit. Aber er konnte sich heute morgen kaum noch bewegen, er hätte nicht spielen können.  

Aalborgs Trainer Stefan Madsen: Wir wollten unseren Fans nach einer schwierigen Woche zeigen, dass wir 60 Minuten fighten - egal in welcher Besetzung. Wir hatten die Chance, in Kiel zu gewinnen, jetzt bin ich glücklich, dass wir in dieser unglaublichen Atmosphäre die Ressourcen hatten, um diesen wichtigen Sieg zu holen.

Aalborgs Kristian Björnsen: Wir sind richtig glücklich, eine der besten Mannschaften der Welt geschlagen zu haben. 

THW-Rückraumspieler Harald Reinkind: Wir haben heute nicht so Abwehr gespielt, wie wir uns das vorgenommen hatten. Wir haben viele einfache Aalborger Gegentore kassiert, haben ihre Offensive nicht richtig stoppen können, sodass wir auch nicht in unser Gegenstoßspiel gekommen sind. Jetzt müssen wir wohl alle ausstehenden Spiele gewinnen, um am Ende der Gruppenphase ganz oben zu stehen.