35:31: THW bewahrt kühlen Kopf in der "Hölle Süd"

Bundesliga
Sonntag, 27.10.2013 // 18:32 Uhr

Bundesliga, 11. Spieltag: 27.10.2013, So., 15.00: Frisch Auf Göppingen - THW Kiel: 31:35 (15:18)

Update #3: Fotos und KN-Bericht ergänzt...

Filip Jicha erzielte 8/1 Treffer und zeigte tolle Anspiele an den Kreis. © Bernd Dunstheimer

Mit einer abgeklärten Leistung hat der THW Kiel in der DKB Handball-Bundesliga den 10. Saisonsieg eingefahren und die Tabellenspitze erfolgreich verteidigt. Beim Gastspiel bei Frisch Auf Göppingen am Sonntagnachmittag setzten sich die "Zebras" nach 20 Spielminuten ab und ließen die Baden-Württemberger nicht mehr dichter als auf zwei Tore heran. Erfolgreichste Schützen beim 35:31 (18:15)-Erfolg in der ausverkauften EWS-Arena waren Niclas Ekberg und Filip Jicha mit jeweils acht Treffern.

THW ohne Palmarsson

THW-Trainer Alfred Gislason musste erneut auf Aron Palmarsson verzichten, der sich nach seiner langwierigen Knie-Operation weiterhin in der Reha befindet. Immerhin hatte sich das Kieler Lazarett ansonsten gelichtet, Patrick Wiencek nach überstandener Zerrung und Rasmus Lauge nach überstandener Grippe waren wieder mit an Bord. Frisch-Auf-Trainer Velimir Petkovic stand für das Spiel gegen den Rekordmeister hingegen sein kompletter Kader zur Verfügung, unter anderem fand daher Torhüter Nikola Marinovic keine Berücksichtigung auf dem Spielberichtsbogen.

Göppingen kontert Kieler Blitzstart

Tim Kneule startete auf der Rückraummitte für Göppingen und spielte zunächst stark auf. © Bernd Dunstheimer

Vor 5.600 Zuschauern in der ausverkauften EWS-Arena erwischte der THW einen guten Start: Rene Toft Hansen holte im ersten Angriff einen Siebenmeter heraus, den Niclas Ekberg zum 1:0 verwandelte. Nachdem dann Sjöstrand den ersten Wurf Rnics festhalten konnte und Jicha nach einer Wurffinte durch den Göppinger Mittelblock marschierte, führten die "Zebras" mit 2:0. Doch die Gastgeber fanden nun langsam in die Partie: Mit großem Selbstvertrauen war der Tabellen-14. angetreten, nachdem er am vergangenen Mittwoch den HSV Hamburg aus dem Pokal geworfen hatte. Dieses Selbstvertrauen spiegelte sich fortan im Aufbauspiel der Grün-Weißen wider, die mit Kneule, Rnic und Lobedank im Rückraum schnelle Spielzüge abwickelten und die Kieler 6:0-Deckung ordentlich in Bewegung brachten. Lobedank gelang der erste Treffer für Frisch Auf, und nachdem Prost zweimal gegen Jicha parieren konnte, sorgte Kneule für den Ausgleich. Als Ekberg wenig später dann vom Siebenmeterstrich an Prost scheiterte, sorgte der von Rnic in Szene gesetzte Schöne gar für die erste Göppinger Führung.

Offener Schlagabtausch

Wieder nicht zu stoppen: Rene Toft Hansen erkämpfte Strafwürfe und traf aus allen Lagen. © Bernd Dunstheimer

Es entwickelte sich fortan ein offener Schlagabtausch, bei dem die Torhüter auf beiden Seiten nichts mehr zu lachen hatten. Göppingen legte durch einen tollen Hüftwurf Kneules und vor allem durch den nicht zu bremsenden Rnic weiter vor, die "Zebras" glichen aber jeweils postwendend aus. Drei Garanten gab es dafür auf Kieler Seite: Filip Jicha erzielte das zwischenzeitliche 4:4 selbst, tankte sich durch oder bediente ansonsten den starken Rene Toft Hansen. Und Niclas Ekberg verwandelte trotz seines vorherigen Fehlwurfs eiskalt die resultierenden Strafwürfe sowie einen Gegenstoß nach einem Kneule-Fehlpass zum 6:6. Bis zum 8:7 durch einen fulminanten Rnic-Hüftwurf gegen den mittlerweile ins Tor gekommenen Andreas Palicka sowie den von Jicha erkämpften und Ekberg verwandelten Strafwurf zum 8:8 ging dieses Spiel weiter, ehe Palicka gegen Oprea die erste Parade gelang und Sigurdsson im Gegenzug die Kieler erstmals seit der Anfangsphase wieder in Front warf.

THW setzt sich erstmals ab

Dem gut aufgelegten Felix Lobedank gelang zwar noch einmal der Ausgleich zum 9:9, doch nun leitete der THW seine bislang stärkste Phase ein: Sigurdsson erkämpfte sich nach feinem Anspiel Vujins einen Siebenmeter, den abermals Ekberg zum 10:9 nutzte. Dann parierte Palicka auf der Gegenseite einen Strafwurf Schillers, ehe der von Jicha bediente Toft Hansen für das 11:9 sorgte. Als Kneules Kreisanspiel dann nicht den von ihm erhofften Empfänger fand, schickte schließlich Christian Zeitz Gudjon Valur Sigurdsson zum Gegenstoß auf die Reise - 12:9, die erste Drei-Tore-Führung der Partie war perfekt.

Vujin rettet 18:15-Pausenführung

Momir Rnic erzielte sieben seiner neun Treffer im ersten Durchgang. © Bernd Dunstheimer

Velimir Petkovic reagierte und brachte nun Michael Kraus für den langsam abbauenden Kneule auf die Rückraummitte. Der Ex-Nationalspieler tankte sich im ersten Angriff gleich durch und holte einen Siebenmeter heraus, den Rnic zum 10:12 verwandelte. Insgesamt erwischte der ehemalige Hamburger zwar keinen Glanztag, dennoch konnte seine Mannschaft unter seiner Führung durch Schöne und Rnic auf 12:13 verkürzen. Ekberg antwortete aber per schneller Mitte postwendend zum 14:12, ehe Palicka gegen Kraus parierte und Sigurdsson zum 15:12 auf die Reise schickte. Als dann selbst Momir Rnic einen Ball verwarf, Toft Hansen auf 16:12 erhöhte und Kraus für seinen verzweifelten Abwehrversuch gegen den Kieler Kreisläufer eine Zeitstrafe des umsichtigen Schiedsrichtergespanns kassierte, schien Göppingen urplötzlich komplett den Anschluss zu verlieren.

Zebras retten Vorsprung in die Kabine

Indes: Die Kieler wussten die Überzahlsituation nicht zu nutzen: Jicha und der kurzzeitig für die Abwehrarbeit eingesetzte Jallouz verzogen ihre Würfe, Rnic konnte verkürzen und Christian Zeitz holte sich die erste Kieler Zeitstrafe ab. Immerhin gelangen in den Schlussminuten der ersten Halbzeit dem lange Zeit unauffälligen Marko Vujin zwei wichtige Treffer, so dass die "Zebras" einen 18:15-Vorsprung in die Kabinen retten konnten.

Göppingen kämpft sich heran

Niclas Ekberg erzielte fünf seiner acht Treffer vom Siebenmeterstrich. © Bernd Dunstheimer

Nach Wiederanpfiff konnte Frisch Auf schnell durch Schiller verkürzen, doch Rene Toft Hansen antwortete postwendend. Um Rasmus Lauge zu entlasten und der Abwehr mehr Stabilität zu verleihen, hatte Alfred Gislason Patrick Wiencek neben Rene Toft Hansen in den Mittelblock beordert. Jedoch fand Göppingen auch weiterhin spielerische Wege, die Kieler 6:0-Deckung zu knacken. Zwar wurde es nach Vujins Billard-Tor zum 20:17, Palickas Parade gegen Lobedank und dem resultierenden Gegenstoßtreffer Sigurdssons zum 21:17 ins leere Tor, nachdem Primoz Prost aus seinem Kasten eilte, aber rechtzeitig gegen den Kieler Linksaußen zurückzog, kurzzeitig ruhiger in der "Hölle Süd". Doch Göppingen ließ noch nicht locker und war spätestens nach Kneules 20:22 wieder in Schlagdistanz - und das, obwohl Andreas Palicka zwei glänzende Paraden gegen Rnic und Schiller zeigte.

Mit Zeitz auf Rückraummitte

Beim THW Kiel hatte mittlerweile Christian Zeitz die Spielmacherposition übernommen. Biss sich der Kieler Linkshänder in den ersten zwei Angriffen noch die Zähne aus an der Göppinger Deckung, fand Zeitz in der Folgezeit immer besser in die Partie. So tankte er sich toll zum 23:20 durch, erkämpfte wenig später einen Siebenmeter und ließ dann einen ansatzlosen Schlagwurf folgen - da auf der Gegenseite Lobedank zweimal scheiterte, waren die Kieler nun wieder auf 25:20 enteilt. Velimir Petkovic nahm seine Auszeit, beorderte mit Pevnov neben Späth einen zweiten Kreisläufer aufs Parkett und brachte mit dem langen Fontaine für den untergetauchten Rnic einen neuen Rückraumspieler. Und tatsächlich: Frisch Auf stabilisierte sich wieder, profitierte auch von einem Reflex Rutschmanns, der Ekberg Siebenmeter an die Latte lenkte. Lobedank traf zum 23:26, und wenig später erwachte die EWS-Arena endgültig, weil mit Christian Zeitz und Filip Jicha gleich zwei Kieler auf die Strafbank mussten und Schiller auf 24:26 verkürzte.

In doppelter Unterzahl zum Erfolg

Christian Zeitz überzeugte auf der Rückraummitte, kassierte aber in der 51. Minute seine dritte Zeitstrafe. © Bernd Dunstheimer

Der THW wankte kurz, doch er fiel nicht: In doppelter Unterzahl foppte Marko Vujin die gesamte Göppinger Deckung und marschierte auf der rechten Seite zum wichtigen 27:24 durch. Dann unterlief Fontaine im Angriff ein Stürmerfoul, und mit einem frechen Hüftwurf sorgte Sigurdsson wieder für eine Kieler Vier-Tore-Führung. Die prekäre Unterzahlphase entschied der THW somit mit 2:1 für sich.

Nun ließen sich die Kieler nicht mehr von ihrem Weg abbringen - auch nicht dadurch, dass Christian Zeitz wenig später seine dritte Zeitstrafe kassierte. Kneule traf statt zum 26:29 nur die Latte, und Sigurdsson konterte zum 30:25 für Schwarz-weiß. Als dann Kneule und Fontaine Filip Jicha zum 31:25 einluden, war die Partie entschieden. So konnten es sich die "Zebras" am Ende sogar erlauben, nach Vujins Treffer zum 35:28 frühzeitig abzuschalten und Göppingen ein wenig Ergebniskosmetik betreiben zu lassen.

Zehn Tage Bundesligapause

Mit nun 20:2 Punkten konnten die Kieler ihre Spitzenposition in der DKB Handball-Bundesliga festigen. Die Liga hat nun erst einmal zehn Tage Pause, ehe es für die "Zebras" am 6. November mit dem Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen weitergeht. Die Vorbereitungszeit für das Spitzenspiel fällt aber dennoch kurz aus, da die meisten THW-Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sein werden: So treten Dominik Klein und Patrick Wiencek mit der deutschen Nationalmannschaft in Bremen und Hamburg beim Supercup auf die Nationalmannschaften Ägyptens, Polens und Schwedens - mit den Vereinskollegen Niclas Ekberg, Andreas Palicka und Johan Sjöstrand. Marko Vujin und Filip Jicha werden sich zweimal gegenüberstehen, wenn das tschechische Nationalteam in zwei Testspielen auf das serbische trifft. Während Gudjon Valur Sigurdssons Isländer zweimal gegen Österreich testen, erwarten Rasmus Lauge und Rene Toft Hansen mit Europameister Dänemark in Oslo hochkarätige Duelle mit Norwegen, Frankreich und Kroatien. Und Wael Jallouz reist in die Heimat nach Tunesien, wo seine Auswahl auf Brasilien, Russland und Weißrussland trifft.

(Sascha Krokowski)

 

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