76. Landesderby: THW in Flensburg ohne Chance

Bundesliga
Sonntag, 24.11.2013 // 18:19 Uhr

Bundesliga, 15. Spieltag: 24.11.2013, So., 15.00: SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel: 34:30 (21:14)

Auch 10/4 Treffer von Marko Vujin reichten in der Flens Arena nicht. © Sascha Klahn

Schwarzer Sonntag für den THW Kiel: Beim 76. Landesderby in der ausverkauften Flens Arena unterlagen die "Zebras" am Nachmittag einer starken SG Flensburg-Handewitt mit 30:34. Nach ausgeglichener Anfangsphase machten die Kieler im Angriff zu viele Fehler, scheiterten überdies zu oft an Torhüter Mattias Andersson und lagen bereits zur Pause mit 14:21 zurück. Auch insgesamt 19 Treffer von Marko Vujin und Filip Jicha halfen nichts - durch die 25. Derbyniederlage musste der THW Kiel auch die Tabellenführung der DKB Handball-Bundesliga an den Landesrivalen abtreten.

Brodelnde Stimmung

Es war ein umkämpftes Derby von Anfang an. Hier setzt sich Filip Jicha durch. © Sascha Klahn

Die seit Wochen ausverkaufte Flens Arena brodelte schon lange vor Spielbeginn. Kein Wunder, hatten die Gastgeber doch nach ernüchterndem Saisonstart zuletzt 17:1 Punkte eingefahren und konnten mit einem Erfolg gegen den Erzrivalen - auch dank bereits einer mehr absolvierten Partie - gar die Tabellenspitze in der Liga erobern. Die elektrisierende Stimmung von den Rängen sprang auch sofort aufs Parkett über, denn gleich im ersten Kieler Angriff gab es den ersten Aufreger: Filip Jicha spielte den an den Kreis aufgelösten Niclas Ekberg frei, der aber unsanft vom unglücklich reinrutschenden Steffen Weinhold gebremst wurde. Die Schiedsrichter Fabian Baumgart und Sascha Wild schickten den zukünftigen Kieler folgerichtig sofort für zwei Minuten auf die Bank, und glücklicherweise ging es für Niclas Ekberg nach der Schrecksekunde weiter. Filip Jicha nutzte den resultierenden Siebenmeter zum 1:0 für die Gäste, doch Flensburg drehte in Unterzahl zunächst das Blatt: Eggert sorgte mit einem Dreher an Sjöstrand vorbei für das 1:1, Mattias Andersson lenkte ein Jicha-Geschoss an den Pfosten und Mogensen sorgte bei Passivspiel-Vorwarnzeichen mit einem unglaublichen Stemmwurf zum 2:1 für das erste große Ausrufzeichen auf dem Parkett und den Rängen. Die Kieler konnten die erste Überzahlsituation des Derbys nicht zum eigenen Vorteil nutzen - ein Zustand, der sich wie ein roter Faden durch die Partie ziehen sollte.

THW auf Augenhöhe

Steffen Weinhold spielte eine starke erste Halbzeit gegen seinen zukünftigen Verein. © Sascha Klahn

In der Anfangsphase agierten die "Zebras", die erneut mit ihrer 6:0-Deckung um Rene Toft Hansen und Patrick Wiencek im Mittelblock agierten, dennoch mindestens auf Augenhöhe mit den Gastgebern: Marko Vujin sorgte für das 2:2, und nachdem sein Abwehrpendant Christian Zeitz in einen Pass Mogensens auf Nenadics sprintete und damit das 3:2 durch Patrick Wiencek ermöglichte, lagen die Kieler wieder vorne. Diese hatten in Filip Jicha ihren Motor im Angriff, der zunächst nicht zu stoppen war und vier der ersten sechs THW-Treffer erzielte, während auf Seiten der SG sich besonders Steffen Weinhold hervor tat, der mit seinen zwei Durchbrüchen jeweils Strafwürfe für sein Team herausholte.

Anderssons Paraden: Vier-Tore-Lauf der SG

Mattias Andersson ebnete mit seinen Paraden den Weg zur deutlichen Flensburger Pausenführung. © Sascha Klahn

Bis zum 6:5 durch einen Jicha-Sprungwurf blieben die Kieler auf Kurs und hatten mit einem Gegenstoß sogar die Chance zu erhöhen. Doch nun wurde Mattias Andersson erstmals zum Faktor, indem er den Wiencek-Konter parierte und in den nächsten Kieler Angriffen auch gegen Vujin und Palmarsson zur Stelle war. Die SG bestrafte dies konsequent per zweiter Welle, Mogensen und zweimal der bärenstarke Weinhold sorgten flugs für das 8:6 aus Sicht der Gastgeber. Im Anschluss blieb dann sogar noch Filip Jicha zweiter Sieger im Siebenmeter-Duell mit Andersson, und auf der Gegenseite sorgte Lasse Svan gar für das 9:6 - die Flens Arena tobte.

Bei den Gastgebern klappt alles

Zunächst aber blieb der THW noch in Reichweite: Vujin verwandelte einen von Ekberg erkämpften Strafwurf, Palmarsson traf von der linken Seite zum 8:10 - in Unterzahl, nachdem Toft Hansen eine fragwürdige Zeitstrafe kassiert hatte. Doch die SG Flensburg-Handewitt hatte mittlerweile längst Lunte gerochen, bei den Gastgebern klappte nun alles. Mit einem tollen Heber gegen den für den glücklosen Sjöstrand eingewechselten Palicka sorgte Svan für das 11:8, und weil Palmarsson im Angriff zweimal zu überhastet abschloss, sorgten Weinhold per Durchbruch und Eggert mit einem weiteren sehenswerten Heber gar für das 13:8.

SG wie im Rausch zur Pausenführung

Aron Palmarsson erzielte vier Treffer, konnte aber an seine zuletzt starken Leistungen nicht anknüpfen.
© Sascha Klahn

Alfred Gislason hatte bereits seine erste Auszeit genommen, und der Abwärtstrend konnte tatsächlich etwas gestoppt werden - zweimal Vujin und Jicha verkürzten auf 14:11, nachdem Palicka gegen Mogensen parieren konnte. Doch es blieb ein kurzes Strohfeuer des Rekordmeisters, der auch eine weitere Überzahlchance nach Zeitstrafe gegen Knudsen ungenutzt ließ: Jicha scheiterte doppelt am überragenden Andersson, und Weinhold sorgte nicht nur für das 16:11, sondern auch für eine Zeitstrafe gegen Wiencek. Nachdem auch Vujin überhastet in Andersson seinen Meister fand, sorgte Lasse Svan im Gegenzug gar für die erste Sechs-Tore-Führung für Flensburg. Und bis zum Pausenpfiff mussten die "Zebras" noch weitere Demütigungen über sich ergehen lassen: So sah Rene Toft Hansen bereits seine zweite Zeitstrafe, auch Publikumsliebling Christian Zeitz musste noch für zwei Minuten runter. Zudem sorgten Eggert mit einem frechen Dreher vom Siebenmeterstrich und Weinhold mit bereits seinem fünften Treffer für Jubelstürme unter den heimischen Fans, die es schon lange nicht mehr auf ihren Sitzen hielt. Vujin und Jicha sorgten zwar mit ihren Toren für leichte Hoffnungsschimmer unter den mitgereisten schwarz-weißen Schlachtenbummlern, doch der Rückstand war bis zur Halbzeit beim 14:21 bereits auf ein gewaltiges Maß angewachsen.

THW lässt zu viele Chancen aus

Nach Wiederanpfiff versuchte es der THW mit einer neuen Angriffsvariante, um die offensive, aggressive 6:0-Deckung der Gastgeber aus den Angeln zu heben: Alfred Gislason verzichtete völlig auf seine etatmäßigen Außen, brachte in Christian Zeitz einen vierten Rückraumspieler, der wie Jicha auf der gegenüberliegenden Seite aber bis auf den Flügel auswich, und ließ Toft Hansen und Wiencek nun Seite an Seite am Kreis rackern. Den ersten Treffer des zweiten Durchgangs erzielte aber die SG, die durch Eggerts Dreher zum 22:14 nun sogar acht Tore in Führung lag. Doch die Gastgeber taten sich nun schwerer gegen die endlich wieder entschlossener wirkenden Kieler, die besonders in der Abwehr endlich stattfanden und ihre Gegenspieler nur noch aus schwierigen Positionen aufs Tor werfen ließen. Im Angriff aber ließen die "Zebras" weiterhin viele Chancen liegen: Mattias Andersson erteilte Jicha und Palmarsson gar die Höchststrafe, indem er die Rückraumwürfe festhalten konnte. Daher gelang es nach zwei schnellen Vujin-Treffern nicht, den Abstand groß zu verkürzen. Dennoch nahm Ljubomir Vranjes nach dem 17:23-"Anschluss" durch Aron Palmarsson nach 37 Minuten seine Auszeit.

Flensburg lässt nichts mehr anbrennen

Jubel bei Thomas Mogensen und Co.
© Sascha Klahn

Nach Wiederanpfiff sorgte der bislang unauffällige Drasko Nenadic für das wichtige 24:17 und ließ den Knoten bei den Flensburgern wieder platzen. Mogensen beantwortete Palmarssons Treffer mit einem wuchtigen Stemmwurf, und nachdem Nenadic Zeitz' Kreisanspiel antizipierte und per Gegenstoß auf 26:18 erhöhte, war nach 40 Minuten schon fast mehr als nur die Vorentscheidung gefallen. Der THW versuchte es zwar weiterhin mit der Brechstange, die unermüdlichen Jicha und Vujin versuchten es weiterhin aus allen Lagen. Und in der Abwehr stellte Gislason auf eine 5:1-Deckung mit dem vorgezogenen Jicha um. Indes: All dies half nicht, den Rückstand noch einmal entscheidend zu verkürzen. Zumal auch drei weitere Überzahlsituationen nicht zur Aufholjagd genutzt konnten, lagen die Gastgeber nach zwei Glandorf-Krachern nach 50 Minuten trotzdem noch mit 30:23 in Front. Erst in den letzten vier Minuten, nach dem 33:27 durch Mogensen, konnten die "Zebras" noch ein wenig Ergebniskosmetik betreiben: Palmarsson mit einem tollen Hüftwurf, der von Zeitz in Szene gesetzte Toft Hansen und Zeitz mit einem seiner unnachahmlichen Geschosse sorgten so für das etwas schmeichelhafte Endergebnis.

Am Mittwoch kommt Lübbecke

Enttäuschung pur: Traurige Gesichter beim THW nach dem Abpfiff. © Sascha Klahn

Die Tabellenführung ist damit erst einmal futsch für den neu formierten THW Kiel. Mit 24:4 Punkten haben die "Zebras" aber weiterhin die wenigsten Minuspunkte in der Liga und können daher spätestens im Nachholspiel gegen den TBV Lemgo am 18. Dezember wieder an der SG (25:5) vorbeiziehen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, auf dem weitere schwere Hürden wie Plock in der Champions League, die Füchse Berlin und der Bergische HC in der Liga sowie die Rhein-Neckar Löwen im Pokal auf den THW warten. Den Anfang macht aber erst einmal am kommenden Mittwoch das Heimspiel gegen den TuS N-Lübbecke. Viel Zeit, die schmerzhafte Derby-Niederlage zu verarbeiten, bleibt den Kielern somit nicht.

(Sascha Krokowski)

 

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