Kantersieg gegen Lemgo: THW zurück an der Tabellenspitze

Bundesliga
Mittwoch, 18.12.2013 // 21:40 Uhr

Bundesliga, 14. Spieltag: 18.12.2013, Mi., 19.00: THW Kiel - TBV Lemgo: 38:25 (17:13)

Update #3: Stimmen und Bilder ergänzt

Wael Jallouz zeigte eine starke Leistung und erzielte 7/2 Treffer. © Sascha Klahn

Mit einem deutlichen Kantersieg hat der THW Kiel die Tabellenführung in der DKB Handball-Bundesliga übernommen. Am Mittwochabend hatten die "Zebras" im Heimspiel gegen den TBV Lemgo nur in der Anfangsphase ihre Schwierigkeiten, drehten die Partie aber bereits bis zum 17:13-Pausenstand zu ihren Gunsten. In der zweiten Halbzeit brannten die Kieler dann ein unterhaltsames Handball-Feuerwerk ab, dem besonders Gudjon Valur Sigurdsson und Wael Jallouz mit jeweils sieben Treffern sowie der bärenstarke Torhüter Johan Sjöstrand ihren Stempel aufdrückten.

Lemgo mit viel Tempo zur Führung

10.285 Zuschauer in der ausverkauften Sparkassen-Arena wollten ihren THW Kiel zurück an die Tabellenspitze pushen, nachdem die SG Flensburg-Handewitt - mit weiterhin einer absolvierten Partie mehr auf dem Konto - am Dienstagabend einen Zähler bei Frisch Auf Göppingen (28:28) liegen gelassen hatte. Dass der TBV Lemgo, seit fünf Pflichtspielen ungeschlagen, allerdings ein sehr unangenehmer Gast sein kann, bekam Ende November bereits der HSV Hamburg beim 35:35-Remis zu spüren. Und die Lipperländer unterstrichen in der Anfangsphase eindrucksvoll ihre Ambitionen. Mit irrsinnigem Tempo spielte die Mannschaft von Trainer Niels Pfannenschmidt, die mit Ausnahme der Routiniers Kehrmann und Hermann auf Talente setzt, in der Sparkassen-Arena auf und hatte dadurch zunächst Vorteile. Hermann sorgte für den ersten Treffer, und nach einem technischen Fehler Sprengers und einem von Pekeler erkämpften Siebenmeter erhöhte Schneider auf 2:0 für die Gäste. Zwar gelang Vujin im Anschluss der erste Kieler Treffer, doch nachdem Kehrmann nach tollem Eins-gegen-Eins einen sehenswerten Dreher zeigte und nach einer Bauer-Parade gegen Palmarsson per Gegenstoß zur Stelle war, lag der zweimalige deutsche Meister bereits mit 4:1 vorne.

TBV fackelt nicht lange

Alfred Gislason reagierte früh: Um mit Lemgos Tempo besser Schritt halten zu können, verzichtete der THW fortan auf einen Spezialistenwechsel - Aron Palmarsson spielte auch in der Abwehr statt Patrick Wiencek, die Deckung wurde zudem vom 6:0-Riegel in die offensive 3:2:1-Variante umgestellt. Doch trotz Sprengers Anschlusstreffer, einer Sjöstrand-Parade gegen Lemke und zweier Rückraumgeschosse von Vujin und Jicha legte Lemgo weiter vor: Florian Kehrmann traf vom Kreis zum 6:4, und nach einer Parade des gut startenden Bauer gegen Vujin und einer "Fackel" Lemkes war der Drei-Tore-Vorsprung für die Ostwestfalen wieder hergestellt.

Zeitz sorgt mit zwei Steals für den Ausgleich

Mit einer feinen Einzelaktion zum 5:7 weckte Aron Palmarsson seine Mannschaft aus der anfänglichen Lethargie. Nur vier Sekunden später sprintete Christian Zeitz in einen Kehrmann-Pass und vollstreckte den Gegenstoß selbst zum 6:7-Anschluss. Als Sjöstrand erneut gegen Lemke zur Stelle war, Zeitz einen Querpass des Spielmachers Herth abfing und im Konter gegen Bauer traf, hatten die "Zebras" in der 13. Spielminute erstmals ausgeglichen. Zwar gelang Kehrmann mit seinem bereits vierten Treffer noch einmal eine Gästeführung, doch nach Sprengers frechem Leger zum 8:8 nahm Pfannenschmidt nach 14 Minuten seine erste Auszeit.

THW zieht nach Lemgos Auszeit davon

Marko Vujin erzielte sechs seiner sieben Treffer vor der Pause. © Sascha Klahn

Für den starken, aber bereits müden Kehrmann kam beim TBV nun Arnoldus Haenen auf Rechtsaußen. Der Niederländer verwarf aber gleich seine erste Chance, und auf der Gegenseite traf Vujin trotz Bedrängnis zur ersten Kieler Führung. Dann parierte Sjöstrand gegen Schneider, während Vujin mit einem tollen Sprungwurf aus der Rückraummitte auf 10:8 erhöhte. Und die "Zebras" bekamen sogar zweimal die Chance, auf drei Treffer zu erhöhen, doch Dominik Klein scheiterte zunächst an Bauer, ehe der Linksaußen einen erweiterten Gegenstoß aus elf Metern neben das Tor setzte und Haenen auf der Gegenseite verkürzen konnte.

Afred Gislason brachte Gudjon Valur Sigurdsson für Klein in die Partie, und der Isländer sorgte sogleich für Akzente: Nach einer Bauer-Parade gegen Vujin sorgte Sigurdsson spektakulär per Nachwurf zum 11:9, ehe er kurz darauf vom Kreis auch das 12:9 folgen ließ. Zwar scheiterte Christian Zeitz nach seinem bereits dritten Steal im Gegenstoß an Bauer, doch als Palmarsson in der Abwehr einen Schneider-Wurf abblockte und Jicha den Ball auf der Gegenseite zum 13:9 in den Winkel jagte, legte Pfannenschmidt keine sieben Spielminuten nach der ersten Auszeit erneut eine grüne Karte auf den Zeitnehmertisch.

Sjöstrand-Show bringt Halbzeitführung

Während beim THW nun Wael Jallouz in Abwehr und Angriff für Aron Palmarsson spielte, versuchte es der TBV Lemgo in der Folgezeit mit einem siebten Feldspieler gegen die Kieler 3:2:1-Deckung. Johan Sjöstrand war zwar bei den Würfen von Pekeler und Hermann zur Stelle, Kapital aus dem verwaisten Kasten der Gäste konnten die Kieler allerdings noch nicht schlagen. Immerhin aber verbreiteten die "Zebras" keine Hektik und trugen ihre Angriffe weiter mit Ruhe vor. So holte Jallouz einen Siebenmeter heraus, den Vujin zum 14:9 verwandelte. Und auch als Hermann und Pekeler kurzzeitig verkürzten, blieb der THW am Drücker: Vujin sorgte mit seinem bereits sechsten Treffer für das 15:11, ehe Wael Jallouz mit seinem krachenden Sprungwurf zum 16:11 für besondere Emotionen in der Sparkassen-Arena sorgte. Doch obwohl Johan Sjöstrand bis zum Seitenwechsel noch vier weitere Paraden folgen ließ, blieb den Lipperländern durch Schneiders Treffer mit der Sirene zum 17:13-Pausenstand noch ein Funke Resthoffnung auf eine Überraschung.

Sigurdssons Tore brechen Lemgo das Genick

Benjamin Herth kommt bei Sigurdssons kuriosem Treffer einen Tick zu spät. © Sascha Klahn

Diese Hoffnung jedoch verflüchtigte sich nach Wiederanpfiff sehr schnell: Johan Sjöstrand zeigte gegen Schneider seine bereits 12. Parade, dann unterlief dem jungen Linkshänder Julian Possehl ein Stürmerfoul. Gudjon Valur Sigurdsson reagierte gedankenschnell und warf den Ball vom eigenen Torkreis auf den verwaisten Kasten der Gäste. Benjamin Herth, Lemgos Mann im roten Leibchen, sprintete noch zurück und versuchte den Ball zu erreichen - vergeblich, die Sparkassen-Arena jubelte über Sigurdssons Treffer zum 18:13. Doch dies war noch gar nichts verglichen mit dem folgenden Geniestreich des 34-jährigen Isländers: Nachdem Sjöstrand einmal mehr gegen Schneider zur Stelle war und Jicha das Ergebnis auf 19:13 gestellt hatte, versuchte der TBV - weiterhin mit sieben Feldspielern - einen Kempatrick. Doch Sigurdsson war bei Herths für Kehrmann gedachten Pass zur Stelle und warf den Ball im Sprung direkt nach dem Abfangen Richtung Lemgoer Tor. Unter bangen Blicken von 10.285 Handballfans trudelte der Ball trotz Herths verzweifelter Grätsche auf der Torlinie tatsächlich über die Linie - das 20:13 dürfte wohl das Kempator aus weitester Torentfernung in der Handballgeschichte gewesen sein.

Jallouz tankt Selbstvertrauen

Auch Alfred Gislason - hier nach Sigurdssons kuriosem Kempatreffer - hatte in der zweiten Halbzeit eine Menge Spaß. © Sascha Klahn

Eine Minute später, nachdem Johan Sjöstrand eine fantastische Doppelparade gegen Lemke und Schneider gezeigt hatte und Toft Hansen das Ergebnis auf 21:13 gestellt hatte, war die Partie auch schon entschieden. Doch die Handballparty in der Sparkassen-Arena war noch lange nicht beendet - dafür sorgten auch die Gäste, die auch jetzt das Gaspedal nicht fanden, es aber auch gar nicht suchten. So kamen die Fans voll auf ihre Kosten, als auch Christian Sprenger aus der eigenen Hälfte zum 22:15 ins leere Tor traf und das rote Leibchen beim TBV endgültig wieder eingemottet wurde. Und nachdem Aron Palmarsson drei atemberaubende Treffer markiert hatte - das 26:17 erzielte der isländische Spielmacher mit einem Sprunghüftwurf aus vollem Lauf -, kamen die Publikumslieblinge Christian Zeitz und Wael Jallouz zurück ins Spiel. Und besonders Kiels tunesischer Neuzugang wusste die Massen zu begeistern. Mit jeder gelungenen Aktion wuchs das Selbstvertrauen von "Willi" an, der sprunggewaltige Rechtshänder hatte einige. Die Sparkassen-Arena bebte nach seinen vier tollen Sprungwürfen zum 30:20, und Jallouz durfte sogar zwei Siebenmeter werfen - erfolgreich, versteht sich.

THW zeigt seine Schokoladenseite

Aber auch die anderen Akteure des THW zeigten sich von ihrer Schokoladenseite: Fantastisch, wie Sigurdsson einen Kempapass Palmarssons per Dreher (!) zum 27:17 abschloss. Großartig, wie Christian Zeitz Timm Schneider mit einer Wurffinte ausstiegen ließ und per Durchbruch für das 29:19 sorgte. Und toll, wie Johan Sjöstrand auch Landsmann Rickard Lönn mit seinen Paraden fast zur Verzweiflung brachte. Am Ende parierte der Kieler Keeper die Hälfte aller Feldwürfe des TBV.

Am Sonnabend kommt Emsdetten

Das Kieler Publikum hatte daher allen Grund zum Feiern. Die "La Ola" schwappte bereits zehn Minuten vor Spielende durch die Sparkassen-Arena, und als Patrick Wiencek nach einem Pfostentreffer Jallouz' mit seinem Nachwurf für den erfolgreichen Schlusspunkt sorgte, feierten 10.285 längst stehende Zuschauer den neuen Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga. Dieser ist bereits am kommenden Sonnabend wieder im Einsatz. Um 19.00 Uhr ist dann Aufsteiger TV Emsdetten in der Sparkassen-Arena zu Gast. Für die Partie gegen das Kellerkind nutzen Dauerkarteninhaber bitte die Karte mit der Spielnummer 9.

(Sascha Krokowski)

 

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