Schwarz-weiße Weihnachtsgala: THW zerlegt den HSV Hamburg

Bundesliga
Donnerstag, 26.12.2013 // 19:56 Uhr

Bundesliga, 20. Spieltag: 26.12.2013, Do., 17.15: THW Kiel - HSV Hamburg: 35:24 (19:12)

Update #3: KN-Artikel, Stimmen und Fotos

Überragend: Johan Sjöstrand parierte 23 Würfe der Hamburger. © Sascha Klahn

Was für ein Jahresabschluss für den THW Kiel! Am zweiten Weihnachtsfeiertag demontierten die "Zebras" den Tabellendritten HSV Hamburg eindrucksvoll mit 35:24 (19:12). Schlüssel zum deutlichen Erfolg in der ausverkauften Sparkassen-Arena war die stabile Kieler 6:0-Deckung, hinter der Johan Sjöstrand mit insgesamt 23 Paraden brillierte. Vorne waren es vor allem die Treffer von Marko Vujin (10/4) und Filip Jicha (9/1), die den THW Kiel mit 36:4 Punkten als Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga in die sechswöchige EM-Pause gehen lassen.

Überschattet wurde die Kieler Weihnachtsgala von einer zwölfminütigen Spielunterbrechung, nachdem ein Zuschauer im Oberrang zusammengebrochen war und reanimiert werden musste. Der Handballfan wurde ins Krankenhaus gefahren. THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt richtete direkt nach der Partie ein "Riesen-Dankeschön an alle, die in dieser schwierigen Ausnahmesituation geholfen haben".

Alle Augen auf das Spitzenspiel

Das Bruderduell der Toft Hansens gab es nur in der Anfangsphase zu sehen - Henrik machte später Platz für Andreas Nilsson. © Sascha Klahn

Die Planer der DKB Handball-Bundesliga bescherten den Handballfans in Deutschland einmal mehr einen besonderen Leckerbissen am zweiten Weihnachtsfeiertag. Nachdem im vergangenen Jahr das Landesderby bei der SG Flensburg-Handewitt auf dem Spielplan stand, duellierte sich diesmal der amtierende Meister und Tabellenführer mit dem amtierenden Champions-League-Sieger und Dritten der Liga im Kieler "Handballtempel". Das Medieninteresse war riesig, zumal für die 17-köpfige Startruppe von der Elbe eine Niederlage Tabu war, um nicht mit fünf Punkten Rückstand auf den THW in die EM-Pause zu gehen.

Sigurdsson muss passen

Die Zeichen für die Hansestädter standen nicht schlecht, hatten sie doch erst vor zwei Wochen einen beeindruckenden 38:25-Erfolg über die Rhein-Neckar Löwen gefeiert. Zudem konnte Trainer Martin Schwalb personell aus dem Vollen schöpfen, während beim THW ledinglich zwölf Spieler auf dem Spielberichtsbogen standen. Mittelmann Rasmus Lauge wurde nach seinem Kreuzbandanriss nicht mehr rechtzeitig fit zum Nordkracher. Zudem musste Alfred Gislason auch auf Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson verzichten - Islands frisch gekürter "Handballer des Jahres" hatte sich im Abschlusstraining eine Wadenzerrung zugezogen.

Kiels Deckung von Beginn an hellwach

Dominik Klein spielte 60 Minuten durch und erzielte zwei Treffer. © Sascha Klahn

Es dauerte drei Spielminuten, ehe in der seit Wochen ausverkauften Sparkassen-Arena der erste Treffer fiel: Mit einem Hüftwurf hatte Adrian Pfahl Kiels Keeper Johan Sjöstrand überwunden. Doch was die schwarz-weißen Fans bis zu diesem Zeitpunkt von der THW-Deckung - wie gewohnt mit Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen im Mittelblock einer 6:0-Formation - und dem schwedischen Torhüter zu sehen bekamen, machte durchaus frühe Hoffnung: Die "Zebras" waren hellwach, veschoben ihren Abwehrriegel konsequent und hatten in Sjöstrand einen bärenstarken Rückhalt.Und nach diesem 0:1 legten die Kieler auch ihre anfängliche Nervosität im eigenen Angriffsspiel ab. Jicha bediente Toft Hansen im Gegenzug zum 1:1, dann parierte Sjöstrand gegen Hens und per zweiter Welle legte der erneut von Jicha in Szene gesetzte Wiencek zum 2:1 nach. Dann verzog Pfahl einen Wurf, Sprenger holte gegen Hens einen Siebenmeter heraus, und Vujin erhöhte vom Strich auf 3:1. Hens' geplantes Anspiel an Henrik Toft Hansen landete bei Jicha, der mit einem Gegenstoß gar das 4:1 erzielte, ehe Lindberg aus dem Rückraum den zweiten Hamburger Treffer markierte. Dennoch blieb der THW am Drücker, zumal Sjöstrand auch den ersten Wurf von Domagoj Duvnjak entschärfte und Jicha per zweiter Welle auf 5:2 erhöhte, ehe die Partie ihre zwölfminütige Unterbrechung erfuhr.

Hamburg bleibt zunächst dran

Erst verlor er eine Kontaktlinse, dann avancierte Marko Vujin mit 10/4 Treffern zum erfolgreichsten Torschützen. © Sascha Klahn

Als Spielleiter Uwe Stemberg das Spiel schließlich fortsetzen ließ, hatte Martin Schwalb bereits personelle Konsequenzen aus der Anfangsphase gezogen und Joan Canellas für Pascal Hens gebracht. Doch nachdem die "Zebras" einen Duvnjak-Wurf blocken konnten und Palmarsson im Gegenzug auf 6:2 erhöhte, schien die Partie genau dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatte. Trotz weiterer Sjöstrand-Paraden gegen Canellas und Pfahl gelang es den Hansestädtern in der Folgezeit aber, wieder Anschluss herzustellen. Da Johannes Bitter in dieser Phase gegen Vujin und Palmarsson zur Stelle war, konnten Pfahl und Duvnjak auf 6:4 verkürzen, und nach Palmarssons tollem Sprungwurf zum 7:4 drohte den "Zebras" weiteres Ungemach: Ein abgefälschter Duvnjak-Wurf trudelte zum 7:5 in den Kieler Kasten, zudem musste Rene Toft Hansen für zwei Minuten auf die Bank. Dort saß auch Marko Vujin, der kurz zuvor bei einem Zusammenprall mit Canellas eine Kontaktlinse verloren hatte und sie sich fachmännisch von Mannschaftsarzt Dr. Brandecker wieder einsetzen ließ.

6:1-Zwischenspurt des THW

Auf der Hamburger Bank machte sich schnell Ratlosigkeit breit. © Sascha Klahn

Doch der THW ließ die Gäste nicht auf ein Tor herankommen. Aron Palmarsson setzte sich in Unterzahl auf der rechten Seite durch und traf mit seiner "Fackel" ins lange Eck zum wichtigen 8:5, ehe Lindberg per Siebenmeter wieder verkürzte. Bis zum 9:7 durch einen Canellas-Durchbruch blieb Hamburg noch dran, ehe die Kieler wieder einen Gang hoch schalteten. Der zurück gekehrte Vujin traf zum 10:7 und ließ nach einem Canellas-Fehlpass an den Kreis gleich einen weiteren Treffer folgen. Martin Schwalb nahm seine Auszeit, doch nach Wiederanpfiff war Sjöstrand einmal mehr gegen Pfahl zur Stelle und bediente mit einem weiten Pass Dominik Klein, der das Ergebnis gar auf 12:7 stellte. Der Kieler Zwischenspurt war aber auch nach Lindbergs drittem Treffer noch nicht beendet: Rene Toft Hansen holte eine Zeitstrafe gegen Jansen sowie einen Siebenmeter heraus, den Vujin zum 13:8 versenkte. Pascal Hens unterlief ein Fehlwurf und ein Stürmerfoul, und bei angezeigtem Zeitspiel entschärfte Sjöstrand einen Verzweiflungswurf Duvnjaks. Basierend auf der starken Abwehrleistung erhöhten Sprenger per Gegenstoß und Jicha gar auf 15:8.

Deutliche Halbzeitführung

Martin Schwalb brachte nun Blazenko Lackovic für den linken Rückraum, doch dem Kroaten unterlief gleich ein technischer Fehler. Dennoch konnte der HSV nach Vujins 16:9 ein wenig verkürzen: Jicha scheiterte an Cleverly, Patrick Wiencek musste für zwei Minuten auf die Bank, und Nilsson und Lindberg sorgten für hanseatische Hoffnungsschimmer. Doch der THW Kiel ließ sich auch von einem verworfenen Vujin-Siebenmeter und der zweiten Zeitstrafe gegen Rene Toft Hansen nicht aus dem Konzept bringen: Durch ein grandioses 10-Meter-Geschoss Jichas, einen Steal des Tschechen bei einem Canellas-Querpass mit konsequent abgeschlossenem Konter sowie einer abschließenden Parade Sjöstrands gegen Lackovic gingen die "Zebras" mit einer deutlichen 19:12-Führung in die Kabinen.

Sjöstrand macht den Kasten dicht

Zur zweiten Halbzeit erwarteten die Zuschauer nun einen wütenden HSV Hamburg. Doch Johan Sjöstrand vernagelte seinen Kasten nach Wiederanpfiff für fast sieben Minuten. Nach Sprengers fein herausgespieltem 20:12 war Kiels schwedischer Keeper gleich zweimal gegen Adrian Pfahl zur Stelle, ehe Sprenger vom Kreis nach tollem Vujin-Pass auf 21:12 erhöhte. Dann scheiterte nicht nur Duvnjak an Sjöstrand, auch Hans Lindberg fand vom Siebenmeterstrich im 26-jährigen Schlussmann seinen Meister. Als Marko Vujin daraufhin einen Hüftwurf in den Winkel donnerte, war der Kieler Vorsprung nach 36 Minuten erstmals zweistellig und das mit Spannung erwartete Spitzenspiel bereits vorentschieden.

THW begeistert die Fans

Filip Jicha und Aron Palmarsson bejubeln einen Treffer Christian Sprengers. © Sascha Klahn

Der THW ließ aber auch in der Folgezeit nicht locker. Klasse, wie Toft Hansen nach Vujins Vorarbeit zum 23:13 traf. Super, wie Dominik Klein in einen Hens-Pass sprintete und den Gegenstoß zum 24:13 einnetzte. Filigran, wie Filip Jicha sich auf der linken Seite durchtankte und einen gefühlvollen Dreher an Bitter vorbei zum 25:14 setzte. Auch wenn vorne wie hinten beim THW ob des Gefühls des sicheren Sieges nicht mehr alles funktionierte: Die Kieler Fans kamen in der zweiten Halbzeit noch einmal voll auf ihre Kosten, bejubelten weitere Paraden des sensationell aufgelegten Johan Sjöstrand und ließen nach einer brillanten Ballstafette, die Aron Palmarsson vom Kreis zum zwischenzeitlichen 28:17 (49.) vergoldete, erstmals die "La Ola" durch die Sparkassen-Arena schwappen.

Jallouz sorgt für krönenden Abschluss

Wael Jallouz erzielte in den Schlussminuten drei spektakuläre Treffer. © Sascha Klahn

In der Schlussphase durfte dann auch Wael Jallouz unter besonderem Jubel der Fans aufs Parkett. Und der Tunesier führte sich gleich stark ein: Mit einem Wahnsinnsgeschoss aus luftigster Höhe sorgte "Willi" für das 31:22. Für unverständliches Raunen in der Arena sorgte indes Hamburgs Coach Martin Schwalb, als er 90 Sekunden vor Abpfiff beim Stand von 24:33 aus HSV-Sicht noch einmal eine Auszeit nahm. Er trommelte seine Mannschaft zusammen, weil er nicht mit zehn Toren Unterschied verlieren wollte. Die "Zebras" erwiesen sich als gute Gastgeber und erfüllten Schwalb diesen Wunsch auf ihre Weise: Sjöstrand lenkte einen Markovic-Wurf um den Pfosten, Jallouz tankte sich durch die Hamburger Deckung und überwand Bitter mit einem tollen Heber und sorgte dann für einen triumphalen Schlusspunkt: Nach Pass von Niclas Ekberg verwandelte der Tunesier einen Gegenstoß per Kempa zum 35:24-Endstand.

Mit zwei Punkten Vorsprung in die EM-Pause

Kieler Jubelkreis: Als Tabellenführer gehen die "Zebras" ins neue Kalenderjahr. © Sascha Klahn

Damit geht der THW mit 36:4 Punkten und damit zwei Zählern Vorsprung auf den Landesrivalen aus Flensburg (34:6) in die EM-Pause, während der HSV Hamburg punktgleich mit dem neuen Dritten Rhein-Neckar Löwen (31:9) ein wenig abreißen lassen musste. Weiter geht es für die "Zebras" am 4. Februar, wenn sie beim VfL Gummersbach in der neuen "Schwalbe-Arena" zu Gast sind.

(Sascha Krokowski)

 

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