THW gewinnt rassiges Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen

Bundesliga
Mittwoch, 06.11.2013 // 22:19 Uhr

Bundesliga, 12. Spieltag: 06.11.2013, Mi., 20.15: THW Kiel - Rhein-Neckar Löwen: 31:28 (14:13)

Update #4: Bilder, KN-Artikel und Stimmen ergänzt...

Aron Palmarsson ließ sich bei seinem Comeback nicht stoppen. © Sascha Klahn

Der THW Kiel hat die nächsten "Big Points" im Meisterschaftskampf der DKB Handball-Bundesliga eingefahren! Im Spitzenspiel am Mittwochabend gegen die Rhein-Neckar Löwen behielten die "Zebras" in der ausverkauften Sparkassen-Arena mit 31:28 (14:13) die Oberhand. Nach 48 Spielminuten stand es in einer rassigen Partie 22:22 unentschieden, ehe die Kieler mit einem fulminanten 7:0-Lauf für die vorzeitige Entscheidung sorgten. Erfolgreichste Torschützen waren Uwe Gensheimer (9/5) für die Gäste sowie der starke Filip Jicha mit 8/2 Treffern. Ein grandioses Comeback im THW-Trikot feierte Aron Palmarsson, der glänzend Regie führte und zudem sieben Tore erzielte.

Comebacks von Petersson und Palmarsson

Die schwarz-weißen Fans in der seit Wochen ausverkauften Sparkassen-Arena machten schon lange vor dem Anpfiff ordentlich Stimmung für ihre Mannschaft, die nach dem neuerlichen personellen Rückschlag - Rasmus Lauge fällt aufgrund eines Kreuzbandanrisses bis Ende des Kalenderjahres aus - jede Unterstützung von den Rängen brauchte. Denn mit den Rhein-Neckar Löwen gastierte am Mittwochabend der Verfolger Nummer eins in der DKB Handball-Bundesliga. Und dieser konnte personell beinahe aus dem Vollen schöpfen, da auch Linkshänder Alexander Petersson nach langwieriger Schulterverletzung wieder einsatzbereit war. Doch das Comeback eines weiteren Isländers wurde in der Sparkassen-Arena deutlich mehr bejubelt: Aron Palmarsson kehrte nach vierwöchiger Reha-Pause aufs Parkett zurück und stand - wie auch Landsmann Petersson auf der Gegenseite - in der Startaufstellung.

Duell starker Abwehrreihen

Johan Sjöstrand spielte eine starke erste Halbzeit. © Sascha Klahn

Und Palmarsson setzte auch gleich im ersten Angriff das erste Ausrufezeichen, mit einem wuchtigen Schlagwurf traf der Spielmacher zum 1:0 und rannte danach sofort auf die Bank. In der Abwehr wurde er von Patrick Wiencek vertreten, der zusammen mit Rene Toft Hansen den Mittelblock der Kieler 6:0-Deckung bildete. Diese stand von der ersten Minute an klasse, machte den schnell spielenden Rhein-Neckar Löwen die Räume eng und konnte sich zudem auf einen gut aufgelegten Johan Sjöstrand verlassen, der allein im ersten Durchgang neun Würfe entschäfte. Da die "Zebras" ihrerseits zwar gegen die offensive Löwen-Deckung oftmals spielerische Lösungen fanden, im Abschluss aber noch ein wenig die letzte Konsequenz missen ließen, lagen die Gäste nach einem Durchbruch Ekdahl du Rietz' nach neun Minuten dennoch mit 4:3 vorne. Doch in Unterzahl - Vujin musste eine Zeitstrafe abbrummen - setzten die Kieler erstmals wichtige Akzente: So konnte Christian Zeitz im Angriff wertvolle Sekunden verstreichen lassen, indem er immer wieder im Eins-gegen-Eins einen Freiwurf herausholte. So traf der bärenstarke Jicha nach schöner Palmarsson-Vorarbeit trotz numerischer Unterlegenheit zum 4:4-Ausgleich. Und nachdem die Kieler Deckung einen technischen Fehler der Mannheimer provozierte, sorgte Zeitz mit purem Willen für das 5:4. Die Sparkassen-Arena kochte, als Sjöstrand einen Petersson-Wurf entschärfte und Wiencek wenig später per Gegenstoß sogar das 6:4 folgen ließ.

THW baut Polster auf

Stark im Mittelblock der Abwehr und konsequent beim Nutzen seiner Torchancen: Patrick Wiencek. © Sascha Klahn

Die "Zebras" hatten die Partie scheinbar im Griff, und nachdem Gensheimer aus dem Rückraum an Sjöstrand scheiterte, Jicha sich erneut durch die Gästedeckung tankte und Toft Hansen im zweiten Versuch Landin überwand, führte der THW erstmals mit drei Treffern. Weil Landin im Anschluss aber zwei Paraden zeigte, Zeitz wegen Meckerns auf die Bank geschickt wurde und Gensheimer einen Siebenmeter gegen Palicka per Heber verwandelte, kamen die Löwen zwar kurzzeitig auf 7:8 heran. Doch die Kieler wirkten weiterhin entschlossener, und als sich Vujin in Unterzahl zum 9:7 durchsetzte, Palmarsson einen Doppelschlag folgen ließ und Wiencek per zweiter Welle durchzog, hatten die Kieler gar auf 12:8 erhöht.

Kieler Unkonzentriertheiten vor der Pause

Starke Anspiele, starker Abschluss: Filip Jicha zeigte seine bisher beste Saisonleistung. © Sascha Klahn

Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson nahm seine Auszeit, und diese verfehlte ihre Wirkung nicht. Angetrieben vom gut aufgelegten Isaias Guardiola im rechten Rückraum konnte der Tabellenzweite etwas verkürzen. Dies lag aber auch an kleinen Kieler Nachlässigkeiten, die die Gäste konsequent zu bestrafen wussten. Nachdem Palmarssons Hüftwurf das Tor verfehlte und Manojlovic in einen Pass Vujins auf Jicha sprintete und den Gegenstoß verwandelte, hatten die Rhein-Neckar Löwen kurz vor der Pausensirene gar zum 13:13 egalisiert. Immerhin gelang Palmarsson mit seinem vierten Treffer noch die knappe Kieler Pausenführung, die Sjöstrand mit einer Parade gegen Gorbok festhielt.

Löwen drehen Partie kurzzeitig

Kim Ekdahl du Rietz war der einzige Rückraumspieler der Gäste, der zu überzeugen wusste. © Sascha Klahn

Kurz nach Wiederanpfiff kassierte Christian Zeitz seine zweite Zeitstrafe, weil er gegen Ekdahl du Rietz den Bruchteil einer Sekunde zu spät dran war. Die Rhein-Neckar Löwen nutzten die Gunst der Stunde und gingen durch einen Gensheimer-Siebenmeter, eine Landin-Parade gegen Palmarsson und einen Sprungwurf von Ekdahl du Rietz beim 15:14 erstmals seit der Anfangsphase wieder in Führung, die Isaias Guardiola per Gegenstoß gar noch erhöhte. Palmarsson und Sigurdsson konnten zwar umgehend wieder ausgleichen, doch das Momentum blieb auf der Seite der Gäste: Der unermüdliche Ekdahl du Rietz traf erneut zum 17:16, und nachdem ein angedachtes Kreisanspiel von Jicha abgefangen wurde, sorgte Gensheimer per Gegenstoß für das 18:16 für die Löwen. Als der glänzend von Jicha in Szene gesetzte Sigurdsson dann freistehend einen Heber über das Tor setzte, Guardiola sich zu einem Siebenmeter durchtankte und Gensheimer diesen zum 16:19 aus Kieler Sicht verwandelte, schien den "Zebras" die Partie langsam zu entgleiten.

Jicha mit genialen Anspielen

Rene Toft Hansen bejubelt mit den Fans einen seiner Treffer. © Sascha Klahn

Doch der THW konnte sich auf seine Fans verlassen, die ihre Mannschaft trotz des Rückstands weiter nach vorne pushten. Und auf Kapitän Filip Jicha, der erst Toft Hansen und dann Christian Sprenger bediente. Groetzki gelang gegen die kurzzeitig auf eine offensive 3:2:1-Formation umgestellte Kieler Deckung zwar der 20. Löwen-Treffer, doch nach Wienceks Antwort und Vujins Gegenstoß nach Ballgewinn Sigurdssons in der Abwehr hatten die Kieler wieder ausgeglichen.

Es blieb spannend und ging nun hin und her: Dem glücklosen Petersson unterlief ein Stürmerfoul, doch auch dem THW wurde ein technischer Fehler auf der Gegenseite zum Verhängnis. Groetzki scheiterte von außen an Sjöstrand, doch der Ball blieb in den Reihen der Löwen. Dann stibitzte Toft Hansen Ekdahl du Rietz den Ball, und Filip Jicha holte den Kielern per Gegenstoß die erste Führung seit dem Seitenwechsel. Groetzki antwortete postwendend, Sigurdsson bediente Vujin mit einem Traumanspiel, Ekdahl du Rietz traf und entnervte Sjöstrand - nach 48 Spielminuten stand es 22:22, die Partie schien bis zum Ende spannend zu bleiben.

"Zebras" überrennen Löwen in neun Minuten

Christian Zeitz und Uwe Gensheimer lieferten sich einige hitzige Privatduelle. © Sascha Klahn

Doch es sollte ganz anders kommen, denn in den folgenden neun Minuten spielten sich die Kieler in einen Rausch. Den Anfang machte Patrick Wiencek, der einen Strafwurf herausholte - Jicha verwandelte sicher zum 23:22. Dann sprintete Christian Zeitz in einen Querpass Peterssons, ließ sich auch von einer Attacke des Isländers beim Gegenstoß nicht vom Torerfolg zum 24:22 abbringen und holte damit zudem eine Überzahlsituation für den THW heraus. Spielmacher Andy Schmid verlor kurz die Übersicht und dann den Ball, während Filip Jicha sich zum 25:22 durchtankte. Dann fing Palicka einen Verzweiflungswurf von Ekdahl du Rietz, wenig später parierte er auch gegen Schmid. Und da Aron Palmarsson auf der Gegenseite per Sprungwurf auf 26:22 stellte, kochte die Sparkassen-Arena acht Minuten vor dem Spielende endgültig. Zumal die "Zebras" noch nicht locker ließen: Das Kieler Abwehrbollwerk erkämpfte sich zwei weitere Bälle, die Jicha und Sigurdsson jeweils per Konter zum 28:22 nutzten. Und als Palicka dann auch noch einen Wurf des ansonsten von Wiencek und Toft Hansen komplett aus dem Spiel genommenen Myrhol parierte und Wiencek einen weiten Pass seines Torhüters mit einer Hand fing und ins leere Tor zum 29:22 vollendete, waren die letzten Zweifel am 11. Kieler Saisonsieg längst verflogen.

Löwen verkürzen

Niklas Landin sitzt nach Spielende enttäuscht vor seinem Tor. © Sascha Klahn

Ekdahl du Rietz beendete anschließend die fast neunminütige Torflaute der Rhein-Neckar Löwen, und in den letzten vier Minuten kehrte bei den siegesgewissen Gastgebern noch einmal böse der Schlendrian ein. Die Mannheimer nutzten dies noch zur Ergebniskorrekur - so sehr, dass Alfred Gislason seine Mannschaft nach dem 30:28-Anschluss eine halbe Minute vor Schluss sogar noch einmal zusammentrommelte. Den begeisternden Schlusspunkt setzte "Comebacker" Aron Palmarsson, der mit seinem siebten Treffer zum 31:28-Endstand gar zum besten Feldtorschützen der Partie avancierte.

Am Sonntag in Hannover

Während die Rhein-Neckar Löwen durch ihre zweite Saison-Niederlage und die gleichzeitigen Erfolge der Konkurrenten vom zweiten auf den fünften Tabellenplatz abrutschten, festigten die "Zebras" mit dem Erfolg im Spitzenspiel mit nun 22:2 Punkten ihre Tabellenführung in der DKB Handball-Bundesliga. Die ersten Verfolger heißen nun Flensburg (19:5) und Hamburg (18:4). Für den THW geht es bereits am kommenden Sonntag mit einer kniffligen Auswärtsaufgabe weiter: Um 15.00 Uhr treffen die Kieler vor über 4.000 Zuschauern in der ausverkauften "Swiss Life Hall" auf die TSV Hannover-Burgdorf.

(Sascha Krokowski)

 

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