THW Kiel landet Kantersieg in Emsdetten

Bundesliga
Samstag, 31.08.2013 // 22:07 Uhr

Bundesliga, 2. Spieltag: 31.08.2013, Sa., 19.00: TV Emsdetten - THW Kiel: 25:40 (12:18)

Update #3: KN-Artikel und Stimmen ergänzt

Marko Vujin war mit 9/3 Treffern erfolgreichster Schütze in Emsdetten.
© Susanne Schauer

Mit einem deutlichen Auswärtssieg hat der THW Kiel erneut die Tabellenspitze der DKB Handball-Bundesliga übernommen. Beim Aufsteiger TV Emsdetten gewannen die "Zebras" am frühen Samstagabend mit 40:25 (18:12) und erteilten den Westfalen besonders in der zweiten Halbzeit eine kleine Lehrstunde. Erfolgreichster Torschütze bei den Kielern war Marko Vujin mit 9/3 Treffern, Bestnoten verdiente sich auch Andreas Palicka, der zahlreiche Torchancen der Gastgeber vereitelte.

Die Euphorie war spür- und hörbar in der kleinen Emshalle, die lange Jahre in der zweiten Bundesliga ehrfurchtsvoll "Ems-Hölle" genannt wurde. Zum ersten Heimspiel in der Beletage des europäischen Handballs war die Halle mit 2.300 Zuschauern natürlich restlos ausverkauft - zur Partie gegen den Rekordmeister hätte der TV Emsdetten locker dreimal so viele Tickets verkaufen können.

Gislason mit vier Umstellungen

Niclas Ekberg erzielte fünf seiner sechs Treffer im ersten Durchgang.
© Susanne Schauer

Alfred Gislason nahm dabei im Vergleich zum erfolgreichen Saisondebüt gegen den Bergischen HC gleich vier Änderungen in seiner Startformation vor: Auf den Außenbahnen durften Dominik Klein und Niclas Ekberg beginnen (und letztlich sogar durchspielen), im rechten Rückraum startete Christian Zeitz statt Marko Vujin und im Tor durfte Andreas Palicka ran. Während bei den "Zebras" lediglich Aron Palmarsson verletzt ausfiel, hatten die Gastgeber gleich mehrere personelle Ausfälle zu beklagen: Goalgetter Jeffrey Boomhouwer war nach seiner Ellenbogen-Verletzung aus dem Gummersbach-Spiel nicht rechtzeitig fit geworden, und zu den Langzeitverletzten Andrej Kurtschew und Oddur Gretarsson gesellte sich zudem auch noch Rechtsaußen Mike Schulz, der sich am Freitag im Abschlusstraining den Mittelfuß brach. Als Ersatz für Boomhouwer rückte aus der zweiten Mannschaft Hans-Hermann Feldkamp nach, der auch gleich in der Startformation stand.

Blitzstart des THW

Rasmus Lauge setzt sich durch. © Susanne Schauer

Doch ehe sich Feldkamp und Co. umsahen, lagen die nervösen Gastgeber gegen furios startende "Zebras" bereits 0:3 hinten: Keine 75 Sekunden brauchten Filip Jicha, Christian Zeitz und Niclas Ekberg für diese Führung. Angefeuert vom euphorischen Publikum fand die Mannschaft von Gennadij Chalepo aber in der Folgezeit in die Partie: Bozovic und Feldkamp verkürzten auf 2:3, Kapitän Thünemann beantwortete einen Siebenmetertreffer Vujins vom Kreis zum 3:4.

 

In der Kieler Offensive hakte es noch ein wenig, aber über die gut formierte 6:0-Deckung mit Rene Toft Hansen und Filip Jicha im Mittelblock sowie einem blendend aufgelegten Andreas Palicka zwischen den Pfosten zog der THW sein gefürchtetes Konterspiel auf: Klein und Jicha schlossen ihre Gegenstöße zum 6:3 ab, und nachdem Zeitz Ekberg das 7:3 aufgelegt hatte, zog Chalepo nach neun Minuten erstmals die Notbremse in Form der grünen Timeout-Karte.

Erst in der Schlussphase zur klaren Halbzeitführung

Und in der Tat: Da auch Vitali Feshchanka im Emsdettener Tor mehrere Würfe der "Zebras" und sogar einen Strafwurf des in der ersten Halbzeit ansonsten pausierenden Vujins parierte, robbten sich die Gastgeber in der Folgezeit noch einmal heran. Mittlerweile hatte Ragnarsson die Spielmacherposition vom schwachen Selmanovic übernommen, und nach Treffern von Bozovic, Prce und Thünemann stand es nur noch 6:8 (16.) aus Sicht des TVE, der sogar die Chance hatte, auf ein Tor zu verkürzen. Dann aber setzte sich der mittlerweile das Kieler Spiel führende Rasmus Lauge blendend in einer Eins-gegen-Eins-Situation durch und traf zum 9:6, unterstützt von einer weiteren Palicka-Parade stellten Jicha und Ekberg beim 11:7 wieder den alten Vier-Tore-Vorsprung her. Der schwedische Rechtsaußen legte per Doppelschlag sogar zum 14:8 nach, doch Ragnarsson und Lökkebö vom Kreis ließen die Gastgeber noch einmal hoffen. Alfred Gislason nahm nun seine Auszeit und stellte seine Deckung auf die offensive 3:2:1-Variante um. Durch die neue Abwehrformation sowie eine Zeitstrafe gegen Kvalvik erhöhten die "Zebras" noch einmal bis zum Seitenwechsel, den Schlusspunkt des ersten Durchgangs setzte Toft Hansen, der nach feinem Anspiel des guten Jicha das 18:12 beisteuerte.

Letzte Zweifel am Sieg weggefegt

Mit Toft Hansens Treffern kurz vor und kurz nach dem Pausenpfiff entschied der THW die Partie. © Susanne Schauer

Mit viel Schwung kehrte der THW auch aus der Kabine zurück. Filip Jicha fand zweimal erneut Toft Hansen am Kreis, der Däne erhöhte auf 20:12. Als Ekbergper zweiter Welle mit seinem sechsten Treffer und Rasmus Lauge aus dem Rückraum das Ergebnis gar auf 22:12 stellten und Chalepo erneut die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch legte, war die Partie nach 35 Minuten bereits entschieden. Den Fans in der Emshalle war dies allerdings egal, denn sie unterstützten weiterhin bedingungslos ihre wacker kämpfenden Grün-Weißen.

Diese konnten im Anschluss endlich die ersten eigenen Treffer der zweiten Halbzeit bejubeln, als Regisseur Ragnarsson ein Doppelschlag zum 14:22 gelang. Es blieb allerdings ein Strohfeuer des TV Emsdetten. Die Kieler - mittlerweile mit Marko Vujin im Angriff für Christian Zeitz sowie mit Patrick Wiencek für Toft Hansen am Kreis und im Mittelblock - legten erbarmungslos nach, und insbesondere die beiden frischen Kräfte sollten den letzten 23 Minuten ihren Stempel aufdrücken.

Wiencek und Vujin treffen nach Belieben

Patrick Wiencek war der auffälligste Spieler der Schlussphase. © Susanne Schauer

Nachdem Emsdetten zumindest bis zum 17:25 (41.) den Rückstand im Rahmen halten konnte, zündeten die "Zebras" noch einmal den Turbo: Vujin mit einem Hammer, Jicha und Zeitz per Gegenstoß schraubten das Ergebnis auf 28:17. Und nach dem Treffer von Bozovic, mit sechs Treffern erfolgreichster Schütze seines Teams, legten Jicha, Wiencek und erneut zweimal Vujin gar zum 32:18 nach und ließen sich auch von der letzten Auszeit Chalepos nicht stoppen. Andreas Palicka hatte nach 45 Minuten seinen verdienten Feierabend, aber da Johan Sjöstrand in der Schlussviertelstunde seinem Freund und Landsmann in nichts nachstand, zogen die "Zebras" weiter davon - allen voran Patrick Wiencek und Marko Vujin, die gemeinsam neun der letzten zehn Kieler Treffer erzielten. Lediglich Wael Jallouz, der in der Abwehr zusammen mit Patrick Wiencek den Mittelblock bildete, unterbrach diesen Kieler Torreigen mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 38:22.

Am nächsten Wochenende beim HSV Hamburg

Am Ende stand ein deutlicher, wenn auch vielleicht etwas zu hoch ausgefallener 40:25-Erfolg für die "Zebras" zu Buche, die mit 4:0 Punkten und einer Tordifferenz von +25 mit immer breiterer Brust zum Spitzenspiel am nächsten Samstag beim HSV Hamburg reisen können. Und der TV Emsdetten? Der wurde auch nach dem Schlusspfiff von seinen Fans gefeiert.

(Sascha Krokowski) 

 

Mehr zum Thema

Berlin. Vor dem Scheitern kommt das Rechnen. "Ich habe es schon erlebt, mit neun Minuspunkten in Kiel Meister zu werden", sagte Marko Vujin unmittelbar nach dem Abpfiff in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Der serbische Linkshänder hatte mit dem THW Kiel soeben ein in letzter Sekunde gerettetes 25:25 (14:15) bei den Füchsen Berlin erlebt. Für die Zebras: zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel....

23.10.2017

Der THW Kiel hat bei den Füchsen Berlin einen hoch verdienten Punkt geholt: Nach 60 Minuten Handball auf Spitzen-Niveau, wechselnden Führungen und mit leidenschaftlichem Einsatz war es Niclas Ekberg, der mit einem verwandelten Siebenmeter in der Schluss-Sekunde den Kampf der "Zebras" zumindest mit einem Punkt belohnte. Sein Tor zum 25:25 (14:15)-Ausgleich war das Ausrufezeichen hinter einer...

21.10.2017

Berlin. Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin und Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, schwebt auf Wolke sieben. Lange Zeit waren die Füchse in der Bundesliga ungeschlagen, stehen momentan hinter den Rhein-Neckar Löwen auf Rang zwei. Und auf die erste Saisonniederlage gegen Hannover-Burgdorf hatten die Berliner sofort die passende Antwort parat, warfen die SG Flensburg-Handewitt...

21.10.2017

Das bittere Pokal-Aus bei den Recken analysieren, die Enttäuschung verarbeiten und dann die volle Konzentration auf die nächste schwere Aufgabe richten: Am Sonnabend sind die "Zebras" in der Hauptstadt gefordert. Die Füchse Berlin, derzeit Tabellenzweiter der DKB Handball-Bundesliga, empfangen den THW Kiel in der Max-Schmeling-Halle. Anwurf ist um 14:05 Uhr, der öffentlich-rechtliche Sender...

19.10.2017

Kiel. Rückkehr ins eigene "Wohnzimmer", Rückkehr zu alten Mustern: Der THW Kiel hat am Donnerstagabend in der Handball-Bundesliga Frisch Auf Göppingen mit 28:23 (13:9, siehe ausführlicher Spielbericht) geschlagen, zwei wichtige Punkte gesichert. Das ist die gute Nachricht. An das Aufplustern, die spielerische Finesse der letzten Partie am vergangenen Sonntag in Veszprém konnten die Zebras indes zu...

13.10.2017

Ein Schönheitspreis wurde am Donnerstagabend in der ausverkauften Sparkassen-Arena nicht vergeben. Dafür bekamen die 10.285 Zuschauer harte Handball-Arbeit mit dem einen oder anderen feinen Kniff zu sehen. Nach 60 umkämpften Minuten hatte der THW Kiel aber zwei wichtige Punkte auf der Habenseite: Mit dem Rückenwind der Fans setzten sich die Kieler Mitte der zweiten Halbzeit sukzessive ab und...

12.10.2017

Kiel. Die Zebras sind wieder zu Hause: Nach dem Auswärts-Dreierpack Mannheim, Nürnberg, Veszprém läuft der THW Kiel heute (19 Uhr, siehe ausführlicher Vorbericht) wieder in die heimische Sparkassen-Arena ein. Der Gegner heißt Frisch Auf Göppingen, die Schwaben haben nach dem Trainerwechsel von Magnus Andersson zu Rolf Brack neuen Mut für die Handball-Bundesliga geschöpft. Und so ist die Partie...

12.10.2017

Göppingen. Alte Besen kehren gut. Zumindest beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen, der am Donnerstag (19 Uhr, Sparkassen-Arena) beim THW Kiel gastiert (alle Infos zum Spiel im ausführlichen Vorbericht). Vor zwei Wochen trennte sich der Traditionsverein aus Baden-Württemberg nach enttäuschendem Saisonstart von Trainer Magnus Andersson. Der Nachfolger war schnell gefunden: Rolf Brack....

11.10.2017