"Zebras" mit Kantersieg gegen Balingen-Weilstetten

Bundesliga
Mittwoch, 16.10.2013 // 23:04 Uhr

Bundesliga, 10. Spieltag: 16.10.2013, Mi., 20.15: THW Kiel - HBW Balingen-Weilstetten: 35:24 (20:12)

Update #3: KN-Artikel und Fotos ergänzt...

Erneut eine starke Partie in Angriff und Abwehr spielte Rene Toft Hansen. © Sascha Klahn

Der THW Kiel ist nach der Auswärtsniederlage in Magdeburg wieder in die Erfolgsspur der DKB Handball-Bundesliga zurück gekehrt. Am Mittwochabend besiegten die "Zebras" HBW Balingen-Weilstetten nach ausgeglichenen ersten 20 Minuten letztlich deutlich mit 35:24 (20:12). Bester Torschütze auf Seiten der ersatzgeschwächten Kieler war Marko Vujin mit 8/1 Treffern. Den Serben stoppte selbst ein ausgekugelter Daumen nicht in seinem Tordrang.

Stehende Ovationen

Die 10.285 Fans in der ausverkauften Sparkassen-Arena feierten mit stehenden Ovationen den klaren Erfolg und das Bundesliga-Debüt von Tjark Müller. Der 20-jährige Mittelmann aus dem eigenen "Zebra"-Nachwuchs absolvierte seine ersten Minuten auf dem Parkett der Sparkassen-Arena. THW-Trainer Alfred Gislason hatte Müller, der auch mit nach Porto zum Champions-League-Spiel gereist war, erneut in den Kader berufen, weil mit Aron Palmarsson, der nach seiner Knie-Operation in den nächsten vier Wochen geschont werden wird, und Kreisläufer Patrick Wiencek erneut zwei Spieler fehlten und Kapitän Filip Jicha nach seiner Grippe noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte war.

Angespannte Personalsituation

Christian Zeitz steuerte drei Treffer bei. © Sascha Klahn

Die angespannte Personalsituation beim deutschen Rekordmeister sollte sich in den 60 fairen Minuten, in denen es nur zwei Zeitstrafen für HBW gab, erneut verschlechtern. Zunächst kugelte sich Marko Vujin den Daumen aus, später traf Wolfgang Strobel Rasmus Lauge mit einem Wurf unglücklich im Gesicht. Der Däne blieb benommen liegen, kam aber in der Schlussviertelstunde mit ordentlichem Schädelbrummen und zwei lockeren Zähnen noch einmal zum Einsatz. Auch Vujin kehrte wieder auf die Platte zurück.

Probleme in der Anfangsphase

Die Kieler Handballer hatten nur in den ersten zwanzig Minuten Probleme mit den abstiegsbedrohten Gästen. Diese waren in Bestbesetzung an die Förde gereist und fanden zunächst die Lücken in der nicht ganz sattelfest auftretenden "Zebra"-Abwehr. Dem Kieler Angriffsspiel drückten zunächst Jicha mit sicher verwandelten Siebenmetern und Marko Vujin ihren Stempel auf. Die Gäste kamen durch 1-1-Situationen und Rückraumwürfe immer wieder zum Torerfolg. Als Lauge Rene Toft Hansen zum 8:6 bediente, und wenig später Sprenger zum 10:8 und Gudjon Valur Sigurdsson per Gegenstoß zum 11:8 trafen, schienen sich die Kieler absetzen zu können. Doch nach Wael Jallouz' 103-km/h-Kracher aus dem rechten Rückraum zum 12:9 traf Tubic zum Anschluss. Als sich dann Vujin bei einem Pfostentreffer den Daumen auskugelte, nutzten die Gäste den Gegenstoß zum 11:12 (19.).

Nur ein weiteres Gegentor bis zur Pause

Marko Vujin ließ sich auch durch einen ausgekugelten Daumen nicht stoppen. © Sascha Klahn

Gislason reagierte und brachte Johan Sjöstrand für den glücklosen Andreas Palicka. Ein guter Schachzug, wie sich herausstellte. Denn hinter einer nun stärker zupackenden Kieler Abwehr entwickelte sich der Schwede zum Rückhalt seiner Mannschaft. Nur noch einen Gegentreffer kassierten die Kieler in den elf Minuten bis zum Seitenwechsel - und zogen vorentscheidend davon. Christian Zeitz bediente den an den Kreis eingelaufenen Sigurdsson zum 13:11, kurz darauf passte Zeitz auf den vorne wie hinten erneut stark spielenden Toft Hansen zum 14:11, Jicha verwandelte nach Häfners 12:14 (22.) einen von Lauge herausgeholten Siebenmeter, und Vujin vollstreckte zum 16:12. Der Torhunger des THW war damit aber noch nicht gestillt: Toft Hansen verwandelte einen langen Pass von Lauge zum 17:12, Sjöstrand entschärfte einen Kempa-Versuch von Häfner und leitete den Gegenstoß von Sigurdsson zum 18:12 ein, und Jicha bediente Toft Hansen zum 19:12. Rolf Brack zog seine Trumpfkarte und brachte Theuerkauf als siebten Feldspieler. Doch ohne Erfolg: Weil der Kreisläufer selbst warf und somit nicht zurückwechseln konnte, traf Jicha gegen den "Torwart" Theuerkauf zum 20:12. Und hätte Sigurdssons Ball aus der eigenen Hälfte nur eine Sekunde eher den Weg über die Torlinie gefunden, der THW wäre sogar mit einem Neun-Tore-Vorsprung in die Kabinen gegangen.

Verletzung bringt kurzfristig Unordnung

Filip Jicha - hier beim Siebenmeter - stand nach einer Grippe wieder im Kader. © Sascha Klahn

Aus dieser kamen die Kieler gut zurück. Erst bediente Zeitz Dominik Klein, der per Heber vollstreckte, dann erzielte der Linkshänder selbst das 22:13. Der unglückliche Kopftreffer, den Lauge kassierte, brachte dann kurzfristig Unordnung ins Kieler Spiel: Linksaußen Sigurdsson übernahm die Mittelposition, doch im Kieler Angriff schlichen sich Fehler ein. Da zudem Katsigiannis im HBW-Tor einige starke Minuten hatte und auch Jicha mit Atembeschwerden kurzfristig draußen bleiben musste, kamen die Gäste durch Gegenstöße wieder heran: Nach 46 Minuten und Martin Strobels Tor zum 20:25 war HBW zumindest wieder in Reichweite. Gislason reagierte und brachte sowohl Lauge als auch Jicha wieder - die Überzahlsituation nach Böhms Zeitstrafe nutzten Vujin und Toft Hansen zum 27:20, Klein markierte nach einem Toft-Hansen-Block im Gegenstoß das 28:20, und Jicha traf vom Kreis zum 29:20 (49.). Binnen drei Minuten hatte der THW Kiel mit einem 4:0-Lauf die Entscheidung erzwungen.

Müllers Bundesliga-Debüt

Wael Jallouz ballt nach einem seiner drei Treffer die Faust. © Sascha Klahn

Mit viel Applaus wurde dann die Einwechslung von Tjark Müller bedacht: Der THW-Nachwuchsmann kam nach 53 Minuten und feierte sein Bundesliga-Debüt. Mit Müller und einem Gegenstoß-Gewitter schraubten die Kieler das Ergebnis noch auf 35:24. Besonders spektakulär war dabei das Tor zum 34:22: Ekberg hatte einen Ball von der eigenen Ecke und mit dem Rücken zum Feld stehend nahezu "blind" mit einem Rückhandwurf zum an der Mittellinie durchstartenden Wael Jallouz gepasst, der den Ball mit Wucht ins Netz feuerte - dieses Tor riss die Zuschauer von den Sitzen. Die Fans feierten im letzten Heimspiel im Oktober ihre Mannschaft und stärkten ihr für die kommenden Auswärtsaufgaben in Kielce, Wallau und Göppingen den Rücken. Für die "Zebraherde" geht es am Freitag auf Champions-League-Tour: Via Frankfurt und Krakau geht es nach Kielce, wo eine durch Weltmeister Julen Aguinagalde verstärkte Weltklassemannschaft auf die Kieler wartet. Anpfiff der Partie beim letztjährigen Königsklassen-Dritten ist am Sonnabend um 18.15 Uhr, Eurosport überträgt live.

 

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