Bundesliga-Spitzenspiel am Sonnabend in Berlin

Vorbericht
Freitag, 10.10.2014 // 07:39 Uhr

Kaum wieder deutschen Boden unter den Füßen, geht es für den THW Kiel bereits am Sonnabend weiter mit der nächsten schweren Auswärtshürde: Um 16.15 Uhr wird in der Max-Schmeling-Halle der Bundesliga-Kracher bei den Füchsen Berlin angepfiffen. Sport1 überträgt die Partie live im Fernsehen.

Kieler Reisestrapazen

Der THW-Tross reiste per Chartermaschine von Kiel nach Brest und zurück nach Berlin.

Zwischen dem Abpfiff der Champions-League-Partie im weißrussischen Brest und dem Anpfiff des Bundesliga-Spitzenspiels in der Berliner Max-Schmeling-Halle liegen nur etwas mehr als 43 Stunden – und 700 Flugkilometer. Immerhin: Die Reisestrapazen konnte der THW Kiel durch einen eigens gebuchten Charterflug minimieren. Direkt nach dem 25:24 Erfolg gegen den HC Meshkov Brest ging es los zum Flughafen, am Freitagmorgen um 2:00 Uhr erreichte die Mannschaft Berlin-Schönefeld.

Füchse verpflichteten Ex-Flensburger Kasper Nielsen nach

Kasper Nielsen soll die Abwehr nach dem Ausfall Spoljarics stabilisieren.

Am Samstagnachmittag ab 16:15 Uhr erwartet die müden „Zebras“ dann ein gut gefüllter „Fuchsbau“ und ein Gegner, der sich auf Formsuche befindet. Den Kader des amtierenden deutschen Pokalsiegers haben wir Ihnen bereits im Vorbericht zum Supercup vorgestellt, den der THW beim Saisonauftakt in Stuttgart souverän mit 24:18 gewann. Seitdem hatten die Bundeshauptstädter allerdings noch einmal nachgerüstet: Für den verletzten Abwehrchef Denis Spoljaric, der aufgrund einer Handverletzung voraussichtlich erst im Dezember ins Spielgeschehen eingreifen kann, wurde der erfahrene Ex-Flensburger Kasper Nielsen an die Spree gelotst. „Es war der Wunsch des Trainers, noch einen zusätzlichen Abwehrspieler zu holen“, erklärte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning bei der Vorstellung des 39-jährigen dänischen Nationalspielers, der zuletzt für BSV Bjerringbro-Silkeborg aktiv war. „Er ist nicht mehr der jüngste, wir glauben aber, dass er uns mit seiner Erfahrung helfen kann und nehmen das sehr positiv an. Er ist ein kämpferisch starker Typ mit Siegermentalität“, so Füchse-Coach Dagur Sigurdsson.

Holpriger Saisonstart trotz Glücksgriffs

Berlins Torgarantie Petar Nenadic.

Kasper Nielsen war bereits die zweite Nachverpflichtung, nachdem sich Regisseur Bartlomiej Jaszka im Sommer einer weiteren Schulteroperation unterziehen musste und erst nach der WM-Pause wieder eingreifen kann. Für ihn wurde der serbische Nationalspieler Petar Nenadic vom polnischen Spitzenclub Orlen Wisla Plock losgeeist. Nenadic, dessen jüngerer Bruder Drasko bei der SG Flensburg-Handewitt unter Vertrag steht, erwies sich schnell als Glücksgriff der Berliner, in den bislang sieben Bundesligapartien erzielte der 28-jährige Mittelmann bereits 55/14 Treffer.

Doch Nenadic allein reichte nicht, um den holprigen Saisonstart der Berliner zu verhindern. Zum Auftakt gab es eine 27:29-Auswärtsniederlage bei bislang stark auftrumpfenden Göppingern. Mit drei Heimsiegen gegen den Bergischen HC (32:23), den VfL Gummersbach (30:27) und den HBW Balingen-Weilstetten (30:23) schienen die Füchse langsam in die Spur zu finden. Doch es folgte eine deutliche 21:30-Schlappe bei Kellerkind GWD Minden und gar eine 28:29-Heimniederlage gegen die schwach gestartete TSV Hannover-Burgdorf. Sechs Minuspunkte nach sechs Spieltagen – zu viele für eine Mannschaft, die in den vergangenen vier Jahren stets unter den Top5 der Liga ins Ziel einlief und sich damit jeweils für den Europapokal qualifizieren konnte.

Ziel bleibt Europapokal-Qualifikation

Linkshänder Fabian Wiede erzielte bislang 20 Saisontreffer.

Ursachen für den Holperstart der Berliner, die zuletzt am 1. Oktober immerhin mit 29:28 beim TBV Lemgo den ersten Auswärtssieg der Saison feiern konnten und mit nun 8:6 Punkten auf Platz 8 der DKB-Handball-Bundesliga stehen, gibt es viele. Natürlich die Verletzungen der Schlüsselspieler Spoljaric und Jaszka. Mit Petar Nenadic auf der Rückraummitte musste Füchse-Trainer Sigurdsson sein Spielsystem umbauen – und damit scheinen selbst die erfahrenen Halben Pavel Horak und Konstantin Igropulo noch etwas zu fremdeln. Da zudem Routinier Iker Romero noch auf seinen vierten Frühling wartet, selbst der in der letzten Saison bärenstarke Kreisläufer Jesper Nielsen ein paar Formschwankungen zeigt und die beiden Jung-Nationalspieler Paul Drux und Fabian Wiede zwar weiterhin starke Ansätze zeigen, aber ihr Niveau noch nicht über die volle Spielzeit zeigen, verließen die Füchse bereits dreimal als Verlierer das Parkett. Das Wort „Krise“ wollte man in der Metropole dennoch nicht in den Mund nehmen und von den formulierten Saisonzielen abzurücken: „Uns für Europa zu qualifizieren, halte ich immer noch für realistisch“, so Hanning.

Füchse suchen noch neuen Trainer

Talentfuchs Paul Drux überzeugt in seiner ersten Profisaison mit bislang 24 Treffern.

Neben den aktuellen sportlichen gibt es für den Geschäftsführer der Füchse aber auch zwei personelle Baustellen zur nächsten Saison zu schließen. Ein neuer Trainer wird gesucht, da Neu-Bundestrainer Sigurdsson ab nächstem Sommer komplett zum DHB wechseln wird. Zudem hat sich durch das starke Auftrumpfen von Petar Nenadic noch ein Luxusproblem ergeben. Der serbische Wandervogel, der in den vergangenen sieben Jahren vor Plock bereits für Algeciras und Barcelona in Spanien, im ungarischen Szeged und im dänischen Holstrebro spielte, drängt sich mit seinen starken Leistungen geradezu für eine Verlängerung seines Ein-Jahres-Vertrags auf. „Die Bundesliga ist für mich wie die NBA“, sagt Nenadic. „Berlin könnte ein Ort sein, an dem ich länger bleibe.“ Problem aber ist, dass die Füchse mit Jaszka (bis 2017), Drux (bis 2019), Horak (bis 2016) und dem im Sommer aus Lübbecke wechselnden Kroaten Drago Vukovic (bis 2018) bereits vier Rückraum-Rechtshänder für die nächste Spielzeit unter Vertrag haben – und fünf könnten möglicherweise das Budget der Bundeshauptstädter sprengen. Berliner Medien spekulierten zuletzt über einen vorzeitigen Abschied Pavel Horaks: Der ehemalige Göppinger konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen und holte sich bereits zu Saisonbeginn einen Rüffel Hannings ab (“Er war vergangene Saison nicht die Hilfe, die ich erwartet habe“), die der Tscheche aber nicht als Degradierung, sondern als Motivationsversuch wertete.

Bilanz: THW führt 26:4

Hat Silvio Heinevetter einen guten Tag, wird es für den THW schwer.

Gegen den THW wird sich Horak indes nicht beweisen können, fällt er doch wegen einer Ellenbogenverletzung noch zwei bis vier Wochen aus. Und auch hinter dem Einsatz von Nenadic steht noch ein Fragezeichen. „Er hat eine Muskelzerrung und kann nicht trainieren“, erklärte Trainer Sigurdsson am Mittwoch. Dennoch wartet auf den THW nach den Reisestrapazen eine mehr als knifflige Auswärtshürde, zumal Alfred Gislason weiterhin auf Rasmus Lauge und Kapitän Filip Jicha verzichten muss. Berlins Rechtsaußen Mattias Zachrisson wittert Chancen: „Wir hatten jetzt zehn Tage Pause und konnten gut trainieren und uns vorbereiten. Kiel hatte in dieser Zeit drei Spiele. Ich glaube wir haben eine gute Chance zu gewinnen, wenn wir das aufs Spielfeld bekommen, was wir können“. Die „Zebras“ werden aber alles tun, um im 33. Pflichtspielduell mit den Füchsen den 27. Sieg zu feiern und Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen auf den Fersen zu bleiben. Dabei kann sich der deutsche Rekordmeister auch wieder auf seine Fans verlassen, die einmal mehr in großer Zahl die Spreemetropole ansteuern werden.

Sport1 überträgt live

Sport1 überträgt das Duell des amtierenden Pokalsiegers mit dem amtierenden Meister live im Fernsehen.

Stolz in die Berliner Luft

Berlin. Um 1.30 Uhr erreichte der THW Kiel gestern sein Hotel in Berlin, am Nachmittag trainierte der Handballmeister, der heute bei den Füchsen zum Bundesliga-Gipfel (16.15 Uhr, live bei Sport1) antritt, schon wieder. Im Gepäck hatten die Zebras einen 25:24 (11:11)-Sieg beim weißrussischen Meister HC Brest. Einer, der sie stolz ihre Chartermaschine besteigen ließ. Einer, der die aktuelle Ratlosigkeit aber nicht beenden konnte.

„Wir bekommen im Moment nichts gratis“, sagte Andreas Palicka, der Sekunden vor dem Abpfiff in der aufgeheizten Stimmung der „Sportshall Victoria“ mit einer starken Parade gegen Dzmitry Nikulenkau den zweiten Sieg in der Champions-League-Vorrunde sicherte. „Wir kämpfen, aber es läuft nicht.“ Einzige Konsequenz sei, noch härter zu arbeiten. „So haben wir es immer gehandhabt.“

Ob Extraschichten das Positionsspiel beleben, ist fraglich. „Es ist reine Kopfsache“, vermutete Trainer Alfred Gislason. „Uns fehlt die Lockerheit, alle setzen sich zu sehr unter Druck.“ Tatsächlich wirkten die Zebras im Angriff erneut kopflos, aber sie wehrten sich leidenschaftlich. „Meine Mannschaft hat einen großartigen Charakter bewiesen“, lobte Gislason, für den Dominik Klein zum Sinnbild wurde. Der Linksaußen verpatzte seine ersten drei Gegenstöße, eine vierte Torchance verbaute er sich durch ein Stürmerfoul. Die Wutrede von Gislason hätte bei einem zart besaiteten Menschen einen dreiwöchigen Knallschaden zur Folge gehabt, doch Handballer sind im Umgang mit angespannten Trainern besondere Lautstärken gewohnt. „Er ist großartig aus diesem Loch herausgekommen“, lobte Gislason, als er sich wieder beruhigt hatte. „Dominik hatte sich richtig tief eingegraben.“ Es sei nicht selbstverständlich, dann „zwei extrem wichtige Tore“ zu werfen. Bei Klein ist zu erkennen, dass er noch seine neue Mitte sucht. Das dienstälteste Zebra, seit 2006 dabei, stand lange im Schatten von „Goggi“ Sigurdsson (inzwischen FC Barcelona). Im verlorenen Champions-League-Finale war er, obwohl der sonst so zuverlässige Sigurdsson schwächelte, der einzige Kieler, den Gislason bis zum bitteren Ende zusehen ließ.

Doch der 30-Jährige hat einen neuen Anlauf genommen. „Mein Trend ist positiv“, sagte Klein, der sich nach dem Brest-Sieg bei den Kollegen bedankte. „Sie haben mich heute gerettet.“ Es sei ein schönes Gefühl gewesen, gemeinsam die drohende Niederlage abgewendet zu haben. „Mein erster Gedanke war, dass uns ein solcher Sieg auch zusammenschweißen kann.“ Darum geht es offenbar. Der mit Domagoj Duvnjak, Joan Canellas (beide HSV) und Steffen Weinhold (Flensburg) namhaft verstärkte Kader ist noch keine gefestigte Einheit.

Duvnjak und Weinhold, in Brest nur sporadisch eingesetzt, werden heute mehr Verantwortung übernehmen müssen. Gegen eine Mannschaft, die sich seit zehn Tagen auf diesen Gipfel vorbereitet. „Die Pause war gut, wir konnten an Kleinigkeiten arbeiten“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson, der mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden sein kann. Der Pokalsieger ging in Minden (21:30) unter, verlor sein letztes Heimspiel gegen Hannover (28:29). Doch Platz acht ist erklärbar. Mit Abwehrchef Denis Spoljaric und Spielmacher Bartlomiej Jazka fehlen verletzungsbedingt seit Monaten zwei Schlüsselspieler. Gegen Kiel wird zudem der hünenhafte Rückraumspieler Pavel Horak fehlen, Top-Torschütze Petar Nenadic (Zerrung) ist ein Wackelkandidat.

Zehn Tage. Während die Füchse, die für Spoljaric den robusten Dänen Kasper Nielsen (39/Silkeborg) verpflichteten, gelassen Zebras studierten, absolvierten diese drei Spiele und bereisten Weißrussland. Seit die Füchse in der Saison 2007/08 in die Bundesliga zurückkehrten, verlor der THW nur einmal – im September 2010/23:26 – gegen sie. Doch die Gelegenheit war für die Berliner nie besser als heute, Licht in diese düstere Statistik zu bringen.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 11.10.2014)

 

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