Schwere Auswärtshürde am Sonnabend in Wuppertal - Update #1

Vorbericht
Samstag, 08.11.2014 // 07:35 Uhr

KN-Vorbericht ergänzt ...

Drei Tage nach dem überzeugenden 34:22-Heimsieg über den SC Magdeburg mit dem erfolgreichen Comeback von Rasmus Lauge steht dem THW Kiel eine schwere Auswärtshürde in der DKB Handball-Bundesliga bevor. Am Sonnabend sind die „Zebras“ beim Bergischen HC in der Wuppertaler Unihalle zu Gast. Die Partie beim aktuellen Tabellenzwölften wird um 19.00 Uhr angepfiffen, zeitnahe Informationen bekommen Sie auf der THW-Homepage im Internet und unter anderem auch auf kiel-liveticker.de.

BHC zitterte sich zum Klassenerhalt

Sebastian Hinze ist seit Mai 2012 Cheftrainer bei den Bergischen Löwen.

Hinter den Bergischen Löwen lag eine wechselhafte vergangene Spielzeit, die letztlich aber erfolgreich erstmals mit dem Klassenerhalt in der stärksten Handball-Liga der Welt endete – der größte Erfolg in der Geschichte des 2006 aus einem Zusammenschluss der einstigen Erstligisten aus Solingen (2000-2002) und Wuppertal (1997-2001) entstandene Vereins. Als Aufsteiger setzte die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze nach einer 24:34-Niederlage beim THW zum Auftakt gleich im ersten Heimspiel ein riesiges Ausrufezeichen durch einen 34:27-Heimsieg gegen den damals amtierenden Champions-League-Sieger aus Hamburg. 13 Punkte hatte der BHC bereits nach zehn Spieltagen auf dem Konto, doch von den folgenden 20 Spielen verlor die Mannschaft 18, so dass man bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern musste. Ein überraschender 26:25-Auswärtssieg bei den Füchsen Berlin ließ die Löwen aber letztlich jubeln.

Eingespielte Mannschaft

Milos Dragas kam im Sommer aus Sabac zum BHC.

Gerade die überraschenden Punktgewinne ließen beim Verein in der Sommerpause ein gesundes Selbstvertrauen wachsen: „Wenn wir es schaffen, einhundert Prozent abzurufen, werden wir mindestens achtzig Prozent der Konkurrenz Probleme bereiten. Und dann entsprechend auch mal gewinnen, egal gegen wen oder wo“, so Hinze. Dementsprechend wurde der letztjährige Kader auch über weite Strecken zusammengehalten, so dass der 35-jährige Coach auf ein eingespieltes Team zurückgreifen kann. Nur drei neue Spieler wurden geholt, unter ihnen der junge Rechtsaußen Nils Artmann, Zwillingsbruder des bereits seit 2012 beim BHC spielenden Linksaußen Jan, sowie der 19-jährige Kreisläufer Moritz Preuss – beides Ergänzungsspieler und Investitionen in die Zukunft. Für den linken Rückraum wurde der Serbe Milos Dragas verpflichtet, der den schwedischen Shooter Emil Berggren ersetzt.

Trumpfkarte Viktor Szilagyi

Ex-Zebra Viktor Szilagyi ist auch mit 36 Jahren nicht aus der Mannschaft wegzudenken.

In die erste Sieben hat es aber auch Dragas noch nicht geschafft – vor allem, weil Fabian Gutbrod sich in dieser Saison in starker Form präsentiert. Der ehemalige Göppinger und Balinger, der sich trotz vieler Angebote jüngst für eine Vertragsverlängerung bis 2018 entschied, hatte in den vergangenen Jahren oft mit Verletzungen zu kämpfen, trumpft in dieser Spielzeit mit bislang 44 Treffern aber groß auf. Zusammen mit Mittelmann Alexander Oelze, Linkshänder Kristian Nippes sowie der Flügelzange um Christian Hoße und den Isländer Arnor Thor Gunnarsson bildet Gutbrod eine starke Angriffsreihe – zumal der BHC noch ein Ex-“Zebra“ in der Hinterhand hat: Viktor Szilagyi ist auch mit 36 Jahren noch der Mann für die besonderen Momente, wie er zuletzt im Heimspiel gegen den TBV Lemgo eindrucksvoll unter Beweis stellte, als er in letzter Sekunde den 31:30-Siegtreffer erzielte.

Linkshänder Kristian Nippes erzielte bislang 38 Treffer.

Coup gegen Rhein-Neckar Löwen

Dies war bereits der vierte Heimsieg in Folge für die Bergischen Löwen, die mit derzeit ausgeglichenem Punktekonto im breiten Mittelfeld der Liga liegen. Kristian Nippes weiß aber, dass es bis zum erneuten Klassenerhalt noch ein weiter Weg sein wird: „Wir lassen uns nicht blenden, eigentlich sind außer den ersten Vier alle anderen im Abstiegskampf“. Allerdings stehen die Zeichen gut, bis Weihnachten das Punktekonto noch erheblich aufzubessern, sind mit Friesenheim, Erlangen, Lübbecke noch schlagbare Gegner zu Gast. Und dass der BHC keine Angst vor großen Namen hat, bewies er bereits eindrucksvoll am 13. September, als er durch einen 24:23-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen auch dem THW Kiel einen Gefallen getan – dies unterstreicht aber auch, dass die „Zebras“ den Gegner am Sonnabend nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen.

Losgeeist von „byzantinischer Abhängigkeit“

Der isländische Nationalkeeper Björgvin Pall Gustavsson spielt seit letzter Saison beim BHC.

Doch nicht nur sportlich ist der Verein im Soll, auch wirtschaftlich steht der Bergische HC auf einem gesunden Fundament. Die Ankündigung des einstigen Hauptsponsors Brose, sich stufenweise komplett vom Handball zurückzuziehen, traf den Club im Herbst 2012 schwer. „Der Umsatzanteil mit dem Top-Partner betrug sage und schreibe 72 Prozent, alle Zuschauereinnahmen eingeschlossen. Kein anderer deutscher Profihandball-Club stand auch nur annähernd in einer derartig byzantinischen Abhängigkeit zu einem einzigen Geldgeber wie der BHC“, blickt BHC-Geschäftsführer Jörg Föste zurück. Doch es wurden neue regionale Partner ins Boot geholt, so dass der Etat konstant blieb, obwohl Broses Umsatzanteil derzeit nur noch bei maximal 15 Prozent liegen soll.

Fabian Gutbrod ist mit bislang 44 Treffern bester Feldtorschütze der Löwen.

Verein wünscht sich neue Halle

Einen weiteren Meilenstein plant der Verein, der aktuell seine Heimspiele je nach Bedarf in der 2.800 Zuschauer fassenden Solinger Klingenhalle und der für 3.200 Besucher zugelassenen Wuppertaler Unihalle austrägt, mit dem Bau der „Arena Bergisch Land“. Die Multifunktionshalle soll bei Handballspielen bis zu 6.000 Zuschauer fassen, der Verein sieht sich als sogenannter „Ankermieter“. Diese Halle ist aber noch Zukunftsmusik: Läuft alles nach Plan, könnte der BHC aber ab der Saison 2017/18 in seiner neuen Arena auf Punktejagd gehen. Geschäftsführer Jörg Föste kann offenbar auf die Unterstützung des Städtedreiecks – neben Wuppertal und Solingen soll auch Remscheid zum potentiellen Einzugsgebiet zählen – rechnen und zog am Mittwoch ein positives Zwischenfazit: „In Gummersbach hat es mit der Errichtung der Arena acht Jahre gedauert, da sind wir nach zehn Monaten schon erstaunlich weit.“

THW am Sonnabend ohne Jicha und Palmarsson

Am Sonnabend aber geht es zunächst einmal um zwei Punkte – für den BHC im Kampf um den Klassenerhalt, für den THW hingegen im Kampf um die Tabellenspitze. Die bisherigen vier Ligaduelle konnten die „Zebras“ gegen die Löwen allesamt für sich entscheiden – zuletzt gab es in der vergangenen Saison einen 31:25-Erfolg in der Wuppertaler Unihalle. Diese wird voraussichtlich auch am Sonnabend wieder ausverkauft sein, wenn der deutsche Rekordmeister seine Visitenkarte abgibt. Dabei kann Trainer Alfred Gislason wieder auf Rasmus Lauge zurückgreifen, der die Neuzugänge Domagoj Duvnjak und Joan Cañellas ein bisschen entlasten soll. Aron Palmarsson und Kapitän Filip Jicha werden hingegen weiterhin ausfallen.

Liveticker und Internetradio

Zeitnahe Informationen liefern der Liveticker auf der Startseite der THW-Homepage sowie der Internetticker des Zebraclubs (kiel-liveticker.de). Außerdem berichtet das Webradio meinsportradio.de live aus der Unihalle und überträgt das komplette Spiel ungekürzt und werbefrei ab 18.55 Uhr.

KN: Lauge ist ganz einfach glücklich

Kiel. Rasmus Lauge ist zurück auf dem Feld, Joan Canellas etabliert sich als zentrale Persönlichkeit, und der THW Kiel hat nach der Länderspielpause mit dem Sieg über Magdeburg (34:22) gleich wieder in die Spur gefunden. Die Zuversicht ist groß, dass der deutsche Handballmeister im heutigen Spiel beim Bergischen HC (19 Uhr) zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen (nach dem Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen) zum Löwenbändiger werden kann.

Die Erleichterung von Rasmus Lauge nach dem Spiel gegen den SCM hätte deutlicher kaum sein können. Acht Monate nach seiner Knie-OP durfte der Däne wieder auf das Feld, führte sich mit zwei Treffern gleich wieder gut ein und fiel nach dem Schlusspfiff Athletiktrainer Hinrich Brockmann in den Katakomben der Arena in die Arme. „Es war unglaublich, hier wieder spielen zu können. Ich habe mich so gefreut“, sprudelte es aus dem 23-Jährigen heraus, dem das Lächeln nicht aus dem Gesicht weichen wollte. Nur einmal hatte er vor der Partie mit der Mannschaft trainiert, war daher unsicher, ob er eingesetzt werden würde. Aber in der 21. Minute schickte ihn Trainer Alfred Gislason auf das Feld. „Ich hatte gehofft, dass es nach der Länderspielpause klappen könnte. Mein Knie fühlt sich gut an – besser als je zuvor. Jetzt muss ich mich noch im Kopf wieder auf unser Spiel einstellen.“ Die Spielzüge abrufen, die entscheidenden Aktionen einleiten – das müsse alles noch kommen. „Ich kann viel mehr, aber die Tore gegen Magdeburg waren schon etwas Besonderes.“

Trainer Gislason ist froh, mit Lauge wieder mehr Optionen zu haben. Die Befürchtung eines Überangebots im Rückraum, wenn auch Filip Jicha und Aron Palmarsson wieder fit sind, konterte er mit einem Lächeln: „Zuletzt hatte ich gerade noch zwei gesunde Rechtshänder für den Rückraum. Das ist wahrlich nicht zu viel. Jetzt sind es drei, bald vielleicht vier. Andere Teams aus der Champions League haben acht.“

Das Comeback des jungen Dänen, der laut Gislason überragendes Engagement in der Reha gezeigt hat, macht es möglich, Joan Canellas wieder einige Ruhephasen zu gönnen. Der Spanier beweist nicht nur als Passgeber ein sehr gutes Auge, sondern hat zuletzt auch in der Abwehr hart geackert, die Reihen zusammen gehalten und fühlt sich im Kieler Team rundum wohl. „Gegen Magdeburg hat das Spiel sehr gut funktioniert. In den letzten Minuten konnten wir gegen den starken Gegner sogar das Tempo rausnehmen. Solche Spiele brauchen wir, um in den Rhythmus für die Champions-League-Aufgaben gegen Paris zu kommen“, sagt der 28-Jährige, der noch kein Ende der Mannschaftsentwicklung sieht: „Wenn Filip und Aron wieder dabei sind, dann können wir eine richtig gute Mannschaft werden.“

Eine weitere große Aufgabe wartet heute beim Bergischen HC. Die Löwen von Trainer Sebastian Hinze haben sich im Tabellen-Mittelfeld eingenistet, sind zu Hause eine Macht. Selbst der Tabellenführer, die Rhein-Neckar Löwen, mussten sich in der Uni-Halle in Wuppertal, die heute ausverkauft ist, knapp geschlagen geben (23:24). Ein Hinweis auf die Stärke des BHC, den Alfred Gislason nicht mehr benötigt: „Das ist eine Top-Mannschaft, die vor allem zu Hause mit einer offensiven Abwehr befreit aufspielt. Ein schweres Spiel. Aber es macht diese Liga aus, dass man niemanden unterschätzen darf.“

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 08.11.2014)

 

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