Starke 45 Minuten: THW dominiert in Göppingen

Bundesliga
Mittwoch, 19.11.2014 // 21:54 Uhr

Der THW Kiel hat im Spitzenspiel der DKB Handball-Bundesliga ein weiteres sportliches Ausrufezeichen gesetzt. Am Mittwochabend siegten die "Zebras" beim bisherigen Tabellendritten Frisch Auf Göppingen mit 29:25 (18:9). Das Endergebnis spiegelt dabei kaum wider, was die 5.600 Zuschauer in der ausverkauften EWS-Arena erlebten: Der deutsche Rekordmeister dominierte den Gastgeber über weite Strecken der Partie nach Belieben, dank einer starken 3:2:1-Deckung und den Treffern von Domagoj Duvnjak (9) und Marko Vujin (7) führten die Kieler Mitte der zweiten Halbzeit sogar mit bis zu zwölf Toren Unterschied.

Göppingen mit voller Kapelle

Voller Selbstbewusstsein nach einem starken Saisonstart und mit 5.600 Zuschauern in der ausverkauften EWS-Arena im Rücken wollte Frisch Auf Göppingen mit einem Heimsieg gegen den THW Kiel mit dem Rekordmeister in der Tabelle gleichziehen. Trainer Magnus Andersson standen alle Profis zur Verfügung, für Rückraumspieler Daniel Fontaine war daher letztlich kein Platz mehr auf dem Spielberichtsbogen. Ein Luxusproblem, das Alfred Gislason in dieser Spielzeit bislang fremd ist: Auch zum Spitzenspiel in Göppingen musste der Isländer auf Landsmann Aron Palmarsson und Kapitän Filip Jicha verzichten.

Kiels Abwehr von Beginn an hellwach

Domajog Duvnjak spielte eine starke Partie und erzielte neun Treffer.

Unter dem Jubel der Fans traf Nationalspieler Tim Kneule gleich im ersten Angriff zum 1:0 für Frisch Auf – es sollte die einzige Führung für die Grün-Weißen an diesem Abend bleiben. Denn beim THW, der wie schon in Paris mit Rasmus Lauge auf der Rückraummitte begann, erwischte Domagoj Duvnjak sogleich einen starken Start und warf seine Farben mit zwei Treffern aus der Distanz nach vorne. Kurz darauf zeigte auch Marko Vujin auf der anderen Halbposition, dass er sich viel vorgenommen hatte: Erst aus neun, beim zweiten Versuch aus zehn Metern überwand der Serbe den in den vergangenen Wochen so formstarken Torhüter Primoz Prost. Nach acht Minuten führte der THW, nachdem Schiller mit einem Siebenmeter Johan Sjöstrand überwunden hatte, mit 4:3. Eine knappe Führung nur zwar, aber bereits in dieser Anfangsphase zeigte sich, dass die Kieler 3:2:1-Deckung mit Duvnjak an der Spitze und den aufmerksamen Patrick Wiencek und Lauge auf den Halbpositionen die Baden-Württemberger noch vor riesige Probleme stellen würde.

6:0-Lauf sorgt früh für klare Verhältnisse

Konzentriert im Abschluss: Christian Sprenger erzielte in Göppingen vier Treffer.

Dies sollte sich in der Folgezeit auch auf der Anzeigetafel bemerkbar machen: Nachdem Joan Cañellas einen von Wiencek erkämpften Siebenmeter zum 5:3 verwandelte und Zarko Sesums für Felix Lobedank gedachtes Anspiel im Seitenaus landete, nahm Göppingens Coach seine erste Auszeit. Nach einem weiteren Missverständnis seiner beiden Rückraumspieler und einem von Wiencek abgeschlossenen Gegenstoß zum 6:3 brachte Andersson mit Kévynn Nyokas und Michael Kraus zwei neue Spieler. Doch in Überzahl nach einer Zeitstrafe gegen Lobedank sorgten Vujin und Duvnjak mit Aufsetzern bereits für das 8:3 aus Kieler Sicht. Als Nikola Marinovic für den glücklosen Prost ins Göppinger Tor eingewechselt wurde, war es auf den 15 Minuten vorhernoch so euphorischen Rängen bereits merklich ruhiger geworden.

Und aus Sicht der Gastgeber wurde es auch nicht besser: Gegen die starke Kieler Deckung fabrizierte Frisch Auf reihenweise technische Fehler, und wenn sich dann doch einmal eine gute Chance zum Torerfolg gab wie beispielsweise bei einem Durchbruch Sesums oder einem Siebenmeter Schillers, dann versagten dem Schützen die Nerven. Nachdem sich Lauge zum 9:3 durchgetankt und Duvnjak mit bereits seinem vierten Treffer auf 10:3 erhöht hatte, glaubten selbst die optimistischsten grün-weißen Fans schon nicht mehr an einen Punktgewinn – dabei waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 15 Minuten absolviert.

Klare Pausenführung für den THW

Die neunminütige Göppinger Torflaute konnte Kraus dann in Überzahl zum 4:10 zwar beenden, doch der THW legte weiter nach. Während die Gastgeber und ihre Fans mehr und mehr mit den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns Geipel/Helbig haderten, konzentrierten sich die Kieler aufs Handballspielen: So bewies Cañellas bei seinen Anspielen auf Christian Sprenger und Dominik Klein einmal mehr sein tolles Spielverständnis, während Duvnjak seinen fünften Treffer erzielte – nach 25 Spielminuten war der THW beim 15:5 erstmals mit zehn Toren Unterschied vorne. Immerhin konnten die Gastgeber durch einen gehaltenen Siebenmeter und das Tor des Tages – Schiller sprintete einem vermeintlich zu weiten Gegenstoßpass seines Keepers hinterher und konnte diesen mit einem fantastischen Dreher doch noch in einen Torerfolg ummünzen – bis zur Pausensirene noch leicht auf 9:18 verkürzen.

THW streckenweise zwölf Tore vorne

Patrick Wiencek war zwei Mal erfolgreich.

Die Hoffnung, dass der zweite Durchgang erfreulicher verlaufen könnte aus Sicht Frisch Aufs, wurde direkt nach Wiederanpfiff geweckt: Duvnjak verwarf erstmals in dieser Partie, während auf der Gegenseite Sesum erstmals Sjöstrand überwinden konnte. Doch die Hoffnung verblieb nur kurz, denn nachdem auch der sprunggewaltige, ansonsten unglücklich agierende Nyokas seinen ersten Torerfolg feiern und auf 11:19 verkürzen konnte, machte die THW-Deckung wieder für neun Minuten ihre Schotten dicht: Sjöstrands Paraden gegen den unauffälligen Landsmann Anton Halén und Sesum und gravierende Fehlpässe der Göppinger sorgten dafür, dass sich die „Zebras“ weiter absetzen konnten. Duvnjak knüpfte nahtlos an seine starke Leistung aus dem ersten Durchgang an, und als Marko Vujin aus dem Stand hoch sprang und den Ball trotz leichter Rücklage mit unglaublichem Tempo zum 23:11 in den Winkel jagte, raunte die gesamte Arena.

Göppingen verkürzt in Schlussphase deutlich

Kreisläufer Manuel Späth erzielte die meisten Treffer für Göppingen.

Die Partie war längst entschieden, und Göppingen konnte zumindest in Überzahl wieder das eine oder andere Tor erzielen. Dennoch blieb die Kieler Führung konstant, bis Weinhold sich in der 48. Spielminute auf 27:15 durchgetankt hatte. Mittlerweile waren Andreas Palicka für den gewohnt guten Sjöstrand sowie Rune Dahmke für Klein in die Partie gekommen. Der THW hatte einen Gang herunter geschaltet, um nun mit einer weniger anstrengenden 6:0-Deckung Kräfte für das bevorstehende Champions-League-Duell mit Paris am kommenden Sonnabend zu schonen. Allerdings dürfte auch Alfred Gislason von den letzten zwölf Spielminuten seiner Mannschaft nicht sehr angetan gewesen sein. Die Kieler Abwehr stand nur noch Spalier, insbesondere Linkshänder Lobedank und Kreisläufer Manuel Späth nutzten die Einladungen zu Treffern. Und vorne fehlte bei den „Zebras“ nun etwas die letzte Konsequenz. So nahm sich Rune Dahmke in Angesicht des sicheren Sieges drei sehr optimistische Würfe. Als Folge halbierte Göppingen binnen sechs Minuten den Rückstand mit einem 6:0-Lauf und zwang Gislason noch zu einer letzten Auszeit. Frisch Auf verkürzte aber auch in der Schlussphase noch leicht, so dass am Ende „nur“ ein 29:25-Erfolg für den THW zu Buche stand.

Am Sonnabend kommt Paris

Insgesamt aber war diese Schlussphase nicht mehr als ein kleiner Schönheitsfehler einer starken Kieler Leistung, die den „Zebras“ den 11. Ligasieg in Folge einbrachte. Mit breiter Brust kann der THW daher die folgenden Aufgaben angehen: Am Sonnabend geht es in der „VELUX EHF Champions League“ im Spitzenspiel gegen Paris St. Germain um zwei wichtige Punkte im Kampf um den Gruppensieg. Die Partie gegen das französische Starensemble um die beiden Ex-„Zebras“ Daniel Narcisse und Thierry Omeyer wird um 21.00 Uhr in der Sparkassen-Arena angepfiffen, im Vorverkauf sind noch Karten erhältlich.

 

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