THW dreht gegen Gummersbach nach der Pause auf

Bundesliga
Sonntag, 30.11.2014 // 16:58 Uhr

30 Minuten lang tat sich der THW im Bundesliga-Heimspiel am Sonntagnachmittag gegen den VfL Gummersbach schwer. Nach Wiederanpfiff aber legten die "Zebras" gegen den Altmeister einen 8:2-Lauf hin und siegten letztlich souverän mit 33:27 (13:11). Erfolgreichste Torschützen bei den Kielern waren Steffen Weinhold und Joan Cañellas mit jeweils acht Treffern, für Gummersbach erzielte Raul Santos 9/1 Tore.

Palmarsson (fast) wieder dabei

Nach anstrengenden Wochen mit Spitzenspielen in der Bundesliga und der Champions League konnte Trainer Alfred Gislason zum Heimspiel gegen seinen ehemaligen Verein personell fast wieder aus dem Vollen schöpfen: Spielmacher Aron Palmarsson warf sich vor der Partie mit seinen Mannschaftskameraden warm und nahm auch auf der Bank Platz. Zum Einsatz kam der Isländer gegen Gummersbach zwar noch nicht, doch sein Comeback steht offenbar kurz bevor.

THW startet stark, aber mit Pech

Vor 10.285 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena begannen die "Zebras" konzentriert. Joan Cañellas steuerte die ersten beiden Treffer bei, und die offensive 3:2:1-Deckung brachte die Gäste zunächst ins Schwitzen – zumal auch der seine Magen-Darm-Grippe auskurierte Johan Sjöstrand zwischen den Pfosten glänzend aufgelegt war. Doch trotz dessen Paraden gegen Andreas Schröder und Mark Bult stand es nach einem weiteren Cañellas-Treffer und einem Tor René Toft Hansens nach zehn Minuten "nur" 4:2 für die Kieler. Grund dafür war das Abschlusspech, denn sowohl Marko Vujin als auch Rasmus Lauge trafen mit ihren Versuchen den Innenpfosten, von wo aus sich der Ball gegen den Weg ins Tornetz entschied.

Gummersbach wird mutiger

Kaum zu stoppen: Joan Cañellas glänzte als achtfacher Torschütze und Anspieler.

Die Mannschaft von Emir Kurtagic legte mit der Zeit ihren Respekt vor dem deutschen Rekordmeister ab, und nachdem Carsten Lichtlein mit Paraden gegen Vujin aufhorchen ließ und Dominik Klein einen Gegenstoß abkaufen konnte, wuchs das Selbstvertrauen weiter. Die 6:0-Deckung der Gummersbacher fasste nun beherzt zu und rückte offensiver heraus, und auch im Angriff fanden die Gäste so langsam Lücken in der Kieler Abwehr. Kreisläufer Joakim Larsson und Rechtsaußen Florian von Gruchalla egalisierten zum 4:4. Gislason stellte um, brachte Steffen Weinhold für den glücklosen Vujin, Domagoj Duvnjak für Lauge und wenig später Christian Sprenger für Ekberg. Zwar traf Weinhold sofort zum Kieler 5:4, doch Raul Santos und der junge Simon Ernst brachten die Gäste Mitte der ersten Durchgangs erstmals in Führung.

VfL baut Führung aus

Ob der vergebenen Großchancen einerseits und der Abwehrlücken andererseits wurde es in der Sparkassen-Arena langsam etwas unruhig – zumal sich Toft Hansen nach 18 Minuten seine bereits zweite Zeitstrafe abholte. Nach Durchbrüchen von Magnus Persson und Gunnar Stein Jonsson führten die Gäste plötzlich schon mit 9:6 und witterten immer mehr ihre Chance auf einen Überraschungscoup – zumal der von Weinhold eingesetzte Klein einen gefühlvollen Dreher an den Pfosten setzte. Doch glücklicherweise war auf Sjöstrand Verlass, der mit seinen Paraden Schlimmeres verhinderte.

THW findet in Überzahl zurück

Der VfL brachte sich aber anschließend auch selbst um den Lohn: Zwei Zeitstrafen gegen Jonsson und Larsson nutzten die "Zebras", um durch einen Cañellas-Siebenmeter und einen Sprenger-Doppelpack zum 10:10 auszugleichen, ehe Klein einen Gegenstoß gegen Lichtlein zum 11:10 ins Tor zitterte. Schröder traf auf der Gegenseite zwar per Sprungwurf noch einmal zum Ausgleich, doch nach einem weiteren Cañellas-Strafwurf, der bereits zehnten Sjöstrand-Parade und einenm nun energisch abgeschlossenen Klein-Konter ging es doch noch mit einer 13:11-Führung für die Kieler in die Kabinen.

Starke zehn Minuten vom THW

Und entschlossen kehrten die Gastgeber nach Wiederanpfiff aufs Parkett zurück: Zwar entschärfte Lichtlein den ersten Wurf des erneut starken Weinhold, doch dann traf der von Cañellas bediente Sprenger zum 14:11, ehe Weinhold nachlegte. Nachdem dann Schindler an Sjöstrand scheiterte und sich erneut Weinhold zum 15:11 durchtankte, nahm Kurtagic seine Auszeit – dabei waren noch keine drei Minuten in der zweiten Halbzeit absolviert. Gummersbach versuchte es fortan mit einer offensiveren Abwehr, insbesondere der vorgezogene Alexander Becker sollte das Kieler Angriffsspiel stören. Doch die "Zebras" waren nun nicht mehr zu stoppen: Sjöstrand parierte zweimal gegen Jungnationalspieler Julius Kühn, und im Angriff setzte Cañellas seine Mitspieler glänzend in Szene. Duvnjak, Weinhold, Klein und Toft Hansen profitierten bei ihren Treffern von den starken Anspielen des Spaniers. Und als Cañellas nach 38 Minuten trotz Unterzahl selbst zur Stelle war, war die Partie beim Stand von 21:13 für den THW bereits vorentschieden.

Palicka verletzt raus

Doch eins musste man dem VfL Gummersbach lassen: Trotz großen Rückstands gaben sich die Oberbergischen nicht auf. Der ins Tor beorderte Matthias Puhle war den Gästen in den letzten zwanzig Minuten ein starker Rückhalt, so dass sie den Rückstand bis zur 47. Minute beim 24:20 immerhin wieder halbiert hatten. Der lange Zeit bärenstarke Johan Sjöstrand hatte minutenlang keinen Ball mehr abwehren können, weshalb Gislason folgerichtig Andreas Palicka zwischen die Pfosten schickte. Der Schwede dankte es seinem Trainer sogleich mit einer Parade gegen Kühn, doch bei Palickas erfolgreichem Versuch, einen Hüftwurf Schindlers zu entschärfen, zog sich der Kieler Keeper eine Blessur am linken Oberschenkel zu und humpelte nach nur zwei Einsatzminuten zurück auf die Bank.

Vujin setzt Schlusspunkt

Doch anbrennen ließen die Kieler nichts mehr: Spätestens, als Duvnjak Wiencek zum 28:21 auflegte, war die Partie zehn Minuten vor Spielende entschieden. In der Schlussphase wurde daher noch einmal fleißig durchgewechselt, so dass insbesondere der auffällige Rune Dahmke und Rasmus Lauge noch Glanzpunkte setzten, während auf der Gegenseite vor allem Linksaußen Santos sein Torekonto erhöhte. Und am Ende konnte sogar Marko Vujin wieder lächeln, nachdem der Serbe nach einem rabenschwarzen Tag mit sechs Fehlwürfen doch noch sein Tor machte und den Schlusspunkt zum 33:27 setzte.

Über Spanien nach Minden

Das Wahnsinnsprogramm des THW Kiel, der mit seinem 16. Pflichtsieg in Folge den punktgleichen Rhein-Neckar Löwen in der DKB Handball-Bundesliga weiter auf die Pelle rückte, geht bereits in der nächsten Woche weiter: Am Mittwoch sind die "Zebras" beim spanischen Vizemeister Naturhouse La Rioja in der "VELUX EHF Champions League" gefordert, ehe es am Sonntag in der Liga bei GWD Minden weiter geht.

 

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