THW gelingt Befreiungsschlag in Wetzlar

Bundesliga
Freitag, 05.09.2014 // 21:31 Uhr

Der THW Kiel kehrt mit zwei wichtigen Punkte von seiner Reise aus Hessen zurück. Am Freitagabend rehabilitierten sich die „Zebras“ für die am Mittwoch erlittene Bruchlandung in Balingen und gewannen bei der starken HSG Wetzlar mit 32:29 (15:13). Überragender Kieler war Spielmacher Aron Palmarsson, der neun Treffer erzielte. Für die Gastgeber war der Norweger Kent Robin Tønnesen ebenfalls neun Mal erfolgreich.

Personelle Probleme auf beiden Seiten

Mit breiter Brust trat die HSG Wetzlar am Freitag dem deutschen Rekordmeister entgegen. Daran änderten auch die kurzfristigen Ausfälle von Nationalspieler Steffen Fäth (Bänderriss) und Linksaußen Maximilian Holst (Knieverletzung) nichts – nach starker Vorbereitung und gelungenem Saisonstart strotzten die Gastgeber nur so vor Selbstbewusstsein. Ganz anders hingegen der THW, der keine 48 Stunden zuvor beim HBW Balingen-Weilstetten bereits die zweite Saisonniederlage kassiert hatte und vor allem mit seiner Angriffsleistung haderte. Auch in Wetzlar musste Alfred Gislason zudem auf Mittelmann Rasmus Lauge und Linkshänder Steffen Weinhold verzichten.

Langsamer Beginn

Patrick Wiencek erzielte drei Treffer.

Im Vorfeld wurde daher eine eher torarme Partie erwartet, und in den ersten Minuten schien sich dies auch in der nahezu ausverkauften Rittal-Arena zu bewahrheiten: Zwar setzten Christian Rompf und Aron Palmarsson schnelle Treffer, aber dann zeigten die Abwehrreihen zunächst, was sie drauf haben. Weil auch die Torhüter Andreas Wolff und Johan Sjöstrand schnell auf Betriebstemperatur waren, dauerte es rund fünf Minuten, ehe das nächste Tor fiel. Erneut ging es auf das Konto von Palmarsson, dem man anmerkte, dass er seine frühe Disqualifikation aus dem Balingen-Spiel wieder gutmachen wollte.

Ausgeglichene 20 Minuten

Sebastian Weber erzielte zwei Treffer gegen den THW.

Doch die Partie nahm anschließend dann doch an Fahrt auf. Auf Wetzlarer Seite riss insbesondere Ivano Balic das Angriffsspiel an sich, verteilte klug die Bälle und wuselte sich durch die Kieler 3:2:1-Deckung, bei der einmal mehr Kapitän Filip Jicha die Speerspitze stellte. Doch auch der THW zeigte sich im Angriff im Vergleich zu den bisherigen Auswärtspartien stark verbessert und ließ sich auch durch eine frühe Knöchel-Verletzung Christian Sprengers, einen verworfenen Jicha-Strafwurf und den folgenden Wetzlarer Doppelschlag durch Balic und Rompf zum 4:3 (12.) nicht verunsichern – wieder war es Palmarsson, der mit seinem bereits dritten Treffer egalisieren konnte.

THW erarbeitet sich Polster bis zur Pause

Aron Palmarsson war in Wetzlar nicht zu stoppen.

Es blieb zunächst eine ausgeglichene Partie, in der sich bis zur 20. Spielminute keine Mannschaft einen kleinen Vorteil erarbeiten konnte. Dann aber bedeutete Patrick Wienceks beherztes und erfolgreiches Nachfassen bei einem Abpraller für eine Initialzündung bei den „Zebras“. Niclas Ekberg legte unter den Augen der THW-Kultschweden Magnus Wislander, Staffan Olsson und Stefan Lövgren, die allesamt am Sonnabend in Frankfurt beim „Tag des Handballs“ im Team von Frank Buschmann auflaufen werden, per Gegenstoß zum 10:8 für den THW nach, ehe HSG-Coach Kai Wandschneider seine Auszeit nahm. Doch der THW, jetzt mit Andreas Palicka im Tor, setzte sogleich nach: Palmarsson erhöhte auf 11:8, und nach dem Anschluss durch Florian Laudt sorgten Marko Vujin und Dominik Klein per Konter beim 13:9 gar für die erste Vier-Tore-Führung. Allerdings wollte den „Zebras“ nach Kleins 15:11 in den letzten drei Minuten der ersten Halbzeit kein Treffer mehr gelingen. Wetzlar verkürzte durch Laudt und Guillaume Joli. Der Franzose hatte nach der Pausensirene sogar noch die Chance, per Strafwurf auf 14:15 zu verkürzen, doch Palicka hielt zumindest den Zwei-Tore-Vorsprung für Schwarz-Weiß fest.

THW verteidigt knappen Vorsprung

Florian Laudt wird von Patrick Wiencek und René Toft Hansen attackiert.

Kurz nach dem Seitenwechsel kassierte Jicha die erste Kieler Zeitstrafe, die der THW aber dank Kleins Unterzahltreffer unbeschadet überstand. Doch obwohl anschließend Palmarsson im Angriff einfach dort weitermachte, wo er in der ersten Halbzeit aufgehört hatte, und obwohl auch Marko Vujin immer besser in die Partie fand, konnten sich die „Zebras“ nicht weiter absetzen. Ein Grund dafür war Neu-Nationalkeeper Andreas Wolff, der mehrere Würfe entschärfen konnte. Ein anderer hieß Kent Robin Tønnesen, der sich mit Palmarsson ein internes Duell um den besten Torschützen des Tages lieferte. Da der THW aber insgesamt eine gute Angriffsquote aufwies, gelang es den Gastgebern auch nicht nach einer weiteren Zeitstrafe gegen Wiencek, einmal dichter als auf zwei Tore heranzukommen.

Zwei Tore in doppelter Unterzahl

Domagoj Duvnjak erzielte Mitte der zweiten Halbzeit zwei wichtige Treffer.

So verteidigte der deutsche Rekordmeister seinen Vorsprung bis zur 50. Minute, auch weil Domagoj Duvnjak in dieser Phase zwei klasse Treffer erzielte. Nachdem Ekberg das Ergebnis auf 28:25 stellte, sollte es allerdings noch einmal spannend werden: Jicha kassierte seine zweite Zeitstrafe, kurz vor der Rückkehr des Kapitäns aufs Parkett wurde auch Palmarsson für zwei Minuten auf die Bank geschickt. Da es wenige Sekunden später auch noch Ekberg traf, agierten die „Zebras“ in dieser „Crunch-Time“ vier Minuten lang in Unterzahl, davon zwei Minuten lang gar nur mit vier Feldspielern. Doch Vujin, Jicha, Klein, Duvnjak und Palicka hielten dem Druck der Gastgeber und ihrer lautstarken Fans mehr als nur Stand: Vujin erackerte sich im Angriff gar einen Siebenmeter, den er gegen José Hombrados selbst zum 29:26 verwandelte. Und als Jicha mit seinem einzigen Treffer sogar noch auf 30:26 erhöhte, hatten die Kieler auch diese lange Unterzahlsituation unbeschadet überstanden.

Klein und Palicka zurren Sieg fest

Dominik Klein jubelt nach einem seiner drei Treffer.

Dennoch nahm Gislason sechs Minuten vor Spielende nach Tønnesens neuntem Treffer zum 27:30 seine Auszeit. Danach kassierte Tobias Hahn eine Zeitstrafe, und in Überzahl sorgte Klein mit seinem dritten Tor für die Vorentscheidung. Und nachdem Joli anschließend mit einem Siebenmeter erneut an Palicka scheiterte, machte Vujin mit seinem sechsten Treffer alles klar.

Der THW Kiel kann nun erst einmal durchatmen, der Hammer-Auftakt mit sechs Spielen in 20 Tagen ist überstanden. Weiter geht es für die „Zebras“ am Sonntag, den 14. September mit einem Heimspiel gegen MT Melsungen.

 

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