THW gewinnt dramatischen Krimi gegen Erlangen

Bundesliga
Mittwoch, 12.11.2014 // 22:43 Uhr

Der THW Kiel hat in einem wahren Hitchcock-Krimi den Aufsteiger HC Erlangen mit 23:22 (11:11) besiegt. Die Entscheidung in einem Spiel, in dem die "Zebras" lange Zeit im Rückstand lagen, fiel erst in der Schlussminute: 28 Sekunden vor dem Ende erzielte der überragende Joan Cañellas mit seinem 14. (!) Treffer das 23:22, ehe Weinhold drei Sekunden vor dem Ende den letzten Wurf der Gäste blockte und die Sparkassen-Arena in ein Jubel-Tollhaus verwandelte. 

Robuste Gäste-Deckung

Rune Dahmke spielte gegen Erlangen erstmals von Beginn an und erzielte zwei Treffer.

Der Abend begann für die Gäste mit freundlichem Applaus zur Begrüßung durch die 10.285 Fans in der erneut ausverkauften Sparkassen-Arena. Doch einlullen ließen sie sich dadurch nicht: Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass die gegnerische Abwehr auch ohne ihre "Chef" Sebastian Preiß dem THW-Angriff konsequent zusetzen würde. Früh wurden die Kieler Rückraumspieler attackiert, mit Härte Durchbrüche verhindert, das Einlaufen der Außen durch aggressives Nachsetzen erschwert. Ein hartes Stück Arbeit kündigte sich für die "Zebras" bereits in dieser Anfangsphase an, in der sie zunächst mit 2:0 und 3:1 geführt hatten, die Gäste aber ausglichen.

Cañellas im Alleingang

Ole Rahmel und Co. kamen vor allem über Gegenstöße zum Torerfolg.

Gut nur, dass Andreas Palicka vor allem in dieser Phase auf der Hut war: Immer wieder kaufte er den Mittelfranken ihre pfeilschnellen Gegenstöße ab, auf der anderen Seite gab es aber kaum ein Durchkommen. Neun Minuten lang erzielte der Rekordmeister nicht einen Treffer aus dem Spiel heraus, blieb durch Cañellas' verwandelte Strafwürfe aber in der Partie. Trotzdem: Die Gäste gingen mit 6:4 und 7:5 (13.) in Führung. Mit einem Dreierpaket konterte Joan Cañellas in drei Minuten zum 8:7, und als der Spanier nach Sveinssons Ausgleich im Gegenstoß zum 9:8 traf, schien die Partie den im Vorfeld von den Experten erwarteten Verlauf zu nehmen. 

Remis zur Pause

Doch weit gefehlt: Zwar trafen Cañellas und Rune Dahmke zum 11:9 (26.), aber die "Zebras" verpassten daraufhin in einem Fehlschussfestival, sich weiter abzusetzen. Weil aber auch die Gäste ordentlich am Fahrkartenschalter lösten und zudem im Angriff die "Zwei-Minuten-Regel" erfanden - kaum ein Positionsangriff dauerte weniger als eben diese zwei Minuten - erfanden, wurde es ein zähes Ringen um jedes Tor, das die Mittelfranken in den letzten vier Minuten der ersten Halbzeit mit 2:0 gewannen. Mit 11:11 wurden die Seiten gewechselt.

Erlangen kommt besser aus der Pause

Keine Geschenke: René Toft Hansen und Stanko Sabljic.

THW-Trainer Alfred Gislason reagierte und brachte nach der Pause mit Dominik Klein, Aron Palmarsson und Niclas Ekberg gleich drei frische Spieler. Doch die ersten Akzente setzten erneut die Gäste, die nach Cañellas 13:13 durch Stranovsky und einen Gegenstoß von Rahmel mit 15:13 in Führung gingen (36.) und diesen Vorsprung bis zur 44. Minute hielten. Allerdings verpassten sie dabei, aus Kieler Fehlern weiteres Kapital zu schlagen. Mehrfach bot sich ihnen die Chance, auf drei Tore wegzuziehen. Aber auch die "Zebras" hatten in dieser Situation mehrfach die Gelegenheit, auszugleichen, machten aber weiterhin zu viele Fehler.

THW-Fans machen Dampf

Steffen Weinhold, der in der ersten Halbzeit nach einem Stoß unglücklich auf den Rücken gefallen war und erst Mitte der zweiten Hälfte wieder aufs Feld zurückkehrte, verkürzte auf 15:16 (44.), und als Johan Sjöstrand den Siebenmeter von Rahmel parierte, stand die Halle Kopf: Längst hatten die Kieler Fans bemerkt, dass ihre Mannschaft Unterstützung brauchte. Groß war der Jubel nach Duvnjaks 16:16 (45.), noch größer die Erleichterung nach Dominik Kleins 18:17 (50.) - der ersten THW-Führung nach dem 11:9 in der 26. Minute.

Dramatische Schlussphase

Erleichterung beim THW nach einem hart umkämpften Heimsieg.

Doch die Gäste ließen nicht locker - auch nicht, nachdem Cañellas in Überzahl hochgestiegen und zum 19:18 getroffen hatte. Und auch nicht, als der in der Schlussphase starke Duvnjak den Gästen den Ball aus der Hand stiebitzte und im Gegenzug zum 20:18 traf (52.). Nikolai Link versenkte einen Wurf bei angezeigtem Zeitspiel - das im Übrigen während der Partie nur einmal zu einem Pfiff führte - im Winkel. Cañellas und Duvnjak tankten sich durch, aber auch das 22:20 (57.) war noch nicht die Entscheidung, weil Stranovsky und Rahmel nach einem technischen Fehler der Kieler zwei Minuten vor dem Ende zum 22:22 egaliserten. Was folgten, waren die dramatischen letzten Sekunden, in denen Cañellas seine überragende Leistung mit dem Siegtreffer krönte und Weinhold den finalen Wurf blockte.

Mit blauem Auge nach Paris

Die "Zebras" jubelten mit ihren Fans über den 23:22-Kraftakt, der sie mit einem blauen Auge, aber auch der Erkenntnis, zwei wichtige Bundesliga-Punkte gewonnen zu haben, in die Spitzenspiel-Woche mit den Auswärtspartien in Paris (Sonntag, 19.30 Uhr, live in sky Sport) und Göppingen (Mittwoch, 20.15 Uhr, live in Sport1) sowie dem Königsklassen-Kracher im Heimspiel gegen Paris St. Germain (22. November, 21 Uhr, Sparkassen-Arena: zum Ticketshop) starten lässt. Die Jagd geht weiter - auf geht's, Zebras!

 

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