THW gewinnt Nordduell gegen HSV deutlich

Bundesliga
Dienstag, 23.12.2014 // 20:35 Uhr

Ohne große Probleme hat der THW Kiel das Nordduell gegen den HSV Hamburg gewonnen. Am Dienstagabend setzten sich die "Zebras" vor 10.285 Zuschauern in der Sparkassen-Arena mit 29:19 (13:7) durch und eroberten damit die Tabellenführung von den spielfreien Rhein-Neckar Löwen zurück. Überragender Akteur bei den Kielern war Torhüter Andreas Palicka, der allein in der ersten Halbzeit elf Würfe entschärfte und letztlich auf 18 Paraden kam. Erfolgreichste Torschützen waren Joan Cañellas, Marko Vujin und Filip Jicha bei den Gastgebern sowie Henrik Toft Hansen und Hans Lindberg bei den Gästen mit jeweils vier Treffern.

Hamburg mit Ausfällen, THW in Bestbesetzung

Die Rollen vor dem Duell zwischen den beiden ehemaligen Champions-League-Siegern waren klar verteilt, wenngleich der HSV Hamburg unter Interimstrainer Jens Häusler am vergangenen Wochenende mit dem 36:30 in Hannover ein Ausrufezeichen gesetzt hatte, während der THW nach zwanzig Pflichtspielsiegen in Serie ausgerechnet das prestigeträchtige Derby in Flensburg verloren hatte. Alfred Gislason konnte personell auch diesmal aus dem Vollen schöpfen, wenngleich Torhüter Johan Sjöstrand mit einer im Training zugezogenen Fingerverletzung gehandicapt war und daher nur auf der Bank Platz nahm. Die Hamburger hingegen mussten nicht nur auf den Langzeitverletzten Petar Djordjic verzichten. Auch Rückraumshooter Alexandru Simicu, Rechtsaußen Stefan Schröder und Linksaußen Kevin Schmidt fehlten – und mit Adrian Pfahl zudem der einzige Linkshänder im Rückraum. Pfahls Rolle im rechten Rückraum nahm zunächst Matthias Flohr ein.

THW tut sich anfangs schwer

Domagoj Duvnjak setzt sich gegen Alexander Feld durch.

Der THW startete mit den beiden Ex-Hansestädtern Domagoj Duvnjak und Joan Cañellas im Rückraum und lag dank eines Treffers Christian Sprengers aus spitzem Winkel und einem Sprungwurf Marko Vujins schnell mit 2:0 in Führung. Vor allem dank Andreas Palicka, der gleich zwei freie Würfe von Torsten Jansen und Flohr entschärfte. Doch in der Folgezeit zeigten die dezimierten Gäste, dass sie durchaus Mittel gegen die offensive Kieler 3:2:1-Deckung parat hatten: Pascal Hens glänzte zunächst vor allem als glänzender Ballverteiler, und der wuselige Regisseur Kentin Mahé sorgte mit zwei überraschenden Abschlüssen nach acht Minuten beim 3:2 sogar für die erste (und einzige) Hamburger Führung. Der THW wirkte im Angriff nach der Pleite im Nordderby noch etwas verunsichert, zudem glänzte Keeper Johannes Bitter mit einigen Paraden gegen Vujin, Patrick Wiencek und Duvnjak.

Kieler 5:0-Lauf in zehn Minuten

Joan Cañellas erzielte im ersten Durchgang vier Treffer.

Doch die Kieler stabilisierten sich langsam: Duvnjaks tolles Anspiel auf Cañellas, der zum 3:3 traf, diente ein wenig als Brustlöser. Die 3:2:1-Deckung funktionierte nun besser, und bei den wenigen guten Abschlüssen von Mahé war Palicka glänzend auf dem Posten. Über Gegenstöße und die zweite Welle kamen die „Zebras“ so zu einfachen Treffern, Sprenger, Duvnjak und Vujin schlossen erfolgreich ab. Und als sich Cañellas in der 18. Minute zum 7:3 für den THW durchtankte, nahm Häusler nach zehn torlosen Hamburger Minuten seine erste Auszeit.

Palickas Paraden sorgen für klare Pausenführung

Andreas Palicka überragte gegen Hamburg mit 18 Paraden.

Tatsächlich verkürzten Henrik Toft Hansen nach schöner Ballstafette und Flohr per Gegenstoß für die Hansestädter. Alfred Gislason reagierte und stellte auf die 6:0-Deckung um – ein Schachzug, der das Hamburger Aufbauspiel äußerst berechenbar machte. Immer wieder drohte den Gästen in ihren Angriffen ein Zeitspiel, immer wieder musste Pascal Hens daher bedrängt aus dem Rückraum abschließen – und immer wieder strichen seine Versuche am Tor vorbei. Immerhin scheiterte Hens dadurch nur selten am famosen Palicka, der dafür aber Kevin Herbst, Mahé und selbst Hans Lindberg freie Würfe „abkaufte“. So bauten die „Zebras“, ohne selbst im Angriff den richtigen Spielfluss zu finden, ihren Vorsprung durch zwei humorlose Cañellas-Treffer, Duvnjak, Rasmus Lauge und einen tollen Sprenger-Leger bis zur Pause auf 13:7 aus.

Jicha und Palmarsson sorgen für frühe Entscheidung

Zur zweiten Halbzeit brachte Gislason mit Aron Palmarsson, Filip Jicha und Steffen Weinhold gleich drei neue Rückraumspieler. Und besonders Palmarsson machte genau dort weiter, wo er am Wochenende in Flensburg aufgehört hatte. Sein ansatzloser Schlagwurf schlug genau im Winkel zum 14:7 ein und brachte sogar Kiels Trainer zum Schmunzeln. In seinen nächsten beiden Versuchen scheiterte der Isländer allerdings. Insgesamt aber wurde das Kieler Aufbauspiel flüssiger, die Hamburger Deckung verstand es dennoch, die Gastgeber nur selten zu klaren Chancen kommen zu lassen. Doch als dann Jicha aufdrehte und binnen sechs Minuten viermal einnetzte, wurde es dann doch langsam deutlich. Als Palmarsson dann einen weiteren Schlagwurf zum 21:12 verwandelte und Häusler nach 44 Minuten seine Auszeit nahm, schwappte die „La Ola“ durch die Sparkassen-Arena – das Nordduell war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden.

Schaulaufen und Kräftesparen

Geruhsamer Abend: Alfred Gislason hatte an der Seitenlinie seinen Spaß.

So geriet die Schlussviertelstunde zum Schaulaufen. Insbesondere Hamburgs zweiter Torhüter Max-Henri Herrmann und der Schwede Richard Hanisch nutzten ihre Einsatzzeiten, während beim Kräfte sparenden THW vor allem Weinhold und Lauge Spielwitz verbreiteten und Palicka weiterhin auf hohem Niveau Bälle entschärfte. So leitete Kiels Keeper auch den Schlusspunkt der Partie ein, als er einen Wurf Herbsts entschärfte und Wiencek mit einem zentimetergenauen Pass zum 29:19-Endstand auf die Reise schickte. In der Sparkassen-Arena saß zu diesem Zeitpunkt schon längst keiner mehr, honorierten die Fans doch ihre Mannschaft, die trotz unverkennbarer Müdigkeit zwei weitere wichtige Punkte im spannenden Meisterschaftsrennen bunkern konnte.

Jahresabschluss am Freitag gegen Wetzlar

Da die Rhein-Neckar Löwen – wie der THW mit bislang sechs Minuspunkten ausgestattet – spielfrei hatten, konnten die Kieler die Tabellenspitze zurück erobern. Und von ganz oben aus wollen die „Zebras“ auch in die anstehende WM-Pause gehen. Dafür benötigen sie zum Jahresausklang am Freitag noch einen weiteren Heimsieg gegen die HSG Wetzlar. Der Anwurf am zweiten Weihnachtsfeiertag erfolgt in der Sparkassen-Arena um 17.15 Uhr.

 

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