THW Kiel gewinnt dramatisches Gipfeltreffen - Update #3

Bundesliga
Samstag, 25.10.2014 // 18:11 Uhr

KN-Bericht und weitere Stimmen ergänzt...

Mit einer starken Leistung hat der THW Kiel am Sonnabendnachmittag die SAP-Arena gestürmt und die 602 Tage lange Heimsiegesserie der Rhein-Neckar Löwen beendet. Im Gipfeltreffen der DKB Handball-Bundesliga siegten die „Zebras“ vor 13.200 Zuschauern nach 60 hochspannenden Minuten mit 29:28 (11:12). Auffälligste Kieler waren Joan Cañellas mit neun und Marko Vujin mit acht Treffern. Bei den Gastgebern, die trotz der Niederlage aufgrund des besseren Torverhältnisses Tabellenführer bleiben, zeigte Torhüter Niklas Landin insgesamt 16 Paraden, in der Schlussphase gelang dem Dänen aber nichts mehr.

THW weiter ohne drei

Die Mannheimer SAP-Arena war erstmals in dieser Saison ausverkauft.

Während Alfred Gislason in der ausverkauften SAP-Arena weiterhin auf die verletzten Rechtshänder Rasmus Lauge, Filip Jicha und Aron Palmarsson verzichten musste, konnte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen nahezu aus dem Vollen schöpfen. Mit Rückraumtalent Tim Suton und Rechtsaußen Marius Steinhauser fehlten zwar zwei Akteure, dafür konnte Stefan Kneer nach seiner im Pokalspiel am Mittwoch zugezogenen Handverletzung bereits wieder auflaufen. Wie wichtig der aus Magdeburg gekommene Rückraumspieler besonders für die Abwehr der Gastgeber mittlerweile ist, wurde auch den „Zebras“ schnell bewusst. Diese begannen mit Joan Cañellas auf der Rückraummitte sowie den weiteren Neuzugängen Domagoj Duvnjak und Steffen Weinhold auf den Halbpositionen, bissen sich aber zunächst an der aggressiv herausrückenden 6:0-Deckung um eben Kneer und Gedeon Guardiola im Mittelblock die Zähne aus. Da aber auch die Kieler auf eine starke 6:0-Formation zurückgreifen konnten, in der René Toft Hansen zusammen mit Cañellas die Mitte abdeckte, fielen in den ersten 13 Spielminuten lediglich zwei Treffer aus dem Feld.

Landin mit unglaublicher Quote

Der THW tat sich anfangs schwer gegen die Löwen-Deckung.

3:3 stand es nach dieser Anfangsphase, weil Uwe Gensheimer und Cañellas jeweils zweimal vom Siebenmeterstrich die Nerven behielten. Ansonsten zeigte sich bereits in dieser frühen Phase, dass Löwen-Keeper Niklas Landin seinem zukünftigen Verein keine Geschenke machen wollte. Besonders gegen den anfangs viel Verantwortung übernehmenden, aber unglücklich agierenden Duvnjak war der Däne stets zur Stelle, und nachdem Dominik Klein mit einem Gegenstoß an Landin scheiterte, hatte dieser sich endgültig in den Kieler Köpfen manifestiert. Zehn der 17 THW-Feldwürfe sollte der Torhüter im ersten Durchgang letztlich parieren – insgesamt acht mehr als die beiden Gästekeeper.

THW dank starker Deckung bis zur Pause dran

Bjarte Myrhol erzielte vier Treffer für die Löwen.

Indes: Die Gelb-Schwarzen konnten aus diesem Vorteil kein großes Kapital schlagen. Dies lag auch daran, dass die kongeniale Achse um Spielmacher Andy Schmid und Kreisläufer Bjarte Myrhol aus der Partie genommen werden konnte. Da zudem Gensheimer mehrmals übermotiviert den Ball abgab und auch Linkshänder Alexander Petersson weitestgehend abgemeldet war, blieb es auf dem Parkett bis zur 20. Spielminute ausgeglichen. Mittlerweile hatte Gislason Weinhold auf die Mitte beordert und mit Marko Vujin einen weiteren Linkshänder gebracht. Dieser traf zwar sogleich zum 5:6-Anschluss, doch nach zwei rabenschwarzen Minuten, in denen Vujin und Weinhold an Landin scheiterten und Klein einen freien Nachwurf neben das Tor setzte, waren die Rhein-Neckar Löwen durch Groetzki, Gensheimer und Kneer urplötzlich auf 9:5 enteilt. Doch die Kieler verfielen auch nicht in Panik, als auch Ekberg mit einem Gegenstoß an Landin scheiterte. Weil die Gäste in der Abwehr weiterhin hellwach waren, Ekberg und Klein den Löwen den Ball abluchsten und Vujin in Unterzahl erfolgreich war, hatten sie den Tabellenführer bis zur Pause fast schon wieder gestellt. Die Rhein-Neckar Löwen gingen letztlich zwar mit einer 12:11-Führung, aber nach der zweiten Zeitstrafe gegen Kneer in Unterzahl in die Kabinen.

THW kurz vorne, Löwen kontern

Nach kleinen Startschwierigkeiten spielte Dominik Klein eine starke Partie.

Sofort nach Wiederanpfiff sorgte der vom immer stärker werdenden Cañellas bediente Patrick Wiencek, der mittlerweile mit Toft Hansen den Mittelblock bildete, für den ersten Ausgleich seit dem 3:3, und nachdem der ebenfalls immer sicherer agierende Klein einen Gegenstoß abschloss, Andreas Palicka einen Wurf Mads Mensahs parierte und Vujin per Sprungwurf traf, waren die Gäste nach 35 Spielminuten beim 14:13 erstmals in Führung. Diese allerdings hielt nicht lange: Auch weil Alexander Petersson langsam aufdrehte, Duvnjak weiterhin in Landin seinen Meister fand und Kneer seine Stärken in der zweiten Welle zeigte, waren die Löwen zwei Minuten später schon wieder mit 16:14 vorne.

Cañellas und Vujin werfen THW in Front

Joan Canellas ließ sich in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr stoppen.

Die Partie nahm immer mehr an Fahrt auf. Den Angriffsreihen gelang es nun immer häufiger, die gegnerische Abwehr zu knacken, und auch Niklas Landin im Löwen-Tor verließ mehr und mehr das Glück des Tüchtigen. Bis zum 19:17 hielten die Gastgeber ihren Zwei-Tore-Vorsprung, auch bedingt durch die zweite Zeitstrafe gegen Wiencek. Doch die „Zebras“ hatten mittlerweile längst den Schlüssel zum Spiel gefunden, insbesondere Vujin war gar nicht mehr zu stoppen. Traf der Serbe nicht selbst, so zeigte er sein gutes Auge auch mit tollen Anspielen, wie dem auf Toft Hansen zum 18:19-Anschluss. Beim folgenden Anwurf unterlief den Löwen dann direkt ein technischer Fehler, Klein reagierte sofort und schickte Wiencek auf die Reise – 19:19. Dann gelang dem just ins Tor zurück gekehrte Johan Sjöstrand eine starke Reaktion gegen Petersson, und nach einer klasse Doppelkreuzung besorgte Vujin die zweite Kieler Führung der Partie, die Cañellas gar zum 21:19 ausbaute.

THW verteidigt knappe Führung

Marko Vujin erzielte sechs seiner acht Treffer im zweiten Durchgang.

Der THW Kiel bestimmte nun die Partie, selbst wenn Cañellas mit seinem fünften Strafwurf erstmals an Landin scheiterte und die Löwen durch Myrhol und Kim Ekdahl du Rietz noch einmal egalisierte. Doch nach einem feinen Spielzug sorgte Klein mit einem Dreher ins kurze Eck sofort wieder für einen Kieler Vorsprung, den Vujin sogleich ausbaute. Es waren noch zehn Minuten zu spielen, und beide Trainer versuchten vergeblich, mit Umbaumaßnahmen in der Deckung neue Impulse zu setzen. Die Rhein-Neckar Löwen waren nun unter Zugwang, kamen aber durch zwei Strafwürfe Gensheimers zu Treffern, außerdem hatten sie Glück, dass der Ball nach einer Sjöstrand-Parade gegen Schmid genau beim sicheren Myrhol landete. Der Kieler Vorsprung allerdings hatte weiterhin Bestand, vor allem, weil Cañellas und Vujin weiterhin trafen, wie sie wollten.

Dramatische Schlussphase mit Kieler Happy End

Der finale Wurf von Andy Schmid.

Nikolaj Jacobsen stellte für die dramatischen fünf Schlussminuten wieder zurück auf die 6:0-Deckung und beorderte auch Landin für den drei Minuten lang glücklosen Bastian Rutschmann zwischen die Pfosten zurück. Tatsächlich konnten die Gastgeber den Ball bei drohendem Kieler Zeitspiel erobern, Alexander Petersson sorgte per Durchbruch auf der Gegenseite für den 27:27-Ausgleich. Dann traf Cañellas zum neunten Mal, doch ein toller Petersson-Pass zum an den Kreis eingelaufenen Gensheimer brachte zwei Minuten vor Schluss erneut den Ausgleich. Beim THW Kiel fasste sich nun ausgerechnet Duvnjak ein Herz, nach einem Wackler kam er frei zum Wurf und versenkte zum 29:28 für die Gäste.

52 Sekunden vor der Schlusssirene nahm Jacobsen seine letzte Auszeit. Dann stieg Ekdahl du Rietz hoch, doch sein Sprungwurf landete nur auf der Latte – Ballbesitz Kiel. Die „Zebras“ holten gegen die offene Deckung der Löwen wichtige Sekunden heraus, doch nachdem die souveränen Schiedsrichter Fleisch/Rieber auf Stürmerfoul gegen Cañellas entschieden, bekamen die Gastgeber doch noch die Chance auf ein Unentschieden. Christian Sprenger machte auf Kosten einer Zeitstrafe Ekdahl du Rietz fest, so dass den Löwen nur noch ein direkter Freiwurf als Chance blieb. Die Kieler blockten den Versuch Schmids, doch der Schweizer durfte noch einmal, weil Duvnjak den Abstand nicht eingehalten hatte. Doch die auf vier Mann geschrumpfte THW-Deckung blockte auch den zweiten Versuch, so dass der Rekordmeister letztlich jubeln konnte.

Nach Länderspielpause geht es wieder Schlag auf Schlag

Mit diesem wichtigen Erfolg im Spitzenspiel haben die „Zebras“ einen perfekten Oktober hingelegt: Acht Spiele, acht Siege stehen auf dem Konto. In der DKB Handball-Bundesliga konnte der THW somit mit den Rhein-Neckar Löwen, die erstmals seit dem 2. März 2013 wieder ein Pflicht-Heimspiel verloren, gleichziehen. Bis zum 5. November ruht beim THW Kiel nun der Ball, ehe es in der Sparkassen-Arena gegen den SC Magdeburg geht – der Auftakt zu den letzten 15 (!) Spielen des Kalenderjahrs. Viele Spieler des Rekordmeisters können allerdings auch bis dahin nicht die Beine hochlegen, denn in den kommenden Tagen stehen für die Nationalspieler die ersten Partien in der EM-Qualifikation an.

 

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