THW verliert in Balingen

Niklas Ruß kommt gegen Johan Sjöstrand frei zum Wurf.
Bundesliga
Mittwoch, 03.09.2014 // 22:14 Uhr

Der THW Kiel hat auf der Schwäbischen Alb seine zweite Saisonniederlage kassiert: Bei HBW Balingen-Weilstetten verloren die Kieler nicht nur früh Aron Palmarsson nach Disqualifikation (21.), sondern nach der Pause auch den Faden: Am Ende einer dramatischen Schlussphase jubelten die Gastgeber nach Theuerkaufs finalem 22:21 (10:13) über den zweiten Sieg der Vereinsgeschichte gegen den THW Kiel. Großen Anteil daran hatte Olivier Nyokas: Der französische Halblinke erzielte neun Treffer, auf Kieler Seite traf Marko Vujin fünf Mal. 

Weinhold und Lauge fehlen

In der ausverkauften Sparkassen-Arena begann THW-Trainer Alfred Gislason, der neben dem Langzeitverletzten Rasmus Lauge auch auf den im Nordderby in Hamburg verletzt ausgefallenen Steffen Weinhold verzichten musste,mit einer offensiven 3-2-1-Abwehr, in der auf der Spitzenposition munter durchgetauscht wurde. Die Balinger setzten hingegen auf die bekannt aggressive 6-0-Betonabwehr. 

Ausgeglichene Anfangsphase

Domagoj Duvnjak und Co. taten sich schwer gegen die Balinger Deckung.

Nach der frühen Führung von Foth war es Filip Jicha, der in Hamburg noch ohne Torerfolg geblieben war, der den ersten Kieler Treffer erzielte. Wenig später holte Sprenger einen Siebenmeter heraus – eine zuletzt knifflige Situation, die Canellas in diesem Fall aber souverän löste (4.). Die Partie blieb hektisch, auf beiden Seiten bestimmten die Abwehrreihen und die Torleute das Geschehen. Nach zehn Minuten jubelten wieder die HBW-Fans: Foth hatte die Gastgeber beim 4:3 in Führung gebracht. Es dauerte weitere drei Minuten, ehe Duvnjak die Lücke im Balinger Deckungsverbund zum 4:4 fand. 

Drei-Tore-Führung für den THW

Jetzt übernahmen die „Zebras“ das Kommando auf der Alb: Einen Fehlpass von Böhm schnappte sich Wiencek, der auf schnellen Beinen den Gegenstoß verwandelte. Nach einem technischen Fehler der Gastgeber war es dann Dominik Klein, der für den THW Kiel zur ersten Zwei-Tore-Führung traf (14.). Und wenige Sekunden später hatte Toft Hansen in der Abwehr aufgepasst, schnappte sich den Ball und bediente Sprenger zum 7:4 (15.). HBW-Trainer Gaugisch zog sofort die Auszeit-Karte – und Alfred Gislason beorderte nach dieser einminütigen Verschnaufpause Aron Palmarsson aufs Feld.

Rot für Palmarsson

Der Isländer konnte sich daran allerdings kaum erfreuen: 23 Sekunden später foulte er Wolfgang Strobel, der einen Siebenmeter zugesprochen bekam. Palmarsson musste für zwei Minuten auf die Bank. Gut, dass nach Wilkes Anschlusstreffer vom Siebenmeterstrich Marko Vujin eine Fackel im HBW-Tor versenkte, sodass die Kieler Drei-Tore-Führung hielt. Kritisch wurde es dafür dann nach 21 Minuten: Das Schiedsrichtergespann ahndete ein angebliches Fußspiel von Palmarsson mit einer Zwei-Minuten-Strafe. Das brachte den Kieler Mittelmann derart in Rage, dass er für die Meckerei gleich noch zwei Minuten obendrauf bekam. Der Arbeitstag war für Palmarsson nach der fälligen Disqualifikation früh beendet. 

Kieler Pausenführung

Felix König im Duell mit Dominik Klein.

Seine Kollegen sahen sich allerdings einer vierminütigen Unterzahl gegenüber, in der die THW-Abwehr Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Gut nur, dass Sjöstrand in dieser Phase einige schöne Paraden zeigte. Und gut, dass die Kieler Defensive den Gegner sogar ins Zeitspiel zwingen konnte, während der an den Kreis auflösende Sprenger den alten Drei-Tore-Vorsprung auch in Unterzahl verteidigte. Allerdings: In den verbleibenden acht Minuten der ersten Hälfte sollten dem THW nur noch zwei Treffer gelingen. Weil auch die Gastgeber mit der Chancenverwertung zu kämpfen hatte, wurden die Seiten mit einer 13:10-Führung für die Gäste von der Förde gewechselt.

Neun torlose Minuten beider Teams

Nachdem Wiencek zum 15:12 für die Kieler getroffen hatte (34.), wurden die Handballgenießer im Publikum auf eine harte Probe gestellt: Neun Minuten lang erzielte keine der beiden Mannschaften ein Tor, ehe Wilke vom Siebenmeterstrich den 13:15-Anschluss aus Sicht der Gastgeber markierte. Zuvor hatten beide Mannschaften ein Fehler-Festival im Angriff veranstaltet, während sie in der Defensive weiterhin aufmerksam jede sich bietende Gelegenheit zum Ballgewinn nutzten. Die Halle wurde trotzdem mit jedem Klammergriff der Gastgeber mehr und mehr zu einem brodelnden Hexenkessel.

16:18 nach 16:13

Dieser drohte 14 Minuten vor dem Ende ein Feuerwerk über der Alb veranstalten zu wollen: Satte neun Minuten lang zogen die Kieler Tickets am Fahrkartenschalter, ohne auch nur einmal Zählbares auf das Tableau zu bringen. Die Gastgeber bedankten sich – vollkommen euphorisiert – und machten aus einem 13:16 eine 18:16-Führung. Die Sensation bahnte sich an, zehn Minuten vor dem Ende griff Gislason zum grünen Karton. Offenbar mit Wirkung: Erst nagelte Duvnjak den Ball aus zehn Metern ins Tor, dann machte es ihm Filip Jicha nach Nyokas Treffer nach: 18:19. Weil Ilitsch dabei regelwidrig eingegriffen hatte und für zwei Minuten auf die Bank musste, konnte der THW Kiel in Überzahl agieren. Klein schnappte sich gedankenschnell den Ball, und Vujin bedankte sich mit dem Ausgleich zum 19:19. Hitchcock übernahm nun endgültig die Regie.

K.o. Sekunden vor der Sirene

Der sprunggewaltige Olivier Nyokas war mit neun Treffern erfolgreichster Schütze der Partie.

Das Spiel stand auf des Messers Schneide: Vujin bediente Wiencek zum 20:19, Nyokas glich mit seinem achten (!) Tor aus. Dann foulte Foth Kreisläufer Wiencek, aber der erst zur zweiten Halbzeit gekommene Asanin parierte den fälligen Siebenmeter von Vujin. Weil Böhm nach einer Palicka-Parade einen Jicha-Wurf blocken und die Kieler Abwehr Nyokas nicht in den Griff bekam, wurde die Sensation Realität: Er traf zum 21:20 (58.), Duvnjak verzog im Gegenzug, und Balingen hatte Ballbesitz: Diesen verloren sie nach Zeitspiel, Jicha erzielte 59 Sekunden vor dem Ende den erneuten Ausgleich. Allerdings: In Ballbesitz kamen die Zebras nun nicht mehr. Quälend langsam baute Balingen den Angriff auf, und Theuerkauf verwandelte die Sparkassen-Arena fünf Sekunden vor Schluss nach Nyokas-Pass endgültig in ein Tollhaus. 

Freitag schon in Wetzlar

Die Kieler büßten durch die 21:22-Niederlage zwei weitere Punkte ein, müssen aber schnell wieder in die Spur finden: Bereits am Freitag, nicht einmal 48 Stunden nach dem Spiel auf der Alb, müssen sie bei der starken HSG Wetzlar antreten. Anpfiff ist am Freitag um 19.45 Uhr, kiel-liveticker.de bringt zeitnahe Informationen über das Internet ins Wohnzimmer.

 

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