KN: Wenn es "müllert", dann wird schon mal die Luft dünn

Bundesliga
Freitag, 13.02.2015 // 10:20 Uhr

Melsungen. Philipp Müller vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen hat einen mächtigen rechten Armzug. Das bewies der Rückraum-Linke mit sehenswerten Torwürfen gegen den THW Kiel eindrucksvoll. Fünfmal hatte der 29-Jährige den Kielern den Ball in der Startviertelstunde der Bundesliga-Partie am Mittwoch ins Netz gewuchtet. Doch der rechte Arm von Müller kann auch anders. Dominik Klein bekam das schmerzhaft zu spüren, den Zuschauern in der Halle blieb die Aktion des Melsungers in der 26. Minute indes zumeist verborgen. Doch die TV-Bilder entlarvten Müllers Ellenbogen-Schlag auf Kleins Rippen. Es war deutlicher Ausdruck zunehmender MT-Frustration, als das 32:41-Debakel gegen Kiel begann, Formen anzunehmen.

THW hat nach Melsungen-Sieg Skopje im Visier

Klein blieb beim Stande von 13:19 (26.) nach dem fulminanten Müller-Treffer die Luft weg: Japsend und sich vor Schmerz windend wälzte er sich am Boden. Physiotherapeut Maik Bolte kam zur Hilfe, selbst THW-Trainer Alfred Gislason eilte auf das Parkett, kurz darauf wurde sogar die Trage gebracht. Die entschuldigende Hand von Müller schlug Klein zunächst weg, später nahm er sie doch an, konnte sogar mit Unterstützung selbst das Feld verlassen. Die Aktion war der unschöne Tiefpunkt einer ansonsten unterhaltsamen Partie, die nicht nur live von Sport1 übertragen wurde, sondern es auch in das ARD-Morgenmagazin schaffte - nicht nur wegen Müllers Armzug, sondern auch wegen des Stellenwerts der Partie. Nicht wenige hatten erwartet, dass der Meister THW wie vor einem Jahr erneut in Kassel stolpern könnte.

Der Kampf um die deutsche Meisterschaft scheint ein ebenso spannender zu werden wie die Titeljagd im Vorjahr, von der man glaubte, dass sie einmalig sei. Denn erst am letzten Spieltag wurde aufgrund der besseren Tordifferenz des THW im Vergleich zu den Rhein-Neckar Löwen der Titel in den Norden vergeben. Auch jetzt jagen Zebras und Löwen wieder im Gleichschritt auf ein enges Finale zu - mit Gleichstand bei den Minuspunkten und nur fünf Treffern Vorteil für die Kieler.

Umso erleichterter war Alfred Gislason nach dem Erfolg in Melsungen, der überraschend eindeutig ausfiel. "Diese zwei Punkte waren enorm wichtig für den weiteren Saisonverlauf. Grundlage war unsere überragende Angriffsleistung - unsere beste in der gesamten Saison, und das von allen Positionen", sagte ein gut aufgelegter THW-Trainer. Er durfte mit 41 Treffern so viele Tore wie noch gar nicht in dieser Bundesliga-Saison bestaunen.

Allerdings brauchte die THW-Abwehr etwas Anlaufzeit, kassierte mit 32 Gegentoren ebenfalls deutlich mehr als bei der bisherigen Saison-Höchstmarke in der Liga (29 Gegentore in Wetzlar). Dennoch sah Gislason auch in der Defensive Positives: "Am Anfang waren wir hinten zu löchrig, aber später war die Abwehr sehr wach und schnell auf den Beinen, hat den Melsungern viele Bälle geklaut."

In dieser Form will Gislason auch in den beiden kommenden Champions-League-Spielen weitermachen. Auch wenn die Heim-Partien gegen Metalurg Skopje (Sonntag, 19.30 Uhr) und gegen Meshkov Brest (Donnerstag, 19.30 Uhr, jeweils live auf Sky) keinen Einfluss mehr haben auf den bereits feststehenden Gruppensieg der Kieler, so heißt die Devise für Gislason doch: Volldampf! "Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um uns noch weiter für die kommenden Aufgaben einzuspielen. Und daher zählt auch hier nur der Sieg."

Dann wird wohl auch Dominik Klein wieder dabei sein, der den Knockout von Mittwoch inzwischen schon wieder locker nehmen konnte: "Starker Auftritt von uns in Melsungen...da kann einem schon mal die Luft wegbleiben #esmuellertabundzu", twitterte der Linksaußen. Eine Ultraschall-Untersuchung ergab keine Einblutung im Bauchmuskel. "Inzwischen kann ich wieder ganz gut atmen", sagte Klein und berichtete, dass Müller sich bei ihm nach dem Spiel noch einmal entschuldigt habe.

Die MT teilte mit, dass Müller auch vom Verein für diese Aktion gerügt worden sei, denn es gehe schließlich auch um die Außendarstellung des Klubs.

(Von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 13.02.2015, Foto: Angela Grewe)

 

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