Kretzschmar im KN-Interview: "Der THW hat immer noch Weltklasse"

Bundesliga
Samstag, 12.12.2015 // 14:36 Uhr

Leipzig. Der SC DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur) Leipzig ist für Stefan Kretzschmar eine Herzensangelegenheit. Vor vier Jahren zog der Ex-Nationalspieler (218 Länderspiele) und TV-Experte von Magdeburg nach Leipzig, um das Projekt noch weiter voranzubringen. Der 42-Jährige sitzt beim nächsten THW-Gegner (Sonntag, 15 Uhr/Sport 1) im Aufsichtsrat, war von Beginn an Zugpferd und Gesicht der Vision Handball-Bundesliga in der mitteldeutschen Großstadt.

Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar über seine Rolle in Leipzig

Herr Kretzschmar, herzlichen Glückwunsch! Sie sind angekommen: Der SC DHfK Leipzig ist wahrscheinlich der stärkste Aufsteiger in der Handball-Bundesliga seit Jahren.

Ich weiß nicht, der Bergische HC stand vor ein paar Jahren als Aufsteiger ähnlich gut da. Aber der Standort Leipzig bietet viel Perspektive. Es ist eine so wunderschöne Stadt. 

 

Sie scheinen sehr viel richtig zu machen ...

Wir haben eine Mannschaft ohne Superstars. Hier spielt vielleicht keine Weltklasse, aber das Team harmoniert und funktioniert. Doch 50 Prozent des Erfolges gehören Christian Prokop. Er ist ein herausragender, ehrgeiziger Trainer, der – so abgedroschen das klingt – 24 Stunden für den Handball lebt. Er seziert jeden Gegner, betreibt ein unglaubliches Video-Studium. 

Und welche Rolle spielt das Aufsichtsratsmitglied Stefan Kretzschmar in Leipzig?

Eine periphere. Ich bin nicht entscheidend an der Entwicklung der Mannschaft beteiligt. Außerdem haben wir mit Karsten Günther einen leidenschaftlichen Geschäftsführer und mit Maik Gottas einen wichtigen Mann als Manager. Ich stehe in der zweiten Reihe. 

Das klingt gründlich tiefgestapelt, allein die finanzielle Entwicklung des Klubs ist rasant.

Stimmt, wir haben vor fünf Jahren mit einem Etat in Höhe von 50 000 Euro angefangen, sind jetzt bei 2,3 Millionen und kratzen zur neuen Saison an den drei Millionen. Eine atemberaubende Entwicklung. Meine Rolle ist es, Sponsoren zu begeistern, unser Projekt deutschlandweit zu promoten. Und ich spreche mich mit dem Trainer ab, was neue Spieler angeht, bringe mein Fachwissen und meine Vorschläge mit ein. 

Zweite Reihe...?

Immerhin stehe ich nicht ganz vorne, bin nicht im Training dabei und habe den maximalen Freiraum für meine Arbeit.

Der SC hat den HSV geschlagen, gegen Flensburg und die Löwen lange mitgehalten. Ist es Zeit für einen Sieg gegen den THW?

So weit reicht meine Fantasie noch nicht. In dieser Saison war der Heimsieg gegen den SC Magdeburg mein emotionales Highlight. Aber der THW ist gerade in einer Phase, in der niemand gerne gegen ihn spielen will: maximal eingespielt, noch nicht komplett kaputt. Für uns wird es das Spiel des Jahres, wir haben schon 6000 Tickets verkauft. Jeder, der in Leipzig Handball-Fan ist, soll sich dieses Spiel anschauen können, die Halle wird restlos ausverkauft sein.

 

Wie bewerten Sie das Rennen um die Meisterschaft? Hat der THW Kiel noch eine Chance, seinen Meistertitel zu verteidigen?

Der THW hat immer eine Chance, diese Mannschaft hat noch immer Weltklasse. Klar, der Kader wurde vor der Saison ausgedünnt. Aber die erste Sieben kann in ganz Europa mithalten. Entscheidend wird das Spiel vor Weihnachten gegen die Löwen sein. Kann der THW es da noch einmal spannend machen? Ich denke, wenn die Löwen auch noch in Kiel gewinnen werden, ist eine Vorentscheidung gefallen. Aber den THW sollte man niemals abschreiben.  

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 12.12.2015, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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