Schwere Auswärtshürde am Sonntag: Leipzig empfängt den THW

Bundesliga
Freitag, 11.12.2015 // 16:15 Uhr

Nächste schwere Auswärtshürde für den THW Kiel: Am Sonntag empfängt der heimstarke Aufsteiger SC DHfK Leipzig die "Zebras" zum ersten Duell in der Geschichte der DKB Handball-Bundesliga. In der Messestadt wird diesem Spiel seit Wochen entgegen gefiebert, die "Arena Leipzig" wird zum ersten Mal in dieser Spielzeit ausverkauft sein. Für den THW Kiel geht es um zwei ganz wichtige Punkte bei der DHfK. Sport1 überträgt das Spiel ab 15 Uhr live, zeitnahe Informationen liefert der Ticker auf der THW-Homepage.

Prominenter Aufsteiger

Der SC DHfK Leipzig der wohl prominenteste Aufsteiger der vergangenen Jahre. Der Leipziger Traditionsverein, sechsfacher DDR-Meister und 1966 Sieger im Europapokal der Landesmeister, hat in seinem Aufsichtsrats-Mitglieds Stefan Kretzschmar einen prominenten Fürsprecher und hatte als Zweitliga-Meister im den Gang ins Oberhaus angetreten. Kretzschmar war es auch, der vor der Saison ein wenig auf die Euphoriebremse getreten war: "Blickt man auf unseren Etat wird jedem sofort klar, dass unser Ziel nur der Klassenerhalt sein kann, alles andere wäre Wahnsinn." 

Bereits zehn Zähler Vorsprung

Neuzugang aus Russland: Sergej Zhedik kam aus Krasnodar.

Mit 2,2 Millionen Euro ging man das Abenteuer DKB Handball-Bundesliga an, das eigentlich - so die vereinsinterne Planung - erst in frühestens zwei Jahren in Angriff genommen werden sollte. Nach gut der Hälfte der Spielzeit im Handball-Oberhaus, steht der SC DHfK (Abkürzung für Deutsche Hochschule für Körperkultur) Leipzig als bester der drei Aufsteiger auf Platz zwölf der "stärksten Liga der Welt" und hat mit 15 Punkten bereits zehn Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge. Jetzt ist es Trainer Christian Prokop, der ehemals die SCM-Junioren und Post Schwerin trainiert hatte und 2013 von TuSEM Essen nach Leipzig ging, der mahnt: "Wir dürfen nur von Spiel zu Spiel denken. Die Mannschaft muss heiß bleiben." 

Keine Angst vor großen Namen

Slowakischer Nationaltorwart: Milos Putera

Dass die Leipziger dabei keine Rücksicht auf große Namen nehmen, bewiesen sie bereits mehrfach in dieser Saison - vor allem vor eigenem Publikum: Sie punkteten bisher unter anderem gegen den HSV (31:27), den SC Magdeburg (26:25) und zuletzt gegen die HSG Wetzlar (22:22). "Das waren keine Zufallsprodukte", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. "Leipzig hat ein technisch starkes Team mit erfahrenen Akteuren. Die Mannschaft ist über Jahre gewachsen und wurde vor der Saison gezielt verstärkt." Sieben neue Akteure holte der SC DHfK in die Messestadt: Bis auf den russischen Rückraumspieler Sergei Zhedik, der von SKIF Krasnodar kam, den aus Aue gekommenen Linksaußen Marvin Sommer und Jan Gurezkij aus der eigenen Jugend hatten alle Neuzugänge bereits Erfahrung im Oberhaus des deutschen Handballs.

Rund 300 Kieler Fans in Leipzig

Zum ersten Mal komplett ausverkauft: 6.100 Fans werden in der Arena Leipzig erwartet.

Die "Zebras" reisen am Sonnabend mit dem Mannschafts-Bus nach Leipzig. Begleitet werden sie zu dieser schweren Auswärtspartie in der Messestadt von rund 300 Kieler Fans, die sich die Bundesliga-Premiere des THW Kiel in der mit rund 6.100 Zuschauern erstmals in dieser Saison komplett ausverkauften "Arena Leipzig" nicht entgehen lassen wollen. Für alle schwarz-weißen Fans in Leipzig wird der mobile Fanshop in der Arena sein: Hier kann man sich noch mit THW-Fanartikeln und Weihnachtsgeschenken eindecken. Die Partie, die ab 15 Uhr live bei Sport1 und im Ticker auf der THW-Homepage zu verfolgen ist, wird von den Unparteiischen Hanspeter Brodbeck und Simon Reich geleitet. "Wir müssen zu 100 Prozent da sein", sagt Rune Dahmke. Auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm erwartet ein ganz schweres Spiel: "Das wird eine heiße Kiste!" Auf geht's, Kiel!

Erfahrenes Team

Pfeiler im Rückraum: Aivis Jurdzs kam nach langem Hickhack vom ThSV Eisenach

Aivis Jurdzs (ThSV Eisenach), um dessen Wechsel es ein langes Gezerre gegeben hatte, spielte in 140 Partien bereits für Hannover und Eisenach in der ersten Liga. Kreisläufer Benjamin Meschke bestritt 51 Erstligaspiele für den Bergischen HC und ist Prokop noch aus der gemeinsamen Zeit beim SC Magdeburg II bekannt. Mit 33 Jahren der Senior unter den neuen Leipziger Spielern ist Milos Putera: Der Torhüter hat 40 Länderspiele für die Slowakei bestritten und war in Lübbecke, Hüttenberg und Balingen in mehr als 100 Bundesliga-Spielen eingesetzt worden. Putera kam vom TV Großwallstadt in die Messestadt und bildet mit dem jungen Felix Storbeck ein starkes Gespann. Und auch der Halbrechte Christoph Steinert, der von GWD Minden kam, schnupperte bereits ordentlich Erstliga-Luft.

Zuschauerschnitt fast verdoppelt

Bester Torschütze: Mittelmann Philipp Pöter erzielte bisher 69 Tore.

Die Stärke des SC DHfK ist tatsächlich die mannschaftliche Geschlossenheit. Mit Philipp Pöter taucht der beste Torschütze (bisher 69 Treffer) des Aufsteigers auf Platz 19 der Liga-Statistik auf, dafür zeichnen mit Mittelmann Philipp Weber (55), Rechtsaußen Lucas Krzikalla (48), Jurdzs (45), Steinert (44), Kreisläufer Alen Milosevic (41) und Linksaußen Lukas Binder (39) gleich sieben Spieler für 341 der insgesamt 420 Leipziger Tore verantwortlich. Mit den Erfolgen haben nach den Rekordmeister-Frauen des HC Leipzig nun auch die Männer des SC DHfK eine Handball-Welle in der Messestadt ausgelöst: Mehr als 4000 Fans besuchten im Schnitt bisher die Heimspiele des DHfK-Teams, der Zuschauerschnitt aus der letzten Zweitliga-Saison wurde fast verdoppelt. Geschäftsführer Karsten Günther ist begeistert: "Manchmal denkst du, dass das Hallendach weg fliegt." 

Erstes Bundesligaspiel gegeneinander

Christoph Steinert sammelte in Minden bereits Bundesliga-Erfahrung

"Uns erwartet ein begeisterungsfähiges Publikum in einer tollen Handball-Arena", weiß THW-Trainer Alfred Gislason. Einem Teil seiner Mannschaft ist diese schon vom bisher einzigen Pflichtspiel beider Teams gegeneinander bekannt: Im Oktober 2012 gewannen die "Zebras" vor 5700 Zuschauern in der 3. Runde des DHB-Pokals mit 43:27 gegen die DHfK und sorgten mit ihren sympathischen Auftreten beim damaligen Zweitligisten für einen weiteren Schub auf dem Weg zurück ins Rampenlicht (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv). Jetzt, drei Jahre später, dürfte die Aufgabe für den THW ungleich schwerer werden - und das nicht nur, weil der Einsatz von Domagoj Duvnjak (Bänderriss) und Christian Sprenger (muskuläre Probleme im Rücken) fraglich ist: "Wir müssen voll konzentriert und engagiert zur Sache gehen", so Gislason. "Denn wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen!"

KN: Grünes Licht für Leipzig

Kiel. Ein Sieg mit zehn Toren Differenz, Platz zwei in der Tabelle zurückerobert: Der THW Kiel ließ HBW Balingen-Weilstetten am Mittwochabend keine Chance. Ausschlaggebend waren die vielen Ballverluste der Balinger, provoziert von einer starken Kieler Deckung. Der größte Nutznießer hieß Niclas Ekberg, der elf Tore erzielte. "Wir sind richtig viel gelaufen, haben viele Tore über Gegenstoß und zweite Welle gemacht. Das hatten wir uns vorgenommen, und das hat auch funktioniert", sagt der Schwede.

Eine beinahe perfekte Woche, mit zwei klaren Erfolgen in der Bundesliga und dem Wahnsinns-Sieg gegen Veszprem in der Champions League - doch wieder gibt es Personalfragen. Neben Langzeitausfall Patrick Wiencek (Kreuzbandriss) fehlte auch am Mittwoch wieder Domagoj Duvnjak. Der Kroate hatte sich am vergangenen Wochenende im Training einen Außenbandriss im Sprunggelenk zugezogen. Ein Einsatz beim Auswärtsspiel in Leipzig am Sonntag (15 Uhr, live auf Sport 1) ist laut Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker aber möglich. "Er macht Fortschritte. Er wird nicht bei 100 Prozent sein, aber spielen können."

Auch die anderen angeschlagenen Zebras senden positive Signale. Torhüter Nikolas Katsigiannis musste wegen Problemen am Ohr medikamentös behandelt werden, ein Einsatz gegen Balingen scheiterte an den Bestimmungen der nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). Eine Ausnahmegenehmigung bekam der THW nicht. Jetzt spielt das ohnehin keine Rolle mehr: "Katze" hat die letzte Tablette genommen, 72 Stunden danach ist ein Einsatz erlaubt.

Steffen Weinhold, der am Mittwoch in der Halbzeitpause wegen Adduktorenproblemen getaped und vorsichtshalber nicht mehr eingesetzt wurde, wird physiotherapeutisch behandelt und kann spielen, eventuell wird er einen Spezialverband tragen. Christian Sprenger (muskuläre Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule) wird ebenfalls zur Verfügung stehen.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 11. 12. 2015)

KN: THW reist mit Duvnjak nach Leipzig

Kiel. Reges Treiben im Lazarett der Kieler Zebras. Am Sonntag (15 Uhr) tritt der THW in der Handball-Bundesliga beim traditionsreichen (und bärenstarken) Aufsteiger SC DHfK Leipzig an. Aufsteiger? Zeit, um Spielern eine Auszeit zu gönnen? "An Schonzeit ist nicht zu denken", sagt Trainer Alfred Gislason und warnt: "Leipzig ist der stärkste Aufsteiger seit Jahren, ist gut eingespielt, spielt konstant. Wenn wir nicht aufpassen, können wir verlieren."

So wird neben Torwart Nikolas Katsigiannis und Rechtsaußen Christian Sprenger auch Spielmacher Domagoj Duvnjak mit nach Leipzig reisen, nur eine Woche nach einem im Training zugezogenen Außenbandriss im Sprunggelenk wieder bereitstehen. "Ich hoffe, dass er es schafft. Wir entscheiden am Sonnabendmorgen", so Gislason. Dann muss auch Kapitän René Toft Hansen ein Signal geben, ob er spielfähig ist. Der Däne lag in den vergangenen zwei Tagen mit Magen-Darm-Problemen flach.

Nicht dabei sein wird neben dem Dauerverletzten Torsten Jansen auch Dragos Oprea. "Comebacker" Dominik Klein und Rune Dahmke haben die Linksaußen-Position fest im Griff, und daran soll sich laut Alfred Gislason auch bis zum Saisonende nichts ändern: "So lange keiner ausfällt, werden diese beiden spielen." Also auch in Leipzig, das als Aufsteiger auf Rang zwölf mit sechs Siegen und insgesamt schon 15 Punkten einen wahren Höhenflug erlebt. "Tradition, Begeisterung, Leipzig ist ein Lichtblick für die Liga", sagt Gislason über den sechsfachen DDR-Meister und Sieger im Europapokal der Landesmeister von 1966. Der Leipziger Kapitän Lukas Binder gibt sich jedenfalls mutig: "Da ist definitiv was möglich."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 12. 12. 2015)

 

Mehr zum Thema

Saisonfinale in der DKB Handball-Bundesliga - und das hat es in sich. Im Kampf um die Europapokal-Plätze und den Klassenerhalt geht es rund, und auch die Meisterschaft ist noch nicht endgültig entschieden. "Es ist das wohl spannendste Finale in der Geschichte der Liga", titelte die Sportschau auf ihrer Online-Seite. Für den THW Kiel geht es indes zunächst nur um eins: Die Zebras wollen das...

07.06.2019

Der THW Kiel hat die Entscheidung im Meisterschafts-Rennen der DKB Handball-Bundesliga vertagt: Durch einen klaren 34:26 (17:11)-Erfolg der Zebras beim TBV Lemgo steigt das Finale um den Titelträger nun am letzten Spieltag am Pfingstsonntag. In Lemgo sorgten die Schwarz-Weißen vor 5000 Zuschauern in der Phoenix Contact Arena ab Mitte der ersten Hälfte für klare Verhältnisse, ließen allerdings...

29.05.2019

Zum letzten Mal in dieser Spielzeit packen die Zebras ihre Taschen und besteigen "KI-EL 1": Am Dienstag macht sich der Mannschaftsbus mit dem THW Kiel auf den Weg nach Ostwestfalen. Bereits am Mittwochabend sind die Kieler Handballer dort gefordert: Der TBV Lemgo Lippe empfängt den Flensburg-Verfolger um 18:30 Uhr zum Duell um zwei ganz wichtige Punkte. "Wir wissen, dass wir kein Spiel mehr...

27.05.2019

Das Konfetti ist zusammengefegt, der Handball-Boden in der Sparkassen-Arena von den Sektpfützen der EHF-Pokal-Siegerehrung gereinigt, und die Zebras sind heiß auf den Endspurt in der DKB Handball-Bundesliga: Am Sonntag wollen sie mit ihren Fans in der "weißen Wand" gegen GWD Minden zwei wichtige Heimpunkte holen. "Nur mit einem Sieg können wir Flensburg weiter unter Druck setzen. Aber wir dürfen...

24.05.2019

Was für ein Nachmittag in der Sparkassen-Arena: Der THW Kiel hat in einem intensiven, leidenschaftlich geführten Derby vor einer unglaublich emotionalen Kulisse das Rennen um die Meisterschaft in der DKB Handball-Bundesliga ein bisschen spannender gemacht. Am Ende von 60 hart umkämpften Minuten gewannen die Zebras das 99. Landes-Duell mit 20:18 (11:11) und verkürzten den Rückstand auf den...

12.05.2019

Seit Wochen dreht sich im Handball alles um dieses eine Spiel - Sonntag ist es endlich soweit: Dann steigt um 14:30 Uhr in der seit Monaten ausverkauften Sparkassen-Arena das 99. Derby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt. Ein Spiel, das immer eine gewisse Brisanz in sich trägt. Das immer etwas Besonderes ist. Und doch ist diese 99. Auflage des Landes-Duells noch eine Spur heißer:...

10.05.2019

Nach dem Auswärtssieg beim heimstarken HC Erlangen ist vor der hohen Auswärtshürde HSG Wetzlar: Am Donnerstag wollen die Zebras bei den Mittelhessen ihre schwarze Serie beenden. "Das Spiel in Wetzlar ist eine Aufgabe, die wir sehr ernst nehmen müssen", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. "Wir haben dort zweimal in Folge verloren und hatten insgesamt zuletzt erhebliche Mühe mit der HSG." Deshalb sei...

07.05.2019

Ein starker Gegner, eine fränkische Rekordkulisse und Zebras auf der Jagd nach zwei weiteren wichtigen Punkten: Am Sonnabend ist der THW Kiel in der nahezu ausverkauften "Arena Nürnberger Versicherung" besonders gefordert. Der HC Erlangen, seit vier Partien vor den eigenen Fans ungeschlagen, bittet den Rekordmeister zum Duell. "Die Fans können sich auf ein großes Spiel freuen", sagt THW-Kapitän...

02.05.2019