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Offensive Abwehr

THW-Trainer Alfred Gislason musste in diesem Spitzenspiel nicht nur auf die verletzten Torsten Jansen, Dominik Klein und Patrick Wiencek verzichten, sondern auch den gesperrten Kapitän Rene Toft Hansen ersetzen. Eine Aufgabe, die dem Kieler Coach einiges Kopfzerbrechen bereitete - zumal Steffen Weinhold (Adduktorenbeschwerden) erst nach dem Ende des Warmmachens grünes Licht für einen Einsatz gab und zahlreiche weitere "Zebras" ebenso angeschlagen in die Partie gingen. Letztlich entschied sich Gislason für eine offensive Abwehr, in der Joan Canellas und Christian Dissinger die Mitte dichtmachten.

MT-Deckung schmeckt dem THW

Musste viel einstecken: Christian Dissinger

Die Melsunger setzten auf die bisher so erfolgreiche 5-1-Variante in der Verteidigung. Ein Mittel, das dem THW Kiel schmeckte: Mit schnellem Spiel suchten die Kieler nach dem 1:2-Rückstand die Lücken in der MT-Deckung - und sie fanden sie. So wie Marko Vujin, der in Unterzahl wichtige Treffer erzielte und Dahmke zur 6:4-Führung bediente. So wie Duvnjak, der unglaublich willensstark im Eins-zu-Eins immer dorthin ging, wo es gegen die aggresive Melsunger Deckung besonders schmerzhaft wurde. Und so wie Christian Dissinger, der kurz nach einer harten, ungeahndeten Abwehraktion von Michael Müller (10.) gegen ihn das 9:6 erzielte und ansonsten druckvoll Lücken für seine Nebenleute riss. 

Fünf-Tore-Führung nach 19 Minuten

Rune Dahmke erzielte fünf seiner acht Tore im zweiten Durchgang

Als Niclas Ekberg per Siebenmeter zum 11:7 traf, und Rune Dahmke kurz darauf das 12:7 nachlegte, zog MT-Trainer Michael Roth nach 19 Minuten bereits zum zweiten Mal den grünen Auszeit-Karton. Anders als beim ersten Time-Out nach 13 Minuten zeigte diese Unterbrechung und die folgende Abwehr-Umstellung Wirkung: Mit dem defensiven 6-0-Verband der Melsunger tat sich der THW fortan schwer. Die "Zebras" leisteten sich Fehler, und die bestraften die "Löwen"-Bezwinger vom Wochenende konsequent. Mit einem Doppelschlag brachte Sellin die MT wieder auf 10:13 heran (25.), und weil der für den guten Sjöstrand gekommene Villadsen einige Bälle parierte, wurde es nach dem spektakulären Ekberg-Treffer zum 15:11 (27.), der von Anic im Fallen mustergültig bedient wurde, ausgerechnet in Überzahl eng für die "Zebras".

Auswärtstour nach Celje und Stuttgart

Der THW Kiel richtet nach dem Spitzenspiel den Blick wieder auf Europa: Beim slowenischen Rekordmeister RK Celje, gegen den es im Hinspiel in Kiel einen knappen 35:32-Krimi gab (siehe Spielbericht), geht es am Sonnabend um wichtige Punkte zum Weiterkommen in der "VELUX EHF Champions League". Anwurf in der Arena "Dvorana Zlatorog" in Celje ist um 17.30 Uhr, Sky berichtet wie der Ticker auf der THW-Homepage live. Nach der Rückkehr aus Slowenien am Sonntag geht es für die "Zebras" Montagabend wieder in den Süden, denn am Dienstag fordert der Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart den THW Kiel in der ausverkauften Porsche-Arena zum Duell, das im Internet bei tv.sport1.de zu sehen sein wird. Auf geht's, Kiel!

Nur zwei Tore vor zur Pause

Maric und Sellin verkürzten auf 13:15, nach 27 bis dato vom THW überlegen geführten Minuten war die Partie wieder richtig offen. Zumal das muntere Toreschießen weiter ging: Sieben Treffer fielen in den letzten drei Minuten der ersten Halbzeit, und durch die 1:4-Serie führten die Kieler urplötzlich mit nur noch einem Treffer Vorsprung. Gut nur, dass Duvnjak mit dem Halbzeitpfiff noch das wichtige 17:15 erzielte.

Melsungen verpasst den Ausgleich

Diskussionsbedarf: Trainer Alfred Gislason besprach mit Michael und Philipp Müller das harte Einsteigen gegen Dissinger.

Doch die ersten 30 Minuten sollten tatsächlich erst die Ouvertüre zu einem immer packenderen Duell gewesen sein. Um jeden Zentimeter wurde gekämpft, und beide Teams lieferten sich einen Schlagabtausch, der an Intensität noch zunahm. Zunächst hatten die Kieler die Nase wieder vorn: Ein Doppelschlag von Dahmke brachte sie beim 20:16 wieder mit vier Toren in Führung, doch eine Zeitstrafe gegen Dissinger ließ die MT durch Sellin und Maric wieder herankommen. Als dann auch noch Schneider einnetzte, war die Partie beim 20:19 (38.) für den THW wieder vollkommen offen. Die Melsunger hätten per Gegenstoß durch Sellin sogar ausgleichen können, doch mit seiner zehnten Parade rettete der immer stärker werdende Landin die knappe Führung, die Ekberg vom Siebenmeterstrich und Duvnjaks Strahl in den Winkel bei angezeigtem passiven Spiel wieder auf 22:19 ausbauten. 

Zebras können sich nicht absetzen

Biss auf die Zähne: Steffen Weinhold ackerte trotz schmerzhafter Verletzung.

Für Ruhe sorgte das allerdings nicht, es blieb hitzig: Michael Müller und Dissinger rasselten zusammen, der agile Kieler Rückraumspieler musste raus. Erneut stellte Gislason sein Team um, brachte nun Weinhold zeitweise auf der Mitte. Doch weil Ekberg gegen seinen alten Teamkameraden Sjöstrand einige klare Chancen liegen ließ, Melsungen die wenigen Kieler Fehler in schnelle Angriffe ummünzte, konnten sich die "Zebras" nicht absetzen. Auch nicht nach Dahmkes Kunstschuss zum 25:22, und auch nicht nach dem 26:23 des Youngsters, bei dem er sich um Allendorf herumdrehte und dieser ihn nicht einmal mit einem Zwei-Minuten-Foul stoppen konnte. Es blieb dabei: Der THW legte drei Tore vor, Melsungen blieb dran. Auch nach Weinholds Hammer zum 28:25 (53.) - das Spiel blieb auf des Messers Schneide.

Entscheidende Nadelstiche

Riesen-Jubel: Die Zebras feiern den Kraftakt gegen Melsungen

Erst verkürzte Sellin per Siebenmeter auf 26:28, in Unterzahl musste Duvnjak bei angezeigtem Zeitspiel abschließen: Sjöstrand hielt den Ball, und Schneider markierte 200 Sekunden vor dem Ende das 27:28. Gislason nahm die Auszeit, dann war es Weinhold, der mit einem ansatzlosen Wurf aus der Mitte zum 29:27 den Bann brach. Angefeuert von der unglaublichen Lautstärke der 10.285 Fans setzten die "Zebras" nun die entscheidenden Nadelstiche: Michael Müller spielte einen ungenauen Pass, und Duvnjak traf mit einem abgefälschten Ball zum 30:27 (58:20 Minuten), Landin schnappte sich einen Schneider-Wurf, und Canellas erzielte 50 Sekunden vor dem Ende die Entscheidung - der Rest war Jubel. 

Gislason dankt den Fans

Umarmung: Gemeinsam freuten sich die Haupttorschützen Domagoj Duvnjak und Rune Dahmke über den Sieg.

In diesem wurden die beiden finalen Treffer von Duvnjak kaum noch wahrgenommen. Mit einer unglaublichen Energieleistung hatten die Kieler ein echtes Spitzenspiel doch noch gewonnen, hatten sich gemeinsam gegen alle Widrigkeiten gestemmt und mit ihren Fans einen enorm wichtigen Sieg geholt. Alfred Gislason, sonst einer der ersten, der das Feld nach dem Schlusspfiff verlässt, genoss den Moment und bedankte sich ausgiebig bei den schwarz-weißen Anhängern für ihre Unterstützung, während sich seine Spieler jubelnd und erschöpft in die Arme fielen. Ein unglaubliches Spiel mit einem dramatischen Finale - und dem Happy end für die kämpfenden Zebras.  

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