"Zebras" mit Anlauf zum Kantersieg gegen Bietigheim

Bundesliga
Sonntag, 22.02.2015 // 17:06 Uhr

Der THW Kiel hat eine erfolgreiche Liga-Heimpremiere 2015 gefeiert. Allerdings benötigten die "Zebras" vor 10.285 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena gegen den Aufsteiger SG BBM Bietigheim rund 30 Minuten Anlauf, um schließlich doch noch einen Kantersieg einzufahren. Beim 40:27 (18:17)-Erfolg waren Steffen Weinhold und Domagoj Duvnjak mit je sieben Treffern die erfolgreichsten Torschützen. Am Mittwoch geht es für den THW Kiel zu Hause weiter: Gegner ist dann der HBW Balingen-Weilstetten, für diese Partie gibt es noch Tickets in allen Kategorien.

THW ohne Lauge und Cañellas

 Gegen den Aufsteiger musste Alfred Gislason auf den am Oberschenkel verletzten Spielmacher Rasmus Lauge verzichten. Auch Joan Cañellas kam wegen seiner Schulterprobleme nicht zum Einsatz. Bei den Gästen stand Kapitän Christian Heuberger nach seiner langen Verletzungspause wieder im Aufgebot.

Gäste führen zwischenzeitlich mit drei Toren

Domagoj Duvnjak war gemeinsam mit Steffen Weinhold bester Torschütze.

Die Hauptrolle spielte aber zunächst ein anderer: BBM-Torhüter Darko Stanic parierte in den ersten zwei Minuten gleich vier Bälle der "Zebras", die schnell mit 1:3 in Rückstand gerieten, weil auch in der 3-2-1-Abwehr nicht alles rund lief. Und so waren die ersten Minuten symptomatisch für eine erste Hälfte, in denen die Kieler nach ihrer Form suchten. Der Aufsteiger spielte hingegen frech und mit wenigen Fehlern. Die Konsequenz: Nach 13 Minuten erzielte Romas Kirveliavicius das 7:4. Zwar kamen die Kieler immer wieder durch Einzelleistungen des starken Duvnjak heran, aber nachdem Praznik das 11:9 erzielte hatte (19.), nahm Gislason eine Auszeit.

Erste Kieler Führung nach 29 Minuten

Er brachte Aron Palmarsson und Johan Sjöstrand und ließ Steffen Weinhold fortan auch im Angriff ran - eine Maßnahme, die sich direkt nach Wiederanpfiff durch das 10:11 auszeichnete. Dann parierte Sjöstrand einen ersten Wurf, und Ekberg vollendete den Gegenstoß zum 11:11. Nach 21 Minuten war den Kieler damit erstmals der Ausgleich gelungen. Es sollte aber weitere acht Minuten dauern, bis der THW Kiel erstmals in Führung gehen konnte: Palmarsson jagte einen Ball mit 105 km/h in die Maschen, ehe Weinhold mit seinem fünften Treffer den 18:17-Halbzeitstand erzielte.

Jetzt gegen Balingen

Am kommenden Mittwoch geht es weiter für die "Zebras": Das vierte Heimspiel innerhalb von zehn Tagen steht an - und es ist ein besonderes. Gegner ist der Hinrunden-Bezwinger HBW Balingen-Weilstetten, und es ist das 18. Heimspiel. Dieses gibt es nur in dieser Saison, in der die DKB Handball-Bundesliga wegen des Lizenz-Hickhacks um den HSV Hamburg auf 19 Teams aufgestockt wurde. Für das 18. Heimspiel, das um 20.15 Uhr in der Sparkassen-Arena angepfiffen und nicht im Fernsehen gezeigt wird, gibt es noch Karten in nahezu allen Kategorien im freien Verkauf (Jetzt Tickets sichern!). Bisher sind rund 7.400 Tickets verkauft. Auf geht's in die Arena, Kiel!

Zeitstrafe macht Kiel hellwach

Dominik Klein erzielte vier Tore und sorgte so für Stimmung.

Doch auch nach dem Seitenwechsel lief es zunächst nicht rund beim THW. Erst als Wiencek für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde, wachten die Fans auf - und es ging ein Ruck durch die auf 6-0 zurückgezogene Kieler Abwehr: Duvnjak schnappte sich einen Gäste-Pass, und Klein versenkte den Gegenstoß zum 21:19. Sjöstrand parierte, Klein sicherte den Abpraller, und Palmarsson vollstreckte mit einem richtigen Pfund in den Winkel zum 22:19. Jetzt waren die "Zebras" hellwach, Klein traf zum 23:19. 

La Ola für 9:1-Lauf

Die SG BBM versuchte, mit einer Auszeit den Lauf des THW zu stoppen. Vergebens. Zwar verkürzte Salzer per Gegenstoß zum 20:23, doch sechs Minuten später war die Partie entschieden: Weinhold spielte Doppelpass mit dem Tohüter, Duvnjak tankte sich durch die Abwehr, Vujin versenkte einen Siebenmeter, Weinhold traf in der zweiten Welle, und Klein vollstreckte einen Gegenstoß zum 28:20 (43.). La Ola kreiste durch die Arena - ein Dank der THW-Fans für einen 9:1-Lauf der "Zebras" in zehn Minuten.

3:0 in Unterzahl

Spannend hätte es noch einmal werden können, als Rene Toft Hansen und Christian Sprenger innerhalb weniger Sekunden eine Zwei-Minuten-Strafe erhielten. Doch erneut zeigten die "Zebras" in Unterzahl ihr kämpferisches Gesicht: Mit 3:0 durch Treffer von Palmarsson und zweimal Duvnjak überstanden die Kieler die dreiminütige Unterzahl glänzend, die THW-Fans riss es von den Sitzen - zumal es dadurch richtig deutlich wurde. Die Gäste mühten sich nun, entscheidend verkürzen konnten sie jedoch nicht mehr. Sprenger erzielte gar noch den 40. Treffer für den THW. Am Ende freuten sich die "Zebras" so gemeinsam mit ihren Fans über einen 40:27-Erfolg, für den sie allerdings lange Anlauf nehmen mussten.

KN: Lehrling ärgert den Meister

Kiel. Spiele in der Champions League und in der Bundesliga haben ganz unterschiedliche Gesichter. Diese Erfahrung machten gestern die Fans des deutschen Handballmeister THW Kiel, als der sich nach souveränen Auftritten auf europäischer Ebene nun gegen den Bundesliga-Aufsteiger und Tabellenletzten SG BBM Bietigheim eine Halbzeit lang quälen musste, um einen knappen Vorsprung in die Pause zu bringen. Dann aber brachte eine verbesserte Abwehrarbeit die Zebras auf Trab und noch zu einem standesgemäßen 40:27 (18:17)-Sieg.

Die Vorzeichen für die Partie schienen klar: Der THW war mit drei Siegen im Februar bestens in das Jahr gestartet, die SG durch die Heimniederlage im Kellerduell gegen Lemgo bereits auf Abschiedstour aus der Bundesliga. Nur die Höhe des Kieler Sieges schien noch eine ungeklärte Frage. Doch von klaren Kräfteverhältnissen war in der ersten Hälfte nichts zu sehen.

Das Trommler-Quartett aus dem Süden gab den Rhythmus auf den Rängen vor, die schwäbische Sieben übernahm die Rolle des Taktgebers auf dem Feld. Der THW-Angriff tat sich schwer, in der agilen Abwehrreihe der Bieitgheimer, die mit schnell vorstoßenden Halben agierte, eine Lücke zu finden, SG-Torwart Darko Stanic verbuchte in den ersten zwei Minuten schon vier Paraden. Da die Gäste in der Offensive die Schnittstellen der Kieler 3:2:1-Abwehr offenlegten, sahen sich die Hausherren schnell mit 1:3 (5. Minute), später sogar mit 3:6 (10.) im Hintertreffen. Das Glück stand auf Seiten der SG, der die Abpraller – auch nach einem verworfenen Siebenmeter von Rok Praznik – in die Hände fielen.

Das Selbstbewusstsein des Tabellenletzten steigerte sich minütlich, selbst in Unterzahl war er zweimal erfolgreich. Die Chance des THW, im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Rhein-Neckar Löwen das Tore-Plus zu erhöhen, schien dahin zu schwinden. Bis zur 29. Minute lief der Meister den Vorgaben des Lehrlings hinterher, dann sorgte ein Doppelschlag durch Aron Palmarsson und Steffen Weinhold für die erste Kieler Führung und den Halbzeitstand von 18:17. Es hätten sogar ein Abstand von zwei Toren zur Pause sein können, wenn die Schiedsrichter nicht beim Tempogegenstoß von Palmarsson auf Schrittfehler entschieden hätten.

Für Rückhalt sorgte die inzwischen auf die 6:0-Formation umgestellte Kieler Abwehr, die auch in der zweiten Halbzeit hellwach begann und schnelle Gegenstöße einleitete. Linksaußen Dominik Klein erhöhte mit seinen Toren das Tempo, der Kieler Rückraum war nicht mehr zu stoppen, und Kreisläufer Patrick Wiencek blieb auch im Ringkampf erfolgreich, traf noch im Liegen zum 29:21 (46.). Johan Sjöstrand, der wie sein Kollege Andreas Palicka in der ersten Hälfte noch von seinen Vorderleuten allein gelassen worden war, konnte sich nun auf das Zusammenspiel mit seiner Abwehr verlassen und verbuchte noch elf Paraden.

Nennenswerte Gegenwehr leisteten nun nur noch die auf gleichbleibend hohem Lautstärke-Niveau agierenden SG-Fans. Unter den Bietigheimer Spielern machte sich dagegen zusehends der Frust breit. Selbst in doppelter Unterzahl gelang Palmarsson die erste Zehn-Tore-Führung der Kieler (31:21, 48.). „Der Todesstoß für uns“, so SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer, der dann noch mitansehen musste, dass die Kieler mit ein paar spielerischen Leckerbissen doch noch zu einem standesgemäßen Sieg kamen.

(Von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 23.02.2015)

 

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