Abschied von einer schwierigen Saison: THW Sonntag gegen den TVB

Bundesliga
Freitag, 03.06.2016 // 16:54 Uhr

Das Ende einer langen, schwierigen Saison: Am Sonntag bestreitet der THW Kiel mit dem Heimspiel gegen den Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart die letzte Partie der Spielzeit 2015/2016. Das 58. Pflichtspiel für die "Zebras" wird um 15 Uhr angepfiffen, zeitnahe Informationen liefert der Ticker auf der THW-Homepage. Im Anschluss an die 60 Minuten werden gleich sieben THW-Spieler verabschiedet, ehe sich die Mannschaft bei der Saisonabschlussfeier auf dem Europaplatz bei ihren Fans für die großartige Unterstützung bedanken wird.

"Wollen uns mit Heimsieg verabschieden"

Hat allen Grund zum Jubeln: TVB-Coach Thomas König

Für beide Mannschaften geht es am Sonntag sportlich nicht mehr um die ganz großen Dinge: Der THW Kiel sicherte sich am Mittwochabend mit dem deutlichen Erfolg in Eisenach Platz drei und damit die Möglichkeit, von der EHF eine Wildcard für die kommende Saison in der "VELUX EHF Champions League" zu erhalten. Die Gäste, die vor der Spielzeit als einer der heißesten Abstiegskandidaten gehandelt wurden, durften durch den "Zebra"-Erfolg am Mittwoch ebenfalls jubeln: Durch den Kieler Sieg wurden auch allerletzte, theoretische Zweifel am Klassenerhalt der Baden-Württemberger ausgeräumt. Dennoch wolle man am Sonntag noch einmal alles geben, sagt Domagoj Duvnjak: "Wir wollen uns und die scheidenden Spieler mit einem Heimsieg verabschieden! Das sind wir auch unseren Fans schuldig, die uns in dieser Saison extrem geholfen haben." 

Heimstärke nach Umzug

Eine der zwei Heimspielstätten des TVB: die Stuttgarter Porsche-Arena

Für die Gäste, die im vergangenen Jahr mit dem Aufstieg in die DKB Handball-Bundesliga ihren größten Erfolg in der 90-jährigen Vereinsgeschichte feierten, geht das Abenteuer in der stärksten Liga der Welt in eine weitere Runde. Ein Grund: die Heimstärke. Nach dem Aufstieg hatte sich der TV Bittenfeld in TVB 1898 Stuttgart umbenannt und war mit der Erstliga-Mannschaft aus dem Waiblinger Stadtteil Bittenfeld in die nahe Landeshauptstadt umgezogen. Mit Erfolg: Nach dem Umzug waren sechs von sieben Heimspielen in der Porsche-Arena mit 6.211 Zuschauern ausverkauft. Die anderen neun Partien fanden in der direkt nebenan liegenden SCHARRena statt und waren mit 2.251 Besuchern ausverkauft. Die Kulisse schien die Mannschaft von Trainer Thomas König zu beflügeln: Zehn seiner 14 Punkte holte der TVB 1898 vor den eigenen Fans, während er auswärts nur in Balingen siegte und zwei Unentschieden holte.

Johannes Bitter bringt Erfahrung

Winter-Neuzugang: Weltmeister Johannes Bitter

Wichtig war für die Baden-Württemberger der Neustart nach der EM-Pause: Mit dem 25:23 gegen den Bergischen HC und dem 28:27 gegen Lemgo holten die Stuttgarter zwei ganz wichtige Siege. Ein Garant für den Erfolg: Weltmeister, Champions-League-Sieger, Deutscher Meister und DHB-Pokalsieger Johannes Bitter. Der Torhüter fand nach der Insolvenz des HSV Hamburg im Süden eine neue Heimat, brachte der TVB-Defensive Stabilität und dem Kader Erfahrung. TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt: "Jogi ist für uns ein sehr wichtiger Baustein für unser Team. Er ist nicht nur sportlich, sondern auch menschlich eine absolute Bereicherung für die Mannschaft und den gesamten Verein." Stuttgart und Bitter - das passt.

Bitter und Kraus nächstes Jahr wieder in einem Team

Bester Torschütze des TVB: Michael Spatz

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Verantwortlichen des TVB in der vergangenen Woche mit stolzer Brust bekannt gab, den gebürtigen Oldenburgerauch noch in der kommenden Saison im Süden halten zu können. "Wir sind sehr stolz und glücklich, dass Jogi auch in der neuen Saison für den TVB spielen wird", so Schweikardt zum "Königstransfer" eins der Schwaben. Der zweite ist Michael "Mimi" Kraus, einst ebenfalls in Hamburg aktiv. Der Weltmeister kommt von Frisch Auf Göppingen und wird ab der kommenden Saison das Stuttgarter Trikot tragen. Dann nicht mehr dabei sein wird der beste TVB-Torschütze: Michael Spatz, mit 173 Treffern auf Platz fünf der besten Liga-Schützen, möchte sich in Zukunft jedoch vermehrt seiner beruflichen Karriere und der Familie widmen und deshalb mit dem Profihandball kürzertreten.

Gleich sieben "Zebras" werden verabschiedet

Spatz verabschiedet sich mit dem "Highlight in Kiel" von seinem Team, und auch die THW-Fans sollten am Sonntag nicht nur Zeit, sondern auch Taschentücher mitbringen: Gleich sieben "Zebras" sagen dem THW Kiel "auf Wiedersehen". Nach der Partie verabschiedet werden Igor Anic, Joan Cañellas, Rogerio Moraes Ferreira, Torsten Jansen, Nikolas Katsigiannis, Erlend Mamelund und Dominik Plaue, die erst in der Sparkassen-Arena und später auch noch bei der Saisonabschluss-Feier (alle Infos zur Feier auf dem Europaplatz) den Fans "Tschüss" sagen werden. Noch einmal ins THW-Trikot zurückkehren wird hingegen Dominik Klein: Er wird bei seinem Abschiedsspiel am 16. Juli (Jetzt Tickets sichern!) die ganz große "Servus Mini"-Bühne bekommen. 

Rechtzeitig anreisen!

Die letzten 60 von insgesamt 3.490 Handball-Minuten in dieser Spielzeit stehen an. Schiedsrichter der Partie, die nicht live im Fernsehen gezeigt wird, sind Martin Thöne und Marijo Zupanovic. Beide feiern ihre Premiere in der Sparkassen-Arena. Den Fans des Rekordmeisters wird eine rechtzeitige Anreise empfohlen - nicht nur, um die TVB-Fans, die mit einem Traktor aus Baden-Württemberg zum Spiel in Kiel fahren und gegen 12:30 Uhr auf der Seite Exerzierplatz der Arena erwartet werden (siehe Extraartikel), zu begrüßen. Denn aufgrund der Saisonabschlussfeier und des parallel in der Innenstadt stattfindenden Flohmarkts stehe im Umfeld der Arena kaum Parkplätze zur Verfügung. Abschied, Abschluss - dieser Sonntag wird emotional. Auf geht's, Kiel!

KN: Letzte Ausfahrt Kiel

Kiel. Letzte Ausfahrt Sparkassen-Arena: Am Sonntag (15 Uhr) bestreitet Handball-Rekordmeister THW Kiel gegen den TVB 1898 Stuttgart das 58. Pflichtspiel in dieser Saison. Eine Saison, die von kapitalem Verletzungspech, einer kuriosen Zahl an Last-Minute-Nachverpflichtungen und einem Achterbahn-Ritt der Emotionen geprägt war. Am Ende dieser ersten titellosen Spielzeit seit 2003 steht nun ein Tag des Abschieds von insgesamt acht Zebras aus der schwarz-weißen Herde.

Besser gesagt sieben, denn Linksaußen Dominik Klein ("Der emotionale Part ist erst einmal nur verschoben") wird schließlich noch mit einem eigenen Abschiedsspiel am 16. Juli nach zehn Jahren auf die Reise nach Nantes geschickt. Darum ist das Spotlight am Sonntag erst einmal nur auf die sechs Kurzzeit-Zebras Nikolas Katsigiannis (HC Erlangen), Erlend Mamelund (Haslum HK), Torsten Jansen, Dominik Plaue (beide HSV), Rogerio Ferreira (Vardar Skopje) und Igor Anic gerichtet. Der Franzose weiß noch immer nicht, bei welchem Verein er in der kommenden Saison unter Vertrag stehen wird. Nur Joan Cañellas, der ebenfalls nach Mazedonien zu Vardar Skopje wechselt, stand länger als ein Jahr in Diensten des THW. Der Spanier war 2014 vom HSV an die Förde gewechselt.

Letzt Ausfahrt Sparkassen-Arena: Das gilt auch für einige hartgesottene Fans des TVB, die sich am Montag mit drei Treckern auf die 840 Kilometer lange Reise nach Kiel gemacht haben und am Sonntag vor dem Match an der Arena willkommen geheißen werden. Um 12.30 Uhr werden die 23 km/h schnellen Gefährte erwartet, und das ist nur ein Grund, warum die Zebra-Verantwortlichen den Fans eine frühe Anreise empfehlen: Wegen des Innenstadt-Flohmarkts und der THW-Feierlichkeiten (ab 16.30 Uhr auf dem Hallenvorplatz) stehen nur wenige Parkplätze im Umfeld der Halle zur Verfügung.

Für den TV Bittenfeld, der nach dem Erstliga-Aufstieg nach Stuttgart umgezogen war, geht es im letzten Saisonspiel ebenfalls um nichts mehr. Der Klassenerhalt ist gesichert, die Weichen für die kommende Saison sind gestellt. So wurde der Vertrag mit "Königstransfer" (TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt) und Kultfigur Jogi Bitter im Tor um eine weitere Saison verlängert und mit Michael "Mimi" Kraus aus Göppingen ein weiterer Weltmeister von 2007 bis Sommer 2017 verpflichtet, um aus den "Wild Boys" eine erfahrene Truppe zu machen.

THW-Trainer Alfred Gislason indes freut sich auf das letzte Saisonspiel, ist aber auch "froh, dass diese Saison zu Ende ist". Noch einmal Regeneration, noch einmal Abschlusstraining am Sonnabend, noch einmal 60 Minuten, ehe es in der kommenden Saison am ersten Spieltag - der Zufall will es so - just beim TVB Stuttgart mit einer neu formierten Mannschaft weitergeht. "Wir hatten viele, viele Baustellen, aber all die Spieler, die am Sonntag verabschiedet werden, haben uns sehr geholfen", sagt der Isländer, der am Sonntag "möglichst viele Spieler" einsetzen möchte, auch wenn am Freitag noch ein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Christian Dissinger (muskuläre Probleme) stand.

In der kommenden Woche wird Gislason zuerst die Ausfahrt Wendgräben nehmen, um zwei Wochen in seinem Haus bei Magdeburg "nicht mehr an Handball zu denken". Ablenkung gibt es in der Familie des THW-Trainers genug, der anschließend auf Island die Hochzeit seines ältesten Sohnes Elfar (33) feiern wird. Rückkehr: Mitte Juli zum Abschiedsspiel von Dominik Klein.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 04.06.2016)

 

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