Heißer Kampf in der Hitze: THW in Melsungen ohne Happyend

Bundesliga
Sonntag, 22.05.2016 // 18:45 Uhr

Ohrenbetäubend war es, unglaublich heiß war es in der Rothenbach-Halle - und diese äußeren Faktoren spiegelten sich auch in einem wirklich heißen Kampf zwischen der MT Melsungen und dem THW Kiel wider. Am Ende fehlte den "Zebras" - wie zuletzt oft auswärts - auch ein wenig das Glück: Johan Sjöstrand parierte in der Schluss-Sekunde von 60 intensiven, packenden Minuten den finalen Wurf von Patrick Wiencek. Dass dieser dabei ungestraft heruntergerissen werden konnte, war nur noch eine Randnotiz: Mit 29:30 (18:15) unterlag der THW Kiel der MT Melsungen, daran ändern konnten auch die jeweils fünf Treffer der besten Torschützen Domagoj Duvnjak und Marko Vujin nichts.

THW setzt sich mit vier Toren ab

Mit vollem Elan dabei: Der THW Kiel wollte in Melsungen unbedingt zwei Punkte entführen

Der THW Kiel kam gut in die Partie. Nach ausgeglichenen ersten fünf Minuten erzielte Patrick Wiencek die erste Kieler Führung. Als dann die "Katze", Torhüter Nikolas Katisigiannis, richtig warm lief, gelang es den "Zebras", sich abzusetzen: Vujin drosch eine Zehn-Meter-Fackel zum 6:4 in die Maschen, Katsigiannis parierte gegen den freien Maric, und den darauf folgenden Siebenmeter verwandelte Niclas Ekberg zum 7:4 (11.). Kurz darauf war es der starke Dissinger, der beim 10:6 die erste Vier-Tore-Führung der "Zebras" markierte. 

Dissinger verletzt

Christian Dissinger schied nach 46 Minuten verletzt aus

Besonders bitter: Vor Boomhouwers 24:22 wurde Christian Dissinger von Michael Müller in Duvnjak hineingeschubst. Der Kieler Europameister hielt sich sofort mit schmerzverzerrtem Gesicht den linken Oberschenkel, humpelte zur Bank und ließ sich von Teamarzt Dr. Frank Pries eine Bandage anlegen. Die Partie war für Dissinger beendet: Er kehrte nicht mehr zurück aufs Spielfeld und verließ die Rothenbach-Halle mit großen Schmerzen. Das unfassbare Verletzungspech der Kieler in dieser Spielzeit hatte eine Fortsetzung erfahren, die einen Einsatz des Rechtshänders in Köln zumindest fraglich werden lässt.

THW kämpft sich zurück

Fünf Treffer und schöne Anspiele: Marko Vujin war gemeinsam mit Domagoj Duvnjak erfolgreichster Torschütze in Melsungen

Die Gastgeber legten dessen ungeachtet nach, waren elf Minuten vor dem Ende beim 25:22 in die Siegerspur eingebogen. Trotz der erneuten Rückschläge fighteten sich die "Zebras" auch dieses Mal zurück in die Partie. Duvnjak legte den Schalter um, traf zum 23:25 und 24:26. Nach Michael Müllers 28:25 machte Dener Jaanimaa schnörkellos das 26:28, kurz darauf klaute sich Sprenger in der Defensive den Ball und vollendete zum 27:28 - der THW Kiel war wieder dran. Allerdings: Auch die Gastgeber kämpften um jeden Zentimeter, setzten den Kielern mit ihrer harten Gangart in der Defensive zu. Und im Angriff fand die MT die kleinen Lücken, die ihnen die Kieler gewährten. 

Saison-Höhepunkt voraus

Patrick Wiencek war in Melsungen vor allem in der Abwehr extrem gefordert

Die Kieler reisten direkt nach dem Spiel zurück in die Landeshauptstadt. Bereits am Montag beginnt dann die Vorbereitung für einen angesichts des Umbruchs und der vielen Verletzten kaum für möglich gehaltenen Saison-Höhepunkt: Am Sonnabend und Sonntag geht es für den THW Kiel beim "VELUX EHF Final4" in Köln um Europas Thron. Unterstützt werden die "Zebras", die als Außenseiter in die Domstadt reisen, von vielen hundert Kieler Fans. Aber auch der Halbfinalgegner, MVM Veszprem aus Ungarn, wird mit einer großen Zahl an Anhängern nach Köln kommen. Anwurf für das Halbfinale ist Sonnabend um 18 Uhr, Sky zeigt dieses Spiel live. "Wir sind der krasse Außenseiter", sagt Dominik Klein. "Aber irgendwie sind wir in Köln ja zu Hause. Das wollen wir nutzen." Auf geht's nach Köln, Kiel!

Drei-Tore-Führung zur Pause

Diesen Vorsprung hielten die Kieler, auch weil sie gegen die harte MT-Abwehr auf schnelle Passfolgen setzten: Die schönste vollendete Duvnjak, erst nach 22 Minuten eingewechselt, nach tollem Vujin-Pass per Kempa zum 14:10 (23.). Vujin war es auch, der zum 16:12 traf und Igor Anic mustergültig zum 17:13 bediente, doch der in den ersten 30 Minuten überragende Melsunger Momir Rnic verkürzte mit dem Halbzeitpfiff und seinem sechsten Treffer noch einmal für die Gastgeber.

Packende Partie

Traf zum Ausgleich: Niclas Ekberg

Die Kieler hielten den Vorsprung bis zum 18:15. Dann gab es eine sechsminütige Torflaute, die die Gastgeber - zum Teil in Unterzahl agierend - zu einem 5:0-Lauf und der eigenen 20:18-Führung nutzten (38.). Alfred Gislason reagierte und brachte Niklas Landin, der sich gleich mit einigen schönen Paraden einführte. Auf der gegenüberliegenden Seite steigerte sich aber auch Johan Sjöstrand, dessen Vertragsverlängerung bis 2020 vor dem Anpfiff frenetisch bejubelt wurde. Das berühmte Momentum blieb auf Melsunger Seite, auch wenn Dominik Klein eine unfassbare Schnelle Mitte aus 13 Metern ins Netzt wuchtete und Niclas Ekberg per Siebenmeter zum 22:22 ausgleichen konnte.

Zebras schaffen den Ausgleich nicht

Und doch war zumindest ein Punktgewinn für den THW in Reichweite, denn nach Michael Müllers 30:28 spielte nur noch der THW Kiel: Erst landete ein abgefälschter Duvnjak-Ball in Sjöstrands Kasten, dann blockte Wiencek hinten einen Müller-Wurf. 40 Sekunden vor dem Ende waren die "Zebras" in Ballbesitz, brachten mit Igor Anic einen zusätzlichen Feldspieler, spielten Wiencek am Kreis frei. Doch am Ende jubelten nicht die lautstarken über 100 mitgereisten Fans des Rekordmeisters, sondern die Gastgeber mit ihren 4.200 Anhängern über den dritten Erfog gegen die Kieler, die im Jahr 2016 in der Bundesliga weiter ohne Sieg bleiben und zum ersten Mal seit der Saison 2002/2003 wieder drei Bundesliga-Spiele in Folge verloren.

 

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