KN: Das Wort mit M

Bundesliga
Freitag, 02.12.2016 // 14:48 Uhr

Kassel/Kiel. Um 22.45 Uhr setzte sich der Mannschaftsbus des THW Kiel am Mittwochabend im verregneten Kassel in Richtung Heimat in Bewegung. An Bord: die Spieler des Handball-Rekordmeisters (ohne neuerliche Blessuren), zwei wichtige Punkte in der Handball-Bundesliga (30:23 bei der MT Melsungen) - und ein gutes Gefühl.

THW nimmt zwei Punkte und ein gutes Gefühl mit

Eine Viertelstunde nach dem Abpfiff war die besondere Bedeutung dieses Abends an den weit geöffneten Augen (und dem Glückwunsch-Handshake eines Schweißers) von THW-Trainer Alfred Gislason noch immer abzulesen. Als habe jemand das Ventil für überbordendes Adrenalin einfach geschlossen, strebte der Isländer nach dem Abpfiff irgendwann in die Kabine und kam einige Minuten später mit einer sehr klaren, aufgeräumten Analyse wieder heraus. Weniges löste er aus kollektivem Lob (und Stolz) heraus. "Im Angriff haben wir teilweise neue Sachen ausprobiert, die super geklappt haben. Wir haben gut den Ball laufen lassen."

In der Tat verkörperten insbesondere die ersten 30 Minuten in Kassel einen in spielerischer Hinsicht gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Die Zebras hatten Melsungen zuweilen schwindelig gespielt, die Außen noch mehr in das taktische Gefüge eingebunden, was seine Krönung in einem Pass/Abschluss-Finale von Domagoj Duvnjak und Niclas Ekberg in der 17. Minute zur 9:5-Führung fand. Eine Entwicklung, die Linksaußen Raul Santos – das liegt in der Natur der Sache - sehr begrüßte. "Wir haben gerade erst neue Spielzüge einstudiert, wollen die Außen mehr in Aktion bringen. Es fühlt sich immer besser an, an meiner Chancenauswertung muss ich noch weiter arbeiten", sagte der Österreicher.

30 Minuten lang war Melsungen, als erneuter Geheimfavorit in die Saison gestartet, schlicht chancenlos, präsentierte sich der THW homogen, kompromisslos, kreativ. "Ja, ich denke, das war ein besonderer Schritt in die richtige Richtung", musste schließlich auch Alfred Gislason eingesehen. Der 57-Jährige hatte seine Spieler schon vor dem Kasseler Duell ins Gebet genommen, wie Torhüter Andreas Wolff (auch einer dieser Erfolgsgaranten) nach der Partie verriet: "Alfred hat uns vor dem Spiel gesagt, dass das hier ein Meilenstein Richtung Meisterschaft sein würde. Wir haben die Gunst der Stunde bei einer angeknacksten Top-Mannschaft genutzt." Das M-Wort, es fiel am Mittwoch nicht nur einmal. Der Schritt in die richtige Richtung - eine Richtung, die jetzt auch einen Namen hat. "Wir haben untermauert, dass wir Meister werden wollen", gab Marko Vujin zu Protokoll, der eher als druckvoller Passgeber denn als Vollstrecker glänzte.

Ebenso glänzte wie Kiels "Doppelte 20" - die 20-jährigen Nikola Bilyk und Lukas Nilsson, die nach einer erwartbaren Talsohle sowohl als Schützen im halblinken Rückraum überzeugten, aber in Halbzeit zwei mit dem Österreicher als Strippenzieher und dem Schweden auf Halblinks ebenfalls zu harmonieren wussten. Das war auch MT-Trainer Michael Roth, der mit seinen Spielmachern ("Vuckovic und Fahlgren haben das Spiel nicht so geleitet, wie man es muss") ebenso haderte wie mit seinen Kreisläufern ("Maric und Danner traten nicht in Erscheinung"), aufgefallen: "Wie Bilyk und Nilsson gespielt und aus neun, zehn Metern getroffen haben, war das ein himmelweiter Unterschied zu unserem Rückraum." Nilsson und Bilyk würden eben, so Gislason, "immer besser zusammenspielen", da sei es "kein Risiko, sie im Rückraum zusammen aufzustellen. Und Bilyk ist die Zukunft in der Rückraum-Mitte."

Während also die MT "ins offene Messer und dem Glück hinterher" lief (MT-Nationalspieler Michael Müller), war auf Seiten der Zebras jedem Spieler bewusst, "wie wichtig dieses Spiel" war (THW-Geschäftsführer Thorsten Storm). Das bekam auch der Ex-Kieler Dener Jaanimaa zu spüren: "Ich habe zum ersten Mal so viele Spielanteile bekommen, habe gebrannt, wollte unbedingt gegen den THW gewinnen. Aber wir hatten einfach keinen guten Tag. Es war schön, die Kieler Jungs wiederzusehen." Melsunger Verunsicherung traf auf das neue alte Kieler Selbstverständnis. Gemischte Gefühle.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 02.12.2016, Foto: Sascha Klahn)

 

Neue News

Der Dino in Gefahr

20.02.2019 // Bundesliga

KN: Meisterschaft in weiter Ferne

19.02.2019 // Bundesliga

KN: Schon wieder Magdeburg

18.02.2019 // Bundesliga

Mehr zum Thema

Gummersbach. Der VfL Gummersbach ist das einzige Gründungsmitglied der Handball-Bundesliga, das niemals abgestiegen ist. Aus der Gründungssaison 1966/1967 sind heute neben den Oberbergischen nur die Füchse Berlin im Oberhaus dabei, doch die damaligen Reinickendorfer Füchse haben zwischenzeitlich so manches Jahr in der Zweiten Liga verbracht. Der VfL ist der Handball-Dino, und der schwebt in großer...

20.02.2019

Die Zebras haben nach dem Rückschlag vom vergangenen Sonntag längst den Blick nach vorn gerichtet: Am Donnerstag ist der THW Kiel beim VfL Gummersbach gefordert, der in der DKB Handball-Bundesliga um jeden Zähler für den Klassenerhalt kämpft. "Wir wollen zu unserem Spiel zurückfinden und die zwei Punkte holen", fordert THW-Kapitän Niklas Landin. "Einen Vorteil hat der enge Spielplan: Wir müssen...

19.02.2019

Kiel. Sechs Minuspunkte Rückstand auf den Spitzenreiter, eine gerissene Siegesserie, Probleme im Angriff - einen Tag nach der 25:28-Niederlage gegen den SC Magdeburg (siehe THW-Spielbericht) herrscht Katerstimmung bei den Handballern des THW Kiel. Denn der Blick auf die Bundesliga-Tabelle spricht eine deutliche Sprache: Flensburg 42:0 Punkte, THW Kiel 36:6. Nach der Schlappe am Sonntag musste auch...

19.02.2019

Kiel. Die Serie (22 Siege in Folge) gerissen, die Laune verhagelt: Der THW Kiel hat am Sonntagmittag einen herben Rückschlag im Titelrennen der Handball-Bundesliga erlitten und die zweite Niederlage der Saison gegen den SC Magdeburg kassiert. Am Ende bedeutet das 25:28 (13:14, siehe THW-Spielbericht) die Minuspunkte fünf und sechs, während sich Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt (28:18 gegen...

18.02.2019

Der THW Kiel hat gegen den SC Magdeburg die Revanche für die Hinspiel-Niederlage verpasst: Vor 10.285 Zuschauern in der Sparkassen-Arena unterlagen die "Zebras" den Bördestädtern verdient mit 25:28 (13:14). Beste Torschützen in einer umkämpften Begegnung beider Traditionsvereine waren Domagoj Duvnjak und Albin Lagergren mit je sieben Treffern. Für die Kieler endete mit der Heim-Niederlage eine...

17.02.2019

Nach dem Erfolg gegen Pulawy, der gleichbedeutend mit der Verteidigung der Tabellenspitze in der Vorrunden-Gruppe D war, richteten die Kieler den Fokus schnell wieder auf die DKB Handball-Bundesliga: Bereits am Sonntag wartet mit dem Top-Spiel gegen den Tabellen-Vierten SC Magdeburg ein richtig schweres Kaliber in der heimischen Liga auf die Zebras. "Wir freuen uns riesig auf die Partie, denn wir...

15.02.2019

Kiel. Michael Spiegel muss sich am Sonntag entscheiden. Einigen seiner Freunde und Bekannten geht es genauso. Einem Fan schmeckt das nicht. Aber am Sonntag kollidieren sie: Zebras und Störche. Der THW Kiel und die KSV Holstein. Erste Handball-Bundesliga und Zweite Fußball-Bundesliga. Die Zebras empfangen in der Sparkassen-Arena den SC Magdeburg im Titelrennen. Holstein hat Greuther Fürth im...

14.02.2019

Göppingen. Seriensieg Nummer 20 ist unter Dach und Fach. Handball-Rekordmeister THW Kiel hat sich gestern Abend in der Bundesliga mit 29:25 (17:12, siehe THW-Spielbericht) bei Frisch Auf Göppingen durchgesetzt und musste dabei zehn Minuten vor dem Ende noch um die Punkte bangen. Der 16. Erfolg in der Liga in Folge sorgt weiterhin für viel Druck auf dem Kessel bei der Verfolgung von Spitzenreiter...

08.02.2019