KN: THW lässt in Berlin eindrucksvoll die Muskeln spielen

Bundesliga
Freitag, 07.10.2016 // 08:51 Uhr

Berlin. Goldener Oktober, grausamer Oktober. Ein Monat, der dem THW Kiel neun Spiele wie unaufhörlich fallendes Laub vor die Füße wirft: viermal Handball-Bundesliga, viermal Champions League, dazu ein Pokal-Achtelfinale in Magdeburg. Terminhatz, alles wie immer im Herbst. Nichtsdestotrotz ist dieser Oktober ein besonderer, in dem irgendwie alles anders ist als vor einem Jahr. Bestandsaufnahme beim neuen Bundesliga-Tabellenführer.

Goldener Oktober

Das Gefühl vor genau einem Jahr war ein anderes. Niederlagen in Flensburg, Göppingen, bei den Löwen drückten aufs Gemüt. Es war früh in der Saison, und dennoch ging so manches Zebra am Stock. Nicht erst seit dem 26:18 in Berlin am Mittwochabend ist alles anders, neu, frisch, dynamisch. Der Rekordmeister hat den Emporkömmling aus der Hauptstadt eindrucksvoll in die Schranken gewiesen, seine Muskeln spielen lassen. Zugegeben, ohne die Berliner Kent Robin Tønnesen und Fabian Wiede auf Halbrechts war die Aufgabe für den THW leichter als auf dem Papier, auf dem die Füchse ungeschlagen mit 12:0 an der Spitze thronten. Das wussten alle. Aber spielerisch gelang Schwergewichten wie Paul Drux, Petar Nenadic, Steffen Fäth wenig gegen eine formidable Kieler Deckung, die dem Gegner in seinem eigenen Wohnzimmer magere 18 Treffer gestattete. "Die Art und Weise unseres Sieges macht mich sehr zufrieden", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. "Aber es ist noch ein weiter Weg."

Wohin eigentlich? Es waren Kleinigkeiten, die den Isländer wurmten: waghalsige Ausflüge von Raul Santos, Absprache- und Abspielfehler. "Luft nach oben" sieht Gislason. Kieler Understatement, während THW-Geschäftsführer Thorsten Storm andere Töne anstimmt: "Ich bin froh, dass wir nach kurzer Zeit mit dieser jungen Mannschaft - die jüngste des THW aller Zeiten - schon so auftreten wie in Berlin. Aber wir können auch noch besser." Kieler Understatement meets Kieler Selbstverständnis à la: Jetzt sind wir wieder da oben, und übrigens gehören wir da auch hin. Dieses Selbstvertrauen hat den Zebras zuletzt gefehlt.

"Wir haben das Spiel weiter dominiert, uns nicht beirren lassen. Das war aber in Barcelona nicht unbedingt so", so Linkshänder Steffen Weinhold. "Heute war die Abwehr sehr gut, dahinter hat Landin glänzend gehalten, später auch Wolff. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben." Im Oktober 2016 hat der THW mit Weinhold und Kapitän Domagoj Duvnjak zwei überragende Spielgestalter. In Berlin zeigte der deutsche Nationalspieler ein exaktes Maß aus Auge und Aggressivität. Der Kroate brachte mit seiner Mischung aus Intuition und individueller Klasse alles in ein Gleichgewicht. Aber der THW hat auch Shooter wie Nikola Bilyk und Lukas Nilsson, hat fantastische Außen, einen Abwehr-Mittelblock, der ebenso wie das Torhüter-Duo seinesgleichen sucht.

Alles anders als vor einem Jahr. "Letzte Saison waren wir nicht so breit aufgestellt", lautet Alfred Gislasons Antwort auf die Frage nach dem Unterschied. Seine Spieler wissen: Noch ist nichts gewonnen. "Wir haben noch schwere Aufgaben vor uns, haben noch nicht gegen Flensburg, die Löwen oder Melsungen gespielt", weiß Torwart Niklas Landin. Gislasons Wechseloptionen sind ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: "Ich fühle mich sehr fit. Es ist wichtig, dass wir so viel wechseln können. Wenn Lackovic in Berlin sechs, sieben Minuten reinkommt, ist es für das eine Spiel vielleicht nicht auffällig, aber macht auf Dauer viel aus", so Weinhold. Auch Kapitän Duvnjak weiß das zu schätzen: "Es freut mich sehr, dass ich mehr Pausen als in der letzten Saison bekomme", sagt der 28-jährige. In Silkeborg am Sonntag werde und müsse der Regisseur, so Gislason, "wieder eine Pause bekommen".

Ganz genau hat Duvnjak den Unterschied zur Vorsaison noch nicht ausmachen können: "Wir trainieren auf jeden Fall richtig gut, werden mit jedem Training und jedem Spiel besser und besser", sagt der Spielmacher. Es passe eben einfach. So einfach ist das manchmal. Die Neuen seien als Spieler und Menschen überragend. Duvnjak: "Wir müssen auf dem Boden bleiben, auch wenn wir da oben bleiben, deutscher Meister werden wollen. Dass wir das können, haben wir in Berlin gezeigt." Der THW Kiel im Oktober 2016.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.10.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Der THW Kiel kehrt nach einem spielfreien Wochenende zurück in seine Arena - und wie: Am Donnerstag erwarten die "Zebras" die MT Melsungen zum Top-Spiel der DKB Handball-Bundesliga. Eine Mannschaft, die in diesem Jahr oben angreifen will - und von nicht wenigen Handball-Experten zum Kreis der Titelfavoriten gezählt wird. "Das Spiel könnte richtungsweisend sein", sagt THW-Kapitän Patrick Wiencek....

25.09.2018

Die DKB Handball-Bundesliga hat jetzt die noch ausstehenden Anwurfzeiten für die Spiele des THW Kiel an Sonntagen festgelegt: Sowohl die Heimspiele gegen den VfL Gummersbach (21. Oktober) und Frisch Auf Göppingen (11. November) als auch das Auswärtsspiel bei GWD Minden (4. November) werden jeweils um 16 Uhr angepfiffen. Eintrittskarten für die Partien des Handball-Rekordmeisters in der...

21.09.2018

Kiel. Während die Konkurrenz des THW Kiel in Handball-Bundesliga und Champions League weiter gefordert ist, machen die Zebras zehn Tage Pause. Der Grund: Ursprünglich sollten sie in dieser Woche gegen die Rhein-Neckar Löwen spielen. Doch das hätte für die Löwen eine Termin-Kollision wie im Vorjahr bedeutet.

20.09.2018

Kiel. Das hat gepasst. Gerade war eine Diskussion um ihn, um seine Zukunft, um seinen im Sommer 2019 auslaufenden Vertrag sacht aufgeflammt. Und prompt spielte sich Ole Rahmel, Rechtsaußen des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, zurück ins kollektive Bewusstsein - nicht nur der Zebra-Verantwortlichen. Der 28-jährige Linkshänder traf am Sonntag beim 34:20 gegen Aufsteiger SG BBM Bietigheim gleich...

18.09.2018

Kiel. In etwa so wird sich Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter des THW Kiel, seinen 40. Geburtstag vorgestellt haben. Es dauert zwar ein wenig, doch am Ende gerät das 34:20 (13:10, siehe THW-Spielbericht) gegen Aufsteiger SG BBM Bietigheim zum Schützenfest. Nikola Bilyk (10 Tore) und Rechtsaußen Ole Rahmel (9) überragen gegen einen unbequemen Gegner, der bis zur Pause eigentlich alles richtig...

17.09.2018

Die Rückkehr in heimische Gefilde verlief für die "Zebras" erfolgreich: Der THW Kiel feierte am Sonntagnachmittag einen nie gefährdeten 34:20 (13:10)-Kantersieg gegen die SG BBM Bietigheim. Dabei benötigten die Kieler gegen den diszipliniert spielenden Aufsteiger 30 Minuten Anlauf, um am Ende deutlich zu gewinnen. Beste Torschützen auf Kieler Seite waren Nikola Bilyk mit zehn Treffern und Ole...

16.09.2018

Bietigheim-Bissingen. Es ist ein ganz schönes Himmelfahrtskommando, das Ralf Bader (37) da bei der SG BBM Bietigheim übernommen hat. Der Ex-Bundesligaspieler (Pfullingen, Neuhausen) kam nach dem Erstliga-Aufstieg vom Drittligisten TSV Neuhausen und übernahm einen Kader mit elf Greenhorns ohne ein einziges Bundesliga-Spiel in ihrer Vita. Abstiegskandidat Nummer eins? "Daraus ziehen wir Motivation",...

15.09.2018

Magdeburg. Nach dem Spiel in Magdeburg  (siehe THW-Spielbericht) haderte der THW mit seiner eigenen Leistung, aber auch mit der des Berliner Schiedsrichter-Gespanns Blümel/Loppaschewski. Trainer Alfred Gislason sah die Zeitstrafen (SCM eine, THW sieben) ungerecht verteilt. Kreisläufer Hendrik Pekeler, der in der hektischen Schlussphase der ersten Hälfte mit Nils Blümel über seine Bestrafung...

15.09.2018