Krimi gegen Hannover: THW mit Last-Minute-Sieg

Bundesliga
Dienstag, 18.10.2016 // 16:35 Uhr

Der THW Kiel hat am Mittwochabend zwei ganz wichtige Punkte in der DKB Handball-Bundesliga verteidigt: Gegen die TSV Hannover-Burgdorf agierten die "Zebras" einen Großteil des Spiels überlegen, ließen aber zu viele Chancen liegen, um den Gegner auf Distanz zu halten. Am Ende wurde es richtig dramatisch: 21 Sekunden vor Schlusspfiff traf Duvnjak zum 27:26 (13:11), ehe der letzte Angriff der TSV von Steffen Weinhold (5 Tore) gestoppt wurde. Der anschließende Freiwurf von Runar Karason landete im Block - und 10.285 Zuschauer jubelten über einen wichtigen Heimsieg, bei dem Marko Vujin (6/3) erfolgreichster Torschütze war. 

Zebras lassen Möglichkeiten liegen

Lukas Nilsson machte drei seiner insgesamt vier Treffer in den ersten zwölf Minuten

Beide Mannschaften gingen ersatzgeschwächt in die Partie: Während THW-Trainer Alfred Gislason auf Christian Dissinger und Rune Dahmke verzichten musste, fehlten seinem Gegenüber unter anderem die beiden Olympiasieger Casper U. Mortensen und Morten Olsen. Trotzdem entwickelte sich von Beginn an eine Partie, in der beide Mannschaften sich einen heißen Kampf lieferten. In diesem hatten die "Zebras" die Nase vorn, weil Lukas Nilsson und Weinhold abwechselnd trafen - und gleichzeitig ordentlich einstecken mussten. Das Glück, dass die Kieler bei einigen der Würfe hatten, verließ sie aber genauso schnell, wie es gekommen war. Lattentreffer, Pfostenwürfe und immer wieder Paraden von Martin Ziemer im TSV-Kasten machten dem THW das Leben schwer. Hinzu kam eine Deckung, die vor allem gegen den Rückraum der Niedersachsen zu zahm agierte.

Knapper Pausenvorsprung

Patrick Wiencek ackerte am Kreis, holte Siebenmeter heraus und traf drei Mal

So agierte der THW zwar drückend überlegen, konnte sich aber nicht richtig absetzen - auch wenn es nach 22 Minuten bei Raul Santos Wurf ins leere Tor zum 11:7 kurz danach aussah. Aber die TSV reagierte schnell, traf in Unterzahl zwei Mal innerhalb von einer Minute. Viel Tempo einer Mannschaft, die ansonsten mit quälend lang vorgetragenen Angriffen die Kieler Abwehr in eine kraftraubende Defensiv-Schlacht zwang. Weil vorn die Fehlerquote hoch blieb, passierte nach Marko Vujins Traumanspiel auf Patrick Wiencek (26.) bis zum Pausenpfiff offensiv nichts mehr beim THW, während Julius Hinz mit seinem Tor zum 11:13 die Mannen von der Leine weiter auf zwei Punkte an der Förde hoffen ließ.

THW zieht weg, Hannover gleicht aus

Starker Weinhold: Fünf Treffer erzielte der Linkshänder gegen Hannover

Nach dem Wechsel setzten die "Zebras" die ersten Akzente: Der starke Weinhold traf zum 14:11, dem Santos das 15:11 folgen ließ. Auf der Gegenseite drehte nun aber auch Europameister Kai Häfner auf, ging im Eins-gegen-Eins durch die Kieler Abwehr und läutete im Zusammenspiel mit Fabian Böhm und der Mithilfe des THW die Aufholjagd ein. Denn nach Mait Patrails Anschluss zum 14:16 scheiterten Santos und Niclas Ekberg nacheinander mit Gegenstößen, was Häfner mit dem 15:16 bestrafte. Gut, dass Marko Vujin nun die Zügel an sich riss: Er jagte den Ball zum 17:15 durch Ziemers Beine, riss dann für Nilsson die Lücke zum 18:16. Doch in Überzahl machten die "Zebras" auch wieder Fehler. Johannsen und Lehnhoff waren die Nutznießer, nach 42 Minuten glich Hannover beim 18:18 aus.

Vujin macht wichtige Tore

So ging es fortan weiter: Vujin bediente Wiencek zum 19:18, und Weinhold traf zum 20:18. Dabei bekam Ziemer in der Abwehrbewegung den Ball seitlich an den Kopf, musste kurz behandelt werden. Weil der Keeper sich danach aber nicht mehr beruhigen wollte, musste er für zwei Minuten auf die Bank. Eine Zeitstrafe, die aus Kieler Sicht aber nach einem technischen Fehler und einem erneut überlangen Angriff der Hannoveraner verpuffte. Viel mehr noch: Lehnhoff scheiterte mit einem Siebenmeter an Niklas Landin, verwandelte aber den Nachwurf. Kurios dann der nächste Strafwurf für die TSV, den Johannsen irgendwie an Landin vorbeidrehen und legen wollte, der aber irgendwie auch nicht Richtung Tor ging. Vujin nutzte das mit Wucht zum 21:19 und legte kurz darauf mit 102 km/h von der halblinken Position nach. Der THW schien durch diese wichtigen Treffer des Linkshänders wieder auf Spur, zumal Rene Toft Hansen den Anwurf nach Häfners Treffer direkt ins leere Tor zum 23:20 verwandelte.

Samstag Heimspiel gegen Schaffhausen

Jubel und Erleichterung: Der THW Kiel hat sich zwei wichtige Punkte erkämpft!

Doch erholen können sich die "Zebras" nach dieser Tortur nicht, denn nach der Bundesliga ist in diesem Wahnsinns-Oktober mit insgesamt neun Partien in 29 Tagen wieder vor der Königsklasse: Bereits am Sonnabend können sich Handball-Fans auf ein weiteres Heimspiel der "Zebras" freuen. Um 17:30 Uhr ist der Schweizer Meister Kadetten Schaffhausen zu Gast in der Sparkassen-Arena. Für den THW Kiel geht es in dieser Partie darum, mit einem Sieg den Anschluss an die Top-Teams in der "Hammergruppe" A zu halten. Die müden "Zebras" brauchen dabei unbedingt ihre Fans, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wer sie live unterstützen möchte, hat die Gelegenheit: Noch gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im THW-Online-Ticketshop Karten ab 13,50 Euro für die Partie. Auf geht's, Kiel!

Dramatik in der Schlussphase

Letzte Szene eines packenden Spiels: Hannover scheitert mit dem Freiwurf am vielarmigen Kieler Block

Doch es passte zu diesem Abend, dass Hannover wieder in Unterzahl, die allerdings durch die Herausnahme des Torhüters de facto keinen numerischen Nachteil darstellte, verkürzte. Und es passte zu diesem Spiel, dass die letzten zehn Minuten noch einmal an Intensität zulegten. Weil der THW nach Vujins verwandeltem Siebenmeter zum 26:23 (53.) den endgültig entfachten Hexenkessel bis zur Schlussminute nicht mehr zum Jubeln bringen konnte, wurde es dramatisch: Nach Böhms Ausgleich (57.) fackelte Vujin über das Tor, hielt der in den Kasten zurückgekehrte Wolff einen Johannsen-Wurf, auf der Gegenseite entschärfte Ziemer eine Ekberg-Chance. 

Mit letzter Kraft Ausgleich verhindert

Ehe der Kapitän Verantwortung übernahm: Aus einer Nicht-Chance machte Domagoj Duvnjak 21 Sekunden vor dem Ende das 27:26, Bürkle nahm sofort die Auszeit und Ziemer aus dem Kasten. Der THW Kiel verteidigte mit letzter Kraft, letztlich war es Weinhold, der den mit dem Rücken zum Tor stehenden Patrail auf Kosten einer Zeitstrafe stoppte. Der fällige Freiwurf von Karason blieb im vielarmigen Kieler Block hängen - der Rest war Erleichterung und Jubel!   

 

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