Nächste hohe Hürde: Sonntag ist die HSG Wetzlar zu Gast

Bundesliga
Freitag, 06.05.2016 // 17:08 Uhr

Vier Tage nach dem knappen THW-Erfolg gegen den TuS N-Lübbecke wartet auf die "Zebras" am Sonntag die nächste hohe Hürde im Titelrennen. Die HSG Wetzlar, aktuell auf Platz sechs, reist mit großem Selbstbewusstsein und drei Europameistern an die Förde. Für den THW Kiel gilt es, gemeinsam mit seinen Fans in der ausverkauften Sparkassen-Arena zwei wichtige Zähler im Meisterschaftsrennen zu erkämpfen. Anwurf ist bereits um 15 Uhr, das Spiel wird live im kostenlosen Internet-Stream unter tv.sport1.de übertragen, Informationen liefert auch der Ticker auf der THW-Homepage.

Spiel live im Internet zu sehen

Die Partie gegen den Tabellensechsten wird Sonntag bereits um 15 Uhr angepfiffen. Um die Vorverlegung hatte der Fernsehsender Sport1 gebeten, um vor dem Spiel der Rhein-Neckar Löwen bei den Füchsen Berlin (17 Uhr, live in Sport1) auch den THW Kiel zeigen zu können. Die "Zebras" sind nun im kostenlosen Internet-Livestream unter tv.sport1.de zu sehen. Zeitnahe Informationen liefert auch der Ticker auf der THW-Homepage. Schiedsrichter dieses wichtigen Spiels sind Peter Behrens und Marc Fasthoff. Auf geht's, Kiel! 

Beste Saison seit 18 Jahren

Vater des grün-weißen Erfolgs: Kai Wandschneider

Die HSG Wetzlar wird oft als "Underdog" bezeichnet und gerne unterschätzt. Heimsiege gegen die SG Flensburg, den SC Magdeburg und die MT Melsungen beweisen, dass die HSG längst diesen Status hinter sich gelassen hat. Aktuell können die Mittelhessen als Tabellensechster von einem Comeback im Europapokal träumen, in dem sie 1998 immerhin ins Finale der Pokalsieger vordrangen - und von der besten Platzierung in ihrer inzwischen schon 18-jährigen Bundesliga-Geschichte nach dem Aufstieg 1998. Vater des aktuellen Erfolges ist Trainer Kai Wandschneider. In Wetzlar entwickelte der Diplom-Sportlehrer ein Team in einem besonderen Betriebsklima, in dem die Spieler aufblühen können. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen sagte er: "Die jungen, talentierten Spieler kommen mittlerweile gerne zu uns, weil sie wissen, dass Wetzlar ein Sprungbrett ist für höhere Aufgaben."

Wolff: "Ich möchte kein Spiel in Kiel mehr verlieren"

"Bald-Zebra" Andreas Wolff will am Sonntag in Kiel gewinnen und freut sich auf die Partie

Doch das ist alles erst einmal Zukunft. Aktuell will die HSG ihre schwarze Serie in der Sparkassen-Arena beenden: Noch nie konnten die Mittelhessen an der Förde gewinnen, auf ihrer Auswärts-Habenseite steht lediglich das legendäre Unentschieden aus dem Jahr 2003: Damals standen nach einem Zeitstrafen-Hagel zeitweise nur Stefan Lövgren und Torhüter Mattias Andersson im THW-Trikot auf der Platte (siehe Spielbericht im THW-Archiv). Doch ausgerechnet der Bald-Kieler Wolff ist gegen seinen neuen Verein topmotiviert und will dieser Negativ-Liste ein Ende bereiten: "Ich möchte in der Sparkassen-Arena nicht mehr verlieren. Dieser Vorsatz gilt auch schon für das Spiel am Sonntag", sagt der 25-Jährige im Interview mit dem Arena-Magazin "ZEBRA". "Die Motivation, den großen THW Kiel in seiner eigenen Halle zu schlagen, ist bei uns allen sehr groß. Es ist immer wieder geil, in der Sparkassen-Arena zu spielen!" Insgesamt treffen beide Mannschaften am Sonntag zum 36. Mal in der Liga aufeinander. 29 Mal siegten die Kieler, dreimal teilte man sich die Punkte (siehe Gegnerstatistik im THW-Archiv).

Wetzlar immer wieder im Umbruch

Nationalspieler Steffen Fäth verlässt den Club am Saisonende

Doch der Segen ist irgendwie auch ein Fluch: Immer wieder muss Wandschneider seine Mannschaft, die wir Ihnen bereits im Vorbericht zum Hinspiel ausführlich vorstellten und in der mit Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth gleich drei Europameister spielen, umbauen. Der 25-jährige Wolff schließt sich bekanntlich nach dieser Spielzeit den "Zebras" an, Fäth wird ein Fuchs und siedelt nach Berlin über. Aus dem EM-Trio hält nur Kohlbacher dem Klub vorerst ein weiteres Jahr die Treue und verlängerte kürzlich den Kontrakt um weitere zwölf Monate. Neben Fäth und Wolff gehen mindestens sechs weitere Akteure, darunter auch Kristian Bliznak, der aufgrund einer Augenoperation erst einmal unbestimmte Zeit ausfällt.

Torgefährlicher Holst

Bester Torschütze der HSG: Maximilian Holst

Wandschneider dürfte Alfred Gislason auf ewig in Erinnerung sein. Beim Debüt des Isländers als THW-Trainer klaute Wandschneider den Zebras am 3. September 2008 in der Sparkassen-Arena mit dem TSV Bayer Dormagen beim 28:28 einen Punkt. In Kiel wird die HSG Wetzlar auf ihre gewohnt starke Abwehr mit Wolff sitzen, um im Gegenstoß zu leichten Toren zu kommen. Hauptverantwortlich für diese ist vor allem Maximilian Holst: Der Linksaußen steht mit 177/91 Treffern auf Platz zwei des Bundesliga-Torschützenliste. Bester Feldtorschütze ist Steffen Fäth, der bisher 125 Mal einnetzte. Auch im Hinspiel, das der THW Kiel auch dank neun Dissinger-Tore mit 30:26 (siehe Spielbericht) gewann, war Holst mit 6/1 Treffern der erfolgreichste Schütze.   

KN: Wiedersehen mit Europameistern

Kiel/Wetzlar. Endspurt in der Handball-Bundesliga, noch sechs Spiele: Am Sonntag (vorverlegt auf 15 Uhr) empfängt Rekordmeister THW Kiel die HSG Wetzlar mit den drei Europameistern Andreas Wolff, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher. Nach der Ernüchterung des Lübbecke-Spiels (28:26) treffen die Zebras nun auf einen starken Tabellensechsten. "Wetzlar wird sicher auch auf die Idee kommen, offensiv gegen uns zu decken", sagt THW-Coach Alfred Gislason. "Wir müssen uns besser bewegen und besser mit unseren Chancen umgehen."

Sowohl gegen Barcelona als auch am Mittwoch gegen Tabellenschlusslicht Lübbecke hatte sich der THW anfällig gegen die offensive, mannbezogene Deckung des Gegners gezeigt. Gegen Lübbecke hatte nach der Pause auch die taktische Maßnahme, ohne Kreisläufer auf die Manndeckung zu reagieren, nicht gefruchtet, weil sich Gislasons Spieler mit technischen Fehlern das Leben schwer machten.

"Gegen Wetzlar", so Gislason, "müssen wir gut in der Abwehr stehen. Und dürfen nicht wie eine Schülermannschaft die Bälle verschenken." Auch der Isländer weiß, dass die HSG mit anderen Kalibern als Lübbecke in der Sparkassen-Arena auftaucht. Bis zum 20:23 Mitte April in Berlin durften die Mittelhessen vom Europapokal träumen und stehen vor ihrem besten Abschneiden seit dem Erstliga-Aufstieg 1998.

Wetzlars Trainer erwartet einen gewarnten, konzentrierten THW: "Das Spiel gegen Lübbecke war für den THW Kiel ein Schuss vor den Bug. Unser Ziel ist es, nach einem guten Auftritt aus der Halle zu gehen." Besonders mit der 3:2:1-Deckung der Kieler hat sich der Diplom-Sportlehrer und Vater des HSG-Erfolges seit 2012 vor der Partie beschäftigt. Das offensive Konstrukt mit Domagoj Duvnjak war beim 30:26-Sieg der Kieler im Hinspiel ein Schlüssel zum Erfolg. Ein anderer war Christian Dissinger, der damals mit neun Toren und sehenswerten Anspielen an den Kreis glänzte.

In Barcelona hatte sich der 24-Jährige nach überstandenen Nachwehen einer Meniskus-OP im Abschlusstraining aufgedrängt, hatte nach Absprache zwischen Ärzte- und Trainerteam in zwei Kurzeinsätzen seinen Teil zum großen Coup beigetragen und gegen Lübbecke zunächst wieder pausiert. Am Sonntag ist er genauso wieder im Kader wie "Siebenmeter-Joker" Niclas Ekberg (Muskelfaserriss in der Wade).

Ob Dissinger auf seinen EM-Gold-Kollegen und den besten Wetzlarer Feld-Torschützen Steffen Fäth (125 Tore) trifft, sollte sich erst am Sonnabend entscheiden. Der zukünftige Berliner Fuchs litt unter der Woche an einer Magen-Darm-Grippe.

Ein Wiedersehen wird es auf jeden Fall mit EM-Held Andreas Wolff - ab Sommer ein Kieler - und Kreisläufer Jannik Kohlbacher geben. Wolff ("Ich möchte kein Spiel mehr in Kiel verlieren"), Fäth und sechs weitere Spieler verlassen den Klub, der 20-jährige Kohlbacher verlängerte jüngst seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2018.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.05.2016)

 

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