KN: Zwei Nordrivalen, ein Ziel

Bundesliga
Freitag, 25.08.2017 // 10:02 Uhr

Neumünster. Die schleswig-holsteinischen Handball-Bundesligisten greifen wieder nach Titeln. THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt sind traditionell zwei der größten Konkurrenten in allen Wettbewerben. Beim Handball-Treff der Vereinigung schleswig-holsteinischer Sportjournalisten herrschte zwischen den Rivalen viel Einigkeit - nur nicht in der Frage, wer Meister wird.

THW und SG wollen Handball-Meister werden

Ein Blick auf die Uhr, einer auf den Gegenüber, mahnend hochgezogene Augenbrauen bei Alfred Gislason. Maik Machulla ist eine Minute zu spät. Flensburgs neuer Trainer kennt diesen Blick, immerhin spielte er einst in Magdeburg unter dem jetzigen THW-Trainer. Doch auf den gespielten Tadel folgt ein Lachen. Die Vorzeichen haben sich geändert. Nun sind sie Rivalen um die deutsche Meisterschaft - mit viel Respekt voreinander.

Als erster Deutscher überhaupt bekam der 40-jährige bisherige Co-Trainer von Ljubomir Vranjes das Traineramt bei der SG. Nach dem Wechsel Vranjes’ nach Veszprem steht er erstmals allein in der Verantwortung. "Ich gehe davon aus, dass sich dadurch in Flensburg nichts ändert", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. "Maik hat fünf Jahre eng mit Vranjes zusammengearbeitet. Er wird sein System fortsetzen, lebt den Handball. Und auch wenn er noch keine Erfahrung als Cheftrainer hat, traue ich ihm zu, die Mannschaft zu Titeln zu führen."

Machulla übt sich zunächst in Understatement. "Ich komme ja aus der DDR, ich bin mit wenig zufrieden", sagt der gebürtige Greifswalder mit einem Augenzwinkern. "Wenn wir gleich in meiner ersten Saison als Trainer einen Titel holen, wäre ich sehr glücklich." Gislason klingt da ein bisschen anders: "Mit der Meisterschaft wäre ich relativ zufrieden."

Wie auch von Vranjes hat Machulla sich einiges von Gislason abgeguckt. "Bei Alfred war ständig etwas neu. Das habe ich mitgenommen. Ich will Dinge ausprobieren." Eine der ersten Neuerungen durch Machulla ist ein Mannschaftspsychologe. "Er gehört zum Team. Wenn ein Spieler mit ihm sprechen möchte, kann er das tun, ohne dass ich etwas davon mitbekomme."

Gislason setzt vor allem auf seine zum Großteil wieder genesene und inzwischen eingespielte Mannschaft. "Ich hoffe, in zwei Wochen ist René Toft Hansen wieder an Bord. Und wenn alles gut geht, kommt Domagoj Duvnjak Ende Oktober auch zurück." Dazu sei Spielmacher Miha Zarabec eine echte Verstärkung. "Ich habe ihm Material über alle unsere Spielzüge gegeben. Die hat er im Sommer auswendig gelernt."

Auch Machulla sieht seine Mannschaft gut aufgestellt. "Holger Glandorf ist nach seiner Handverletzung früher zurück als erwartet. Das nimmt den Druck von Magnus Rød." Der Norweger ist neben Simon Jeppsson und Marius Steinhauser einer von drei jungen Neuzugängen bei der SG. "Wir werden den behutsamen Umbruch in den nächsten Jahren fortführen." Und dann sollen auch Titel folgen. "Ihr habt doch schon den Flens-Cup", scherzt Gislason, dessen Team das Vorbereitungsspiel Anfang August mit drei Toren gegen Flensburg verlor. Machulla winkt ab. Das reicht ihm dann doch nicht.

(Von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 25.08.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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