KN: Vom Sorgenkind zum Prunkstück - Entwarnung bei Dissinger

Bundesliga
Dienstag, 12.12.2017 // 10:29 Uhr

Kiel. Der zweite Derby-Sieg innerhalb von elf Tagen ist Balsam für die Kieler Seele. Das deutliche 35:27 (19:16, siehe THW-Spielbericht) des THW Kiel bei der SG Flensburg-Handewitt machte Trainer Alfred Gislason "stolz auf diesen Auftritt". Vor allem die Leistungskurve des zuletzt immer wieder gescholtenen Rückraums zeigte klar nach oben. Grund zum Abheben gibt es bei den Zebras aber nicht.

Rückraum zeigte in Flensburg eine echte Leistungsexplosion

"Wir sind immer noch ein Stück weit weg von der Tabellenspitze", machte THW-Linksaußen Rune Dahmke unmissverständlich klar. "Aber zwei Derbysiege in Folge, das habe ich noch nicht erlebt. Das schwappt jetzt hoffentlich auch weiter in die Liga über." Das Restprogramm der Zebras für das Jahr 2017 heißt Minden, Göppingen und Lübbecke. "Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende alles zu gewinnen und am Ende Platz drei zu erreichen", sagte Alfred Gislason, trat aber zugleich auf die Euphoriebremse. "Wir sollten den Ball jetzt flach halten, vor dem Gummersbach-Spiel haben ja auch alle gesagt, dass wir jetzt wieder da sind." Mitte November folgte drei klaren Siegen gegen Ludwigshafen, Stuttgart und Lemgo eine krachende Niederlage im Oberbergischen, dem Zwischenhoch ein noch tieferes Tal. Das soll jetzt nicht passieren.

Mut macht die fast schon als Leistungsexplosion zu bezeichnende spielerische Steigerung, die in beiden Derbys - und phasenweise auch gegen Hüttenberg - zu beobachten war. Der Rückraum, in dieser Spielzeit streckenweise ideenlos, ohne Durchschlagskraft und Impulse, mutierte mit der Rückkehr von Kapitän Domagoj Duvnjak vom Sorgenkind zum Glanzstück einer bärenstarken Zebraherde.

"Dules Rückkehr ist extrem wichtig, er hat phänomenal gespielt. Lukas Nilsson hat das Spiel super dirigiert, Miha Zarabec hat das Spiel in der zweiten Halbzeit gut gelenkt, Lücken gerissen, ist Mann-gegen-Mann gegangen. Steffen Weinhold war sehr gut in der Abwehr", bewertete Gislason die Leistungen seiner Spieler, die er in eine neue Block-Form gegossen hatte. Nilsson/Dissinger/Vujin und Zarabec/Duvnjak/Weinhold hießen die Angriffsreihen. "Ich hatte mit Blöcken trainiert, wollte eigentlich mit Duvnjak, Zarabec und Marko Vujin spielen - aber der lange Wechsel von Vujin war zu riskant", erklärte Gislason. Gemeinsam mit treffsicheren Außen wie dem achtfachen Torschützen Niclas Ekberg und dem einmal mehr überragenden Patrick Wiencek (Gislason: "Zum zweiten Mal in Folge Weltklasse") am Kreis waren das die richtigen Bausteine für einen überzeugenden Sieg gegen den Tabellenführer.

"Wir wollten unsere Leistung vom Sieg in der Champions League unbedingt wiederholen, waren auf noch aggressivere Flensburger eingestellt", sagte Wiencek. "Beim 10:3 dachte ich: 'Das kann nicht mehr schiefgehen'. Flensburg kam dann auch zu einfacheren Toren, aber dennoch hatte ich nie den Eindruck, dass wir das Spiel verlieren könnten." Auch weil sich die Flensburger zwischenzeitlich beinahe ohne Gegenwehr in ihr Schicksal fügten, während der THW "Charakter zeigte" (Duvnjak). "Wir hatten einfach keinen Zugriff, waren nie nah am Mann", sagte ein zerknirschter SG-Trainer Maik Machulla.

Uneingeschränkt positiv waren die Gedanken nach dem Erfolg beim Landesrivalen dennoch nicht: Christian Dissinger, verletzungsgeplagt wie kein zweites Zebra, verdrehte sich in der Schlussphase der ersten Halbzeit das Knie, humpelte zur Kieler Bank. Nach einer MRT-Untersuchung am Montag gab THW-Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker leichte Entwarnung: "Das Knie ist gestaucht, es gibt keine weitere Verletzung", erklärte er. Das ohnehin geschundene rechte Knie des Rückraumspielers müsse nun zur Ruhe kommen, Dissinger bis zur Weihnachtspause wohl aus dem Spielbetrieb genommen werden. Gegen Minden wird neben Dissinger auch Nikola Bilyk noch fehlen, der Österreicher soll nach seinem Teilriss der Außenbänder im linken Sprunggelenk in der Partie gegen Göppingen am 21. Dezember auf die Platte zurückkehren. Dem nächsten (Kurz-)Einsatz von Rückkehrer Domagoj Duvnjak gegen Minden (Donnerstag, 19 Uhr) steht trotz einer in Flensburg erlittenen leichten Wadenprellung nichts im Wege - einer weiteren starken Rückraumleistung somit wohl auch nicht.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 12.12.2017, Foto: saschaklahn.com)

 

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