Souveräner Arbeitssieg: 30:27 gegen Minden

Bundesliga
Donnerstag, 14.12.2017 // 19:20 Uhr

Der THW Kiel hat in der DKB Handball-Bundesliga einen ganz wichtigen Erfolg gefeiert: Gegen die erneut unbequem spielenden Ostwestfalen von GWD Minden fuhren die "Zebras" einen souveränen 30:27 (16:15)-Arbeitssieg ein. Beste Torschützen vor 10.285 Fans in der ausverkauften Sparkassen-Arena waren Lukas Nilsson (5) und Niclas Ekberg (5/4). Durch den Sieg rückten die Kieler auf Rang fünf der Tabelle vor.

Bilyk Comeback - THW ohne drei

Fünf Tore: Lukas Nilsson

Der THW Kiel musste das letzte Heimspiel vor Weihnachten gleich ohne drei "Zebras" absolvieren: Neben dem Langzeitverletzten Raul Santos fehlten Trainer Alfred Gislason mit Christian Dissinger, der sich beim Derbysieg in Flensburg eine Stauchung im Knie zuzog und 2017 nicht mehr wird helfen können, und Steffen Weinhold, der kurzfristig wegen eines Magen-Darm-Infektes passen musste, gleich zwei Rückraum-Alternativen. Folglich starteten die Kieler mit Lukas Nilsson und Domagoj Duvnjak sowie Marko Vujin im Rückraum gegen die Ostwestfalen. Sein Comeback feierte hingegen Nikola Bilyk: Der Österreicher, der sich vor den beiden Derbys einen Teilanriss des Außenbandes zugezogen hatte, kam nach 23 Minuten und erzielte insgesamt drei Treffer. Außerdem beorderte Gislason Emil Frend Öfors und Ole Rahmel in die Startformation.

Minden kontert Kieler Traumstart

Drei Treffer vor der Pause: Emil Frend Öfors

Alle "Zebras" waren am guten THW-Start beteiligt: Frend Öfors erzielte nach langem Pass von Niklas Landin das 1:0, Vujin holte einen von Ekberg sicher verwandelten Siebenmeter heraus, Nilsson bediente mit einem No-Look-Pass Patrick Wiencek zum 3:1, und der anfangs nur in der Defensive eingesetzte Christian Zeitz markierte nach einer weiteren Landin-Parade das 4:1 (6.). Doch dann zeigte GWD, warum die Grün-Weißen in dieser Saison schon so viele Topclubs geärgert haben: Sie nutzten die Kieler Abschluss-Schwäche und Fehler eiskalt aus, machten zudem kaum eigene Fehler, wechselten geschickt das Tempo von rasanter Schneller Mitte bis zum quälend lang vorgetragenen Positionsangriff und wirkten insgesamt auch bei den Abprallern wacher. Die Folge: Mit einem 4:0-Lauf gingen die Gäste ihrerseits in Führung (9.), ehe wieder der THW dran war: Nilsson, Frend Öfors und Ekberg erzielten das 7:5. Als Duvnjak dann den an den Kreis eingelaufenen Ole Rahmel bediente und Nilsson mit einem abgefälschten Wurf ins Tor das 9:6 erzielte, schienen die "Zebras" die Partie in den Griff zu bekommen.

Knappe Pausen-Führung

Niklas Landin hielt im ersten Durchgang stark

Doch wieder gelang es den Gästen, schnell den Anschluss herzustellen - egal, was der THW auch anstellte, er wurde die Mindener nicht los. Nicht nach Rahmels Gegenstoß-Tor zum 12:9, nicht nach Gislasons Blockwechsel nach 23 Minuten, nicht nach einem weiteren Treffer des Rechtsaußen zum 14:11 und auch nicht nach Zarabec' Schlagwurf zum 15:12 (28.). Wieder kassierte der THW eine Schnelle Mitte durch Pusica, dann hatte Frend Öförs Pech mit seinem ersten von drei Lattentreffern in Folge, während Mansson erst einen Abpraller zu fassen bekam und anschließend auch einen Gegenstoß sicher verwandelte. Aus der wenig komfortablen Drei-Tore-Führung war innerhalb von zwei Minuten ein 15:15 geworden, ehe Bilyk mit seinem ersten Comeback-Tor quasi mit der Pausensirene zumindest eine knappe Führung für die Zebras rettete.

Spiegelbild der ersten Hälfte

Rückkehr mit drei Treffern: Nikola Bilyk

Die zweite Hälfte glich ein wenig den ersten 30 Minuten: Der THW Kiel kämpfte, investierte viel in diese Partie, Bilyk traf sogar mit links zum 19:17, glänzte dann mit einem Traum-Anspiel auf Wiencek zum 20:17, doch entscheidend absetzen konnten sich die Schwarz-Weißen trotzdem nicht. Beim 23:19 durch Rahmel gingen die Gastgeber mit vier Treffern in Führung und hielten diesen Vorsprung, doch trotz einiger starker Paraden von Andreas Wolff, der nach einer Dreiviertelstunde für Landin in den Kasten ging, konnten die Kieler kaum Kapital aus ihrer Überlegenheit schlagen. Selbst nach Wolffs Parade gegen Svitlica, seinem anschließenden spektakulären Pass auf Rune Dahmke, der ebenso spektakulär den Baller zum 28:24 (52.) verwertete, war die Messe noch nicht gelesen. Cederholm verkürzte, Christensen hielt einen Duvnjak-Wurf fest, wovon Bilbija profitierte: Sechs Minuten vor dem Ende war das Spiel angesichts einer 28:26-Führung für den THW wieder komplett offen.

Nilsson macht den Deckel drauf

Vier Tore erzielte Rechtsaußen Ole Rahmel

Gislason nahm die Auszeit und schwor seine Mannen auf die entscheidenden Minuten ein, Minden reagierte mit einer Manndeckung gegen Zarabec. Doch das schuf Lücken: Bilyk bediente mit einem weiten Pass Ekberg, der sein einziges Feldtor zum 29:26 erzielen konnte. Als Nilsson den Ball dann in Überzahl zum 30:26 in die Maschen drosch und Wolff im Gegenzug gegen Bilbija parierte, hatte der THW Kiel das Spiel gewonnen, zwei eminent wichtige Punkte eingefahren und in der Tabelle den Anschluss an die Top-Vier der DKB Handball-Bundesliga gehalten. Der schönste Treffer eines spannenden Abends gehörte allerdings den Gästen: Einen weiten Pass von Torhüter Christensen verwandelte Mats Korte mit einem Kempa zum Endstand. Dann bedankte sich Hein Daddel im roten Dress gemeinsam mit den Zebras bei den Fans für die Unterstützung wünschte allen ein frohes Weihnachtsfest.

Noch zwei Partien 2017

Gemeinsam bedankten sich Hein Daddel und die Zebras bei ihren Fans

Denn der Erfolg gegen Minden war das letzte Kieler Heimspiel vor Heiligabend. Trotzdem hat der THW Kiel vor dem Jahreswechsel und der EM-Pause noch richtig zu tun und zwei wichtige Partien zu absolvieren: Am kommenden Donnerstag (20:45 Uhr, live auf Sky) gastieren die "Zebras" bei Frisch Auf Göppingen. In der EWS-Arena hatte der THW in der jüngeren Vergangenheit mit einigen Problemen zu kämpfen. "Das wird ein richtig harter Kampf", blickt THW-Torhüter Niklas Landin voraus. "Aber natürlich wollen wir dieses Spiel gewinnen!" Nach der Auswärtstour ins Schwäbische können die Kieler ein bisschen durchschnaufen und mit ihren Familien Weihnachten feiern, ehe Alfred Gislason sie am 26. Dezember zum Abschluss-Training vor dem letzten Bundesliga-Spiel des Jahres bittet: Am Mittwoch, 27. Dezember (19 Uhr, live bei Sky) empfängt der THW Kiel den Aufsteiger TuS N-Lübbecke in der seit Wochen restlos ausverkauften Sparkassen-Arena. Dauerkarten-Inhaber nutzen für dieses Spiel bitte die Karte Nummer 9 mit dem Aufdruck "HBW Balingen-Weilstetten". Zwei Spiele noch im Jahr 2017: Weiter geht's, Kiel! 

DKB Handball-Bundesliga, Statistik, 17. Spieltag, 14.12.17: THW Kiel - GWD Minden: 30:27 (16:15)

THW Kiel: Landin (1.-45., 9/1 Paraden), Wolff (45.-60., 7 Paraden); Duvnjak, R. Toft Hansen, Firnhaber, Wiencek (3), Ekberg (5/3), Zeitz (1), Frend Öfors (3), Rahmel (4), Dahmke (1), Zarabec (1), Vujin (4), Bilyk (3), Nilsson (5); Trainer: Gislason

GWD Minden: Christensen 31.-60. und 1 Siebenmeter, 5 Paraden), Sonne (1.-31., 4 Paraden); Mansson (3), Nowatzki, Rambo (4), Korte (2), Südmeier (2), Pusica (2), Gullerud (2), Michalczik (3), Kister, Svitlica (2/1), Doder, Cederholm (3), Bilbija (2), Zivzej (1/1); Trainer: Carstens 

Schiedsrichter:  Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah

Strafzeiten: THW: 1 (Firnhaber (53.)) / GWD: 3 (Korte (38.), Michalczik (43.), Pusica (57.))

Siebenmeter: THW: 4/4 / GWD: 3/2 (Landin hält Svitlica (35.))

Spielfilm: 1:0, 1:1, 4:1 (6.), 4:5 (9.), 7:5 (12.), 9:6 (14.), 9:8 (16.), 11:8 (20.), 12:9, 14:11 (26.), 15:12, 15:15 (30.), 16:15;
17:15 (31.), 18:17 (34.), 20:17 (36.), 21:19 (40.), 23:19 (41.), 25:21, 27:23 (48.), 28:24 (52.), 28:26 (54.), 30:26 (58.), 30:27.

Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Ich bin sehr zufrieden mit den beiden Punkten. Einigen meiner Spieler hat man deutlich angemerkt, dass sie nach dem Derby sehr kaputt waren. Minden hat eine sehr starke Mannschaft - das wussten wir. Aber auch wenn wir viele Fehler gemacht haben, so haben meine Jungs doch richtig gekämpft. Manchmal haben sie dabei ein wenig unglücklich agiert, was neun technische Fehler ausdrücken. Sehr gut hat mir heute Sebastian Firnhaber gefallen. Minden hat uns richtig gefordert und hat in der ersten Halbzeit deutlich disziplinierter gespielt - deshalb war es glücklich, dass wir zur Pause überhaupt geführt haben. Aber: Ich bedanke mich bei meinem Team, das weiter Gas gegeben hat, was nach dem Spiel in Flensburg gegen diesen Gegner wichtig war. 

GWD-Trainer Frank Carstens: Täglich grüßt das Murmeltier. Wieder war es eine vernünftige Leistung von uns, doch in der zweiten Halbzeit hat uns die Qualität der ersten Hälfte im Angriff gefehlt. Dadurch kam der THW ins Konterspiel und konnte sich absetzen. Wir waren kurz davor, dem THW richtig dicht im Nacken sitzen zu können. Es hat aber ein klein wenig gefehlt. Und wenn man das nach einem Spiel in Kiel sagen kann, weiß man, das wir dicht am Optimum dran waren. 

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: Ich habe mich sehr gefreut, dass Ole und Emil heute eine tolle Leistung gezeigt haben und uns helfen konnten. Ein schönes Zeichen, und die zwei Punkte waren wichtig.

Mindens Sportlicher Leiter Frank v. Behren: Wir haben uns hier teuer verkauft, auch wenn wir nicht wirklich rangekommen sind. Aber wir haben den THW geärgert. Vermisst habe ich ein bisschen den letzten Willen, daran zu glauben, hier wirklich was holen zu können. Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt an meiner Mannschaft. 

THW-Torhüter Niklas Landin: Das war ein klassischer Arbeitssieg, bei dem wir jeden Spieler gebraucht habem. Jeder erwartet natürlich nach einem Acht-Tore-Erfolg in Flensburg einen deutlichen Sieg auch gegen Minden, aber GWD hat gezeigt, warum sie in diesem Jahr schon so viele Clubs ärgern konnten.

THW-Linkshänder Marko Vujin in den KN: Wir hatten ein paar Probleme mit angeschlagenen Spielern, die nicht bei 100 Prozent waren. Solche Spiele sind immer schwer, Minden hatte nichts zu verlieren, konnte locker aufspielen. In der ersten Halbzeit haben wir zu viele Gegentore kassiert, vor allem über Gegenstöße. Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben, nur das zählt.

GWD-Rückraumspieler Marian Michalczik in den KN: Wir haben ganz gut gespielt, in der ersten Halbzeit viel Druck entwickelt und die Dinge gemacht, die wir machen wollten. In der zweiten Halbzeit fehlte der Druck ein bisschen, und wir haben einige Bälle doof weggeworfen. Aber du musst in Kiel Risiko gehen, wenn du hier was holen willst. Vielleicht wäre ein bisschen mehr drin gewesen.

THW-Torhüter Andreas Wolff in den KN: Es war ein Spiel, wie es jeder erwartet hat. Dass es nach einem Derby schwer wird, hat man schon gegen Hüttenberg gesehen. Solche Spiele sind unglaublich gefährlich, aber wir haben es gut gelöst, auch wenn wir zwischendurch zwei, drei Hänger hatten. In der Abwehr sind wir vor allem in der ersten Halbzeit zu wenig rausgegangen, waren nicht aggressiv genug.

 

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