Jahresauftakt am Mittwoch mit Landesderby in Flensburg

Bundesliga
Montag, 06.02.2017 // 13:34 Uhr

Nach 44-tägiger WM-Pause geht es für die Zebras am Mittwoch endlich in der DKB Handball-Bundesliga weiter. Und der Auftakt ins Kalenderjahr 2017 kann gar nicht spektakulärer ausfallen, denn es steht direkt das 92. Landesderby auf dem Spielplan. Das Duell des Tabellenzweiten THW Kiel beim Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt wird um 19.00 Uhr angepfiffen, Sport1 überträgt live.

Flensburg baut Kader um

Bei der WM noch Gegner, ab nächster Saison Vereinskollegen in Flensburg: Simon Jeppsson und Henrik Toft.

Seit der Derby-Trilogie im November vergangenen Jahres ist nahe der dänischen Grenze eine Menge passiert, die Personalplanungen für die kommende Saison schienen zuletzt so gut wie abgeschlossen. So wurden die auslaufenden Verträge mit Mattias Andersson (bis 2018), Kreisläufer Anders Zachariassen (bis 2019) und Regisseur Jim Gottfridsson (Option gezogen bis 2018) mittlerweile verlängert, während nach Anders Eggert auch Linkshänder Johan Jakobsson (aus privaten Gründen zurück nach Schweden) die SG zum Saisonende ebenso verlassen wird wie Shooter Petar Djordjic und Rechtsaußen Bogdan Radivojevic. Auf der Habenseite stehen indes die Verpflichtungen der beiden Talente Simon Jeppsson und Magnus Röd. Sowohl der 21-jährige schwedische Halblinke als auch der erst 19-jährige norwegische Halbrechte durften für ihre Nationalteams bei der WM in Frankreich auflaufen, auch wenn ihre Spielanteile noch überschaubar waren. Auf Rechtsaußen sicherte sich die SG zuletzt die Dienste von Marius Steinhauser, der sich bei den Rhein-Neckar Löwen hinter Nationalspieler Patrick Groetzki nur selten Spielanteile erarbeiten konnte.

Vranjes verkündet Abschied

Ljubomir Vranjes zieht es im Sommer nach elf Jahren in Flensburg nach Ungarn.

Mitten in die heile Flensburger Welt mit dem schleichenden Verjüngungsprozess im Kader und der Tabellenführung in der DKB Handball-Bundesliga platzte dann aber während der WM-Pause das Gerücht, Trainer Ljubimor Vranjes stünde vor einem Wechsel nach Ungarn zu Telekom Veszprem. Ein Gerücht, welches sich in der vergangenen Woche bewahrheitete. Der Schwede, der seinen Vertrag bei der SG erst im September 2015 bis 2020 verlängert hatte, unterzeichnete einen Drei-Jahres-Vertrag ab dem kommenden Sommer beim ungarischen Serienmeister. "Nach reiflicher Überlegung gemeinsam mit dem Beirat sind wir zu dem Entschluss gekommen, Ljubomir Vranjes die gewünschte Freigabe zu erteilen", so Manager Dierk Schmäschke. "In den letzten Jahren sind immer wieder Anfragen von anderen Vereinen und Verbänden für die Personalie Ljubomir Vranjes an uns herangetragen worden, die wir schlussendlich aber immer gemeinsam abgewendet haben. Nachdem uns Ljubomir Vranjes erneut um Freigabe gebeten hat, sind wir nun zu dem Entschluss gekommen, ihm diese für den Wechsel nach Veszprém zu erteilen. Bis zum Ende dieser Saison werden wir als Verein mit Ljubomir Vranjes konzentriert unsere Saisonziele weiterverfolgen und alles dafür tun, diese schlussendlich auch zu erreichen."

Vranjes selbst sah sich der "sportlich schwierigsten Entscheidung" seines Lebens gegenüber, gab als einen seiner Hauptgründe für den Wechsel die Nähe zu seinen Eltern in Serbien sowie generell mehr Zeit für die Familie an - die längste Auswärtsreise in der ungarischen Liga nach Szeged dauert gerade einmal drei Stunden. Allerdings wird Vranjes in Zukunft auch die ungarische Nationalmannschaft trainieren, so dass ein paar neue Termine für den 43-Jährigen hinzukommen werden.

Berge als Vranjes-Nachfolger?

Der norwegische Nationaltrainer Christian Berge ist ein heißer Anwärter auf die Vranjes-Nachfolge.

Dass Flensburg durch Vranjes' Entscheidung nun in der Meisterschaft schwächeln könnte, glaubt der Trainer nicht: "Ich werde zusammen mit meinen Jungs die letzten Monate Vollgas geben, um uns und euch alle mit einen würdigen Abschied zu ehren." SG-Kapitän Tobias Karlsson ergänzt: "Nun haben wir als Mannschaft Gewissheit und wissen woran wir sind. Wir werden uns jetzt nach der Weltmeisterschaft als Mannschaft nur noch auf die kommenden Monate in der aktuellen Saison konzentrieren. Wir haben mit dieser Mannschaft und in dieser Saison noch sehr große Ziele, die wir erreichen möchten. Nach so vielen gemeinsamen Jahren mit Ljubo und so viel zusammen verbrachter Zeit fällt ein Abschied natürlich nie leicht, aber über Abschied und die neue Saison machen wir uns als Spieler erst dann Gedanken, wenn es soweit ist. Wir vertrauen der Vereinsführung der SG, dass es eine gute Lösung nach Ljubo geben wird." Eine mögliche Lösung wäre Christian Berge, der einst von 1999 bis 2006 selbst in Flensburg spielte und just die norwegische Nationalmannschaft zu WM-Silber gecoacht hatte. Schmäschke lässt sich aber nicht in die Karten blicken: "Über eine mögliche Nachfolge werden wir keinerlei Wasserstandsmeldungen oder Zeitpläne veröffentlichen. Fans und Förderer unserer SG können sicher sein, dass wir zum Wohle der SG und unserer Mannschaft intensiv nach der bestmöglichen Lösung suchen werden, die uns auch zukünftig in der europäischen Spitze hält."

Flensburg seit 14 Monaten ohne Liga-Heimniederlage

Trotz dieser Unsicherheit geht Flensburg als Meisterschaftskandidat Nummer eins in die Rückrunde. Im gesamten Kalenderjahr 2016 gab die SG in 31 Ligaspielen nur fünf Zähler ab, die einzige Niederlage setzte es beim dramatischen 23:24 im Hinspiel in der Sparkassen-Arena, nachdem Anders Eggert nach der Schlusssirene einen Siebenmeter an den Innenpfosten warf. Den zweiten Dämpfer in dieser Saison gab es am 27. Dezember in Melsungen, als es nur zu einem 24:24-Remis reichte. Nichtsdestotrotz führt der deutsche Meister von 2004 die Tabelle mit 33:3 Punkten mit einem Zähler Vorsprung und dem weitaus besseren Torverhältnis vor dem THW Kiel und den punktgleichen Rhein-Neckar Löwen an. Und die SG verfügt zudem über das vermeintlich leichteste Restprogramm, denn auch die Löwen müssen noch in der "Hölle Nord" antreten. Ebenda haben die Flensburger seit nun weit über einem Jahr in der Liga keinen einzigen Punkt mehr abgegeben, die letzte Niederlage datiert vom 2. Dezember 2015 (25:32 gegen die Löwen).

Kampf um die Tabellenspitze

Während der THW Kiel acht Spieler zur Weltmeisterschaft nach Frankreich abstellte, waren es bei der SG in diesem Jahr nur fünf: Während sich Holger Glandorf, die beiden Dänen Henrik Toft und Lasse Svan sowie der Schwede Jim Gottfridsson vorzeitig verabschiedeten, spielte Kentin Mahé - wie Domagoj Duvnjak auf THW-Seite - bis zum Finalwochenende und gewann als einziger Bundesligaspieler mit dem Gastgeber die Goldmedaille. Ljubomir Vranjes wird für das Derby voraussichtlich aus dem Vollen schöpfen können, während Alfred Gislason auf Steffen Weinhld verzichten muss, der im Dezember einen Riss des vorderen Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk erlitt. Dennoch brauchen sich die Zebras keineswegs verstecken und wollen mit einem Sieg in der Flens-Arena an die Tabellenspitze stürmen. Zumal der letzte Derby-Auswärtssieg auch noch recht frisch ist für den THW, am 23. November letzten Jahres gewannen die Kieler in der Champions League mit 26:25. In der Bundesliga allerdings ist das letzte Erfolgserlebnis schon ein bisschen länger her: Am 7. Dezember 2011 siegte der THW dank 12/4 Jicha-Treffern mit 32:27.

Auf geht's, Kiel!

KN: "Rechts an mir vorbei, reicht!"

FLENSBURG. Mehr geht nicht. Die Handball-Bundesliga läutet ihre zweite Saisonhälfte mit dem Spiel der Spiele ein. Am Mittwoch (19 Uhr) kommt es in der mit 6300 Zuschauern restlos ausverkauften Flens-Arena zum Nordderby zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel. Es ist die 92. Auflage des Landesderbys und wie (fast) immer steht viel auf dem Spiel.

Flensburg führt die Tabelle nach 18 Spieltagen mit 33:3 Punkten an und will nach 2004 endlich die zweite Meisterschaft einfahren. Doch sowohl der Rekordmeister aus Kiel, als auch der Titelverteidiger aus Mannheim, die Rhein-Neckar Löwen, die das Trio im Meisterschaftsrennen mit jeweils 32:4 Punkten komplettieren, haben etwas dagegen.

Der THW stellte seine Ambitionen am 13. November im Hinspiel eindrucksvoll unter Beweis. Beim 24:23 (11:14)-Sieg fügte Kiel dem ewigen Rivalen die bislang einzige Niederlage in der laufenden Saison zu. Ein wichtiger, wenn nicht der entscheidende Akteur: Andreas Wolff, der 25 Bälle abwehrte. Und der Derwisch im THW-Gehäuse war auch an der Schlussszene beteiligt, als der Flensburger Anders Eggert mit dem finalen Siebenmeter nur den Innenpfosten traf. "Rechts an mir vorbei, ausgeguckt, reicht!" triumphierte Wolff. Vielleicht auch ein Spiel, das ihn zu Deutschlands Handballer des Jahres 2016 gemacht hat.

Wollen die Zebras ihren Anspruch auf die 21. Meisterschaft untermauern, sollten sie zumindest nicht verlieren. Bei einem Sieg der SG läge der THW drei Punkte zurück, bei bereits jetzt deutlich besserer Tordifferenz der Flensburger (+40). "Egal wie das Spiel ausgeht, es wird keine Vorentscheidung im Rennen um die Meisterschaft sein, aber es ist ein enorm wichtiges Spiel", stuft Dierk Schmäschke die Situation ein. Der SG-Geschäftsführer unterstreicht: "Wir wollen natürlich möglichst mit einem Sieg starten und haben vollen Fokus auf diese Partie."

Dies war zuletzt gar nicht einfach in Flensburg. Während der gesamten WM-Pause war der mögliche Abgang von Erfolgscoach Ljubomir Vranjes das allumfassende Thema. Vor einer Woche gab es Klarheit: Der Schwede verlässt die SG im Sommer und wird Trainer bei Ungarns Topklub Veszprém und dem Nationalteam der Magyaren. Verabschieden will er sich mit der Meisterschaft, dem einzigen Titel den er in elf Jahren als Spieler oder Trainer in Flensburg noch nicht gewonnen hat.

Seither beschäftigt die Flensburger Handball-Seele die Frage nach dem Nachfolger. Ex-Spieler Christian Berge wird ebenso gehandelt wie der aktuelle Co-Trainer Maik Machulla. Dazu geben die Verantwortlichen „keine Wasserstandsmeldungen“ ab. Schon gar nicht vor dem Derby mit dem Erzrivalen. Zu wichtig ist diese Partie. "Ein Derby ist und bleibt ein Derby. Diese Begegnung elektrisiert immer und verliert nie ihren Reiz, da können wir auch noch so oft gegeneinander gespielt haben", sagt Schmäschke und erinnert daran, dass es inklusive der beiden Champions-League-Partien bereits das vierte Duell in der laufenden Spielzeit ist. Der THW führt mit 2:1.

Der THW fährt mit nahezu komplettem Kader in den Norden. Allein Steffen Weinhold fehlt nach dem Riss des vorderen Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk in der Partie in Magdeburg. Die SG muss auf Johan Jakobsson verzichten. Der Schwede verpasste die WM in Frankreich wegen einer Gehirnerschütterung, deren Nachwirkungen er immer noch nicht überwunden hat. Anders Eggert dagegen kann spielen. Der Däne hatte wegen Rückenbeschwerden auf das All Star Game in Leipzig verzichtet. In seinem letzten Bundesliga-Duell mit dem THW - Eggert wechselt im Sommer nach Skjern in seine dänische Heimat - will er jedoch nicht fehlen, denn auch für die Spieler gilt: Mehr als dieses Spiel geht nicht.

(Von Ruwen Möller und Jens Kunkel, aus den Kieler Nachrichten vom 07.02.2017)

KN: Derby Nummer vier: Verlieren ist keine Option

Kiel. Knaller-Auftakt, von Null auf Hundert, das Spiel der Spiele - oder einfach Derby Nummer vier in der laufenden Saison. Wenn der THW Kiel heute Abend (19 Uhr) in der Flens-Arena auf den Landesrivalen von der SG Flensburg-Handewitt trifft, geht es um alles. Ganz konkret: um den deutschen Meistertitel.

"Ich weiß nicht, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist, gleich zum Wiederbeginn in Flensburg zu spielen", sagt THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg. "Es wird auf jeden Fall alles andere als einfach." Der 28-Jährige hat schon einige Derbys auf dem Buckel, kennt die Atmosphäre in der "Hölle Nord" genau. Angst und bange wird ihm und den anderen Zebras dabei nicht. "Ich finde es noch cooler, in einer Halle zu spielen, in der die Stimmung richtig aufgeheizt ist", sagt der Schwede, der bei der WM im Januar hautnah miterlebte, wie es ist, wenn die ganze Arena gegen einen ist: Mit der Tre Kronor spielte Ekberg im Fußballstadion von Lille gegen Frankreich. "Bei der Nationalhymne hat man das ganz klar gemerkt, dass nochmal ein paar Tausend mehr als sonst da waren", erklärt er. "Aber beim Spiel war die Akustik nicht so beeindruckend." Durch den Vorhang, mit dem der fußballfeldgroße Innenraum verkleinert worden war, sei einiges verloren gegangen. "Paris war besser. In einer engen Halle ist es einfach geiler", sagt Ekberg.

Beste Voraussetzungen also für ein Gastspiel in der Flens-Arena, wo es angepeitscht von der besonderen Stimmung zur Sache gehen wird. "Ein Derby ist nicht immer schöner Handball, aber kämpferisch großartig", sagt Ekberg. "Wie immer werden Kleinigkeiten entscheiden. Flensburg hat eine sehr starke, eingespielte Mannschaft und bisher eine tolle Saison gespielt. Aber wenn unsere Abwehr gut steht, haben wir viele Möglichkeiten." Abzuwarten bleibt, wie beide Teams mit den Nachwehen der WM umgehen. Der THW stellte acht Spieler für das Turnier ab, die SG fünf. Auf beiden Seiten kämpfte sich je ein Akteur ins Finalwochenende, das für den Kieler Domagoj Dunvjak und Kroatien mit zwei Spielen an zwei Tagen und der Niederlage gegen Norwegen suboptimal verlief - wohingegen Flensburgs Kentin Mahé mit Frankreich Gold gewann. "Wahrscheinlich wird sich die Belastung erst im Laufe der Rückrunde bemerkbar machen", sagt Ekberg. "Ich bin jedenfalls fit und gut drauf."

Die in Kiel verbliebenen Zebras trainierten während der WM vor allem im Kraft- und Athletikbereich. "Als wir von der WM wiederkamen, hat man schon gemerkt, dass die Jungs anders trainiert haben", erklärt Ekberg. "Aber in der vergangenen Woche haben wir viel Ballarbeit gemacht. Das ist ja wie Fahrradfahren - das verlernst du nicht. Nach zwei, drei Einheiten ist das alles wieder da."

Auch Nikola Bilyk absolvierte das volle Trainingspensum in Kiel, blieb im Gegensatz zu anderen Zebras wie Lukas Nilsson, Christian Dissinger oder René Toft Hansen von Krankheiten verschont und feierte zudem am vergangenen Freitag sein Debüt im Trikot der Weltauswahl im All Star Game der Handball-Bundesliga. "Das war eine tolle Erfahrung, war lustig und hat Spaß gemacht", sagt der Österreicher, der es sich in Leipzig nicht nehmen ließ, einen Siebenmeter gegen THW-Kollege Andreas Wolff zu versenken. "Mit der Nationalmannschaft haben wir gegen Deutschland hoch verloren, jetzt sah es anders aus. Und Andi ein bisschen zu provozieren, macht auch Spaß - und es ist ziemlich leicht", erklärt Bilyk lachend, legt den Fokus aber gleich wieder auf den THW. "Es war echt cool. Aber es war auch ein langer Weg nach Leipzig und zurück, und wir haben ein Training verpasst." Volle Konzentration auf den THW, mit jeder Faser. "Wir müssen jetzt sofort abliefern. Für uns ist das Derby heute das vielleicht wichtigste Spiel der Saison."

Denn das Ziel der Zebras ist klar. "Jeder von uns will die Meisterschaft holen", sagt Bilyk. "Und ich glaube nicht, dass Flensburg sich noch viele Ausrutscher erlauben wird. Daher gibt es für uns eigentlich nur eine Option." Und die heißt gewinnen. So wie das Hinspiel in Kiel, in das die Flensburger mit weißer Weste gingen. Oder das Champions-League-Rückspiel in Flensburg nur wenige Tage später, vor dem nicht wenige mit einer deutlichen Niederlage gerechnet hatten, nachdem die SG das Hinspiel in Kiel überdeutlich gewonnen hatte. Ein Punkt vor Flensburg oder drei Punkte dahinter - heute Abend geht es um den Titel.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 08.02.2017)

 

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