KN: Als wäre nichts gewesen

Bundesliga
Freitag, 10.11.2017 // 15:57 Uhr

Stuttgart. Die Serie des THW Kiel hält. Die Zebras sind in der Handball-Bundesliga weiter im Aufwind, seit Donnerstagabend nun schon seit fünf Begegnungen ungeschlagen. Das 36:24 (16:9, siehe THW-Spielbericht) beim TV Bittenfeld in Stuttgart gerät zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Zarabec: "Die schweren Zeiten sind vorbei"

Die Verantwortlichen des TVB schauen etwas zu weit nach vorn, haben die Pressekonferenz auch mit einer Platzkarte "Viktor Szilagyi / Sportlicher Leiter THW" ausgestattet. Das dauert aber noch sieben Wochen. Noch ist der Österreicher nicht da. Und sein künftiger Arbeitgeber denkt im Hier und Jetzt der abebbenden Krise nur ganz pragmatisch von Spiel zu Spiel.

Das gegen die Wild Boys in der nicht annähernd ausverkauften Porsche Arena muss kurzfristig um zehn Minuten verschoben werden. Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein einziger Krater, der Verkehr versinkt im Chaos, die Blechlawine quält sich vorbei am Zirkus Krone entlang des Cannstatter Wasen.

Die Lateintänzer des 1. TC Ludwigsburg bereiten dann endlich feurig das Feld. Die Gäste zünden danach dort zumindest phasenweise ein Feuerwerk, als hätte es die Krise nie gegeben. Hätte nicht der überragende THW-Keeper Niklas Landin sein Zielwasser im Umschaltspiel kurzerhand weggelassen, der Kieler Vorsprung fiele nach 30 Minuten noch eklatanter aus als mit 16:9.

Wo das Tempospiel noch hakt (Landin: "Die Pässe waren einfach schlecht von mir"), überzeugt der THW im Positionsangriff und leistet damit dem Harmoniezugewinn zwischen Miha Zarabec in der Mitte und Marko Vujin auf Halbrechts Vorschub (bisher bitter nötig). Jedoch prägen andere Protagonisten diesen Abend: Niklas Landin (10 Paraden bis zur Pause) allen voran, der traumwandlerisch sicher treffende Nikola Bilyk und Linksaußen Rune Dahmke, dem gegen Stuttgarts guten Jogi Bitter auch die schönen Dreher gelingen (9:5/19.). Nach Halbzeit eins liegt nur der Ausfall von Steffen Weinhold (Wadenzerrung) schwer im Magen.

Für Alfred Gislason jedenfalls gibt es keinen Grund, etwas zu verändern. Einzig Ole Rahmel muss nach der Pause für Weinhold auf Halb decken. Vujin bleibt auch in der Deckung auf Außen auf dem Feld und ist irgendwann mitverantwortlich dafür, dass ein gutes Spiel ein gutes bleibt. Hinter dem starken Bilyk (7 Tore) treffen Niclas Ekberg und Rune Dahmke je sechsmal, Vujin fünfmal. Zwar klagt René Toft Hansen schließlich auf hohem Niveau: "Das war nach der Pause unkonzentriert und nicht beweglich genug." Beim 28:18 durch Marko Vujin (48.) wird jedoch ein Klassenunterschied erkennbar. Hier der flüssig mit dem quirligen Zarabec kombinierende, druckvolle THW mit einer kompromisslosen Deckung und einem "überragenden Landin" (Gislason), der erst in der 46. Minute für Andreas Wolff Platz macht. Da zuweilen auch konditionell einbrechende Stuttgarter, bei denen Unsicherheit mit zunehmender Spieldauer Raum greift. "Wenn der THW so ein gutes Spiel macht, haben wir keine Chance", resümiert TVB-Trainer Markus Baur. "Mich ärgert nur, dass wir es den Kielern nicht noch schwerer gemacht haben."

Am Ende ist's für die Zebras auch ein Schaulaufen für Gemüt und Auge: Wolff aufs leere Tor (30:20/52.), der eingewechselte Lukas Nilsson zweimal mit Wucht (34:22/58.), der zuletzt so selten berücksichtigte Sebastian Firnhaber zum finalen 36:24 (60.). "Das war richtig gut. Die schweren Zeiten sind vorbei", sagt ein strahlender Regisseur Miha Zarabec. "Die Brest-Reise war für die Jungs die Hölle", so Alfred Gislason. "Gut, dass wir bald wieder zu Hause sind." Nach einer Nacht in Stuttgart geht es heute um 9.30 Uhr mit dem Flieger via Hamburg nach Kiel zurück.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 10.11.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Kiel/Wetzlar. Bereits im Juni hatten die KN an dieser Stelle vom bevorstehenden Wechsel des dänischen Riesentalents Magnus Landin an die Kieler Förde berichtet. Zunächst war der Transfer an zu hohen Ablöseforderungen gescheitert, doch seit Freitag ist es offiziell: Der 22-jährige dänische National-Linksaußen schließt sich im kommenden Sommer dem THW Kiel an, er unterschrieb bei den Zebras einen...

20.11.2017

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat den dänischen Nationalspieler Magnus Landin Jacobsen verpflichtet. Der 22-jährige Linksaußen wird im Sommer vom 14-fachen dänischen Meister KIF Kolding Kopenhagen an die Förde wechseln, wo er einen Zweijahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2020 unterschrieben hat.

17.11.2017

Die Fans des THW Kiel haben neben der Begeisterung für ihre "Zebras" auch ein großes Herz. Das unterstrichen die "Auswärts-Fahrer" des Fanclubs "Zebrasprotten" jetzt einmal mehr und spendeten 1800 Euro für das star-Fitnessprogramm zur Förderung der Mobilität krebskranker Kinder am UKSH.

15.11.2017

Kiel. Ernüchterung beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel. Ein stabiler Titelkandidat - das hat das 26:29 gegen RK Celje am Sonntag offenbart - werden die Zebras in dieser Saison nicht mehr. Besonders einer fehlt an allen Ecken und Enden: Kapitän Domagoj Duvnjak. Erst im Dezember wird der 29-jährige Kroate, so die Prognose der Ärzte, wieder auf dem Feld stehen. Gleiches gilt für...

14.11.2017

Der THW Kiel stellt sich breiter auf, um mehr in die Tiefe gehen zu können: Manager Thorsten Storm verlängert seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021, der Österreicher Viktor Szilagyi kehrt als sportlicher Leiter zum deutschen Rekordmeister zurück.

02.11.2017

Berlin. Christian Prokop mag es nicht gern, Personalentscheidungen zu rechtfertigen. Vielmehr fordert der Handball-Bundestrainer "den nötigen Respekt" für seine Nominierungen. Für die Länderspiele gegen Spanien hat der Nachfolger von Dagur Sigurdsson auf den Außenpositionen auch der zweiten Reihe eine Chance gegeben, doch der Erkenntnisgewinn durch die Leistungen von Yves Kunkel und Tim Hornke war...

31.10.2017

Berlin. Nach der erfolgreichen Weichenstellung bedankte sich DHB-Präsident Andreas Michelmann an höchster Stelle für das schönste Geschenk zu seiner Wiederwahl. Während des Bundestages der deutschen Handballer hatte Hassan Moustafa, Chef des Weltverbandes IHF, die frohe Kunde von der bevorstehenden Einigung über eine Live-Übertragung der Frauen-WM im Free-TV überbracht.

30.10.2017

Berlin/Magdeburg. Am Sonntagmorgen feierte der Deutsche Handballbund (DHB) sich und "100 Jahre Handball" mit prächtigem Ausblick aus der Humboldt-Box in Richtung Berliner Museumsinsel, während draußen Sturmtief Herwart sein Unwesen trieb. Wenige Stunden später holten sich die Bad Boys von Bundestrainer Christian Prokop gehörigen Rückenwind mit Blick auf die Europameisterschaft im Januar in...

30.10.2017