KN: Christoph Schindler krempelt als neuer Sportdirektor den VfL um

Bundesliga
Donnerstag, 23.11.2017 // 11:12 Uhr

Gummersbach. Diesen Seitenwechsel hatte sich Christoph Schindler anders vorgestellt. Im Sommer hängte der 34-Jährige seine Handballschuhe an den Nagel und wurde Sportdirektor beim Traditionsverein VfL Gummersbach. Heute sagt der ehemalige Kieler, der in seiner Zeit beim damaligen Zweitligisten TSV Altenholz (2003-2006) per Zweitspielrecht auch 33 Spiele für den THW Kiel absolvierte: "Die Vorfreude war groß, so habe ich mir die Zeit nach meiner Karriere ja auch vorgestellt. Aber die ersten Wochen waren ganz schön stressig." Vor dem Duell mit dem THW Kiel heute (19 Uhr, siehe THW-Vorbericht) in Gummersbach hat der zwölfmalige deutsche Meister gerade so eben erst wieder in ruhiges Fahrwasser gefunden.

Christoph Schindlers Auftrag

Denn Schindler, der neben Geschäftsführer Peter Schönberger als Teil einer neuen Doppelspitze fungiert, war sofort als Feuerwehrmann gefragt, musste acht Neuzugänge integrieren und fast täglich mit neuen Hiobsbotschaften umgehen. Auf die Verletzung von Nationalspieler Simon Ernst (Kreuzbandriss) reagierte er mit der Verpflichtung des Chilenen Erwin Feuchtmann und des Schweden Josef Pujol und sicherte sich kurzfristig die Dienste des Leipzigers Marvin Sommer, als Linksaußen Kevin Schmidt langfristig ausfiel. "Eigentlich wollte ich nach der Vorsaison nie wieder gegen den Abstieg spielen. Die Spieler sollten sich lieber nicht mehr hinter irgendwelchen Verletzungen verstecken", ätzte Europameister Carsten Lichtlein, als sich im Oktober schon wieder dunkle Wolken über Gummersbach zusammenbrauten. "Darum haben wir vor zwei Wochen die Reißleine gezogen. Die Weiterentwicklung der Mannschaft war nicht wie gewünscht", so Schindler. Nach nur vier Monaten musste Coach Dirk Beuchler gehen und U 23-Coach Denis Bahtijarevic übernahm.

Die ersten zwei Partien unter dem neuen Chefcoach liefen ganz nach Schindlers Geschmack: Auf ein 28:25 gegen Hüttenberg folgte ein knappes 27:26 in Lübbecke, der VfL verließ die Abstiegsränge. „Unser Anspruch ist ein anderer. Wir orientieren uns nach oben, möglichst schon kommende Saison“, sagt Schindler. Dem ehemaligen Altenholzer Wolf geht es gut im Oberbergischen. Seit drei Jahren ist er mit Jasmin verheiratet, Charlie (2) und Jim (6 Monate) komplettieren die Familie. Und seit dem 10. Juni gehört auch der VfL dazu - vielleicht noch mehr als zuvor, als Schindler die Mannschaft als Kapitän anführte, von 2010 bis 2017 beim VfL unter Vertrag stand. Als Sportdirektor krempelte Schindler besonders die VfL-Infrastruktur komplett um, veränderte Kabinenbereich und Kraftraum, professionalisierte das Umfeld, sorgte für einen neuen Mannschaftsbus, einen neuen Athletiktrainer und wertete die angeschlossene VfL-Akademie ("Unser Ziel ist es, Bundesligaspieler zu produzieren") nachhaltig auf. Dafür arbeitet Schindler nach eigenem Bekunden "Tag und Nacht, sieben Tage die Woche", hat seit Juni keinen Tag frei gehabt. Und das, obwohl die Herkulesaufgabe erst noch bevorsteht: "Ich will eigene Impulse setzen, neue Impulse. Viele Verträge laufen aus, jeder kann sich anbieten. Es geht darum, für die nächste Saison eine Mannschaft zu formen."

Vor dem Spiel gegen den THW Kiel geht der VfL vorerst weiter am Stock, muss durch den Komplettausfall von Maximilian Hermann (Schulter) und die erneute Zwangspause für Florian Baumgärtner (Schienbein) sogar ohne Rückraum-Linkshänder gegen die Zebras antreten. "Die Ausgangslage ist klar. Der THW ist trotz seiner Schwankungen Favorit. Wir haben acht Punkte und stehen unten drin, haben aber nichts zu verlieren. Gegen Kiel müssen wir nah am perfekten Spiel sein", sagt Schindler. In den Reihen des Rekordmeisters kann der zuletzt an Knieproblemen laborierende Christian Dissinger wieder ins Geschehen eingreifen. THW-Coach Alfred Gislason warnt vor dem vermeintlichen Underdog, den er von 2006 bis 2008 trainierte: "Der VfL hat zuletzt super gekämpft und hat einen der besten Torhüter der Liga."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 23.11.2017, Foto: Archiv/ Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018