KN: Die Rhein-Neckar Löwen feiern die Titelverteidigung

Bundesliga
Freitag, 02.06.2017 // 11:13 Uhr

Mannheim. Nach der spontanen Partynacht und vielen Bierduschen stiegen die Handballer der Rhein-Neckar Löwen direkt in den Flieger. Mit dem zweiten Meistertitel der Klubgeschichte im Gepäck hoben sie noch am Donnerstagmorgen ab in Richtung Mallorca. Bis zum Pfingstsonntag werden Meistercoach Nikolaj Jacobsen und seine Erfolgstruppe dort ihre Siegesfeier fortsetzen, mit der wenige Stunden zuvor noch niemand so wirklich gerechnet hatte. "Wahnsinn, unglaublich - es ging so schnell. Wir sind nicht richtig vorbereitet. Aber die Spontanpartys sind die besten", freute sich Spielmacher Andy Schmid nach der 28:19-Gala gegen den THW Kiel.

Mallorca-Party im Kieler Hoheitsgebiet

Der Schweizer hatte noch nicht mal andere Klamotten als seinen Trainingsanzug dabei, als die Löwen am späten Mittwochabend die Titelverteidigung perfekt machten. Auch die Schale gab es noch nicht. Dass es zwei Spieltage vor Saisonende schon klappte, war Frisch Auf Göppingen zu verdanken. Weil die Schwaben Verfolger Flensburg zuvor mit 31:27 besiegt hatten, reichte den Badenern der Sieg gegen Kiel zum vorzeitigen Titel. Noch aus der Arena heraus buchte ein Klub-Sprecher Flüge und Hotels für die Partyinsel. Zuvor waren die Löwen in ein Kieler Hoheitsgebiet abgehoben, hatten ihren Titel aus der Vorsaison verteidigt. Das war nach der SG Wallau-Massenheim 1992 und 1993 einzig dem THW gelungen.

"Heute war unser Tag, es war unsere Woche, unsere Saison. Ich bin richtig sentimental, denn vor zwei Jahren wurde noch über uns gesagt, dass die Löwen keine Titel gewinnen können", sagte Schmid. Können sie aber, und zwar sogar zweimal in Folge. Dennoch wirkte nicht nur Schmid von der erfolgreichen Titelverteidigung völlig überrumpelt. Im Vergleich zum Rekordmeister Kiel und den ambitionierten Flensburgern verfügen die Mannheimer über das deutlich kleinere Budget und den deutlich kleineren Kader. "Wir haben einen kleinen Kader, aber wir sind so lange zusammen, kennen uns so gut. Das ist vielleicht unser Rezept", sagte der bärenstarke Schwede Kim Ekdahl du Rietz im Champagnertaumel. "Alle haben nur über Kiel und Flensburg gesprochen. Wir haben jetzt beide geschlagen, darum gibt es auch keine Diskussion, ob der Titel verdient ist. Es ist für mich etwas sehr Besonderes, den Titel zu verteidigen. Das hat lange keiner außer dem THW geschafft, darüber habe ich mir in den letzten Tagen viele Gedanken gemacht", sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki.

Die Löwen hatten den so lange übermächtigen THW Kiel in der zweiten Hälfte dieses denkwürdigen 31. Mai deklassiert. Genugtuung kam bei Erfolgscoach Nikolaj Jacobsen, nicht erst seit Mittwoch heißesten Anwärter, in Kiel irgendwann einmal die Nachfolge von Alfred Gislason anzutreten, dennoch nicht auf: "Nein, gar nicht, ganz im Gegenteil", sagte der Däne. "Gegen den THW die Meisterschaft perfekt zu machen, ist für mich keine Genugtuung. Ich habe immer noch große Gefühle für Kiel, ich habe dort sechs Jahre gespielt, zwei meiner drei Kinder sind dort aufgewachsen. Dieses Gefühl werde ich für den Rest meines Lebens haben."

Für Oliver Roggisch, Sportlicher Leiter der Löwen, war dieser Abend einfach nur "der Wahnsinn". "Dieser Titel ist für mich noch viel höher anzusehen als der im vergangenen Jahr, denn wir waren überall der Favorit, von Anfang an die Gejagten. Doch der Trainer wusste immer, was zu tun ist. Als vor dem Spiel die letzten Minuten des Flensburg-Spiels gezeigt wurden, dachte ich, der Deckel der Arena fliegt weg." Und das tat er auch nach dem Schlusspfiff. Dabei hatte es im Löwenkäfig nicht immer so rosarot ausgesehen. Zwischenzeitlich drohte die Stimmung zu kippen. Als Kiel die Löwen Ende März aus der Champions League warf, bezeichnete Ekdahl du Rietz sich und seine Kollegen im Frust als einen "Haufen Loser". Jacobsen und Roggisch richteten sie wieder auf. Jetzt wird gefeiert, erst am Montag bittet die 45-jährige ehemalige Kieler "Zaubermaus" wieder zum Training.

Zwei Jahre werden die Löwen noch Freude am sympathischen Dänen haben, der seine Mannschaft offensiv wie defensiv, etwa mit der unkonventionellen 3:3-Deckung, exzellent aufgestellt hat. Schon jetzt trainiert Jacobsen parallel die Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Ab 2019 wird er sich darauf konzentrieren und die Löwen verlassen - am liebsten mit weiteren Titeln im Gepäck.

(Von Tamo Schwarz und Nils Bastek, aus den Kieler Nachrichten vom 02.06.2017, Foto: Marco Wolf)

 

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